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  • Von Lieblingsfarben und Bratwürsten

    Ihr kennt bestimmt die leidigen Diskussionen über Mädchenfarben und Jungsfarben. Irgendwie sind die ja kaum aus der Welt zu kriegen, oder? Frauke Angel und Julia Dürr nehmen mit ihrem klischeefreien Bilderbuch "DISCO!" einen bratwurststarken neuen Anlauf, die Diskussionen zu beenden. Farben sind für alle da Ich bin ja immer ganz stolz, wenn meine grosse Tochter auf die Frage nach ihrer Lieblingsfarbe antwortet: "Alle Farben vom Regenbogen". Uff! Manchmal kommt natürlich auch: "Rosa. Und Pink. Und Blau." Meine Erklärungen, dass alle Farben für alle da sind, scheinen also doch etwas abzufärben, auch wenn die Kleiderwahl dann wieder sehr pink und glitzernd ausfällt. Aber kaum treten wir aus der familieninternen Farbentoleranzzone mit genderneutralem Anspruch heraus, sind Farben doch schnell wieder ein Thema. Und bei den Farben hört es ja nicht auf. Es geht weiter mit stereotypen Vorstellungen davon, was Jungs und Mädchen typischerweise tun (sollten) oder nicht tun (sollten). Die Mittlere mit ihrer Lego-Jacke und dem knallgrünen Trotti gilt noch als cool. Aber die Grosse, die selbstbewusst mit ihrer Säge daherkommt (natürlich in friedlicher Absicht), sorgt schon für hochgezogene Augenbrauen und blöde Sprüche. Das führt mir immer wieder vor Augen, dass es Bücher wie "DISCO!" braucht. Und auch wenn sie vielleicht nicht von den Augenbrauen hochziehenden Eltern vorgelesen werden, so geben sie doch den Mädchen in Grün und den Jungs in Pink das nötige Selbstbewusstsein, auch genau so rumzulaufen, wie sie mögen und das zu tun, was sie mögen. Lasst die Party beginnen! Aber jetzt zum Buch: Frauke Angel erzählt uns in "DISCO!" die Geschichte eines Jungen, der gerne Rot und Pink mag. Und das darf er auch, denn seine schlaue Kindergartenfreundin Pina sagt: "... es gibt keine Jungs, oder Mädchenfarben. Es gibt nur Lieblingsfarben." Und so ist auch klar, dass der Junge sich Pinas rosa Nachthemd leiht, um Disco zu machen. Denn für Disco muss man schliesslich hübsch sein. Als Pina, der kleine Ich-Erzähler und sein Papa am nächsten Morgen im Kindergarten ankommen, treffen sie auf Eddie und Eddies Papa. Die beiden Papas sind befreundet. Nun findet Eddies Papa aber das rosa Nachthemd einen albernen Fummel. Das strapaziert die Freundschaft der Papas etwas. Und die Kindergartenlehrerin Frau Zwinger bläst ins gleiche Horn und sucht sofort nach Wechselsachen. Ein Junge, der Mädchensachen trage, sei verkleidet, findet sie. Pina findet, Frau Zwinger sehe aus wie eine Bratwurst in ihren braunen Kleidern. Okay, das kommt bei Frau Zwinger nicht soooo gut an. Und dass Papa am Abend angst hat, sein Sohn könnte schwul werden, verwirrt wiederum den kleinen Jungen. Zum Glück hat er Pina. Die weiss natürlich, was schwul bedeutet und dass da auch Knutschen dazugehört. Und zum Glück fädelt es die Mama vom Jungen so ein, dass der Papa am nächsten Morgen einen riesigen Sack Wechselkleider in den Kindergarten schleppt, damit sie es so richtig bunt treiben können. Frau Zwinger macht auch mit und das mit der Papafreundschaft renkt sich auch wieder ein. Hauptsache bunt! Wunderbarst bunt illustriert hat das Ganze Julia Dürr. Die Zeichnungen sind einfach und kindlich gehalten, aber sehr cool collagenmässig gestaltet und mit vielen witzigen Details. Die Farbe darf in Form von bunten Buchstaben sogar in den Text einziehen, was Text und Illustration schön verbindet. "DISCO!" funktioniert vor allem, weil Frauke Angel so brillant aus Kinderperspektive und so witzig erzählt (das tut sie auch in "Ein eiskalter Fisch"). So können wir uns sofort in den Jungen hineinfühlen, sind ein bisschen verliebt in Pina und ein ganz kleines bisschen schadenfreudig über die Bratwurst. Fazit Frauke Angel und Julia Dürr bringen mit "DISCO!" nicht nur Tanzfreude, sondern auch einen entspannten Umgang mit Farben ins Kinderzimmer. Ein starkes Bilderbuch gegen Geschlechterklischees für Kinder ab 4 Jahren. Wenn ihr auch Augenbrauen hochziehende Eltern kennt, schenkt ihnen doch einfach "DISCO!" und treibt es wieder mal bunt. ;-) Die Fakten DISCO! Frauke Angel (Text) Julia Dürr (Illustration) Jungbrunnen 32 Seiten Erschienen am 31.07.2019 Hardcover ISBN: 978-3-7026-5934-9 Ab 4 Jahren Website von Julia Dürr Website von Frauke Angel Wer "DISCO!" mag, mag vielleicht auch das: Ein eiskalter Fisch - Frauke Angel und Elisabeth Kihßl Kunterbunte Kinderbücher - diverse Autor*innen und Illustrator*innen Kalle und Elsa - Jenny Westin Verona und Jesús Verona Frida Kahlo und ihre Tiere - Monica Brown und John Parra Like it? Pin it! Hat dir dieser klischeefreie Buchtipp gefallen? Dann merk dir doch den Pin auf Pinterest. Ich würde mich sehr drüber freuen! #FraukeAngel #JuliaDürr #Jungbrunnen #Bilderbuch #Vielfalt #Klischeefrei #Diversität #Farben #Kinderbuch #Alltagsgeschichte #Kindergarten

