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610 Ergebnisse gefunden für „“

  • Der Totenkopf

    Mit "Der Totenkopf" erzählt Jon Klassen eine alte Tiroler Sage nach. Klingt schaurig? Ist es auch, aber gleichzeitig auch richtig witzig und unerwartet lebendig. Versprochen! Ich liebe die Bilderbücher von Jon Klassen. Meine Kinder ebenso, auch wenn man aufgrund der oft gedeckten, grauen Farbpalette anderes vermuten könnte. Auf diesem Blog vorgestellt habe ich erst "Wir haben einen Hut" aus der Hut-Trilogie. Da es eine meiner ersten Besprechungen war (im Rahmen der #kinderbuchchallenge auf Instagram), liegt sie mir immer noch am Herzen. Schaut mal vorbei! Und über 6 Jahre später wird es höchste Zeit für ein weiteres Klassen-Buch. Wie es sich für die spooky Zeit rund um Halloween gehört, habe ich dieses Mal mit dem frisch erschienenen "Der Totenkopf" auch eine angemessen gruselige Geschichte im Gepäck. Mit dem Adjektiv "gruselig" ist es hier aber bei weitem nicht getan! Eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft In "Der Totenkopf" erzählt Jon Klassen eine alte Tiroler Sage so nach, wie sie ihm im Kopf geblieben ist oder besser gesagt, wie sie sein Hirn abgespeichert und nacherzählt hat. Der kanadische Kinderbuchautor und Illustrator hat die Sage witzigerweise in einer Bibliothek in Alaska gelesen und sie ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Und so erzählt er sie in seiner ganz eigenen Version in diesem Bilderbuch neu. Wie er im Nachwort anmerkt, entspricht dieses Neuerzählen, Umerzählen, Weiterspinnen und Umdeuten ja genau der Erzähltradition von Sagen und Legenden, die über Generationen weitergetragen werden und sich dabei immer auch verändern. Otilla ist von zuhause weggelaufen und irrt durch den kalten, immer dunkler und dichter werdenden Wald. Da stösst sie auf einer Lichtung auf ein recht schönes, altes Haus. Erst öffnet niemand die Tür, doch dann spricht ein Totenkopf vom Fenster über der Tür mit ihr und lässt sie ins Haus. Der Totenkopf ist richtig freundlich und zeigt Otilla das Haus. Otilla trägt den Schädel durchs Haus, hilft ihm beim Teetrinken und pflückt ihm eine Birne. Otilla darf bleiben und das möchte sie auch. Nach einem gemütlichen Abend vor dem Kamin gehen die beiden ins Bett. Doch der Totenkopf hatte Otilla gewarnt: Im Haus trieb jede Nacht ein Skelett sein Unwesen. Nicht irgendein Skelett, sondern das zum Totenkopf gehörende Gerippe, das seinen Kopf zurück will. Doch der Kopf will nicht wie sein Körper. Ob Otilla ihrem neuen Freund beistehen kann oder ob das Skelett sich den Totenkopf schnappt? Jedenfalls schmiedet Otilla einen Plan, um das Skelett ein für alle Mal loszuwerden. Die Stimmung in der Anfangsszene ist düster und Otilla hat auch Angst, so alleine im Wald. Und erst recht, als sie eine Stimme hört, die ihren Namen ruft. Doch im Haus des Totenkopfs lockert sich die Stimmung - was auch illustratorisch in wärmeren Farbtönen erkennbar ist. Erstaunlicherweise zeigt auch Otilla keinerlei Scheu vor dem Totenkopf, die beiden freunden sich schnell an und helfen sich gegenseitig. Jon Klassen erzählt die eigentlich absurde Geschichte in einer totalen Selbstverständlichkeit. Das nimmt ihr einerseits den Schrecken und verleiht ihr andererseits den von Klassen so meisterhaft beherrschten trockenen Humor. Otilla bringt auch neues Leben in die Bude und der Totenkopf ist plötzlich bereit, jahrealte Regeln einfach über Bord zu werfen. "Was sind das für Masken?", fragte Otilla. "Die habe ich früher gesammelt", sagte der Totenkopf. "Kann man die aufsetzen?", fragte Otilla. "Die sind nur zum Anschauen", sagte der Totenkopf. Minuten später laufen die beiden mit Masken durchs Haus! ;-) Sehr gut gefällt mir auch, wie die beiden sich gegenseitig fragen, was der*die andere möchte oder was nicht. "Nein, das möchte ich nicht." oder "Ja, das will ich." und Variationen davon werden fast ritualisiert wiederholt. Wie man bereits am Titelbild erkennen kann, verwendet Jon Klassen auch in "Der Totenkopf" eine reduzierte Farbpalette. Trotz viel Schwarz und Grau, gelingt es ihm aber, mit Rot-/Braunschattierungen Wärme ins Buch zu zaubern. Die Illustrationen sind mit Grafit und Tinte gezeichnet und digital nachbearbeitet. Die Bilder reichen von kleinen Szenen auf einer Seite bis zu doppelseitigen Illustrationen. Der Text ist - wie wir es von Jon Klassen gewohnt sind - klar vom Bild abgetrennt, wobei der Kinderbuchautor hier auch mit der Form der weissen Texthintergründe spielt. Auch die Augen von Otilla sind in bekannter Klassen-Manier einfach weiss und schwarz gehalten. Das zugrundeliegende Tiroler Volksmärchen "Das Totenköpflein" könnt hier zum Beispiel in Ignaz und Josef Zingerles "Kinder- und Hausmärchen aus Tirol" auch online nachlesen. Fazit Jon Klassen erzählt in "Der Totenkopf" eine Tiroler Sage in seiner ganz eigenen Version nach. Das ist ein bisschen gruselig, aber auch erstaunlich witzig. Der Kinderbuchautor und Illustrator legt den Fokus ganz auf die Beziehung zwischen der davongelaufenen Otilla und dem titelgebenden Totenkopf. Dadurch wird eine anfangs düstere Geschichte am Ende zur wohlig warmen Hymne auf Freundschaft und Zusammenhalt. Von mir gibt's dafür eine klare Lese- bzw. Vorleseempfehlung - nicht nur, aber besonders in der dunklen Jahreszeit! Die Fakten Der Totenkopf Jon Klassen (Text & Illustration) Thomas Bodmer (Übersetzung aus dem Englischen) NordSüd Verlag 112 Seiten Erschienen am 21.09.2023 Hardcover ISBN: 978-3-314-10657-6 Ab 6 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Jon Klassen auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den NordSüd Verlag für das digitale Rezensionsexemplar und die Bilder vom Buch. Weitere (ganz leicht) gruselige Bücher bei mint & malve Ringo und die Vampirkaninchen - Katja Spitzer (Mairisch 2022) Boris, Babette und lauter Skelette - Tanja Esch (Kibitz 2022) Letzte Runde Geisterstunde - Nadia Budde (Verlag Antje Kunstmann 2020) Durch den Wald - Nele Palmtag (Kunstanstifter 2017) Der bleiche Hannes - Steffen Gumpert (Tulipan 2017) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Wilde Wanderer - Folge den Tieren auf ihren abenteuerlichen Reisen

    Mit dem Kindersachbuch "Wilde Wanderer" von Anke Peterson und Lisa Rammensee stelle ich euch heute ein Kindersachbuch über Tierwanderungen vor, das bei uns viele "Aahs" und "Oohs" ausgelöst hat! Jetzt ziehen sie wieder gegen Süden - die Zugvögel. Die Monarchfalter haben Wisconsin - und andere Teile Nordamerikas - schon im September in Richtung Mexiko verlassen. Gerade ziehen bei uns die Lachse auf dem Weg in den Norden vorbei. Aber auch andere Tiere gehen auf Wanderschaft, ob nun in der Luft, zu Lande oder im Wasser. Die einen wandern, um sich zu paaren oder um Junge zu bekommen, andere folgen einfach den Nahrungsquellen und/oder den für sie angenehmen Temperaturen. Die "Oohs" und "Aahs" gingen hier schon beim wunderschönen Cover von "Wilde Wanderer - Folge den Tieren auf ihren abenteuerlichen Reisen" los: Es sind nicht nur die eindrücklichen Illustrationen der wandernden Tiere, sondern auch die Haptik: Es fühlt sich grösstenteils matt und seidig an, doch einige Elemente wie das Wasser und das Eis sind mit Spotlack gedruckt, was natürlich wunderbar zu ihrem Glitzern, Glänzen und Schimmern in der Natur passt. Die Schrift ist zudem ein Prägedruck und lässt sich so auch erfühlen. Das Staunen geht im Kindersachbuch von Anke Peterson und Lisa Rammensee weiter. Sie erzählen uns mehr über Reisen von Tieren in der Luft, an Land und im Wasser. Da gibt es mehr zu erfahren über die Küstenseeschwalbe, die von Pol zu Pol fliegt - 96'000 Kilometer pro Jahr! Oder die erwähnten Monarchfalter, die in einem Zug in den Süden fliegen, aber über 3 oder 4 Generationen brauchen, um zurück in den Norden zu gelangen (im Bild seht ihr einen Monarchfalter, der sich bei uns in Wisconsin von der Raupe bis zum Falter entwickelte). Beim Waldrapp kommt sogar der Mensch ins Spiel, da diese Vogelart in Mitteleuropa eine Weile ausgestorben war und nach der Ansiedlung den Weg in die südlichen Gefilde nicht mehr kannte. In dem Kinderbuch erfahrt ihr auch mehr über Tiere der