Vom Erwachsenwerden und anderen Katastrophen

21/02/2019

Ich habe meinen ersten Glavinic gelesen. Und? Es hat sich gelohnt! Über "Wie man leben soll" kann man bzw. frau wirklich herzhaft lachen und taucht nochmals tief ein in die eigene Jugend, die Suche nach dem Sinn des Lebens oder banaler: nach dem nächsten Lebensabschnittspartner.

 

 

Worum geht's?

Ja, worum geht's eigentlich? Das fragt sich Karl, alias Charlie, Kolostrum (Mütter wissen, was das bedeutet, die andern googeln jetzt) in Bezug auf sein Leben auch andauernd. Gut, hat der 16-Jährige noch seine Ratgeber, die ihm in jeder möglichen und unmöglichen Lebenssituation helfen. Naja, so nicht so wirklich, aber die Hoffnung stirbt zuletzt und seine Familie ist ihm auch keine zuverlässige Stütze. Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht, die Mutter neigt zur Alkoholsucht und die Tanten und Onkel haben teils sehr eigene Vorstellungen davon, wie "man" sein Leben zu leben habe.

 

Und so hangelt sich Karl auf eigene Faust von kleineren zu grösseren Katastrophen, von der einen Freundin zur nächsten, mit wenig Ehrgeiz durch sein Studium der Kunstgeschichte und hält sich finanziell mit Taxifahren und Spendensammeln über Wasser. Denn alles kriegt er von der Verwandtschaft nun auch nicht bezahlt und Grosstante Ernestine ist schon 97. Lange ist auf sie und ihre Hunderter also auch kein Verlass mehr.

 

Erwachsen werden mit Nirvana und WG-Parties

Thomas Glavinic entführt uns mit seinem Antihelden Karl in die Jugendzeit in den 80er- und 90er-Jahren und das ist richtig witzig. Zumindest wenn man Glavinics bissigen, schwarzen Humor mag und nicht zu zart besaitet ist - unverhoffte Todesfälle lauern hier an praktisch jeder Ecke. Und erst recht, wenn man sich aus der eigenen Kindheit noch an einige Bands, verkannte Künstler und andere Modeerscheinungen (Stichwort: Bravo) erinnern kann. Karl erzählt aus seiner Perspektive, aber nicht wie sonst üblich in der Ich-Form, sondern konsequent in der Man-Form. So erhält die Geschichte von Karl etwas Exemplarisches. Sie könnte beispielhaft für viele andere Geschichten vom Erwachsenwerden gelesen werden. Etwas gewöhnungsbedürftig sind all die Man-Formulierungen zwar, aber wenn man den Einstieg mal gefunden hat, liest sich das einfach und knackig geschriebene Buch ganz leicht.

 

Fazit

"Wie man leben soll" von Thomas Glavinic kann ich allen Kindern der 70er und 80er wärmstens empfehlen, wenn sie sich an das eigene Suchen (und manchmal Finden) in der Jugendzeit erinnern und sich dabei köstlich amüsieren wollen. Um den süffigen Roman zu mögen, sollte man schwarzem Humor und einigen gaaaanz leicht übertriebenen Ereignissen - möglicherweise verbunden mit Todesfällen - nicht abgeneigt sein.

 

PS: Das Buch wurde unter Regisseur David Schalko auch verfilmt (Trailer).

 

Die Fakten

Wie man leben soll

Thomas Glavinic

dtv Verlag

240 Seiten

Erschienen: 2004, 5. Auflage 2014

ISBN: 978-3-423-13903-8

 

Website von Thomas Glavinic

 

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