Belichtet & Benebelt - Zwischen Alkohol und Auslöser
- Eliane Fischer

- vor 17 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
(Werbung/Verlosung) Oliver Baer war einst gefragter Fotograf und Videoproduzent - und Alkoholiker. Jetzt legt er seine Autobiografie "Belichtet & Benebelt" vor. Zum Buchrelease könnt ihr hier ein signiertes Exemplar gewinnen.

Wie wird man Alkoholiker und wie kommt man aus dieser Sucht wieder heraus? Oliver Baer macht sich in seiner Autobiografie "Belichtet & Benebelt" auf die Spuren seiner Sucht. Er tut das sehr offen, ja schonungslos. Manchmal ist das vielleicht etwas viel, zu viel, aber es ist ehrlich und autenthisch. Das Krasse daran ist, dass seine Sucht sehr früh begann, er aber gegen aussen immer funktioniert hat, ja sogar sehr erfolgreich war.
Er erzählt seine Geschichte in sechs Episoden, chronologisch vom Aufwachsen im Kanton Aargau - ganz in meiner Nähe -, über den Aufbau seiner Karriere als Fotograf und Videoproduzent und seinen Absturz, bis zu den Versuchen des Ausstiegs aus der Sucht und dem Finden einer neuen Perspektive - im doppelten Sinne.
Besonders berührt haben mich die Schilderungen seines Aufwachsens. Es wird schnell klar, dass da der Grundstein für seine spätere Sucht gelegt wurde. Natürlich nicht im Sinne einer direkten Kausalität, aber indem Oliver Baer schon als Kind ein viel zu schwerer Rucksack aufgebürdet wurde. Seine Eltern waren getrennt, er lebte bei seiner Mutter, die infolge eines Unfalls unter unvorstellbaren Schmerzen litt. Dadurch war er viel zu früh auf sich alleine gestellt, musste viel zu viel Verantwortung tragen - für sich und seine Mutter. Die Schule war leider kein Ort, wo er unbeschwert hätte sich selbst sein, lernen und aufblühen können, sondern ein weiteres Korsett, in das er nicht so recht passen wollte. Und auch beim Vater, zu dem er durchaus einen guten Kontakt hatte, fühlte er sich nicht rundum aufgehoben, sondern teils noch stärker unter Druck gesetzt.
Sucht und Leistung - eine gegenseitige Abhängigkeit
Schon als Jugendlicher entdeckte er das Fotografieren für sich, genoss den Blick durch die Linse, die im einen Fokus gab, einen Anker, den er sonst im Leben nicht fand. Gleichzeitig begann er aber auch zu trinken, nahm Drogen, stürzte immer häufiger ab. Eine weiterführende Schule kam nicht in Frage, das Bewerbungsgespräch für die Lehre bei einem renomierten Fotografen liess er sausen. Und doch, er wurde autodidaktisch und dank seinem offensichtlichen Talent zu einem gefragten Fotografen, später auch Videoproduzenten.
"Offenbar war es akzeptiert, oder ich hatte mich so positioniert, dass Alkohol und Kamera eins schienen. Sie war inzwischen nicht mehr nur Begleiterin, sondern Symbol. Sie und eine gute Flasche Wein gehörten zusammen..." / S. 166
Um dem Druck standzuhalten und wie er sich einredete, um auf dem Boden zu bleiben, gehörte für Oliver Baer der Alkohol dazu. Nicht ein Glas, sondern literweise trank er. Zuerst Bier in Dosen, später Wein in Flaschen. Sie füllten seinen Kühlschrank anstelle von Essen. Natürlich kam irgendwann der Absturz, der Versuch des Ausstiegs, der Rückfall.
"Dieser verdammte Gin Tonic mit Bombay Saphire Gin, das war kein Genuss. Ich trank ihn, als wäre ich in einer Wüste unterwegs und fände nach stundenlangem Suchen endlich eine Wasserquelle." / S. 132
Wie er sich aus der Sucht kämpfte, sich neu orientierte und bis heute trocken ist, müsst ihr in "Belichtet & Benebelt" selber nachlesen. Oliver Baer sieht sein Buch als Gesprächsangebot. Und Gesprächsanlässe bietet dieser Erfahrungsbericht auf jeden Fall. Keine Lösungen, klar, weil jede Sucht individuell ist. Aber Anlässe, um sich über die gesellschaftlichen Strukturen Gedanken zu machen, in denen sich solche Abhängigkeiten entwickeln: Von der mangelnden Begleitung und Unterstützung von Familien und Kindern - besonders in vulnerablen Situationen -, über den viel zu leichten und günstigen Zugang zu und die Normalisierung von Alkohol als Genuss- statt als Suchtmittel, bis zur Tabuisierung der Sucht und dem Abtun als individuelles Scheitern statt als Symptom einer Vielzahl systemischer und individueller Ursachen.
Es würde wahrscheinlich nichts helfen, aber eigentlich sollten alle Parlamentarier:innen dieses Buch lesen, bevor sie das nächste Mal wieder Mittel für Suchtprävention, Kinder- und Jugenschutz streichen und gleichzeitig den Weinanbau grosszügig subventionieren und danach zu ihrem nächsten Apéro mit massig Fendant aufbrechen.
Fazit
"Belichtet & Benebelt" von Oliver Baer nimmt die Leser:innen mit in den Abgrund einer Alkoholsucht. Es ist eine schmerzhaft ehrliche und direkte Auseinandersetzung mit seiner Person, seinem Werdegang, seinen Verlusten und dem tiefen Fall. Gleichzeitig beeindruckt der Kampf um einen Weg aus der Sucht und sein unbändiger Wille, etwas aus seinem Leben zu machen. Das Buch regt nicht nur zum Nachdenken und einem gesellschaftlichen Diskurs über den Umgang mit Suchtmitteln - ob nun legal oder illegal - an. Es hält uns auch dazu an, in unserem Umfeld hinzuschauen und offen über - problematischen - Konsum zu sprechen und bei Bedarf Hilfe zu suchen.
Die Fakten
Oliver Baer
272 Seiten
Erschienen am 03.02.2026
Taschenbuch
ISBN: 978-3-033-11584-2
PS: Herzlichen Dank an Oliver Baer für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar.
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