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Die Löwinnen von Teheran

vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Teheran in den 1950er-Jahren. Hier finden wir uns mit Ellie und Homa in Marjan Kamalis neuem Roman "Die Löwinnen von Teheran" wieder. Ein spannender Roman, der gleichzeitig deprimiert und Hoffnung schenkt, was den Kampf der Iraner:innen für Freiheit, Demokratie und Frauenrechte angeht.


Die Löwinnen von Teheran - Marjan Kamali (Adrian Verlag 2026). Foto: Eliane Fischer

Iran in den 50er-Jahren bedeutete Sturz des gewählten Premierministers Mossadegh und Installation der Schah-Diktatur. Je nach Stellung in der Gesellschaft gingen die Meinungen darüber, ob der Shah nur das Beste für sein Volk wollte oder auf Kosten von Frauen, armen Menschen und anderen Minderheiten mit autokratischen Mitteln einer kleinen, reichen Elite diente (mehr über das Schicksalsjahr 1953 bei der Bundeszentrale für politische Bildung).


In diesem Spannungsfeld findet sich auch Ellie, gerade in der ersten Klasse, wieder. Mit ihrer Mutter ist sie erst vor Kurzem in den armen Süden Teherans gezogen, nachdem ihr Vater gestorben war. Frauen im Iran waren zu dieser Zeit komplett von einem männlichen "Beschützer" abhängig. Ellies Onkel, der Bruder ihres Vaters, konnte ihnen nicht mehr bieten als eine kleine Wohnung im Süden. Doch Ellies Mutter war überzeugt, dass sie bald wieder in ihr bürgerliches Leben zurückkehren würden.


Ellie freundete sich schnell mit der eigenwilligen Homa an, ein Kind aus bescheidenen Verhältnissen und Tochter kommunistischer Eltern. Auch wenn die Bildung von Mädchen zum Glück in beiden Familien gross geschrieben wurde, erlebte Ellie hier ein anderes Verständnis vom Frausein und von Politik generell. Homa beeindruckt sie mit ihrem unendlichen Drang nach Bildung, beruflicher Selbstverwirklichung, Demokratie und einer Stärkung der Frauenrechte.


Tatsächlich heiratete Ellies Mutter irgendwann besagten Onkel und die beiden zogen mit ihm wieder in den reichen Norden Teherans. Ellie besuchte sogar DIE Eliteschule Teherans und vergass Homa langsam. Bis Homa eines Tages wieder auftauchte. Sie hatte ein Stipendium bekommen und das nicht zufällig genau an der Schule, die ihre ehemalige Freundin Ellie besuchte. Jeden Tag pendelte sie den weiten Weg aus dem Süden und zurück und war überglücklich wieder mit Ellie vereint zu sein.


Inzwischen waren die 1960er-Jahre. Homas Vater sass für seine kommunistischen Überzeugungen seit dem Putsch von 1953 sogar im Gefängnis. Und die Teenager-Mädchen zerstritten sich über die Weisse Revolution des Schahs, die Homa sehr kritisch betrachtete und als Anführerin der kommunistischen Studentenbewegung aktiv bekämpfte. Ellie hingegen versuchte, dem Rat ihrer Mutter zu folgen, sich politisch nicht zu äussern und war auch bezüglich Bildung weniger ambitioniert. Sie wollte vor allem einen netten Mann heiraten und eine Familie gründen.


Und dann kommt es durch einen Verrat von Ellie zum grossen Bruch zwischen den beiden Freundinnen. Was geschieht und was das genau bedeutet, möchte ich natürlich nicht spoilern, das müsst ihr euch selber erlesen. So viel sei verraten: Die iranisch-amerikanische Autorin Marjan Kamali führt die Leben der beiden "Löwinnen" noch einmal zusammen und schlägt einen Bogen in die nahe Vergangenheit und die Bewegung "Frau, Leben, Freiheit", die seit 2022 landesweite Proteste gegen das autoritäre Mullah-Regime im Iran aufrechterhält.


"Die Löwinnen von Teheran" ist literarisch kein herausragendes Buch. Aber es hat erzählerische Wucht! Marjan Kamali versteht es sehr gut, in ihrem Roman verschiedene Perspektiven auf Politik, Kultur und verschiedene Lebensmodelle im Iran zu vereinen. Dabei stellt sie starke Frauenfiguren ins Zentrum und macht nachfühlbar, wie unterschiedlich der Umgang mit einem politischen System, das Frauen einen sehr beschränkten Platz zuweist, ausfallen kann. Und egal, wie sich eine Frau in der Situation verhält, apolitisch sind ihre Entscheidungen nie.


Durch den gesamten Roman zieht sich auch eine grosse Wertschätzung für die persische Kultur, erzählerisch eingeflochten über Affichen an Rumis Poesie, aber auch die Düfte und den Rummel auf Teherans grösstem Bazar oder Traditionen wie Norouz, das persische Neujahr.



Die Löwinnen von Teheran - Marjan Kamali (Adrian Verlag 2026), Farbschnitt. Foto: Eliane Fischer.

Fazit

"Die Löwinnen von Teheran" von Marjan Kamali ist ein äusserst mitreissender Roman über eine Mädchen- bzw. Frauenfreundschaft unter extremen Bedingungen. Unterschiedliche Lebensumstände und Haltungen prallen hier aufeinander. Durch die Verbindung einer Freundschaftsgeschichte mit historischen Ereignissen im Iran über mehrere Dekaden schafft es die Autorin, einen grossen Sog aufzubauen. Neben guter Unterhaltung gelingt ihr so auch ein Plädoyer für Demokratie und Frauenrechte sowie eine Hommage an die iranische Kultur und die Freundschaft.


Cover und der Farbschnitt sind sicherlich Geschmackssache, aber ich bin froh, haben sie mich schlussendlich nicht von dieser bewegenden Lektüre abgehalten.



Die Fakten

Marjan Kamali

Margarita Ruppel (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch)

Adrian Verlag

352 Seiten

Erschienen am 22.05.2026

Taschenbuch

ISBN: 978-3-9858537-6-2




PS: Herzlichen Dank an den Adrian Verlag und an Buchcontact für das Rezensionsexemplar.



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