Unterwasserwelt, wie die Langusten, die eine Polonaise am Meeresgrund veranstalten, oder Buckelwal Theresia, der jedes Jahr von Norwegen in die Karibik und wieder zurück schwimmt, oder die Meeresschildröten, die einen eingebauten Magnetkompass haben! Indem Autorin Anke Peterson einige Tiere beim Namen nennt, die tatsächlich von Forschenden irgendwo getrackt wurden/werden, schafft sie eine besondere Beziehung, da die Kinder dieses Tier stärker als Individuum wahrnehmen beim Vorlesen. Die Informationen sind aber meist allgemeingültig für die jeweilige Tierart und deshalb über den Einzelfall hinaus spannend. Lisa Rammensee hat nicht nur das Cover, sondern auch die grossformatigen Innenseiten wunderschön bebildert. Die Illustrationen sind etwas abstrakt, zeigen aber doch genügend Details. Besonders gefällt mir, wie die Illustratorin das Licht unter Wasser einfängt, das gibt besonders stimmungsvolle Bilder. Besonders interessant sind auch die Ausführungen dazu, wie sich die Tiere überhaupt orientieren und woher sie wissen, wohin sie wandern sollen. Da sind oft viele Sinne gefragt - wie das Gehör oder der Geruchssinn - und sowohl Magnetfelder oder Töne als auch Landmarken oder eben Duftspuren können bei der Orientierung helfen. Die Tierwanderungen geben weiterhin viele Rätsel auf, aber mithilfe verschiedener Trackingmethoden finden Forschende laufend neue spannende Dinge über die Reisen heraus. Vielleicht ist also in ein paar Jahren Zeit für einen zweiten Band. Das wäre schön! Zum Schluss weist Anke Peterson auch darauf hin, dass viele Tiere unterwegs durch den Menschen gefährdet werden - sei es durch Jagd, Bauwerke, Zerstörung der Natur oder Plastikmüll - und dass wir gerade für die gefahrvollen Wanderungen der Tiere mehr Schutzgebiete einrichten sollten. Fazit "Wilde Wanderer - Folge den Tieren auf ihren abenteuerlichen Reisen" von Anke Peterson und Lisa Rammensee erzählt von ganz unterschiedlichen langen und kürzeren Reisen von Tieren - zu Land, zu Wasser und in der Luft. Ein wunderschön gestaltetes, grossformatiges Sachbuch über abenteuerliche Tierwanderungen, das die Faszination für die Natur sprunghaft anwachsen lässt. Die Fakten Wilde Wanderer Anke Peterson (Text) Lisa Rammensee (Illustration) Carlsen Verlag 56 Seiten Erschienen am 30.08.2023 Hardcover ISBN: 978-3-551-25160-2 Ab 5 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar. Weitere Kinderbücher über Tierwanderungen und von Illustratorin Lisa Rammensee Ganz oben fliegt Lili - Julia Willmann, Alexandra Junge (Peter Hammer Verlag 2023) Ist es noch weit? Wie Tiere auf Wanderschaft gehen - Verena Linde, Anka Schwelgin (Ellermann 2023) Die-Papagei-Ei-Rettung - Sandra Grimm, Lisa Rammensee (Mixtvision 2022) Wunderwelt der Vögel - Laura Paulussen, Carolin Hensler (arsEdition 2021) Und was fühlst du, Känguru? - Nora Imlau, Lisa Rammensee (Carlsen 2022) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Vatermal

    (Werbung) Necati Öziri erfindet mit "Vatermal" das Erzählen einer Familiengeschichte und des Aufwachsens neu. Der Theaterautor ist mit seinem Debütroman sehr verdient auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandet. "Du sollst wissen, wer ich gewesen bin. Damit du niemals die Erleichterung fühlst, von der ich so oft heimlich träumte: von einem Toten angeschwiegen zu werden. Ich möchte dir für immer die Möglichkeit nehmen, nicht zu wissen, wer ich war. Du sollst erfahren, wie es deiner Familie in Deutschland ging, wie im letzten Sommer meiner Jugend alle meine Freunde verschwunden sind und wie auch ich versuchte, vor mir selbst zu fliehen." (S. 33) In "Vatermal" von Necati Öziri, geboren im Ruhrgebiet und nun Theaterautor in Berlin, wird ein Krankenhauszimmer zur Bühne. Arda hat seinen vielleicht letzten Auftritt. Er liegt mit Organversagen im Bett, verkabelt, jede Bewegung schmerzt. Die Zeit nutzt er, um an seinem Vater zu schreiben, ihm zu erklären, wer er war. Und er hört seiner Mutter Ümran und seiner Schwester Aylin zu, wenn sie erzählen - aus ihrem Leben vor, mit und nach dem Vater. Dieser Vater - "Papa" mag ihn Arda nicht nennen - hatte die Familie nämlich verlassen und war zurück in die Türkei gegangen, als Arda noch ganz klein war. In wechselnden Perspektiven erfahren wir also von Arda, Aylin und Ümran mehr über das Leben der Familie. Aylin hatte mitgekriegt, wie die Eltern sich stritten, wie es zu häuslicher Gewalt kam, wie die Mutter nach dem Verschwinden des Vaters in einer Alkoholsucht (wahrscheinlich auch einer Depression) versank. Und sie erzählt vom Zerwürfnis mit ihrer Mutter und ihrer Zeit in einer deutsch-deutschen Pflegefamilie. "Das eine war, dass sie nie wieder nach Hause konnte, das andere, dass diese Zwieback-Familie sie anschaute, als hätte sie einen Straßenköter bei sich aufgenommen, ihm einen Fressnapf hingestellt, um dann zu beobachten, ob er auch fraß." (S. 259) Ümran blickt zurück in ihre eigene Kindheit und wie bereits sie als Jugendliche mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kam. Wie sie Metin, den Vater ihrer Kinder, kennenlernte und heiratete. Arda nimmt uns mit in die Flure des Ausländeramts, zum Abhängen mit seinen Freunden auf den Bahnhofsplatz - Schlägereien, Racial Profiling und erste Liebe inklusive -, zum Mevlana-Grill seines besten Freundes - auch er mit dysfunktionaler Familie -, ins ihm fremde Milieu seiner Studienkolleg*innen in Berlin. "Du bist 18 und deine Freunde sind mit Balken vor den Augen in den Zeitungen. Sie liegen in den Parks und auf der Pennerwiese herum, sie sind jetzt die Statistik aus den Talkshows, abgeschoben, in der Entzugsklinik oder im Gefängnis. " (S. 393) Necati Öziri erzählt schnell, direkt, ohne Blatt vor dem Mund. Seine Figuren lassen uns nachfühlen, wie schwierig es ist, sich im Leben zurecht zu finden, sich in Deutschland als häufig mehrfach Marginalisierte - ohne Pass, ohne Vater, ohne Geld, ohne Perspektiven - trotz allem eine Zukunft aufzubauen, die "richtigen" Entscheidungen zu treffen. Das klingt hart und ist es zu einem grossen Teil auch, aber trotz all der Missstände (insbesondere auf politischer, struktureller Ebene, aber auch in Ardas Familie) spricht aus Arda und damit dem gesamten Roman immer noch ein Funke Hoffnung. Eine Hoffnung, die uns Verpflichtung sein sollte, für Strukturen und Beziehungen einzustehen, die diesen Funken nicht im Keim ersticken. Die wechselnden Perspektiven und damit die unterschiedlichen Stimmen sowie die vielen Szenenwechsel haben mir an "Vatermal" sehr gefallen. Der Autor ergänzt diese Fragmente aus unterschiedlichen Zeiten und Blickwinkeln sehr geschickt, um ein mehr oder weniger vollständiges Bild entstehen zu lassen. Auch die Ausgangslage des Erzählens hat einen grossen Effekt - denn nur im Angesicht seines möglichen Todes kann Arda so frei und ehrlich erzählen - und Mutter und Schwester erzählen lassen. Fazit "Vatermal" von Necati Öziri ist ein grossartiges, eindringliches Debüt über eine migrantische Familie, die auf allen Ebenen zu kämpfen hat. Indem Arda, der Sohn der Familie, an seinen abwesenden Vater schreibt, setzt er sich mit dem Familiengefüge, den Rollen darin und deren Bedeutung für seine eigene Entwicklung auseinander. Gleichzeitig setzt er die Familienmitglieder mit der jeweiligen Politik und Gesellschaft in Deutschland und der Türkei in Beziehung. Ein Roman über Verluste, harte Schnitte im Leben, aber auch Freundschaft, Familie, Mut, Resilienz und den Glauben an sich selbst. Ich kann das Buch nur allen herzlich empfehlen und freue mich auf weitere Bücher von Necati Öziri. Die Fakten Vatermal Necati Öziri Claassen Verlag (Ullstein) 304 Seiten Erschienen am 27.07.2023 Hardcover ISBN: 978-3-546-10061-8 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Deutschen Buchpreis und an den Classen Verlag für das digitale Rezensionsexemplar. Seitenzahlen beziehen sich auf die E-Book-Ausgabe und können von der Printversion abweichen. Als Hörbuch bei Storytel - Hörbuch-Flatrate gratis ausprobieren! "Vatermal" von Necati Öziri gibt es auch als Hörbuch bei Storytel (erschienen bei Hörbuch Hamburg). Es wird ungekürzt gelesen von Eray von Egilmez. Mit dem Link zum 30-Tage-Probeabo* könnt ihr unverbindlich reinhören und habt zudem Zugang zu über 600'000 weiteren Hörbüchern und E-Books für Gross und Klein! Wir können es nur empfehlen. Wir hören sehr viel, ob nun zuhause oder unterwegs. Das Abo ist jederzeit kündbar. Nach der Probephase kostet es 14.90 Euro/Monat. Weitere Bücher der Longlist oder Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023 bei mint & malve Maman - Sylvie Schenk (Hanser 2023) Drifter - Ulrike Sterblich (Rowohlt 2023) Die Möglichkeit von Glück - Anne Rabe (Klett-Cotta 2023) Kochen im falschen Jahrhundert - Teresa Präauer (Wallstein 2023) Birobidschan - Tomer Dotan-Dreyfus (Voland & Quist 2023) Zum Deutschen Buchpreis 2023 * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Hallo Bäume, Hallo Pilze