  • Upsie, ganz viele immobile Lebewesen

    Wenn ihr raus geht, kann es passieren, dass ihr auf unbewegliche Lebewesen trefft. Manch eine*r wird dann ausrufen: "Oh, eine Pflanze!". Felix Bork zum Beispiel und er sagt noch viel mehr Witziges über die Grundlage unseres Lebens. Frühling - Zeit für Pflanzen, Zeit für Sachbücher Im Interview mit NetGalley zum Thema #SachbuchFrühling hab ich mir überlegt, wie Sachbücher denn so sein können. Informativ, klar. Schön gezeichnet, auch klar. Geschichten erzählend, nicht immer, aber immer öfter. Und witzig! Und bei witzig denke ich immer und allen voran an die Bücher von Felix Bork. Deshalb wird es höchste Zeit, dass ich euch hier mal eins dieser Prachtexemplare vorstelle: "Oh, eine Pflanze!" - gewissermassen das florale Pendant zu "Oh, ein Tier!", das Ersterem in Witzigkeit in nichts nachsteht. Aber bleiben wir bei der Sache: In "Oh, eine Pflanze!" begibt sich Felix Bork auf die Spuren dieser immobilen, die Photosynthese betreibenden Lebewesen namens Pflanzen. Von den einführenden Informationen über die Lebens- und Funktionsweise der Pflanzen im Allgemeinen, kommt er auf Bäume, Blumen, Gräser, Sträucher und Pilze im Besonderen zu sprechen bzw. zu zeichnen. Halt! Pilze sind doch gar keine Pflanzen!!! Das weiss Felix Bork natürlich auch. Gebt also acht, es könnte sein, dass er euch das eine oder andere Mal aufs Glatteis führt. Felix Bork, Illustrator aus Berlin, räumt aber auch mit Fake-News auf: Die Diptam-Essenz kann nämlich gar nicht zur Behandlung von Brandwunden verwendet werden. Im Gegenteil: Die im Diptam enthaltenen ätherischen Öle können unter Einfluss von Sonnenlicht zu Brandverletzungen führen. J.K. Rowling hätte besser mal das Buch gelesen, bevor sie HP und seine Freunde mit dem Teufelszeug hantieren liess! Die seriösen (ja, die gibt es!) Infos über Pflanzen werden ergänzt um witzige Comicstrips, humorvolle Assoziationen, die Pflanzennamen so auslösen können, und coole Sprüche, wie: "Upsie. Da hab ich wohl zwei Mal die gleiche Blume gemalt. Weil die so schön ist. Nicht, weil ich dum bin." (S. 182f.) Nach der Lektüre dieses Sachbuchs wisst ihr nicht nur, weshalb der Bocksbart Bocksbart heisst (also vielleicht) oder wie ein Löwenzahn aussieht, sondern auch was Honigtau ist (echt ecklig!) und dass Blumen nicht davor zurückschrecken, Wespen mit ganz gemeinen Mitteln zum Sex zu verleiten. Ausserdem werdet ihr Erdbeeren und Bananen und Melonen und Himbeeren und Baumnüsse in Zukunft mit ganz anderen Augen betrachten! Und das rät euch Felix Bork nach der Lektüre auch: "Geh raus und guck dir Pflanzen an. Die sind nämlich megageil. Denn sie sind die Grundlage unseres Lebens, und wir müssen sie besonders achten und schützen!" Dem kann ich nur zustimmen! Also grüsst mir den kriechenden Günsel, wenn ihr ihn trefft! Illustriert hat Felix Bork dieses Buch in seinem ganz eigenen Stil, mal plakativ mit ganz grobem Pinsel, mal äusserst fein und realistisch. Das Buch aus dem Eichborn Verlag hat einen stabilen Einband aus dicker Pappe und ist auch sonst ziemlich dick (fast 3.5 cm). Der dicke (rein vegetarische) Schinken macht also auch im Regal was her! ;-) Fazit Felix Bork nimmt seine Leser*innen in "Oh, eine Pflanze!" mit auf eine informative, schöne, kurzweilige und vor allem witzige Reise durch die heimische Flora. Von Photosynthese, über Blütenstände und Blattformen bis zu den Fortpflanzungstricks erfahren wir ganz viel über Pflanzen aller Art und amüsieren uns dabei prächtig. PS: Könnte mal bitte jemand überprüfen, ob das Wort "Upsie" in allen Büchern von Felix Bork vorkommt? Das wäre nämlich ein guter Grund, sie sich alle zu besorgen! ;-) Die Fakten Oh, eine Pflanze! Felix Bork (Text + Illustration) Eichborn Verlag 304 Seiten Erschienen am 28.02.2019 Hardcover ISBN: 978-3-8479-0658-2 Like it? Pin it! Magst du diesen aussergewöhnlichen Sachbuchtipp? Dann freue ich mich ausserordentlich, wenn du dir den Pin dazu auf Pinterest merkst. #FelixBork #EichbornVerlag #Pflanzen #Sachbuch #Natur #Naturschutz #Biodiversität #Artenvielfalt #Umwelt #Blumen #Bäume #Flora

