Fremde, neue Welt

09/06/2019

In seinem preisgekrönten Roman "In der Fremde sprechen die Bäume arabisch" erzählt Usama Al Shahmani seine Geschichte zwischen alter und neuer Heimat, zwischen Heimweh und dem Willen zum Neuanfang.

 

 

Äusserst eindrücklich ist neben der erzählten Geschichte, dass Usama Al Shahmani - seit 2002 in der Schweiz - dieses Buch auf Deutsch geschrieben hat. Er wendet die deutsche Sprache so gekonnt an und verleiht ihr dabei eine ganz eigene arabische Melodie und Poesie, so dass wir uns wünschen, er hätte das Buch auf Arabisch schreiben und wir es in dieser Sprache lesen können.

 

Flucht und neues Zuhause

Aber nun zum Buch: Usama al Shahmani erzählt in sieben Kapiteln, wie es ihm nach der Flucht aus dem Irak in den Schweizer Asylzentren, auf Arbeitssuche, beim Gründen einer Familie und beim Einleben in der neuen Heimat erging. Mitten in diese Zeit des Ankommens in der neuen, fremden Heimat fiel das Verschwinden seines Bruders Ali, der nicht nur im Irak zurückblieb, sondern sich auch noch weigerte, die stark umkämpfte und damit sehr gefährliche Hauptstadt Bagdad in Richtung Süden zu verlassen. Usama hatte also nicht nur mit den Herausforderungen des Asylverfahrens, seiner Arbeitssuche, mit dem Versuchs, sich in der Schweiz irgendwie zu integrieren, die Sprache zu lernen, Freunde zu finden, eine Familie zu gründen und seine Tochter aufzuziehen zu kämpfen. Sondern er bekam auch noch ständig Nachrichten aus der Heimat, sorgte sich um seinen Bruder, bekam aus der Ferne die Streitigkeiten der zurückgebliebenen Familienmitglieder mit und konnte doch nichts tun.

 

Gerade in dieser Zeit gaben ihm die Natur im Allgemeinen und die Bäume im Speziellen Kraft, Gelegenheit und einen Ort, um sich (auf Arabisch) verstanden und verwurzelt zu fühlen. Immer wieder dachte er bei Wanderungen und ausgedehnten Spaziergängen an die Rolle von Bäumen (z.B. der Dattelpalme) und des Waldes im Irak zurück, die so anders war als hier in der Schweiz. So verbindet er die beiden Kulturen und Landschaften mittels ihrer Bäume, deren Bedeutung für und Wirkung auf die Menschen. Die sieben Kapitel heissen etwa "Der Baum der Liebe", "Der Baum der Heimat" oder "Der Baum der Geduld".

 

"Neige dich und schwanke, sei wie die Bäume im Wind, verhalte dich wie ein Baum und lass alles fliessen, denn alles wird vergehen." (S. 80)

 

Für sein eindrückliches Romandebüt wurde Usama al Shahmani mit dem Terra Nova Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und dem Förderpreis der Stadt Frauenfeld 2018 ausgezeichnet und landete auf der Shortlist für das Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels 2019.

 

Fazit

Mit seinem Roman "In der Fremde sprechen die Bäume arabisch" gibt uns Usama Al Shahmani einen eindrücklichen, bewegenden Einblick in das Leben eines Flüchtlings, der in einer völlig anderen Welt gelandet ist und dem es - neben der eh schon schwierigen Ablösung von der alten Heimat - das Verhalten, die Prozesse und Gesetze des Gastlandes äusserst schwer machen, eine neue Heimat und Existenz zu finden. Mit dem Motiv des Baumes gelingt es Al Shahmani, uns in oft poetischen Sprachbildern Zerrissenheit, Hoffnung, Verzweiflung, Fremdsein, Loslassen und Ankommen näher zu bringen.

 

 

Die Fakten

 

In der Fremde sprechen die Bäume arabisch

Usama Al Shahmani

Limmat Verlag

192 Seiten

Erschienen im August 2018

ISBN: 978-3-85791-859-9

 

Leseprobe und Bestellung beim Limmat Verlag

 

PS: Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Limmat Verlag.

 

 


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