    Kommt ihr mit in die Natur? Dann nehmt doch vorher die kleinen Naturführer "Hallo Bäume" und "Hallo Pilze" von Nina Chakrabarti zur Hand! Im Herbst locken uns die bunten Blätter nach draussen und neben wunderbar eingefärbten Laubbäumen gibt es auch überall Pilze zu entdecken. Nina Chakrabarti gibt uns mit "Hallo Bäume - Ein kleiner Naturführer" und "Hallo Pilze - Ein kleiner Naturführer" zwei kleine Büchlein an die Hand, um das Naturerlebnis mit etwas grundlegendem Wissen zu unterfüttern. Hallo Bäume - Ein kleiner Naturführer Mit ihren wunderschönen Illustrationen führt uns die indisch-britische Kinderbuchautorin Nina Chakrabarti ein in die Welt der Bäume. Auf jeweils einer Doppelseite erfahren wir etwas über das Lebewesen Baum, Samen und Schösslinge, Wurzeln, Blüten und Früchte, Baumzapfen und weitere baumige Themen. Da gibt es Bäume aus aller Welt und neben Basiswissen auch erstaunliche Fakten wie etwa, dass auch Bäume scheu sein können (Stichwort: Kronenscheu) oder dass manche Bäume stinken, um Bestäuber anzuziehen. Spannend ist auch die Seite über "Bäume und Mythen", wo wir erfahren, dass die Eiche in vielen Kulturen als heilig gilt oder dass der Holunderbaum böse Geister abwehren soll. Schliesslich finden sich im Buch auch noch einige Tipps, wie sich Kinder (und Erwachsene) sinnlich mit Bäumen auseinandersetzen können - etwa mit dem Durchpausen von Rinden oder dem Ziehen eigener Bäume. Etwas schade finde ich, dass nicht auf die Unterscheidung zwischen Bäumen und Sträuchern eingegangen wird. Hallo Pilze - Ein kleiner Naturführer Pilze fand ich ja schon immer faszinierend, weil sie weder Pflanzen noch Tiere sind, sondern eben Pilze bzw. "Fungi". Diese Information steht denn auch am Anfang von "Hallo Pilze". Und dann tauchen wir immer tiefer ein in die Welt der Pilze, erfahren, was es mit Mycel, Sporen und Hyphen auf sich hat und was Pilze so alles können. Nämlich nicht nur Lebensmittel anfressen, sondern z.B. auch antibiotisch wirken, den Pflanzen beim Überleben und der Umwelt beim Recyceln helfen. Meine Lieblingsseite ist die mit den Pilzen in allen Regenbogenfarben, aber auch die Seiten über tödliche, seltsame, verrückte und schräge Pilze sind richtig spannend. So habe ich den Schopftintling zwar schon gesehen, aber dass es die Frühjahrsgiftlorchel gibt, die wie ein Gehirn aussieht, wusste ich noch nicht! Besonders faszinierend ist für Inder (und Erwachsene) bestimmt auch die Doppelseite mit den Pilzen, die im Dunkeln leuchten (zu diesem Thema gibt's hier bald einen weiteren Buchtipp). Sehr gut finde ich auch, dass im Buch immer wieder darauf hingewiesen wird, dass Kinder keine Pilze anfassen oder gar pflücken sollen. Und auch für die Aktivitäten oder zum Essen werden die kontrollierten Pilze aus Geschäften und Märkten empfohlen. Die beiden Büchlein sind schön kompakt und stabil. Trotzdem würde ich sie eher zuhause anschauen zur Einstimmung aufs nächste Walderlebnis. Als Bestimmungsbücher vor Ort taugen sie aufgrund der kleinen Auswahl und abstrakten Abbildung der Baum- und Pilzsorten nicht wirklich. Aber das tut natürlich dem Lese-/Vorlesespass keinen Abbruch. Die Büchlein sind optische Augenweiden, liefern spannende Fakten und machen definitiv Lust, auch selbst in die Welt der Bäume und Pilze einzutauchen und mehr über diese faszinierenden Lebewesen und ihre Rolle im Kreislauf der Natur zu erfahren. Nina Chakrabarti bebildert übrigens auch Kleider. Ich bin grosser Fan ihrer Motive! Schaut mal auf ihrer Website vorbei. Die Fakten Hallo Bäume - Ein kleiner Naturführer Nina Chakrabarti (Text + Illustration) Frederik Kugler (Übersetzung aus dem Englischen) Laurence King Verlag 48 Seiten Erschienen am 01.08.2023 Hardcover ISBN: 978-3-96244-355-9 Ab 6 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Hallo Pilze - Ein kleiner Naturführer Nina Chakrabarti (Text + Illustration) Frederik Kugler (Übersetzung aus dem Englischen) Laurence King Verlag 48 Seiten Erschienen am 01.08.2023 Hardcover ISBN: 978-3-96244-354-2 Ab 6 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Nina Chakrabarti auf Instagram Website von Nina Chakrabarti PS: Herzlichen Dank an den Laurence King Verlag und Kirchner Kommunikation für die Rezensionsexemplare. * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Maman - eine Annäherung an die Mutter

    Sylvie Schenk nähert sich in ihrem autofiktionalen Roman "Maman" ihrer Mutter an, die für sie zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod schwer zu fassen ist. Sylvie Schenks Roman "Maman" stand auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Zum Sieg hat es nicht gereicht, der ging an Tonio Schachingers "Echtzeitalter". Trotzdem möchte ich euch "Maman" hier natürlich noch vorstellen, vielleicht ist es ja für die eine oder den anderen etwas (weitere Romane der Long- und Shortlist findet ihr unten) und die nominierten Bücher lohnt es sich natürlich auch nach der Preisverleihung noch zu entdecken. Eine Mutter, die sich jeder Einordnung entziehet "Ihr Leben war ein Mosaik aus kleinen Handgriffen. Aber uns wird sie immer durch die Finger gleiten, eine sich entziehende Mutter." (S. 155) Renée Gagnieux, die im Zitat erwähnte Mutter, wird 1916 als Tochter einer Seidenarbeiterin und wohl auch Prostituierten in Lyon geboren. Die Mutter Cécile stirbt kurz nach der Geburt. Renée wird nach einer leidensvollen Zeit als Pflegekind (Verdingkind wäre wohl der treffendere Ausdruck) von Charles-Léon und Marguerite Legendre adoptiert. "Sie, ihre Adoptiveltern, mein Vater, dessen Familie, alle haben uns, ihren Kindern, ihre Herkunft verheimlicht. Sie war eine, die schwieg und sich schämte, dabei zu sein, weil ihre Eltern und Schwiegereltern sich ihrer Abstammung schämten und sie verschwiegen..." (S. 16) Wer ihre richtige Mutter war, wusste Renée selber nicht und sie sprach auch zeitlebens nie darüber. Dieser unbekannten und verschwiegenen Geschichte macht sich Sylvie Schenk in ihrem autofiktionalen Roman "Maman" auf die Spur. Wie könnte sie sich zugetragen haben? Was lässt sich in Archiven noch herausfinden? Wie prägt die unbekannte Mutter ihre Tochter Renée und vielleicht auch noch die Generation der Enkel*innen rund um Sylvie und ihre Geschwister? Renée hatte in ihrer Adoptivmutter Marguerite zwar eine sehr unterstützende und liebende Mutter. Dennoch blieb sie schweigsam, verschlossen, in sich gekehrt, fühlte sich fehl am Platz, ausgeschlossen von der bürgerlichen Gesellschaft. Für ihre Kinder, darunter die Autorin, war eine gewisse Kühle und Distanz zwar schmerzhaft, hatte aber auch Vorteile. "Maman hat uns in die Welt gesetzt und wild wachsen lassen wie Unkraut. " S. 14 "Maman" ist also keine Abrechnung von Sylvie, sondern vielmehr ein Nachspüren, wie ihre Mutter so werden konnte, wie sie eben war. So geht es im Buch um intergenerationale Traumata, Klassismus, Mutterschaft, das Aufwachsen in einer Adoptivfamilie, den Hass auf den Ehemann, das Unvermögen, den eigenen Kindern über das Säuglingsalter hinaus Liebe zu schenken. Als wäre die Autorin mit vor Ort Das Besondere an Sylvie Schenks Roman ist die Perspektive, die sie einnimmt. Sie fühlt sich mitten hinein in die Geschehnisse, erlebt sie mit ihrer Mutter (und teils auch Grossmutter) nochmals mit und gibt uns Leser*innen ihre Beobachtungen praktisch ungefiltert weiter. Und das mit einer direkten, manchmal derben, aber auch sehr präzisen Sprache, etwa wenn sie von der Hochzeitsnacht von Renée und Jean in Venedig berichtet: "....