• Eliane Fischer

Die Sache mit den Handschuhen


Ihr kennt das Problem mit Handschuhen? Genau, sie gehen oft verloren. So auch bei Ned und Donny. Wie es da sein kann, dass plötzlich "Ein Handschuh zu viel" da ist, müssen uns Florence und Louis Slobodkin in ihrem Bilderbuch aber mal ganz genau erklären.

Es ist doch immer dasselbe mit Handschuhen - oder wahlweise auch mit Mützen, Schals und Regenschirmen: Sie bleiben dauernd irgendwo liegen, fallen runter, werden vergessen, gehen verloren. Bei Handschuhen von Kindern steigert sich das Problem ins Unendliche. Wie oft mussten wir schon den ganzen Weg zurück in die Kita, um einen verlorenen Handschuh zu suchen?!

Die Zwillinge Ned und Donny aus Michigan, USA, kennen unser Problem aus erstem Handschuh, äh, erster Hand. Donny hat seinen Handschuh, einen roten Fäustling, nämlich auch verloren, als er gerade bei seiner Grossmama in den Ferien war. Alles Suchen und Fragen half vorerst nichts, er blieb verschwunden. Aber es sprach sich schnell herum, dass Donny einen roten Handschuh vermisste und kurz danach brachte jemand einen vorbei, der genauso aussah wie Donnys. Am nächsten Tag kam eine Nachbarin zur Grossmama und gab ihr einen ebensolchen roten Handschuh. Noch am selben Tag kam Ned mit drei Fäustlingen nach Hause, der Lehrer hatte einen gefunden. Und so ging es Tag für Tag weiter. Eine ganze Parade an roten Fäustlingen zog bei Grossmama ein. Sie steckte alle Handschuhe in eine Schublade, bis die Eltern von ihrer Reise zurückkamen. Im Gepäck - ihr ahnt es: leuchtend rote Handschuhe! Weil die Zwillinge ja nur je ein Paar hätten und die auch schon so abgetragen seien... Wenn Mama wüsste!

Die Handschuh-verloren-Schnur im Garten

Doch was tun mit derart vielen identischen Handschuhen? So oft gingen die Dinger dann auch wieder nicht verloren und wenn doch, dann wurden sie garantiert zu den Zwillingen gebracht. Ned hatte da eine Idee: Sie würden die Handschuhe an eine Schnur im Garten hängen und allen erzählen, dass man verlorengegangene Handschuhe bei ihnen abholen könne. Gesagt, getan. Und sobald sich die Sache herumgesprochen hatte, kamen alle Kinder, die einen roten Handschuh vermissten, bei Ned und Donny vorbei, und nahmen ihn sich von der Handschuh-verloren-Schnur - bis... Das müsst ihr selbst herausfinden!

Den Illustrationen sieht man zwar an, dass sie aus der Mitte des letzten Jahrhunderts stammen (das amerikanische Original von "Ein Handschuh zu viel" erschien 1958). Sie sind aber dennoch zeitlos. Ich finde die Mischung aus feinem schwarzem Strich, strukturgebendem Farbstift und lebendigem Aquarell ganz, ganz toll.

Wiederentdeckter Künstler

Der amerikanische Bildhauer, Illustrator und Autor Louis Slobodkin verstarb 1975. Zu seinem Werk gehören über 90 Kinderbücher. 50 davon hat er auch selbst illustriert. Diogenes hat den tollen Künstler mit dem feinen Strich und ebenso feinen Humor wiederentdeckt und hat 2017 bereits "Schlaf, Eule, Schlaf" veröffentlicht - eine ebenfalls ganz zauberhafte Gutenachtgeschichte. Davor wurden Slobodkins Werke noch nie ausserhalb der USA veröffentlicht. Ich freue mich auf mehr von Louis Slobodkin, besonders wenn es wieder eines der fünf Bücher in Zusammenarbeit mit seiner Frau, Kinderbuchautorin Florence Slobodkin, sein sollte. Auf der Website "Louis Slobodkin's Books" könnt ihr euch in viele seiner Werke hineinklicken. Absolut sehenswert!

Fazit

Kommentar meiner Tochter zu "Ein Handschuh zu viel"? "Das Wort 'Händsche' (Schweizerdeutsch für Handschuh) kommt mir zu oft vor in dem Buch." Äh ja, diese Kritik muss ich gelten lassen. Aber so eine Geschichte über Handschuhe lässt sich auch schlecht ohne "Handschuhe" erzählen, oder? Für mich ist die herzerwärmende, witzige und gar nicht so realitätsferne Geschichte um verlorene Handschuhe jedenfalls DAS Winterbilderbuch der Saison! Und jetzt wünsche ich mir eine Handschuh-verloren-Schnur in unserem Dorf. Ihr auch?

Die Fakten

Ein Handschuh zu viel

Florence und Louis Slobodkin

Kati Hertzsch (Übersetzung)

Diogenes

32 Seiten

Erschienen am 28.11.2018

ISBN: 978-3-257-01239-2

Ab 3 Jahren

Leseprobe und Bestellung bei Diogenes

Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

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