Fashion Changers - Nachhaltigkeit in der Mode

Wir müssen reden, über unsere Kleiderschränke. Denn wie wir wissen oder spätestens in "Fashion Changers" von Jana Braumüller, Vreni Jäckle und Nina Lorenzen erfahren, trägt unser Kleiderkonsum massgeblich zur Klimaerwärmung bei und nicht nur das!



Die Autorinnen von "Fashion Changers" sagen es gleich zu Beginn ganz deutlich:


"Wenn wir über die Klimakatastrophe und die Auswirkungen auf den Menschen sprechen, ist es an der Zeit, Mode auf die Agenda zu setzen und als klimapolitisches Problem anzuerkennen." (S. 8)

Tatsächlich ist der CO2-Ausstoss von Mode höher als derjenige vom Flug- und Schiffsverkehr zusammengenommen. Die Modeindustrie trägt auch die Verantwortung für 20% der industriellen Wasserverschmutzung. Sie ist zudem an der Ausbeutung der Menschen im Globalen Süden beteiligt. Hier arbeiten Menschen (mehrheitlich Frauen) unter prekären Arbeitsbedingungen zu Billiglöhnen.


Das Problem liegt aber natürlich nicht nur auf Seiten der Produktion, also der Modeindustrie, sondern auch auf der Nachfrageseite, bei unserem Modekonsum. 60 neue Kleidungsstücke wandern im Schnitt jährlich in den Kleiderschrank! Jedes von ihnen hat eine lange Reise durch bis zu 140 Produktionsstätten hinter sich. Da kann man sich nur noch vage ausmalen, wie viele Menschen und natürliche Ressourcen über die gesamte Produktionskette involviert sind. Und das nur, damit wir beim Modeschweden für 10 Franken / Euro das x-te Shirt kaufen können, das nach drei Wäschen kaputt ist oder nach der ersten Kaufeuphorie ungetragen in der hintersten Ecke des Schranks landet.


"Nachhaltigkeit bedeutet weniger Konsum auf der Seite von Verbraucher*innen und weniger Produktion auf der Seite von Unternehmen. Nachhaltigkeit ist das Gegenteil von Fast Fashion." (S. 13)


In vier Kapiteln weg von Fast Fashion hin zu Fair Fashion

Jana Braumüller, Vreni Jäckle und Nina Lorenzen, die drei Autorinnen dieses Fair-Fashion-Guides sind die Gründerinnen der gleichnamigen Community-Plattform www.fashiongangers.de. Dort könnt ihr euch nach der Lektüre des Buches gleich weiter informieren und Inspiration für faire Modelabels holen.


Das Buch ist in die Teile "Mode & Verantwortung", "Mode & Empowerment", "Mode & Stil" und "Mode & Lifestyle" gegliedert. Am spannendsten fand ich die ersten beiden Teile. So erfahren wir beispielsweise etwas über ökologische Materialien (von Stoffen aus Bananenbäumen bis zur Wolle aus Hundehaaren). Lesen, wie viel Plastik in unseren Kleidern steckt und ob recycelte Stoffe nachhaltig sein können. Beim Lesen wird uns einerseits klar, dass eine Veränderung in der Modebranche ohne politische Massnahmen nicht Realität werden wird. Andererseits entbindet diese Feststellung uns Konsument*innen nicht von unserer Pflicht zu nachhaltigem Handeln. Oder wie Jan Lenarz es ausdrückt:


"Das Richtige zu tun bleibt richtig, auch wenn es nicht die Welt rettet." (S. 21)

Und hier kommen dann die Tipps für nachhaltigen Kleiderkauf zum Zuge, die dafür sorgen, dass wir Leser*innen nicht mit den harten und traurigen Fakten im Regen stehen bleiben, sondern einen Anstoss erhalten, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und nachhaltig zu verändern. Ein erster Schritt wäre zum Beispiel, den Wasserfussabdruck des eigenen Kleiderschranks auf waterplaybook.net zu ermitteln.


Weitere konkrete Tipps findet ihr in diesen beiden Büchern:


Was hat Mode mit Feminismus und Inklusion zu tun?

Im zweiten Kapitel "Mode & Empowerment" geht es stark um die soziale Komponente von Mode. Die Autorinnen gehen der Frage nach, was Fair Fashion dazu beitragen kann, Menschen zu empowern (ermächtigen). Aus dieser Perspektive schneiden sie die Themen Inklusion und Diversität, Feminismus, kulturelle Aneignung und Modeaktivismus an und lassen inspirierende Menschen zu Wort kommen, die mit ihren fairen Modelabels zum Systemwandel beitragen - sowohl in Bezug auf eine ethische und nachhaltige Produktion als auch in Bezug auf Empowerment.

Zum Thema Feminismus zitieren sie beispielsweise Julia Korbik, deren Buch "Stand up. Feminismus für alle" ich an anderer Stelle auch schon besprochen habe. So wird deutlich, dass Machtverhältnisse auch in der Mode eine Rolle spielen und der Feminismus (oder Feminismen) zu mehr Chancengleichheit beitragen kann (können).


"Feminismus bedeutet, dass alle tragen können, was sie möchten - ohne anhand gesellschaftlicher Normen bewertet zu werden." (S. 92)

Fair Fashion mit Stil und als Lebensstil

Im dritten und vierten Teil "Mode & Stil" und "Mode & Lifestyle" geht es darum, wie man seinen eigenen Stil findet, wie man sich zeitgemäss und doch fair anziehen kann und was man dafür an seinem Lebensstil bzw. Modekonsum ändern muss. Die Capsule Wardrobe kommt ebenso zur Sprache wie Secondhand-Mode und die richtige Pflege der Kleidung. Zu Wort kommen beispielsweise Madeleine Alizadeh von Dariadaria, Buki Akomolafe oder Jessica Könnecke von Mit Ecken und Kanten.


Fazit

Jana Braumüller, Vreni Jäckle und Nina Lorenzen setzen sich in "Fashion Changers" sehr umfassend und vielfältig mit dem Thema Fair Fashion auseinander. Sie zeigen eindrücklich Zusammenhänge auf, nehmen die Gesellschaft als Ganzes in die Verantwortung, liefern spannende Informationen rund um nachhaltige Mode, liefern Inspiration und geben Tipps, um aus der Fast-Fashion-Maschinerie auszubrechen und sich die Freude an der Mode zu bewahren. Für alle, die beim Thema Nachhaltigkeit nicht vor dem Kleiderschrank Halt machen, ein lesenswertes und motivierendes Buch!



Die Fakten

Fashion Changers

Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können

Jana Braumüller, Vreni Jäckle, Nina Lorenzen (Text)

Lena Scherer (Fotos)

Knesebeck

256 Seiten

Erschienen am 12.03.2020

Klappenbroschur

ISBN: 978-3-95728-360-3


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PS: Herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar.


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