überfällt es sie plötzlich wieder, der Hof, der Bauer, seine Frau, die Scheune, der Hund, alles gleichzeitig und zusammengemischt. Sie hört deutlich dieses Wort: Bastard. Sie beginnt zu winseln, sich zu winden, zu hecheln, sie schreit, stemmt sich gegen die Schulter des Mannes..." (S. 130) Es mag in der Natur der Hauptfigur der "Maman" liegen, die sich eben immer entzieht, aber trotz teilweise eindrücklicher Stellen, hat mich das Buch nicht in Gänze erreicht, kriegte auch ich diese Mutter nicht zu fassen. Vielleicht schwebt aber auch - ungerechterweise - mein Leseeindruck von "Die Postkarte" von Anne Berest noch über dieser Lektüre. Ein Buch, das ich euch auch bald vorstellen möchte. Wer autofiktionales Schreiben und Bücher über Mutter-Tochter-Beziehungen mag, sollte es am besten selber mal mit "Maman" versuchen! Fazit "Maman" von Sylvie Schenk ist eine berührende Spurensuche nach der Mutter, die zwar immer da, aber doch irgendwie abwesend wahr. Eine autofiktionale Annäherung an eine Mutter, die zwar Opfer ihrer Zeit und Situation war, aber eben nicht nur. Mit grossem Einfühlungsvermögen und viel Fantasie versucht die deutsch-französische Autorin die Lücken ihrer familiären Herkunft zu füllen. Ein Versuch, der in meinem Fall nicht ganz gelungen ist, aber vielleicht auch nicht gelingen kann - wie das Eingangszitat erahnen lässt. Die Fakten Maman Sylvie Schenk Hanser Verlag 176 Seiten Erschienen am 20.02.2023 Hardcover ISBN: 978-3-446-27623-9 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Deutschen Buchpreis und an den Hanser Verlag für das digitale Rezensionsexemplar. Seitenzahlen beziehen sich auf die E-Book-Ausgabe und können von der Printversion abweichen. Weitere Bücher der Longlist oder Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023 bei mint & malve Drifter - Ulrike Sterblich (Rowohlt 2023) Die Möglichkeit von Glück - Anne Rabe (Klett-Cotta 2023) Kochen im falschen Jahrhundert - Teresa Präauer (Wallstein 2023) Birobidschan - Tomer Dotan-Dreyfus (Voland & Quist 2023) Zum Deutschen Buchpreis 2023 * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Wir alle im Stadtgewimmel

    Mögen eure Kinder Wimmelbücher auch so gerne? Dann lasst euch "Wir alle im Stadtgewimmel" von Kori Klima und Isabelle Göntgen nicht entgehen! Es ist wohl das diverseste und inklusivste Wimmelbuch, das es bisher gibt. Wimmelbücher kommen bei meinen Kindern immer gut an, weil es so viel zu entdecken gibt! Und ich schätze daran auch, dass sie die Fantasie anregen und die Sprachentwicklung fördern, eben weil sie so viele Gespräche auslösen, man Dinge (und Menschen) benennen und eigene Geschichten spinnen kann. Kori Klima und Isabelle Göntgen haben mit "Wir alle im Stadtgewimmel" nun ein Wimmelbuch veröffentlicht, das mich einfach nur begeistert! Beim Betrachten wird einem erst bewusst, WIE divers unsere Gesellschaft ist und wie ein wirklich inklusives Stadtleben aussehen könnte. Echte Vielfalt und Inklusion Im Wimmelbuch begleiten wir 14 Hauptpersonen - und gaaaaanz viele weitere Menschen - durch die Stadt. Wir sehen einen wunderbar wuseligen Marktplatz, toben über den Sportplatz, nehmen an einer Demo für mehr Vielfalt teil, schlendern durch den Park und dürfen sogar in die Wohnungen der Menschen blicken. Und das Grossartige daran? Die Menschen, ihr Aussehen, ihre Lebensweisen- und Lebensbedingungen, ihre Eigenschaften, ihre Gewohnheiten und Familienkonzepte sind so vielfältig, wie man es sich nur vorstellen kann. Hier endet Vielfalt nicht bei unterschiedlichen Hauttönen und Haarfarben, sondern fängt da erst an. Es gibt Männer im Rock, dicke Menschen und dünne. Asiatisch gelesene Menschen, Frauen mit Hijab, Männer mit Kippa, Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfe, junge und alte Menschen, Kleinwüchsige, Kinder mit Prothesen oder mit nur einer Hand, eine Skateboarderin ohne Beine, queere Paare, Familienmitglieder mit unterschiedlichen Hauttönen, Punks, obdachlose Menschen, blinde Menschen, Personen mit Vitiligo, solche mit Tattoos, mit bunten oder ganz ohne Haare, Menschen in traditioneller Kleidung (z. B. Lederhosen, aber auch Sari), Menschen mit Haaren unter den Achseln und an den Beinen und viele, viele mehr. Wimmeliger Spass mit über 500 Menschen und Hauptpersonen zum Mitverfolgen Den 14 Hauptpersonen kann man durchs ganze Buch folgen, denn sie tauchen auf jeder Seite wieder auf. Und auf jeder dieser Seiten gibt es so viel zu entdecken: fröhliche Menschen, traurige, genervte, müde, musizierende, solche auf dem Fahrrad und solche im Tragetuch, eine Igelfamilie, die die Strasse überquert, eine Statue im Rollstuhl, strickende Männer, Menschen auf Rollschuhen und im Burkini, schwangere Frauen, eine Frau mit Gehörschutz und ein Hund auf dem Skateboard, Omas gegen Rechts, freche Ziegen, streitende Menschen und helfende Freund*innen, ein Huhn im Laster und so weiter. Bei jedem neuen Betrachten fällt wieder ein neues Detail ins Auge und es gibt neue Gesprächsanlässe. Deshalb wird dieses Buch wahrscheinlich nie langweilig. Besonders gefällt mir, dass alle Menschen selbstverständlich zusammenleben, zusammen feiern, zusammen Sport treiben, einander helfen, gemeinsam (oder auch mal alleine) Spass haben und dass man den Eindruck erhält, dass alle so sein können, wie sie sind und dass alle teilhaben können am gesellschaftlichen Leben. An vielen Stellen gibt es in dieser Stadt Orientierungshilfen für sehbehinderte Menschen. Aber auch einige Barrieren werden als solche deutlich, etwa wenn Menschen im Rollstuhl, mit Krücken oder mit Kinderwagen vor einer Treppe stehen. Ein witziges Detail ist das Kori-Graffiti - findet ihr es? Ich liebe ja so kleine Hints und Spielereien. Und es gibt rund 150 reale Menschen in dem Buch. Vielleicht erkennt er ja die eine oder andere? Der Orlanda Verlag empfiehlt das Wimmelbuch ab 3 Jahren. Das finde ich angemessen, weil es wirklich sehr, sehr wimmelig und wuselig ist und so kleinere Kinder etwas überfordern könnte. Aber natürlich könnt ihr es auch schon mit jüngeren Kindern mal ausprobieren. Man kann sich ja auch erst einmal einzelne Seiten oder die Einstiegsseite mit dem Überblick über einige der abgebildeten Personen anschauen. Die riesige Diversität und die Vielfalt der kleinen Szenen bringen den Vorteil mit sich, dass das Buch auch für ältere Kinder spannend bleibt. Fazit "Wir alle im Stadtgewimmel" von Kori Klima und Isabelle Göntgen ist einfach nur beeindruckend. Ein so vielfältiges und inklusives Wimmelbuch - oder überhaupt Kinderbuch - habe ich noch nie gesehen. Hut ab vor dieser Leistung. Ich hoffe auf mehr solche Bilderbücher! Die Fakten Wir alle im Stadtgewimmel Kori Klima (Idee + Konzept) Isabelle Göntgen (Illustration) Orlanda Verlag 14 Seiten Erschienen am 25.09.2023 Pappbilderbuch ISBN: 978-3-949545-45-0 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Kori Klima und Isabelle Göntgen auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Orlanda Verlag und Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar. Weitere vielfältige Wimmelbücher bei mint & malve Komm, wir zeigen dir unseren Wald - Constanze von Kitzing (Carlsen 2022) Komm, wir zeigen dir unsere Kita - Constanze von Kitzing (Carlsen 2021) Alle zählen - Kristin Roskifte (Gerstenberg 2021) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Die graue Stadt

