Früh übt sich, was ein Bücherwurm werden will

17/04/2018

Das Sprichwort «Früh übt sich, was ein Meister werden will» gilt auch für künftige Leserinnen und Leser. Das Üben beginnt in diesem Fall nicht mit dem Schulstart, sondern viel früher mit dem Vorlesen. Im Interview mit Anita Müller vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM gehe ich den Vorteilen des Vorlesens nach. Und ihr könnt ein Buchstartpaket gewinnen!

 

 

«Kinder, die von Anfang an mit Büchern aufwachsen, sind im Vorteil.» sagt Buchstart Schweiz – eine gemeinsame Initiative der Stiftung Bibliomedia Schweiz und des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien SIKJM (vgl. Blogbeitrag zum Thema Buchstart). Weshalb das so ist, welche Bücher für die Kleinsten empfehlenswert sind und wie das Vorlesen ab Geburt gelingt, habe ich Anita Müller gefragt. Sie ist Direktorin des SIKJM und damit sozusagen oberste Chefin des ersten Schweizer Vorlesetags am 23. Mai.

 

 

 

MINT & MALVE: Frau Müller, ich freue mich, dass Sie sich für dieses Interview im Rahmen meiner Blogparade «Im #vorlesefieber mit MINT & MALVE» zur Verfügung stellen und aus Ihrer Erfahrung mit Kinder- und Jugendmedien sowie mit der Leseförderung berichten.

 

Welches ist Ihre erste Erinnerung ans Vorlesen?

Das sind kuschelige Momente auf dem Sofa mit meiner Mutter und meiner kleinen Schwester. «Joggeli söll ga Birli schüttle!», «Zottel, Zick und Zwerg»… Ich erinnere mich aber auch, wie gebannt ich vor dem Plattenspieler Trudi Gerster lauschte, die «Hänsel und Gretel» erzählte!

 

 

Vorlesen sollte ganz früh beginnen, weshalb?
Die ersten Jahre sind zentral für die sprachliche Entwicklung. Kinder, denen von klein auf regelmässig vorgelesen wird, verfügen über einen grösseren Wortschatz, sie werden mit sprachlichen Strukturen vertraut, entwickeln ihr Vorstellungsvermögen und vor allem: Sie erleben die Freude am Buch und an Geschichten. All dies sind wichtige Voraussetzungen und Kompetenzen für den späteren Leseerwerb.

 

 

Und deshalb braucht es einen Schweizer Vorlesetag?
Es gibt immer noch viel zu viele Kinder, denen nur selten oder gar nie vorgelesen wird. Der Schweizer Vorlesetag hat deshalb Kampagnencharakter: Wir wollen öffentlichkeitswirksam ein Zeichen setzen und vor allem auch Bevölkerungskreise für das Vorlesen gewinnen, die das bisher zu wenig pflegen. Unsere Hauptpartner famigros und 20 Minuten, Promis und ein grosses Netzwerk an Partnerorganisationen helfen uns dabei.

 

 

Ich höre von Eltern in meinem Umfeld ab und zu: «Ich lese nicht gerne vor. Ich kann das nicht gut.» Was raten Sie unsicheren Eltern?

Bleiben Sie locker, es geht beim Vorlesen nicht um Perfektion! Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe, suchen Sie sich mit Ihrem Kind einen gemütlichen Platz und lesen Sie in der Sprache vor, in der Sie sich am wohlsten fühlen. Wichtig sind das gemeinsame Erleben einer Geschichte und die Aufmerksamkeit, die Sie Ihrem Kind schenken.

 

 

Welche anderen Tipps sorgen dafür, dass das Vorlesen gelingt?
Machen Sie aus dem Vorlesen ein kleines tägliches Ritual – vor dem Schlafengehen oder über Mittag zum Beispiel. Versuchen Sie, die Geschichte zum Leben zu bringen: Verändern Sie je nach Figur Ihre Stimme, sprechen Sie mal leiser, mal lauter, machen Sie Pausen, setzten Sie Mimik ein, beziehen Sie beim Erzählen Ihr Kind ein mit Fragen und Blickkontakt. Und wenn das Kind dieselbe Geschichte zum x-ten Mal schon wieder hören will: Machen Sie mit. Wiederholungen sind wichtig für das Kind und jedes Mal wird es dabei etwas Neues hören, sehen und lernen (alle Tipps auf einen Blick).

 

 

Was könnten denn der Staat, Private, Bibliotheken, Buchhandel oder Verlage noch tun, um das Vorlesen zu fördern?
Private: Just do it! Bibliotheken bieten schon viel an. Allgemein würde ich jedoch anregen, dass in Bibliotheken und Schulen nicht nur für die ganz Kleinen vorgelesen wird, sondern auch für ältere Kinder. Das Vorlesen bleibt wirksam und motivierend, auch über das Kleinkindalter hinaus. Der Staat kann mithelfen, die Eltern zu sensibilisieren, er kann Vorleseinitiativen unterstützen…

 

 

Was macht für Sie das ideale Kinderbuch aus?

