Das Glück kommt mit Gebimmel

Und mit Eis und Buntheit und Aussergewöhnlichkeit. Zumindest ist das im Kinderbuch "Das Ei von Aua" von Rike Drust und Mareike Engelke so. Weshalb, versuche ich euch mal zu erklären.



"Kinder finden es nie zu kalt für Eis. Das finden immer nur die Eltern."

Stimmt, oder? Und ich muss sogar zugeben, dass ich es für mich selber auch nie zu kalt für Eis finde. Ich sage einfach Glace dazu. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls ist es um mein Herz schon bei diesem vorangestellten Satz von Rike Drust geschehen. Denn der zeugt eindeutig davon, dass hier eine Kennerin der Kinderseele schreibt. Ja, es lässt sich sogar vermuten, dass Rike sich ganz viel vom eigenen Kind in sich bewahrt hat. Und das liebe ich!


Ein einsamer Berg

Aber gut, ich schweife ab. Kurz, worum es geht: Bob ist ein Berg. Er ist aber leider kein normaler Berg, weil seine Mama ein Schwamm war. Das heisst, man kann ihn nicht begehen, nicht bekraxeln, nicht besteigen, nicht hinunterrodeln, ja, nicht mal ganz sanft betreten, ohne dass man einsinkt. Die Feuerwehr hält ihn deshalb sogar für gemeingefährlich und hat ihn mit viel Flatterband abgesperrt.


"Von weitem sehe ich aus wie ein ganz normaler Berg. Aber wer näher herankommt, kann erkennen, dass ich ein trauriger Berg bin. Und wer versucht, mich zu besteigen, versteht auch warum: Auf mir kann kein Mensch stehen."


Man kann sich also vorstellen, wie langweilig so ein Bergleben ist, wenn keine spielenden Kinder auftauchen, keine Wanderer*innen auf einem rumstapfen, ja nicht mal Vögel sich niederlassen können. Bobs Leben ändert sich aber schlagartig, als die Eisverkäuferin Aurora mit ihrem verlotterten Eiswagen und viel Gebimmel auftaucht. Dicht gefolgt von der rauchenden (ungesund!!) Rauchschwalbe Emma. Wie sich die Sache entwickelt, kann ich leider nicht verraten, denn dann müsstet ihr dieses wunderbare Buch ja nicht mehr lesen und das wäre ein grosses Versäumnis!


Durch die Hintertür

Die Geschichte an sich, erobert mein Herz eher so durch die Hintertür, denn man fragt sich relativ lange, worauf die Autorin mit der Geschichte hinaus will. Das ist natürlich wieder so ein Erwachsenending. Meine Grosse hat sich der Geschichte einfach hingegeben und war sofort begeistert. Erstens wegen dem Eis (dazu am Ende noch eine kleine Kritik) und zweitens, weil sie so gut nachvollziehen kann, was für ein komisches Gefühl Bob in sich spürt, als ihn kaltes Eis berührt.



Was ich am Buch grossartig finde, sind mehrere Dinge: Erstens Wörter wie Emmajuchzen, Snowboard-Streicheleinheiten, saulangweilig, Besenstieleisportionierer, Elternreinlege-Dauereis, Aussergewöhnlichkeit. Die Liste an nicht Duden konformen Wörtern wäre beliebig ergänzbar. Zweitens, wie schnell wir den behäbigen Berg ins Herz schliessen, wie kaltschnäuzig die Rauchschwalbe Emma ist und wie quirlig positiv Aurora. Drittens, wie wir miterleben, wie eine neue Freundschaft entsteht und Freunde zusammen Unvorstellbares erreichen können. Viertens mag ich die Länge. "Das Ei von Aua" ist mit seinen über 50 Seiten eine Geschichte zum Eintauchen (man bemerke die Analogie zu Bobs Aggregatzustand). Fünftens dürfen die fantastischen Illustrationen von Mareike Engelke nicht unerwähnt bleiben: Sie sind schön, cool, modern, wild und die Farbpalette entspricht ganz einfach meinem Geschmack.


Und wenn euch all das noch nicht überzeugt, dann lest einfach nochmals das Eingangszitat. Eben!


Eine Kritik meiner Tochter muss ich anfügen: Sie findet es völlig unverständlich, dass Aurora kein Regenbogeneis kreiert hat! Ich soll das bitte ausrichten. Aber sonst gefällt ihr das Buch gut.


Fazit

Rike Drust erzählt mit "Das Ei von Aua" eine schräge Geschichte über liebenswerte, aber eigensinnige Menschen, Tiere und Berge und darüber, wie sie gemeinsam mehr erreichen als alleine. Das Vorlesebuch ab etwa 5 Jahren verfügt über die richtige Prise Fluffigkeit und ist obendrauf wundervollst illustriert von Mareike Engelke. Es ist ein Muss für alle, die es nie zu kalt finden für Eis. Also für alle.


Die Fakten

Das Ei von Aua

Rike Drust (Text)

Mareike Engelke (Illustration)

Kunstanstifter

52 Seiten

Erschienen am 15.07.2020

Hardcover

ISBN: 978-3-942795-94-4


Website von Mareike Engelke

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PS: Herzlichen Dank an Kunstanstifter und Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar.


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