    (Werbung/Verlosung) Heute ist Torben Kuhlmanns neues Kinderbuch "Die graue Stadt" erschienen. Es erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich nicht mit dem Grau in Grau seines neuen Wohnortes abfinden will und sich auf die Suche nach den Farben macht. Zum Release des Buches könnt ihr bei mir ein Exemplar gewinnen! Vielen von euch dürfte Torben Kuhlmann von seinen Mäuseabenteuern her bekannt sein. Die zwei aktuelleren Bände "Edison" und "Einstein" habe ich euch auch schon eingehender vorgestellt. Nun hat der Kinderbuchillustrator und -autor aus Hamburg sein neues Kinderbuch "Die graue Stadt" veröffentlicht, wiederum beim Schweizer NordSüd Verlag (ihr kennt meine Schwäche für den Verlag und seine wunderbaren Bücher). Ich durfte mit Torben Kuhlmann die Buchpremiere auf Instagram feiern und habe mit ihm ein Gespräch geführt, in dem er ganz viele spannende Einblicke ins Buch gab, erklärte, wie es dazu kam und worauf es ihm in der Geschichte und in der Illustration ankam und vieles mehr. Hier könnt ihr das Live nachschauen. Ein Blick rein lohnt sich auch für alle Fans der Mäuseabenteuer - es gibt good news! ;-) Alles Grau in Grau? Robin, das Mädchen mit der gelben Regenjacke, zieht mit ihrem Vater und ihrem Kater in eine neue Stadt. Hier ist alles grau. Mausgrau, felsgrau, steingrau, kohlengrau... In der Schule fällt Robin mit der knallgelben Jacke und mit ihrem bunten Bild sofort negativ auf und muss schon am ersten Tag nachsitzen. Zur Strafe muss sie sich einen Film über die "wünschenswerten gesellschaftlichen Verhaltensweisen: Anpassung, Unterordnung, Disziplin" anschauen. Zum Glück ist sie nicht die Einzige, hinter ihr sitzt Alani. Schnell gibt auch er sich als Farbliebhaber und Rebell gegen das Graue zu erkennen und so werden sie zu Verbündeten. Robin macht sich - mit Hilfe von Alani und anderen Freund*innen der Farben - auf die Suche nach Farbe in der grauen Stadt und kommt einem Komplott auf die Spur. Hinter all dem Grau stecken die Grauwerke. Doch ist wirklich alles grau in dieser Stadt? Oder gibt es irgendwo noch Farbe und schafft es Robin, die Farben zurückkommen zu lassen? Copyright: NordSüd Verlag 2023. Eine Geschichte über Hoffnung, Freundschaft und Mut Auf ihrer abenteuerlichen Suche nach den Farben trifft Robin tatsächlich immer wieder auf Farben und schöpft Mut - ob es in der Wohnung von Alanis Onkel ist, in einer versteckten, kleinen Bibliothek oder einfach der Regenbogen am Himmel an einem ansonsten grauen Regentag. Robin bleibt immer voller Hoffnung, steht mutig für das Bunte ein, findet Freund*innen, die sich genauso nach mehr Farbe sehnen. In der grauen Stadt finden wir uns in einer grauen, erdrückenden, streng geregelten Welt wieder, die auf grauen Einheitsbrei setzt, in der Unauffälligkeit Trumpf ist. Das hat Torben Kuhlmann in seinen äusserst detailreichen Illustrationen, die sich mal über eine Seite und mal über eine Doppelseite erstrecken, eindrücklich eingefangen. Etwa mit den modernen grauen Häusern, die die ehemals schnuckelige Bibliothek unter sich zu erdrücken drohen. Dass Robins Hoffnungen berechtigt sind, erkennen wir nicht nur an farblichen Highlights wie dem Regenbogen, sondern auch am Grau, das bei genauerem Hinsehen so grau gar nicht ist. Die Grautöne changieren nämlich immer etwas in den Zeichnungen - ganz analog gezeichnet mit Zeichenstift, Fineliner und Aquarell. Da drückt etwas Rot durch, dort etwas Blau und da etwas Gelb. Für mehr Farbe und Vielfalt Über die Botschaft des Buches könnte man lange philosophieren. Da klingt so viel an und wie Torben Kuhlmann im Gespräch sagte, ist es auch den Leser*innen oder Betrachter*innen seines Buches überlassen, ihre Interpretation der Geschichte zu finden. Er streut viele Hinweise - etwa auf autoritäre Systeme, das Zubetonieren der Landschaft, brutalistische Architektur, rein funktionale Ästhetik usw. Ich lese "Die graue Stadt" als Plädoyer für mehr Farbe und damit auch Freiheit und Vielfalt in allen Belangen: eine pluralistische Gesellschaft, Kunstfreiheit, eine nachhaltige Stadtentwicklung, kulturelle Teilhabe für alle. Die Liste könnt ihr beliebig fortsetzen. Besonders gefällt mir auch, dass wir in Robin eine weibliche Heldin haben, ein mutiges Mädchen, das für seine Anliegen einsteht und kreative Wege findet, um seine Ziele zu erreichen. Im Zentrum der Handlung stehen hier die Kinder, Erwachsene sind Nebenfiguren. Ich könnte noch ewig weiterfahren mit den gelungenen Elementen dieses Kinderbuchs. Habt ihr zum Beispiel die "Spirit of St. Louis" entdeckt, die wir aus "Lindbergh" kennen? Oder habt ihr das Impressum gelesen? "Die graue Stadt" ist definitiv ein Kinderbuch, über das man in der Familie oder in der Schule bestens diskutieren kann! Vielleicht ja auch in Referenz zu Michael Endes "Momo". Denn diese Assoziation hatte nicht nur ich. ;-) Fazit Mit "Die graue Stadt" ist Torben Kuhlmann wieder ein eindrückliches Bilderbuch-Kunstwerk gelungen. Gestalterisch bis hin zu den kleinsten Details durchkomponiert und wunderschön mit Zeichenstift und Aquarellfarben umgesetzt, erzählt der deutsche Autor und Illustrator eine Geschichte darüber, dass es sich immer lohnt, an mehr Farbe und Vielfalt zu glauben und dafür einzustehen! So bunt war ein Buch voller Grau wohl noch nie! Die Fakten Die graue Stadt Torben Kuhlmann (Text + Illustration) NordSüd Verlag 64 Seiten Erschienen am 12.10.2023 Hardcover ISBN: 978-3-314-10652-1 Ab 8 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Website von Torben Kuhlmann Torben Kuhlmann auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den NordSüd Verlag für das digitale Rezensionsexemplar und die Bilder aus dem Buch. VERLOSUNG ZUM BOOK-RELEASE! Anlässlich der heutigen Buchpremiere darf ich dank dem NordSüd Verlag ein Exemplar von "Die graue Stadt" an euch verlosen! Kommentiere einfach unten, in welchem Bereich oder in welcher Beziehung du dir mehr Farbe wünschst, dann bist du im Lostopf! Weitere Lose gibt's hier: Instagram Facebook Die Verlosung startet mit der Veröffentlichung des Beitrags und endet am Donnerstag, 19. Oktober 2023, 23:59 Uhr. Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die Gewinner*innen. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den NordSüd Verlag. Zu diesem Zweck gebe ich die Adresse an den Verlag weiter. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! Deine Eliane * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Heartstopper - Volume 2

    Kennt ihr den Webcomic oder die Netflix-Serie "Heartstopper"? Passend zum Coming Out Day habe ich mir Band 2 des Erfolgscomics von Alice Oseman in der Printversion vorgenommen. Vielleicht kennt Alice Osemans Fortsetzungscomic um das schwule Liebespaar Charlie und Nick von Tumblr oder aus der Netflix-Serie, von der es mittlerweile zwei Staffeln gibt? Oder habt ihr wie ich Band 1 "Heartstopper - Boy trifft Boy" in der Printversion gelesen? Dann kann ich euch "Heartstopper Volume 2" nur ans Herz legen. Es geht genauso spannend und gefühlvoll weiter, wie es aufgehört hat! Coming out wider Willen Ein offizielles Coming Out sollte in einer idealen Welt gar nicht mehr nötig sein, weil dann alle Geschlechtsidentitäten, sexuelle und romantische Orientierungen akzeptiert wären und nicht mehr von einer cis-heteronormativen Vorstellung von Liebe, Sexualität und Geschlechtsidentität als "Normalzustand" ausgegangen würde. Aber davon sind wir noch weit entfernt. Und deshalb hat der Coming Out Day auch heute noch seine Berechtigung, um über LGBTQIA+-Themen zu sprechen und für die Anliegen der queeren Community zu sensibilisieren - und v.a. queeren Menschen zuzuhören, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten! Und hier kommen Charlie und Nick ins Spiel: Im Auftaktband wurde Charlie unfreiwillig geoutet und hat sich in seinen Schul- und Rugbykameraden und mit der Zeit guten Freund Nick verliebt. Band 2 setzt nun ein, nachdem Charlie Nick an einer Party geküsst hat. Oh nein, bestimmt hat er Nick damit völlig überrumpelt und der will jetzt gar nichts mehr von ihm wissen! Wären sie doch einfach gute Freunde geblieben. Doch Nick erwidert Charlies Gefühle. Auch wenn er bisher nur mit Mädchen zusammen war, zu Charlie fühlt er sich hingezogen, ist verliebt und möchte mit ihm zusammen sein. Das Schwierige daran ist nur, dass er erst einmal selbst mit der Situation klarkommen muss. Für sich herausfinden muss, wie er fühlt, als was er sich nun bezeichnen möchte. Schwul? Bi? Und wann er damit gegen aussen gehen möchte. Geprägt von seinem eigenen, unfreiwilligen Coming out gibt Charlie Nick alle Zeit, die er braucht. Neben Nicks Selbstfindung und seinem Coming Out, erzählt Alice Oseman in "Heartstopper Volume 2" auch noch eine wunderbare Freundschaftsgeschichte. Aber die müsst ihr selber entdecken! Alice Oseman hat die Graphic Novel mit abwechslungsreichen Panels in Graustufen illustriert und erzählt die Geschichte in wenigen Worten, manchmal