• Eliane Fischer

Schwebe, Nebel, schwebe

Aktualisiert: Feb 28


Kennt ihr das Nebellied? Ich kannte es bis vor Kurzem auch nicht. Anke Klassen und Daniela Drescher erinnern mit ihrem Bilderbuch "Das Nebelmännle vom Bodensee" an dieses Lied und lassen uns mit der Geschichte einen ganz neuen Blick auf den Nebel werfen.

Ich gebe es zu, ich habe den Nebel noch nie gemocht. Ich bin in einem Nebelloch aufgewachsen und lebe jetzt in einer der wasser-, aber eben auch nebelreichsten Regionen der Schweiz. Diesen Winter hatten war bisher Glück, aber in anderen Jahren liegt die Hochnebeldecke hier grau und schwer und drückend und von den Flüssen steigt noch mehr Nebel auf. Und man wünscht sich nichts mehr, als endlich wieder einen Sonnenstrahl zu sehen.

Alte Sage neu erzählt

So geht es auch dem Ritter in der alten Sage vom Nebelmännle, die Anke Klassen in ihrer Nacherzählung wiederaufleben lässt. Das Nebelmännle wohnt tief unten im Bodensee, dort wo es stockdunkel ist und nicht mal ein Fisch vorbeikommt. Das Nebelmännle lebt dort seit Urzeiten, hat schon Dinosaurier geärgert und ist auf Mammuts geritten. Es schläft den Sommer über und steigt erst im Herbst vom Seegrund auf. Auf Nebelwolken fliegt es umher und singt das besagte Nebellied:

"Schwebe, Nebel, schwebe

über Wellen, Wald und Rebe.

Webe Glitzer und Funkel

in Trübsinn und Dunkel,

bring Geheimnis und Glanz.

(...)"

Um das Lied zu hören, muss man ganz, ganz leise sein und gut lauschen. Leider sind die meisten Menschen aber zu laut. So auch der erwähnte Ritter. Er ist genervt vom Nebel, der seinen Reben das Sonnenlicht nimmt. Der Nebel durchkreuzt seine Pläne, immer mehr und noch mehr Wein zu produzieren und so immer noch reicher und berühmter zu werden. Denn das Nebelmännle versteckt liebend gerne Dinge: Häuser, Menschen, ganze Landstriche. Um dem verhassten Nebel den Garaus zu machen, lässt der Ritter eine Nebelglocke schmieden. Und tatsächlich, das Nebelmännle und seine Waldfrau müssen fliehen - und nehmen den Nebel mit sich.

Vermeintliches Glück

Weil nun der Nebel weg ist und mit ihm die Seegeister, fehlen dem Bodensee und den umliegenden Wäldern auch ihr üblicher Glanz, das Glitzern und Funkeln. Irgendwann merkt das auch der Ritter, wird traurig und beschliesst, die Welt zu bereisen. Sieben Jahre wird er unterwegs sein, wird dabei immer ärmer und ärmer und gewinnt am Ende eine Erkenntnis. Aber das müsst ihr selber nachlesen.

Sage mit tieferer Botschaft

Wie in alten Sagen und Volksmärchen üblich, transportiert auch "Das Nebelmännle vom Bodensee" eine Botschaft. Ich würde die Geschichte einerseits so lesen, dass man nicht nach immer mehr und noch mehr streben sollte wie der Ritter. Denn das machte ihn am Schluss unglücklich. Andererseits plädiert die Geschichte auch dafür, mit den Elementen der Natur im Einklang zu leben, ihnen ihren Lauf zu lassen und nicht in natürliche Kreisläufe einzugreifen. Denn sonst kann alles aus der Balance kommen. Insofern ist diese Sage auch nach wie vor aktuell, denken wir nur an die Klimaerwärmung und die negativen Folgen von rücksichtslosem Kapitalismus.

Luftig-leichte Aquarelle

Anke Klaassens Erzählung wird von Daniela Drescher mit ihren Aquarellen wunderschön in Szene gesetzt. Sie macht das Luftige, das Wabernde des Nebels, das Glitzern und Funkeln lebendig und lässt uns die sympathischen Naturgeister ins Herz schliessen. Erinnert euch das Nebelmännle auch an "Ole Winterwicht"? Kein Wunder, auch hier zeichnet Daniela Drescher für die Illustrationen verantwortlich.

Fazit

"Das Nebelmännle vom Bodensee" erzählt kindgerecht eine alte Sage nach, die Kinder ab 4 Jahren die Vorzüge der Natur und ihrer natürlichen Kreisläufe deutlich macht. So wird der Nebel in ein positives Licht gerückt und vielleicht können Kinder und Eltern beim nächsten Nebelspaziergang das Naturschauspiel so richtig geniessen und ganz gut lauschen, ob sie das Nebellied vernehmen können.

Einen tollen Eindruck vermittelt auch der Buchtrailer:

Die Fakten

Das Nebelmännle vom Bodensee

Anke Klaassen (Text)

Daniela Drescher (Illustration)

Urachhaus

Hardcover

40 Seiten

Erschienen am 01.06.2019

ISBN: 978-3-8251-5214-7

Website von Daniela Drescher

PS: Herzlichen Dank an den Verlag Urachhaus für das Rezensionsexemplar.




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