Das ideale Kinderbuch ist das, welches im Moment am besten zu Ihrem Kind passt. Jedes Kind ist unterschiedlich und hat unterschiedliche Vorlieben und Interessen. Eine gute Idee ist deshalb, das Vorlesebuch mit Ihrem Kind gemeinsam auszuwählen. Lassen Sie sich gemeinsam ganz einfach von der Lust auf ein bestimmtes Buch leiten!

 

 

Zum Abschluss nimmt mich natürlich noch wunder, welches denn Ihre drei liebsten Kinderbücher für die Kleinsten sind.
Das ändert sich ständig, denn jedes Jahr erscheinen viele neue, tolle Bücher. Für die Kleinsten veröffentlichen wir jeweils jährliche Empfehlungen. Drei persönliche Tipps, auch für schon etwas ältere Kinderbuchbegeisterte: «Marta & ich» von It’s raining elephants; «Pass auf mich auf» von Lorenz Pauli; «Nur ein Tag» von Martin Baltscheit.

 

 

«Marta & ich» gehört auch zu meinen Favoriten aus dem letzten Jahr (zum Blogbeitrag)! 


Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem ersten Schweizer Vorlesetag am 23. Mai. Ich hoffe, es wird der erste in einer langen Reihe von Schweizer Vorlesetagen sein! 

 

 

Anita Müller leitet seit 2014 das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM.

 

Frühere Tätigkeiten beinhalten die Leitung von swisspeace, die Leitung des Pro Helvetia-Regionalbüros in Kairo und eine Tätigkeit in der internationalen Kulturvermittlung bei der Erklärung von Bern.

 

Anita Müller promovierte an der Universität Zürich in Geschichte und studierte Arabische Sprache und Literatur.

 

 

Wer mehr über die Wirkung des «Vorlesens» erfahren will, dem sei der Artikel von Maria Becker in der Fachzeitschrift Buch&Maus (März 2018) empfohlen.

 

Fünf meiner liebsten Bilderbücher für Kinder ab 12 Monaten findet ihr im Blogbeitrag «Starkes aus Pappe».

 

 

Das SIKJM setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der jedes Kind die Chance hat, mit guten Geschichten und Büchern zu wachsen. Das Institut gehört mit seinen Projekten zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenzen von Kindern zu den Pionieren der Leseförderung und der Family-Literacy-Initiativen.


Das SIKJM ist die einzige Organisation in der Schweiz, die sich auf Kinder- und Jugendliteratur in allen Medien spezialisiert. Es verfügt über eine einmalige Spezialbibliothek, widmet sich der Erforschung der Kinderliteratur, bietet Weiterbildungen und Beratungen an und entwickelt Projekte zur Leseförderung. Zu den herausragenden Projekten gehört neben dem Schweizer Vorlesetag die seit über 25 Jahren durchgeführte Schweizer Erzählnacht, die Buch-Initiative "Buchstart" und das preisgekrönte, interkulturelle Projekt "Schenk mir eine Geschichte".

 

 

 

Vorlesen braucht deine Stimme! Mach am 23. Mai 2018 am ersten Schweizer Vorlesetag mit: Lese in deiner Familie, in einer Schule, einem Kindergarten oder einem anderen Vorleseort eine Geschichte vor und trage dich auf der Website ein. Jeder Eintrag zählt!

 

Der vom SIKJM initiierte Schweizer Vorlesetag ist ein nationaler Aktionstag, der zeigt, wie wichtig und schön Vorlesen ist. Denn regelmässiges Vorlesen schafft nicht nur Nähe, sondern unterstützt Kinder auch in ihrer Entwicklung. Kinder, denen täglich vorgelesen wird, haben einen grösseren Wortschatz und sie lernen leichter lesen und schreiben.

 

 

Im #vorlesefieber mit MINT & MALVE: Anlässlich des ersten Schweizer Vorlesetags vom 23. Mai 2018 findet bei MINT & MALVE die Blogparade #vorlesefieber statt.

 

Mit Beiträgen rund ums Vorlesen zeige ich vom 11. April bis zum 23. Mai 2018, wie wichtig und schön das Vorlesen ist, wie viel Spass und spannende Stunden Kinderbücher den Kindern und ihren Bezugspersonen bringen.


Du bist selber Blogger oder Autorin für ein Online-Magazin? Dann nimm an der Blogparade teil und zeige, was Vorlesen für dich bedeutet – egal, ob mit Kinderbuchtipps, Tipps zum Vorlesen, Einrichtungstipps für die Vorleseecke, einem DIY oder Rezepten rund ums Buch. Deinen Ideen sind keine Grenzen gesetzt! Die Details und die bisherigen Beiträge zur Blogparade findest du im Auftaktbeitrag.

 

 

Verlosung: 2 x Buchstartpaket gewinnen!

 

Unter allen neuen Abonnentinnen und Abonnenten meines Newsletters verlose ich bis Freitag, 20. April 2018, 23:59 Uhr, zwei Buchstartpakete. Die Teilnahme ist nur für erwachsene Personen aus der Schweiz möglich. Viel Glück!

 

Herzlichen Dank an Bibliomedia Schweiz für die Verlosungsexemplare. Mehr über das Projekt "Buchstart" und das Bilderbuch "Nori geht schlafen" erfahrt ihr im Blogbeitrag.


 

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