sogar ganz ohne Worte. Ganz natürlich fliessen auch moderne Kommunikationsmittel, wie Messengerdienste, in die Kommunikation von Charlie und Nick ein. Toll ist auch, wie Alice Oseman immer wieder raus- und reinzoomt und uns mit kleinen Details grosse Geschichten erzählt. Ich möchte nach der wieder so begeisternden Lektüre unbedingt alle Bände von Heartstopper lesen. Demnächst erscheint schon Band 5, zeitgleich auf Deutsch und Englisch. Ich habe also noch etwas vor mir! ;-) Fazit Alice Oseman führt ihre Comic-Serie rund um Charlie und Nick - zuerst Freunde, dann ein Liebespaar - in "Heartstopper Volume 2" rasant und voller Gefühl weiter. Im Zentrum stehen das Zusammenkommen der beiden und das selbstbestimmte Coming Out von Nick. Eine tolle Graphic Novel - auch für Comiceinsteiger*innen, die queeren Jugendlichen Mut macht und alle anderen für das sensibilisiert, was wirklich zählt: Love is Love! Die Fakten Heartstopper Volume 2 Alice Oseman (Text + Illustration) Vanessa Walder (Übersetzung aus dem Englischen) Loewe Graphix 320 Seiten Erschienen am 15.06.2022 Hardcover ISBN 978-3-7432-0937-4 Ab 12 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Website von Alice Oseman Alice Oseman auf Instagram Alice Oseman bei X, formerly known as Twitter PS: Herzlichen Dank an Loewe Graphix für das Rezensionsexemplar. * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Cleopatra und Frankenstein

    Das Debüt von Coco Mellors "Cleopatra und Frankenstein" war im englischsprachigen Raum ein ziemlicher Erfolg. Ob es dem Hype gerecht wird? Lest selbst! "Cleopatra und Frankenstein" das erste Buch, das ich fast nur wegen der Übersetzerin, der fantastischen Lisa Kögeböhn, gelesen habe. Der amerikanisch-britische Hype war an mir vorbeigegangen und die Affiche, ein Roman über eine ungleiche Liebe in New York zu sein, hätte mich alleine jetzt auch nicht gekriegt. Aber wegen ebendieser Übersetzerin habe ich mir das Debüt der britisch-amerikanischen Autorin Coco Mellors dann im August, notabene der Women in Translation Month (#witmonth), vorgenommen. Mit über 508 Seiten passte das Buch erst noch wunderbar in das alljährliche #dickebüchercamp von Marina aka @nordbreze und in meine Ferien! ;-) Und schliesslich hatte ich durch unseren USA-Aufenthalt noch einen Grund, mich an diesen New-York-Roman heranzuwagen. Aber kommen wir mal zum Plot: Da treffen sich also die junge (und wunderschöne) Cleo, Studentin aus Grossbritannien, und der gut situierte Mittvierziger Frank an einem Silvesterabend in New York. So ungleich sie sind, so angezogen fühlen sie sich vom jeweils anderen und stürzen sich sofort in eine Beziehung. Ihre Romanze gipfelt (nicht nur, aber auch aus Visumsgründen) schon ein halbes Jahr später in der Hochzeit der beiden. Doch dann machen sich erste Risse bemerkbar und es wird klar, dass Franks Satz aus dem Eheversprechen zumindest nicht die ganze Wahrheit ist: "Wenn deine dunkelste Seite auf meine dunkelste Seite trifft, entsteht Licht." (S. 42) Vielleicht ist da durchaus Licht, aber eben auch Schatten. Denn bei Cleo und Frank drängen sich immer wieder Geister aus Vergangenheit und Gegenwart an die Oberfläche. So etwa ihre jeweiligen Beziehungen zu ihren Eltern, Cleos Depression oder harzige Karriere als Künstlerin und Franks exzessiver Alkoholkonsum und Arbeitswahn. Schon diese Mischung ist ziemlich toxisch und dann kommen auch noch andere Menschen ins Spiel und bringen die eh schon wacklige Ehe noch mehr ins Schwanken, etwa Franks promiskuitiver Freund Anders oder Eleanor, die neue Texterin in Franks Werbeagentur (das vermeintlich hässliche Entlein). Coco Mellors' Debüt ist stark Plot getrieben und so bin ich nur so durch die Seiten dieses Romans geflogen, ein echter Pageturner - sicher auch dank der famosen Übersetzung von Lisa Kögeböhn. Allerdings hat das Buch so einige Mängel: So sind fast alle Protagonist*innen - vielleicht mit Ausnahme von Eleanor und Santiago - ziemlich unsympathisch. Nun müssen Romanfiguren natürlich nicht unbedingt sympathisch sein, aber sowohl über Frank als auch über Cleo habe ich so einige Male den Kopf geschüttelt und sie machen auch nicht wirklich eine Entwicklung zum Besseren durch. Hinzu kommt, dass viele ihrer Entscheidungen und Handlungen - ob jetzt gut oder schlecht - einfach nicht nachvollziehbar waren. Die scheinbar dauer-verdrogten In-People von New York sind auch ganz schön klischeehaft. Natürlich gibt es da auch eine Alibi-PoC und einen besten schwulen Freund. Ich war zwar noch nie in New York, aber ich traue den Leuten dann doch mehr Vielschichtigkeit zu. ;-) Sehr sympathisch und lustig fand ich immerhin Eleanor mit ihrer jüdischen Mischpoche. "Als Frank mich vorstellt, wandert sein [Anders', A.d.R.] Blick über meinen Körper, als würde er einen Artikel überfliegen, weil er zu spät gemerkt hat, dass er ihn nicht interessiert, und ihn jetzt wohl oder übel zu Ende lesen muss." (S. 134) Dass man mit Eleanor mitfühlt, hat wohl auch damit zu tun, dass ihre Passagen die einzigen sind, die aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Vielleicht hätte es ganz gut getan, auch andere Protagonist*innen selber erzählen zu hören, anstatt sie relativ oberflächlich von aussen zu beobachten. Natürlich kann man diese Oberflächlichkeiten, die toxischen Männlichkeiten, die Objektifizierung von Frauen etc. - unter denen die Protagonist*innen zugegebenermassen auch leiden - als Gesellschaftskritik lesen, aber richtig explizit macht das die Autorin nicht. Trotz der Mängel, wundert es mich nicht, dass Warner Bros. bereits die Verfilmung als Serie angekündigt hat. Das könnte unterhaltsam und ziemlich witzig werden. Und wenn die Serie bissig genug wird, sogar eine bessere Version von "Sex and the City", wer weiss. Ich bin gespannt! Und ich kenne jetzt schon den nächsten Haustiertrend: Sugar Glider. Ich geb's zu, nach der Lektüre wollte ich auch einen. Wer mehr übers Übersetzen generell und ein paar Beispiele aus der Arbeit an "Cleopatra und Frankenstein" im Speziellen erfahren will, der kann beim Podcast eat.READ.sleep (Folge 84 vom 31.03.2023) mit Lisa Kögeböhn reinhören. Achtung: Hungergefahr! ;-) Fazit Ich habe "Cleopatra und Frankenstein" von Coco Mellors gerne gelesen. Für eine Ferienlektüre ist der Ausflug in die New Yorker Werbe- und Kunstszene ganz akzeptabel. Die Debütautorin schafft es, einen schnell reinzuziehen in den Strudel von Cleos und Franks Liebe, beweist Humor und liefert ein paar tolle Textstellen. Auch wenn der Roman mich nicht vollends begeistern konnte, erwarte ich mir von dieser neuen literarischen Stimme in Zukunft noch einiges. Die Fakten Cleopatra und Frankenstein Coco Mellors Lisa Kögeböhn (Übersetzung aus dem Englischen) Eichborn Verlag 512 Seiten Erschienen am 25.08.2023 Hardcover ISBN: 978-3-8479-0144-0 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Coco Mellors auf Instagram Lisa Kögeböhn auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Eichborn Verlag für das digitale Rezensionsexemplar und an Lisa Kögeböhn für das schöne Foto! Die Seitenzahlen beziehen sich auf die E-Book-Version, können also von der Printversion abweichen. Als Hörbuch bei Storytel - Hörbuch-Flatrate gratis ausprobieren! Eine gekürzte Version von "Cleopatra und Frankenstein", gesprochen von Julia Nachtmann, findet ihr bei Storytel. Das Hörbuch von Lübbe Audio dauert 12h 25m. Da habt ihr also richtig etwas davon! Mit dem 45-Tage-Probeabo* könnt ihr unverbindlich reinhören und habt zudem Zugang zu über 500'000 weiteren Hörbüchern und E-Books für Gross und Klein! Wir können es nur empfehlen. Wir hören sehr viel, ob nun zuhause oder unterwegs. Das Abo ist jederzeit kündbar. Nach der Probephase kostet es 14.90 Euro/Monat. Diese Bücher könnten euch auch gefallen Morgen, morgen und wieder morgen - Gabrielle Zevin (Eichborn 2023) Drifter - Ulrike Sterblich (Rowohlt 2023) 22 Bahnen - Caroline Wahl (Dumont 2023) Kochen im falschen Jahrhundert - Teresa Präauer (Wallstein 2023) Die Gesetzlose - Anna North (Eichborn 2022) Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier (Kampa 2022) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • In der Savanne stimmt was nicht!

