Einmachglas
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(Werbung) Das Ende des Schuljahrs, eine divers besetzte Klasse, der Countdown bis zur Aufführung ihres Theaterstücks läuft. Das ist die spannende Affiche von Demian Cornus zweitem Roman "Einmachglas". Ein vielstimmiger Einblick in eine Phase des Auf- und Umbruchs, ein literarisches Nachspüren der feineren und der ganz grossen Risse im Leben von Jugendlichen und in unserer Gesellschaft.

Für Lisa, Max, Elif, Alma, Binh und Co. geht es aufs Ende des Schuljahres zu und damit rückt ihre Theateraufführung immer näher. Demian Cornu beschreibt aus wechselnden Perspektiven den Countdown bis zum grossen Finale, das gleichzeitig das Ende der obligatorischen Schulzeit markiert.
Im ersten Moment könnte man meinen, Max, der Macho, Elif, die Streberin, Sara, die Klassenschönheit, und all die anderen Figuren seien wandelnde Klischees. Aber Cornu gelingt es, die Figuren fein zu zeichnen. Klar, sie repräsentieren gewisse Menschentypen, die wir wohl alle aus unserer eigenen Schulzeit kennen. Aber sie sind keine blossen Abziehbilder, sondern weisen Brüche auf, sind vielschichtig, überraschen auch mal und sie blicken hinter die Fassaden - sowohl ihrer Klassenkamerad*innen als auch der Erwachsenen um sie herum. So etwa Elif, wenn sie feststellt:
"Aktivismus als Lifestyle. Sie spielen Rebellion, aber wenn's ernst wird, wartet zu Hause immer noch das Einfamilienhaus, die Eltern, die alles regeln." / S. 18
Cornu erzählt in der Ich-Form, passt die jeweilige Ausdrucks- und Denkweise der erzählenden Figur an. Für meinen Geschmack wäre die Konzentration auf weniger Figuren besser gewesen, um diese besser kennenzulernen. Ich hatte zugegebenermassen Mühe, das ganze Personal auseinanderzuhalten. Aber natürlich bietet die Vielzahl an Personen auch mehr Möglichkeiten, die Diversität einer Klasse abzubilden, was die Herkunft angeht, die Ambitionen fürs Berufsleben, die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung, die Familiensituation oder den sozioökonomischen Status.
Die Personen wachsen an ihren Figuren im Theaterstück, reiben sich an ihrer Rolle, gehen teils richtig darin auf, überraschen ihre Mitmenschen. Andere hadern lange, scheinen den Erfolg der Aufführung zu gefährden. Einige ziehen Kraft aus ihrer Rolle für wichtige Lebensentscheidungen. Wie Binh, der zuhause nicht nur den Haushalt schmeisst, sondern auch seine kranke Mutter Tag und Nacht pflegt, sich gegen einen gewalttätigen Vater behaupten muss und mit seinem Instagram-Account ein regelrechtes Doppelleben führt.
Als Mitschüler Leo verschwindet, steht das Stück auf der Kippe, aber die Schüler*innen ziehen es durch. Ja, sie nutzen den Moment sogar zur Bewältigung dieser Krise und halten den Erwachsenen den Spiegel vor.
Fazit
Mit "Einmachglas" hat Demian Cornu die Essenz der Lebensphase am Ende der Schulzeit sehr gut eingefangen. Indem er metaphorisch den Deckel des Glases öffnet, lässt er uns in ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, Lebensumstände und Copingstrategien blicken. Er macht damit bewusst, wie fragil diese Phase ist, wie unterschiedlich Lebensentwürfe aussehen können und wie schwer es die Gesellschaft Jugendlichen macht, sich zurechtzufinden, sich als selbstwirksam zu erleben, sich angenommen und geborgen zu fühlen und eigene Wege zu gehen. Ein lesenswerter Roman, der nachhallt!
Die Fakten
Demian Cornu
zeitkind
180 Seiten
Erschienen am 02.03.2026
Hardcover mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-907724-07-1
Ab 16 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den zeitkind Verlag und Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar.
Extratipp: Little Hollywood - Inga Hanka
Habt ihr Lust auf Geschichten rund um den Schulabschluss? Dann kann ich euch auch das Buch "Little Hollywood"* von Inga Hanka empfehlen. Ich habe es als Hörbuch bei Storytel gehört. Es wird gelesen von Barbara Greshake und ist bei Ecco erschienen.
Der Coming-of-Age-Roman wird als Buch für Fans von Caroline Wahl angepriesen. Ich kann auch sagen: Auch explizite Nicht-Fans werden "Little Hollywood" mögen. Inga Hanka fängt Leos Sommer nach dem Abi ganz wunderbar ein. Er verläuft zwar so gar nicht, wie ihn sich die Abiturientin vorstellt: Krach mit der Mutter, Paranoia vor dem abwesenden Vater, ein Korb vom Schulschwarm Olli und mehr machen ihr das Leben schwer. Doch da ist auch Hoffnung: Abkühlung im See, ihr kleiner Bruder, Filme aus der titelgebenden Videothek "Little Hollywood" und Jo, der dort arbeitet. Ein Sommerroman mit liebenswerten Figuren, einer sanften Liebesgeschichte und einer guten Portion Humor und Popkultur der 90er! Perfekt für den nächsten Lesenachmittag am Badesee!
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Eure Eliane
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