Mehr Lesezeit: So kommst du auch als Mami zum Lesen

22/02/2018

Liest du auch alle Bücher, die du vorstellst? Wie kommst du nur dazu, so viel zu lesen? Das sind die beiden häufigsten Fragen, die mir zum Blog gestellt werden. Höchste Zeit, sie mal zu beantworten.

 

 

Gut, die erste Frage ist schnell abgehandelt und eigentlich auch nicht Gegenstand dieses Beitrags: Klar, lese ich alle Bücher. Wie soll ich sonst darüber schreiben? Also auf zur zweiten: Da müssen wir uns schon etwas mehr Zeit nehmen - die wir doch nicht haben! ;-)

 

Lesezeit wird zur Mangelware

Die Frage stellen mir nicht etwa Männer, sondern Frauen und auch nicht Frauen ohne Kinder, sondern Mütter. Und besonders oft sind es Mütter, die neben der Kinderbetreuung noch in Teilzeit arbeiten und einem intensiven Hobby wie dem Bloggen nachgehen (ob das nun ein Hobby, eine Leidenschaft oder schon eher ein Beruf ist, lassen wir mal bei Seite). Da ich zu dieser speziellen Spezies gehöre, verstehe ich total, dass viele Mamis sagen: "Ich komm einfach nicht dazu, auch noch ein Buch zu lesen". Und es geht mir auch oft so, dass ich viel weniger zum Lesen komme, als ich gerne würde.

 

In der Zeit vor dem Blog war das dann einfach so, dann war halt eine Weile Leseflaute - schade, aber hat ja ausser mir auch niemanden gestört. Seit ich den Blog habe, treffe ich aber bei meinen Kolleginnen und Kollegen auf Bookstagram, meinen liebsten Kinderbuch- und Mamabloggerinnen (schaut mal in die Rubrik Seitenblick), in Verlagsvorschauen, in den Feuilletons der Zeitungen, in Fachzeitschriften und wo sonst noch überall Bücher angepriesen werden auf neue, schöne, äusserst lesenswerte, gehypte Bücher oder schon lange fällige Klassiker (am besten in einer neuen, wunderschönen Auflage oder gleich im Schmuckschuber im Dreierpack). Und diesen Büchern kann ich unmöglich widerstehen. Ihr könnt euch vorstellen, wie mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) wächst und wächst und damit auch mein Bedürfnis, die Bücher nicht nur so rumliegen zu lassen, sondern auch endlich zu lesen und euch empfehlen zu können - sie an den Mann, die Frau und süsse Kinder zu bringen.

 

Kommt hinzu, dass ich eine gemütliche Leserin bin, querlesen geht gar nicht und dass ich ein Buch abbreche, kommt auch selten vor. Das heisst, ich muss jetzt etwas strategischer an die Sache rangehen, um bei der Dreifachbelastung Mamasein, Job und Blog (und Freunde, Entspannen, mal Shoppen etc. muss ja auch noch drin sein) noch zum Lesen zu kommen. Und weil ich aus der häufigen Frage nach meiner Lesezeit auch heraushöre, dass die Mamis unter euch gerne mehr lesen würden, halte ich meine Tipps hier für euch fest.

 

Lesezeit ist Erholungszeit - meine Tipps

Ich bin überzeugt, dass Lesen ein Mittel gegen den Mami-Stress ist und deshalb ideal zur Blogparade #tudiretwasgutes von SimplyLovelyChaos passt. Mit einem Buch können wir das alltägliche Chaos mal vergessen, in fremde Welten eintauchen, uns abkapseln, runterfahren, kurz: Wir holen uns etwas von der berühmt berüchtigten - da so seltenen - #metime.

 

1. Lesezeit einfordern

Mein erster Tipp ist nicht einfach umzusetzen, aber bringt wohl am meisten. Euer Partner macht bestimmt unter der Woche mal Sport, mal trifft er Freunde, besucht vielleicht noch eine Weiterbildung. Mamis fordern oft zu wenig Freizeit ein, verbringen diese lieber einfach zuhause oder erledigen doch noch kurz den ganzen Haushalt, wenn die Kinder endlich im Bett sind. Das sollten wir ändern. Wer nicht zum Sport gehen mag oder gerade nur stillende Freundinnen hat, die sich abends nicht mehr treffen wollen/können, sollte sein Kontingent an freier Zeit fürs Lesen einfordern.

 

2. Stillzeit nutzen

In meiner Stillzeit kam ich so viel zum Lesen wie nie zuvor. Unter Hebammen mag es umstritten sein und vielleicht spricht irgendeine Theorie über bedürfnisgerechtes Stillen dagegen und ich löse jetzt einen Shitstorm aus, aber Lesen beim Stillen klappt super! Und da kommt v.a. zu Beginn einiges an Zeit zusammen. Das können schon mal acht Stunden Lesezeit sein, die sich da an einem Tag ansammeln. Das Lesen "echter" Bücher hat da natürlich zwei Nachteile: Umblättern ist einhändig mühsam und stört manches Kind. Ein Leselicht in der Nacht stört vielleicht auch Baby und Partner und ist nicht in jedem Raum vorhanden. Deshalb habe ich in der Stillzeit den E-Book-Reader schätzen gelernt. Es gibt nichts Praktischeres!

