Lügen haben platte Reifen

14/03/2019

Der Schweizer Autor Simon Libsig begeistert mit seinem zweiten Roman "Der Velodieb, der unters Auto kam". Es ist die Geschichte eines Taugenichts, der in der Kleinstadt Baden sein Glück sucht.

 

 

Frederik Dubois ist ein Versager, wie er im Buche steht: Sein Medizinstudium hat er verhauen, das Jusstudium abgebrochen, seine Miete in einer Zürcher WG kann er nicht mehr bezahlen und auf dem Bankkonto klafft eine gähnende Lücke. Seine Eltern dürfen das aber auf keinen Fall erfahren, sie wären zu Tode betrübt.

 

Im Westen nichts Neues?

Also flunkert Frederik seinen Eltern per Brief vor, es laufe prima im Studium und im Privatleben. Gleichzeitig macht er sich in Richtung Westen auf, um sein Glück in der Schweizer Kleinstadt Baden zu suchen. In der Stadt also, in der ich auch einige Jahre gelebt habe und die ich ab und zu schon vermisse: Die engen Gassen, das Kopfsteinpflaster, die Limmatpromenade, den Stadtturm, das kulturelle Angebot... Nur hielt sich Frederik Dubois einige Jahrzehnte vor mir in Baden auf, als das Fahrrad - oder eben das Velo - das Strassenbild noch dominierte und Autos eine Ausnahmeerscheinung waren, die hohen Tieren wie Stadtrat Dürr oder coolen, reichen Söhnen vorbehalten waren.

 

Kurz und gut: Frederik Dubois quartiert sich also bei der Schlummermutter Frau Holenstein ein. Nur wird diese immer ungemütlicher, weil er nicht mal eine Anzahlung für das Zimmer leisten kann. Es muss also schleunigst ein Job her. Diesen findet er wie durch ein Wunder bei Schlosser Hauenstein, der aber keinen Vorschuss locker machen möchte und sich ziert, seinem neuen Gehilfen den ersten Lohn auszuzahlen. Frederik geht trotzdem weiter zur Arbeit, denn Hauensteins Tochter Elly hat es ihm angetan und mit Schlossermeister Hauenstein ist nicht gut Kirschen essen.

 

Auf der schiefen Bahn

Da bei seinem Broterwerb vorläufig keine Kohle rausspringt, erschliesst Frederik eine andere Einnahmequelle: Er klaut Velos, um sie ihrer Schläuche zu berauben, denn die sind gerade Mangelware und lassen sich über den lokalen Velohändler bestens verkaufen. Eins der geklauten Fahrräder gehört Stadtrat Dürr und beherbergt wertvolles, weisses Pulver. So wird der nichtsahnende Velodieb in die illegalen Machenschaften des Stadtrats verwickelt. Und das könnte böse Folgen haben, denn Stadtrat Dürr führt ein Doppelleben und um dieses zu schützen, setzt er die Stadtpolizei auf das geklaute Velo mit der wertvollen Fracht an. Gleichzeitig schickt sein Zürcher Auftraggeber einen Auftragsmörder nach Baden, um Dürr unter Druck zu setzen und möglichst schnell in Besitz des weissen Pulvers zu kommen.

 

Ihr seht, in diesem rasanten Roman mit einigem Lokalkolorit ist alles und jeder irgendwie miteinander verbandelt - wie das in einer kleinen Stadt eben so ist. Die kriminellen Energien, politischen Ränkespiele und gefühlstechnischen Achterbahnfahrten ihrer Bewohnerinnen und Bewohner tun ihr übriges, um das Buch zur spannenden und witzigen Kriminalgeschichte zu machen. Ausserdem ist das Buch aus dem neu gegründeten "LIBRIUM, DER VERLAG" ein gestalterisches Kunstwerk: Sei es das schimmernde Cover, das strukturierte Vorsatzpapier oder die Fadenbindung. Hier passt alles zusammen.

 

Fazit

"Der Velodieb, der unters Auto kam" von Simon Libsig ist allen Leserinnen und Lesern zu empfehlen, die es gerne spannend, ironisch, teils entlarvend und sehr witzig mögen. Wer dann noch Bezug zur Stadt Baden hat oder gerne mit dem Velo unterwegs ist, muss das wunderschön gestaltete Buch unbedingt haben - oder verschenken!

 

Die Fakten

 

Der Velodieb, der unters Auto kam

Simon Libsig

Librium Bücher

141 Seiten

Erscheinungsjahr: 2018

ISBN: 978-3-9525046-0-4

 

Website von Simon Libsig

 

 

 

 

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