    (Werbung/Verlosung) Seid ihr auf der Suche nach einem längeren und witzigen Vorlesebuch? Dann kann ich euch das neue Bilderbuch "In der Savanne stimmt was nicht!" von Madlen Ottenschläger und Andrea Stegmaier empfehlen. Und weil ich es so cool finde, habe ich sogar 3 Exemplare zum Gewinnen für euch im Gepäck! 4- bis 5-jährige Kinder können Geschichten schon richtig gut folgen und da darf ein Bilderbuch auch mal etwas länger sein. So ein richtig schönes Vorlesebuch mit viel Text, in das man richtig versinken kann, ist "In der Savanne stimmt was nicht!" von Madlen Ottenschläger und Andrea Stegmaier. Das Kinderbuch gibt richtig viel her für einen verregneten Nachmittag oder auch zum Vorlesen über mehrere Abende hinweg. Da ist was faul in der Savanne! Die Geschichte beginnt an einem Montag, an dem Leonie Löwe so richtig schlecht aus dem Bett kommt. Viel lieber würde sie weiterträumen. Doch das coole an Montagen in der Savanne ist, dass Familie Löwe dann immer Schokopudding zum Frühstück ist - aus einer roten Badewanne. Wie sie zu der Badewanne kamen? Das verrate ich an dieser Stelle nicht. ;-) Oberlöwenfies, würde Leonie wohl sagen. Aber um die Badewanne geht's auch nicht. Denn das Entscheidende passiert am Dienstag: Papa Löwe benimmt sich plötzlich so merkwürdig, verzieht das Gesicht, isst kaum, ruft laut "Auuuuuuuaaaaa!" und taucht erst noch vor dem achten Busch links, unter dem Affenbrotbaum auf, wo Zahnärztin Zora Zebra gerade einem Geparden ins Maul schaut. Was wir Leser*innen wissen, Leonie aber nicht: Papa Löwe hat fürchterliche Zahnschmerzen. Doch er traut sich nicht, das zuzugeben, denn er schämt sich - sieht er sich doch als Vorzeigezähneputzer - immer schön 180 Sekunden KAI - Kauflächen, Aussenflächen, Innenflächen. Und ja, er hat auch Angst vor Zora Zebra. Leonie merkt aber sofort, dass da was nicht stimmt in der Savanne, montiert ihren Detektivinnenhut, zückt ihre Lupe, schnappt sich ihren Freund Luis und macht sich auf den Weg, des Rätsels Lösung zu finden. Ob Leonie ihrem Vater auf die Schliche kommt und ob Papa Löwe am Ende zu seinen Zahnschmerzen steht und sich in Zora Zebras Hände begibt, müsst ihr selber herausfinden! Oberlöwenstark erzählte und illustrierte Geschichte Madlen Ottenschlägers Geschichte lebt von der Nähe, die Kinder sofort zu Leonie spüren werden, von süssen Details wie den Glühwürmchen Emma und Anton und massenweise witzigen Einfällen wie den geburtstagswütigen Hyänen oder dem Erdferkel, das sich vom König der Savanne - ja, Papa Löwe - zum Wasserloch kutschieren lässt. Darüber hinaus traut die Kinderbuchautorin Kindern auch bezüglich Wortschatz und Wortspielereien einiges zu und spricht sie immer wieder direkt an. Andrea Stegmaier - fleissige Leser*innen meines Blogs kennen sie (siehe unten) - hat die Geschichte in ihrem unverkennbaren Stil in wunderbar savannenwarmen Farben, kontrastiert mit schönem Graublau bis Mint illustriert. Auch sie hat ihre Bilder mit schönen Details angereichert - wie süss ist bitte der geflickte Stofftierpinguin?! Eine gute Message (Zähneputzen ist wichtig und zu Zahnschmerzen soll man stehen) ist auch noch dabei, aber die finde ich persönlich zweitrangig. Die Geschichte funktioniert auch einfach als gut erzählte Geschichte. Wenn ihr aber zuhause Zahnputz-Issues habt, könnt ihr das Buch ja mal ausprobieren, dann ist "Zähneputzen mit ohne Lust" sicher ein schöner Nebeneffekt. Wenn ihr euch noch mehr Einblicke wünscht und noch einen Fan Fact zum Buch erfahren wollt, schaut mal in Andrea Stegmaiers Insta-Post zum Buchrelease vorbei! Fazit Auf so humorvolle, fantasiereiche und sprachverliebte Weise hat wohl noch nie jemand in einem Kinderbuch vom Zähneputzen und von Zahnschmerzen erzählt, wie dies Madlen Ottenschläger und Andrea Stegmaier in ihrem Kinderbuch "In der Savanne stimmt was nicht!" tun. Grosse (Vor-)Leseempfehlung - für alle Zahnputzmuffel und Löwenfans! Fakten In der Savanne stimmt was nicht! Madlen Ottenschläger (Text) Andrea Stegmaier (Illustration) Carlsen 80 Seiten Erschienen am 28.07.2023 Hardcover ISBN: 978-3-551-52206-1 Ab 4 bis 5 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Madlen Ottenschläger auf Instagram Andrea Stegmaier auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Carlsen für das Rezensionsexemplar und die Verlosungsexemplare. Weitere Kinderbücher von Andrea Stegmaier bei mint & malve Einfach buddeln! - Wenda Shurety, Andrea Stegmaier (Carlsen 2023) Home - A Story of Two Children Thrust Into Homelessness and Uncertain Housing Situations - Tonya Lippert, Andrea Stegmaier (Magination Press 2022) Die gestohlene Weihnachtsgans - Johanna Lindemann, Andrea Stegmaier (Annette Betz 2021) Gebrannte Mandeln für Grisou - Nikola Huppertz, Andrea Stegmaier (Tulipan 2020) VERLOSUNG: Gewinne eins von 3 Exemplaren! Mit Unterstützung des Carlsen Verlags darf ich 3 Exemplare von "In der Savanne stimmt was nicht!" verlosen. Es gibt hier, auf Instagram und Facebook je einen Lostopf. Ich lose jeden Topf einzeln aus. So geht's: Kommentiere, ob du oder dein Kind / deine Kinder auch schon mal schreckliche Zahnschmerzen hatten. Weitere Lose gibt's hier: Instagram Facebook Die Verlosung startet mit der Veröffentlichung des Beitrags und endet am Donnerstag, 12. Oktober 2023, 23:59 Uhr. Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die Gewinner*innen. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den Carlsen Verlag. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! Deine Eliane * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Wie wir den Frieden lernten

    (Werbung/Verlosung) Mit "Wie wir den Frieden lernten" erzählt Annika Klee eine Geschichte vom Verlieren und Wiederfinden des Friedens. Nini Alaska hat das Kinderbuch zum Vorlesen oder Selberlesen wunderschön bebildert. Ihr könnt ein Exemplar des Buches bei mir gewinnen! Manchmal kann es schnell gehen und aus einer Kleinigkeit wird ein riesiger Streit. Kennt ihr das? Und oft ist den Streitparteien auch schnell nicht mehr bewusst, weshalb sie überhaupt streiten. Es geht dann nur noch ums Prinzip. Jede*r will recht haben, gewinnen, das Gesicht wahren. Genauso passiert es im neuen Kinderbuch "Wie wir den Frieden lernten" von Annika Klee (weitere ihrer Bücher habe ich unten verlinkt). Hilda, die Ich-Erzählerin des Buches, geht in Klasse A von Frau Fischer. Gemeinsam mit Klasse B von Frau Hecht befassten sie sich aktuell mit den Römern (und hoffentlich auch ein paar Römerinnen ;-)). Zum Projekt gehörte es auch, eine römische Stadt nachzubauen. Mitten im Projekt gerieten Lea und Nicola im Treppenhaus aneinander und Lea stürzte mit dem liebevoll aufgebauten Kartonmodell eines Tempels. Da Lea aus der A Nicola aus der B vorwarf, sie mit Absicht gestossen zu haben und Nicola voller Ärger reagierte und Lea beleidigte, brach ein Streit aus. Hilda und andere aus der A hielten zu Lea, die aus der B hielten zu ihrer Klassenkameradin Nicola. Stück für Stück schaukelte sich der Streit - der vielleicht auch nur aus einem Missgeschick entstand - zu einem veritablen Klassenkrieg hoch. Die beiden Klassen hatten sich so in dem Streit verrannt, dass niemand mehr die Reissleine zog und den Streit hinterfragte, einen Schritt auf die anderen zuging oder eine der Lehrerin um Hilfe bat. Und so kam es kurz vor der Präsentation der Römerstadtmodelle für die Eltern zum grossen Eklat. Aufgrund der drohenden Schande vor den Eltern schafften es Hilda und ein paar Freund*innen dann doch noch, das Ruder herumzureissen und mit Hilfe der beiden Lehrer*innen fanden sie einen Ausweg aus dem Schlamassel. Dabei beschäftigten sie sich eingehend mit dem Thema Frieden und Versöhnung. Der Weg zurück zum Frieden Annika Klee erzählt in ihrer Geschichte zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren oder für Kinder ab 6 Jahren sehr gut nachvollziehbar von der sich immer schneller drehenden Spirale, die aus einer Kleinigkeit eine riesige Auseinandersetzung werden lässt. Im übertragenen Sinne könnte man sagen: wie aus Frieden Krieg wird. Natürlich geht es hier nicht um sich streitende Staaten, sondern um eine Alltagssituation. Und zum Glück kommen auch keine Menschen körperlich zu schaden. Aber die Geschichte macht trotzdem nachvollziehbar, wie ein kleiner Konflikt zu einem grossen eskalieren kann. Erst als die Kinder vor dem Scherbenhaufen ihrer zerstörten Stadtmodelle standen, fand ein Umdenken statt. Und so schildert die Autorin am Ende schön, wie Hilda und ihre Freund*innen und die vermeintlichen Gegner*innen mit eigener Kraft die Gewaltspirale durchbrachen und auf einen friedlichen Weg zurückfanden. Die Kinder besinnten sich darauf, dass man direkt von Beginn weg offen über Probleme sprechen sollte, damit sie sich gar nicht zu einem riesigen Problemberg auftürmen können. Und sie entwickelten nicht nur eine Idee, über die sie wieder zusammenfinden, sondern auch, wie sie den Frieden künftig erhalten könnten, damit so etwas gar nie mehr geschieht. Nini Alaska hat die Geschichte in ihrem typischen Stil mit warmen Farben illustriert. Die Kinder sind recht vielfältig dargestellt - mit unterschiedlichen Hauttönen, Haarfarben und Frisuren, mal mit und mal ohne Brille. Die Bilder reichen von ganzseitigen Illustrationen bis zu kleinen Vignetten auf weissem Hintergrund. Besonders gut gefallen mir die Bäume mit den kunterbunten Blättern. Ein erzählerisch und gestalterisch besonderer Clou ist das Buch im Buch. Aber das müsst ihr selber