 

3. Warte-, Ruhe- und Fahrzeiten nutzen

Wer nicht (mehr) stillt oder beim zweiten Kind unmöglich im Radau und unter den Eifersuchtsattacken des ersten Kindes auch noch lesen kann, muss sich neue Zeitfenster suchen. Schweizerinnen beginnen ja oft schon nach 14 Wochen wieder zu arbeiten, wenn's hoch kommt, bleiben sie sechs Monate zuhause. Danach haben die meisten wieder einen Arbeitsweg und wenn der mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt wird, eignet er sich ideal zum Lesen. Ich habe auf all meinen Wegen zur Schule, zur Uni oder zur Arbeit schon gelesen, egal ob im Bus über Land, in der Pariser Metro oder in der vollgestopften S-Bahn. Wer den Umgebungslärm oder die Gespräche der Sitznachbarn nicht ausblenden kann, findet bestimmt geeignete Kopfhörer - mit oder ohne Musik. Vollzeitmamis ohne Arbeitsweg haben vielleicht das Glück, dass ihre Kinder gleichzeitig Mittagsschlaf machen oder zumindest Zimmerstunde oder sonst eine Form von Pause. Dann lasst den Haushalt in dieser Zeit Haushalt sein und lest ein Buch! Mamis mit älteren Kindern müssen vielleicht ihre Kinder zum Sport bringen und da warten oder sie später wieder abholen und haben da Zeit, ein paar Seiten zu lesen. 

 

4. Ablenkungen ausschalten

Das klingt ja alles gut: Wir schaufeln uns Zeit frei oder nutzen tote Zeiten. Wozu? Um sie auf Instagram, Facebook oder Pinterest zu vertrödeln. Ja, so geht es mir auch (und nicht nur mir, auch Mareike vom Bücherwurmloch hat ihre Erfahrungen dazu verbloggt und Nina vom Frau Mutter Blog ergeht es nicht viel anders). Viel zu oft tappe ich in die Smartphone-Falle. Ich muss noch kurz einen Post machen, andere Posts kommentieren und teilen, einen schon lange gespeicherten Artikel mit den neusten Social-Media-Tipps lesen, den neusten Ikea-Hack einer Mamabloggerin studieren, auf Whatsapp die Nachrichten beantworten, in die Mails schauen... Uuups, ich bin ja schon da, die Kinder stehen wieder auf der Matte oder es wäre eigentlich höchste Zeit fürs Bett. Da hilft wirklich nur eins: eine Regel! Setzt euch zumindest abends eine Deadline, bis wann ihr online sein dürft. Danach wird das Handy ganz aus dem Raum verbannt oder in den Flugmodus versetzt. Dasselbe gilt für Netflix oder andere Streamingdienste. Okay, das wird jetzt nicht einfach, aber deshalb gibt's ja Tipp 5.

 

5. Der Appetit kommt beim Essen - äh, Lesen

Mit Büchern ist es tatsächlich wie mit dem Essen, hat man erst mal gekostet, will man mehr. Ist man erst mal in der Geschichte drin, will man wissen wie's weitergeht: Wird's was mit den beiden? Ist sie wirklich so fies, wie es scheint? Ist tatsächlich der Gärtner der Mörder? Okay, dafür muss das Buch natürlich gut sein, mindestens so gut wie die neuste Netflix-Produktion. Wenn ihr nun nicht selber regelmässig die Buchhandlungen durchstöbern, die Verlagsvorschauen studieren, die Bestsellerlisten konsultieren, den Literaturclub bzw. das literarische Quartett schauen oder eure Freunde und Bekannten fragen mögt, abonniert einfach meinen Newsletter und ihr kriegt einmal monatlich Buchtipps für Gross und Klein. Und wenn der Mord dann gelöst oder die Liebe besiegelt ist: Nicht zu lange pausieren. Ich beginne ein neues Buch meist direkt, nachdem ich das letzte ausgelesen habe. So bleibe ich immer im Lesemodus. Und hier kommt Tipp 6 ins Spiel.

 

6. Gelegenheit macht Diebe

Auch dieses Sprichwort trifft auf das Lesen zu: Erstens hilft es, wenn ihr immer ein Buch zur Hand habt, es mit nehmt, wohin auch immer ihr geht, für den Fall, dass sich eine Möglichkeit zum Lesen auftut - im Zug, auf dem Spielplatz, im Wartezimmer oder wenn mal alle Kinder aus Versehen gleichzeitig schlafen. Zweitens hilft es, wenn ihr genügend Bücher zur Auswahl zuhause habt (so ein SuB hat eben doch seine Vorteile). So könnt ihr nach Abschluss eines Buches, gleich das nächste beginnen. Die Vielfalt ungelesener Bücher im Regal stellt sicher, dass für jede Stimmung was da ist und das Lesefutter nicht so schnell ausgeht.

 

In diesem Sinne: Viel Spass beim nächsten Buch! Vielleicht ist es ja dieses hier?

 

Wie macht ihr das? Habt ihr noch Tipps für mehr Lesezeit? Wie hat sich euer Leseverhalten mit den Kindern verändert und kämpft ihr auch mit all den Ablenkungen der digitalen Welt? Ich freue mich über eure Kommentare und Rückmeldungen dazu, ob meine Tipps euch geholfen haben!

 

 

 

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