Von Flamingos und Feuerwehrmännern

Mariana Leky hatte ein Leben vor "Was man von hier aus sehen kann" und da schrieb sie zum Beispiel "Die Herrenausstatterin". Der leichte Roman ist genau das Richtige für eure Sommerferien!



Schon seit 1999 veröffentlichte Mariana Leky regelmässig Erzählungen. 2004 erschien dann "Erste Hilfe" bei Dumont. Vielen von euch wird die Autorin wie mir mit ihrem letzten Roman "Was man von hier aus sehen kann" bekannt geworden sein. Ich habe das Buch über Silvester und Neujahr 2018/2019 gelesen und war sehr begeistert. Vorgestellt habe ich den Roman ganz kurz in einem Beitrag über Bücher mit Humor und Tiefgang.


Mehr vom traurig Schönen

Nach dieser ersten Begegnung mit Mariana Lekys Schreibe war klar, dass ich noch mehr von ihr lesen möchte. Und so stand hier schon seit einer Weile "Die Herrenausstatterin", ihr zweitneustes Werk, in einem praktischen Sonderformat im Regal. Es ist wie gemacht für die Handtasche, die Strandtasche oder das Handgepäck, falls es doch schon etwas weiter geht.


Wie in ihrem Erfolgsroman mit Okapi, verbindet Leky auch bei "Die Herrenausstatterin" das Reale mit dem Übernatürlichen. Ich bin kein wahnsinniger Fan von surrealen Geschichten, aber Leky nehme ich solche Elemente komischerweise ab. Das darf sonst eigentlich nur Haruki Murakami. ;-)


Aber zur Geschichte: Ich-Erzählerin des Romans ist Katja Wiesberg, eine Übersetzerin, die bei einem Zahnarztbesuch auf ihren zukünftigen Ehemann trifft. Der Mann? Ebendieser Zahnarzt, Jakob, einer der besonders einfühlsamen Gattung, spezialisiert auf Schmerzpatient*innen. Dass bei diesem Zahnarztbesuch etwas seinen Anfang nimmt, weiss sie natürlich noch nicht:


"Es ist ganz und gar normal und ganz und gar ungeheuerlich, dass man immer ahnungslos ist, wenn solche Sachen ihren Anfang nehmen." (S. 13)

Und was einen Anfang nimmt, nimmt leider oftmals auch wieder ein Ende. Und auch dieses Ende kommt für Katja überraschend. Was genau passiert, möchte ich hier nicht verraten. Aber nach dem Verlust von Jakob versinkt Katja verständlicherweise erst mal in einem tiefen Loch. Da ist nur noch Trauer, Schmerz und Leere und eine unaushaltbare Stille.


"Jakobs vollkommene Abwesenheit, die am Anfang etwas Spitzes, Schneidendes, Ohrenbetäubendes gewesen war, war jetzt grossflächig geworden, sie umgab mich wie eine Landschaft, in die ich versetzt worden war, in die ich meinen Hauptwohnsitz hatte verlegen müssen..." (S. 76)

In diese ohrenbetäubende Stille treten kurz nacheinander ein ominöser Feuerwehrmann, der bei Katja einen Brand löschen möchte, den es gar nicht gibt, und ein Altphilologe namens Blank, der eigentlich schon tot ist, aber immer noch im Quartier herumgeistert. Gemeinsam machen sie sich auf eine Reise an den Strand im niederländischen Zandvoort. Dort hofft Armin, der Feuerwehrmann, sein Idol, den Karatefilmschauspieler McQuincey zu treffen. Er soll in derselben Pension abgestiegen sein.


Ihr merkt schon, die Geschichte ist einerseits traurig, durch die absurden und teils surrealen Ereignisse, aber auch voller Drive und Witz. Mariana Leky schafft die Verbindung zwischen Humor und Tiefgang einmal mehr hervorragend. Sie schaut zwar in menschliche Abgründe, schaut dahin, wo es weh tut, aber sie sät auch immer wieder Samen der Hoffnung, kleine Keime der Erholung und starke Triebe des zwischenmenschlichen Zusammenhalts. Und so lässt uns auch diese Schicksalsgemeinschaft daran glauben, dass das Leben immer irgendwie weitergeht, auch wenn es in gewissen Momenten als nicht mehr weiter lebbar erscheint.



Fazit

Mariana Lekys "Die Herrenausstatterin" ist ein wunderbar humorvoller, leicht skurriler Liebesroman voller Herzenswärme. Das perfekte Buch, um im Sommerurlaub oder einfach mal zwischendurch in einer anderen Welt mit Porzellanflamingos, Feuerwehrmännern, Actionhelden und netten Geistern zu versinken.



Die Fakten

Die Herrenausstatterin

Mariana Leky

Dumont Verlag

208 Seiten

Erschienen am 18.02.2010

Hardcover

ISBN: 978-3-8321-9577-9

(Sonderformat im Bild, erschienen 10.07.2019, ISBN: 978-3-8321-6517-8)



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