entdecken! Fazit "Wie wir den Frieden lernten" von Annika Klee und Nini Alaska ist ein gelungenes Kinderbuch zum Vorlesen oder Selberlesen, um über Konflikte und Konfliktlösung ins Gespräch zu kommen. Es bietet sich sowohl für zuhause als auch für die Schule an, um in Themen wie Krieg und Frieden einzusteigen und an eigene Erfahrungen der Kinder anzuschliessen. Die Fakten Wie wir den Frieden lernten Annika Klee (Text) Nini Alaska (Illustration) Jupitermond 40 Seiten Hardcover Erschienen am 27.09.2023 ISBN: 978-3-949239-10-6 Ab 5 Jahren (zum Vorlesen), ab 8 Jahren (zum Selberlesen) Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Annika Klee auf Instagram Nini Alaska auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Jupitermond Verlag für das digitale Rezensionsexemplar sowie die zur Verfügung gestellten Bilder. Weitere Kinderbücher über Frieden, Krieg und Streit auf mint & malve Lilly und Billy. Ich bin nicht schuld! - Ursula Gruss, Lukas Oleschinski (KraeHe Verlag 2022) Frieden - Baptiste Paul, Miranda Paul, Estelí Meza (NordSüd Verlag 2021) Wem gehört der Schnee? - Antonie Schneider, Pei-Yu Chang (NordSüd Verlag 2019) Irgendein Berg - Fran Pintadera, Txell Darné (Peter Hammer Verlag 2018) Weitere Kinderbücher von Annika Klee bzw. Nini Alaska Ava und die Rückkehr der Farben - Annika Klee, Stella Eich (Jupitermond Verlag 2023) Ellas Elfentanz - Annika Klee, Stella Eich (Jupitermond Verlag 2022) Haiferien - Nini Alaska (Tulipan 2020) Hollie und Fux - Nini Alaska (Tulipan 2019) VERLOSUNG: Gewinne 1 Exemplar! Zum Tag der Deutschen Einheit darf ich mit Unterstützung des Jupitermond Verlags ein Exemplar von "Wie wir den Frieden lernten" von Annika Klee und Nini Alaska an euch verlosen. So geht's: Kommentiere, was du hilfreich findest, um den Frieden zu erhalten, egal ob im Kleinen oder im Grossen. Weitere Lose gibt's hier: Instagram Facebook Die Verlosung startet mit der Veröffentlichung des Beitrags und endet am Montag, 9. Oktober 2023, 23:59 Uhr. Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die Gewinner*innen. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den Jupitermond Verlag. Zu diesem Zweck gebe ich deine Adresse an den Verlag weiter. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! Eure Eliane * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Drifter

    Mit "Drifter" von Ulrike Sterblich stelle ich euch wohl das ungewöhnlichste Buch von der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023 vor. Ich hab's auf jeden Fall geliebt. Wenn ihr Lust auf ein humorvolles Buch von der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2023 habt, kann ich euch neben meinem Patenbuch "Kochen im falschen Jahrhundert" von Teresa Präauer nun auch "Drifter" von Ulrike Sterblich wärmstens empfehlen. Ulrike Sterblich erzählt eine Geschichte, die schwerlich nachzuerzählen ist, so absurd ist sie, so viele mehr oder weniger glaubwürdige Wendungen nimmt sie und so viel skurriles Personal - tierisches und menschliches - fährt sie auf. Ich habe mich köstlich amüsiert, habe die popkulturellen Referenzen aufgesogen und die tiefgründigeren Metaebenen nebenbei mitgenommen. Bestimmt gäbe eine zweite oder dritte Lektüre oder die Diskussion in einem Lesekreis noch viel mehr Lesarten, viel mehr Schichten dieses irrwitzgen Romans frei. Ein Gang zur Pferderennbahn verändert alles Aber worum geht es denn nun? Wagen wir einen Versuch der Inhaltsbeschreibung, ohne zu viel zu verraten und euch den ganzen Lesespass zu nehmen: Ich-Erzähler ist Wenzel Zahn, irgendwo zwischen 30 und 40. Er arbeitet beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ist dort zuständig fürs Community-Management, sprich: die Kommentarspalten. Ihr könnt euch vorstellen, was er da täglich zu Gesicht bekommt. Da braucht man schon so seine Coping-Strategien. Dieser Wenzel fährt nun mit seinem besten Freund Killer (eigentlich Marco Killmann) auf die Pferderennbahn. Eine schicksalhafte Unternehmung, denn nicht nur sieht Wenzel unterwegs eine Frau im goldenen Kleid mit dem neuen, noch nicht erschienenen Roman von Kultautor K:B Drifter, nach dem Pferderennen zieht auch noch ein Gewitter auf und Killer wird vom Blitz getroffen. Er überlebt zwar ohne grössere Blessuren, ist aber ziemlich verändert. Er kündigt seinen lukrativen Job als PR-Chef und zieht zurück in das Mietshaus am Stadtrand, in dem die beiden Freunde ihre Kindheit gemeinsam verbracht haben und wo Killers Mutter immer noch lebt. Scheinbar zufällig trifft Wenzel die Frau aus der Bahn wieder. Es stellt sich heraus, dass es sich um Vica handelt, eine bekannte Influencerin von LosVideos. Durch Wenzels Vermittlung bezieht sie mit ihrer dubiosen Firma mehrere Wohnungen in besagtem Wohnblock am Stadtrand. "Ich stellte mir noch einmal all die Fragen, die nur Vica beantworten konnte, also, woher kam der unveröffentlichte Drifter, was sollte das mit dem in die Luft gemalten Blitz, woher kannte sie meinen Namen, und hatte sie mich gesehen in der Straßenbahn, oder woher wusste sie, wo ich wohnte? Ich griff nach meinem Smarti und spielte zwei Runden FreeCell." (S. 36) Alles scheint hier mit allem verbunden zu sein, Vica weiss zudem verdächtig viel über Wenzel und Killer und zieht ihr Netz durch alle Lebensbereiche der beiden. Es geschehen fantastische Dinge, unmögliche Zufälle, es finden rauschende Partys statt, Wenzel begibt sich auf die Suche nach Drifter und seinem angeblich neuen Buch, das es doch nicht zu geben scheint, und alles wird immer surrealer. Und doch findet sich Wenzel in dieser neuen Welt mit seinem veränderten besten Freund irgendwie immer besser zurecht. "So, dachte ich, jetzt ist es amtlich: Bei Killer hatte sich was verschoben. Es ist nicht so, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Aber er hat das Geschirr neu sortiert." (S. 56) Ein literarisches Dickicht popkultureller Referenzen und unerwarteter Wendungen Um "Drifter" zu mögen, muss man Spass an Skurrilem haben, an Wissenslücken, die sich auch im Verlauf des Romans nicht wirklich aufklären. Dem Buch von Ulrike Sterblich merkt man auf jeder Seite die pure Lust am Erzählen, die Freude an der Sprache und an einer Mannigfaltigkeit an Referenzen an. Alte (und junge) FreeCell-Gamer*innen - wie ich - werden spätestens ab Seite 24 Fan sein. Smartwatch-Träger*innen wird es vielleicht kurz etwas unheimlich. Anhänger*innen von Wolfgang Herrndorf (siehe meine Besprechungen von "Tschick" und "Bilder deiner grossen Liebe") und überhaupt popkultureller Literatur und alternativer Online-Foren wird das "Ministerium für ehrliche Propaganda" in Anlehnung an "Wir höflichen Paparazzi" den Ärmel reinziehen. "Wie meistens, wenn ich mich zwischen zwei oder mehr Zuständen mental eingekeilt fühlte, spielte ich als Übersprungshandlung eine Runde FreeCell..." (S. 24) "Drifter" ist nun aber nicht einfach ein witziger Roman, es werden durchaus tiefgründige Themen angesprochen. Sie werden zwar nicht eingehend diskutiert, aber die Leser*innen werden dazu angeregt, sich über Themen wie Social Media und Medien generell, Tracking und andere Datensammlungen, lebenslange Freundschaften, die Liebe, soziale Klasse und mehr Gedanken zu machen. Dass die Themen nicht zerredet werden, finde ich gerade das Gute an diesem Roman. Denn er ist an sich schon opulent genug und nur Ulrike Sterblichs Gabe, uns die an sich unglaubwürdige Handlung als total glaubhaft zu verkaufen und in wunderbare Sprache zu packen, treibt uns durch das Buch. "Wäre es jetzt hier zu Ende gewesen, hätten wir uns jetzt verabschiedet, wäre es ein schöner, vielleicht sogar besonderer Abend mit neuen Bekanntschaften gewesen, aber ein isolierter Wert, der nicht in mein weiteres Leben hineinragte, in die dezidierten Merkwürdigkeiten, die mich überwucherten, als hätte ein wild gewordener Gärtner alles vollgepflanzt mit Lianen und Kletterpflanzen, mit Gewirr und Gewirk und Dickicht, in dem ich die Orientierung verlor inmitten blühender Opulenz." (S. 151) Fazit Ich könnte immer wieder in den genialen Bildern und den abstrusen Wendungen dieser Geschichte von Ulrike Sterblich versinken. "Drifter" macht einfach Spass und man entdeckt sicher bei jeder Lektüre, bei jedem Gespräch über das Buch wieder eine neue Facette. Ich freue mich sehr, dass ein solcher Roman es auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hat. Ich gehe zwar davon aus, dass ein ernsteres Buch gewinnen wird, aber gönnen würde ich es Ulrike Sterblich sehr. Und jetzt muss ich ihr Memoir "Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt"* und ihren Debütroman "The German Girl"* unbedingt auch noch lesen! Die Fakten Drifter Ulrike Sterblich Rowohlt 288 Seiten Erschienen am 17.07.2023 Hardcover ISBN: 978-3-498-00326-5 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Ulrike Sterblich auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Deutschen Buchpreis und den Rowohlt Verlag für das digitale Rezensionsexemplar. Die Seitenangaben beziehen sich auf die E-Book-Variante und können von der Printversion abweichen. Weitere Bücher der Longlist oder Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023 bei mint & malve Die Möglichkeit von Glück - Anne Rabe (Klett-Cotta 2023) Kochen im falschen Jahrhundert - Teresa Präauer (Wallstein 2023) Birobidschan - Tomer Dotan-Dreyfus (Voland & Quist 2023) Zum Deutschen Buchpreis 2023 * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

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