• Eliane Fischer

Pionierin im Schnee


Jetzt wo der Winter zumindest kurzfristig Einzug gehalten hat, möchte ich euch mit "Winteräpfel" von Heidi Knoblich auch dieses Jahr endlich ein richtiges Winterbuch empfehlen.

Letztes Jahr kam die Winterstimmung irgendwie früher auf und ich habe auf Instagram dazu aufgerufen, unter dem Hashtag #wintergeschichten, Bücher rund um den Winter, am besten mit richtig viel Schnee, zu zeigen. Die Sammlung findet ihr weiterhin in meinen Highlights.

Dieses Jahr musste ich erst mal in die Skiferien fahren, um in Winterstimmung zu kommen. Denn hier im Flachland lässt der Schnee leider auf sich warten. Die Zeit vertrieben habe ich mir mit dem historischen Roman "Winteräpfel" von Heidi Knoblich. Besonders angesprochen hat mich das Buch, weil es darin um den Feldberger Hof und den Beginn des Skisports auf dem Feldberg geht. Und genau da, vor allem in Schönau und Bernau, war ich früher oft mit meinen Eltern Skifahren. Die verschneiten Tannen sind mir noch besonders gut in Erinnerung. Von der Feldbergmutter Fanny Mayer, Hauptprotagonistin des Romans, habe ich allerdings noch nie etwas gehört.

Ihrer Zeit voraus

In ihrem Roman erzählt die Autorin aus dem Wiesental die Geschichte von Fanny Mayer, basierend auf den historischen Tatsachen, ausgeschmückt mit einigen erfundenen Protagonisten und Begebenheiten. Fanny war 1881 Kindermädchen in gutem Hause in Basel. Doch als sie das Telegramm ihres Bruders erreichte, dass seine Frau mit dem Kindsbettfieber im Sterben liege, machte sie sich sofort auf zum Feldberg. Dort hatte ihr Bruder Carl den Feldberger Hof gepachtet. Seine Frau Verone starb leider tatsächlich, ihr kleiner Sohn Oskar aber überlebte. So kam es, dass Fanny dem Neffen die Mutter ersetzen und ihren Bruder Carl beim Betrieb des Hotels unterstützen musste. Zuerst dachte sie, sie würde den Feldberg bald wieder verlassen. Aber irgendwie konnte sich Fanny nicht mehr losreissen. Ja, sie wurde zur "Feldbergmutter", die sich praktisch um sämtliche Angelegenheiten des Feldberger Hofs kümmerte, die Zimmer umbaute (für die Gäste der gehobenen Gesellschaft) und den Ausbau um ganz einfache Gästezimmer für das gemeine Volk organisierte. Denn nach und nach waren Ferien und Reisen nicht mehr Fürsten und Herzögen vorbehalten, sondern auch für Herr und Frau Maier, Mayer und Meier erschwinglich und erstrebenswert. Fanny Mayer erkannte das Potenzial des Massentourismus und des Skisports gleichermassen und wusste beides für den Feldberger Hof auszunutzen.

Etwas Wärme auf dem vom Winter gebeutelten Feldberg

Geschickt hat Heidi Knoblich in die historisch überlieferten Ereignisse rund um das Leben und Wirken von Fanny Mayer auf dem Feldberg eine Liebesgeschichte eingeflochten. Eines Tages stand ein heruntergekommener Franzose namens Armand Truffaut vor der Tür des Feldberger Hofs. Er stellte sich als begnadeter Koch heraus, der weit herumgekommen war. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, eroberte er Fannys Zuneigung mit seinen Kochkünsten im Flug. Winteräpfel spielten dabei eine ganz besondere Rolle und gaben dem Roman seinen Namen. Fanny wagte es jedoch nicht, sich Armand zu offenbaren und so zog er irgendwann wieder weiter. Ob die beiden im Roman doch noch zusammenfanden, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten!

Fazit

Heidi Knoblich erzählt in "Winteräpfel" sehr anschaulich, spannend und mit Humor von der Zeit um 1900, als Fanny Mayer die Geschicke des Feldberger Hofs leitete. Sie gibt damit nicht nur einen eindrücklichen Einblick in den Beginn des Tourismus und des Skisports auf dem Feldberg, sondern zeichnet auch ein nuanciertes Bild einer Frau, die unbeirrt und doch mit grosser Güte und viel Charme ihren Weg ging. Und das in einer Zeit, in der Frauen landläufig für ganz anderes bestimmt waren und erst gerade ihre Rechte (allen voran das Stimmrecht) zu erkämpfen begannen.

PS: Für die Kinder gibt es ein sehr mitreissendes Bilderbuch von Heidi Knoblich: "Zum Christkind auf den Feldberg", das ich gerade rund um die Advents- und Weihnachtszeit auch sehr empfehlen kann.

PPS: Herzlichen Dank an Heidi Knoblich für die Rezensionsexemplare.

Die Fakten

Winteräpfel

Heidi Knoblich

Silberburg-Verlag

Erschienen am 04.11.2003

208 Seiten

ISBN: 978-3-87407909-9 (8. Auflage von 2015)

"Winteräpfel" auf der Website von Heidi Knoblich

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