Ein kunterbunter Kinderkrimi

Karli und Kian, Geschwister und Mitglieder der "Familie Kunterbunt", haben im gleichnamigen Buch von Tatjana Weiler und Jeanne Kneuse einen brisanten Fall zu lösen. Und zwar direkt in ihrer Nachbarschaft, in der Krautkopfstrasse.

Karli (11) heisst eigentlich Karlotta und Kian (9) hätte Kilian heissen sollen, aber das tut nicht wirklich was zur Sache. Die beiden wohnen mit Mama Mia und Mum Susa in der Krautkopfstrasse 12a und bemerken plötzlich merkwürdige Dinge. Was hat der weisse Lastwagen jede Nacht um 2:15 Uhr vor dem Haus des neuen Nachbarn Herrn Gifto zu suchen und was tragen die Männer mit den Atemschutzmasken da zum Eingang? Die Geschwister nehmen die Ermittlungen auf. Da muss natürlich zuallererst mal ein Plan her, dann muss die Ermittlungszentrale im Keller eingerichtet werden und es gilt, die passende Spionageausrüstung aufzutreiben. Dann kann die Krautkopfstrassen-Mission beginnen!

Autorin Tatjana Weiler gibt in ihrem neunten Kinderbuch allen möglichen Familienformen ihren Auftritt: Wie wir wissen, wohnen Karli und Kian mit zwei Müttern zusammen. Der Vater lebt fernab in Finnland und kommt nur an Weihnachten zu Besuch. Dann gibt es in der Krautkopfstrasse noch ein älteres unverheiratetes Paar, eine Patchworkfamilie mit fünf Kindern, eine alleinerziehende Mama mit Sohn, ein homosexuelles Pärchen, ein Ehepaar mit zwei Adoptivkindern und eine Familie, in der die Mutter arbeitet und der Vater Hausmann ist. Und Mama Mia ist erst noch sehr versiert in elektronischen Angelegenheiten. Hier werden also sämtliche gängigen Stereotypen der bürgerlichen Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind. Vater arbeitet Vollzeit, Mutter ist Hausfrau und ihre Hobbys sind Kochen und Nähen) aussen vor gelassen.

Die Illustrationen von Jeanne Kneuse lockern den Text gekonnt auf. Die Bilder sind einfach gehalten und erinnern an Kinderzeichnungen. Sie sind mit schwarzem Fineliner gezeichnet und koloriert - natürlich kunterbunt. Das Buch wurde mit dem Bank Austria Kunstpreis ausgezeichnet.

Fazit

Das Hineinpacken all der Familienformen und -situationen sowie der nicht stereotypen Geschlechterrollen und Charakterzüge mag manchem Erwachsenen etwas übertrieben erscheinen. Muss denn da gleich alles abgehandelt werden? Aber das tut dem Anliegen für mehr Toleranz und dem kurzweiligen, kunterbunten Krimi (um mal bei den Alliterationen zu bleiben) keinen Abbruch. Ein Lesevergnügen ist "Familie Kunterbunt" für kleine Spürnasen ab 6 Jahren allemal. Im Idealfall färbt der selbstverständliche Umgang der Protagonisten mit ihren "kunterbunten" Nachbarn sogar auf die jungen Leserinnen und Leser ab. Zudem eignet sich das Buch mit den kurzen Kapiteln und der grossen Schrift auch als Erstlesebuch.

Mit Crowdfunding zum Buch

Dieses Buch habe ich nicht nur wegen des Inhalts ausgewählt, sondern auch, weil es aus einem unabhängigen, kleinen österreichischen Verlag GS Publishing stammt und mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion bei wemakeit zustande gekommen ist, die ich damals unterstützt habe. Spannend, wie heute dank neuer Finanzierungsformen Bücher realisiert werden, die sonst vielleicht nie hätten gedruckt werden können.

Die Fakten

Familie Kunterbunt

Tatjana Weiler, Jeanne Kneuse

GS Publishing

48 Seiten

Ab 6 Jahren

ISBN: 978-3-902824-35-6

Leseprobe und mehr bei GS Publishing

Verlosung Diese Buchbesprechung ist mein Beitrag zum Tagesthema 22 "Kriminalistik" der #kinderbuchchallenge von @kakaoschnuten und @mintundmalve auf Instagram im Mai. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, hüpft rüber zu @mintundmalve auf Instagram! Herzlichen Dank an GS Publishing für das Verlosungsexemplar!

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