  • Erwachsene sind Vorbilder, oder?

    Klar, Erwachsene benehmen sich immer vorbildlich: Rülpsen, rumschreien, weinen... "So was tun Erwachsene nie!". Wirklich nie. Oder? Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein, denn Davide Cali und Benjamin Chaud verraten euch in ihrem Bilderbuch die traurige Wahrheit über Erwachsene. Das Problem mit der Selbst- und der Fremdwahrnehmung Es ist 11 Uhr und ich habe die Kinder bestimmt schon 20 mal gebeten, doch bitte das Wohnzimmer aufzuräumen. Oder zumindest einen kleinen Pfad ins Chaos zu schlagen, damit man irgendwie von der Küche auf die Terrasse kommt. Das Sofa ist eh längst erwachsenenfreie Zone. Aber irgendwie scheinen mich die Kinder nicht zu hören. Oder vielleicht hören sie mich, aber sie nehmen meine Bitte eher als "nice to have" wahr, denn als dringende Aufforderung? Oder könnte es daran liegen, dass sich ein, zwei meiner Bücher auf dem Boden stapeln, der Wäscheständer im Wohnzimmer steht und die Hälfte der Einkäufe darauf wartet, in den Keller geräumt zu werden? Vielleicht liegt es also an diesem Widerspruch, dass sie die Notwendigkeit des Aufräumens nicht so ganz einsehen? Von der Dringlichkeit gar nicht zu sprechen! Schein und Sein Genau solche und andere Widersprüche führen uns Davide Cali und Benjamin Chaud in ihrem Kinderbuch "So was tun Erwachsene nie!" mit einem ganz grossen Zwinkern vor Augen. Erwachsene verhalten sich immer total korrekt, sind immer freundlich, ehrlich, effizient, haben ihre Gefühle total im Griff, überhaupt sind sie unfehlbar. Nicht! Der Spass in diesem Bilderbuch entsteht aus der Diskrepanz von Text und Bild. Während der Text vermittelt, was Erwachsene nie, niemals, nie tun, zeigen die Bilder, dass sie es eben doch tun. Und der Spass wird noch dadurch potenziert, dass die Kinder den Erwachsenen gerade auf die Schliche kommen, sie beobachten, sie überführen. In bekannter Detektiv-Manier verbergen sie sich hinter Büschen, in Mülltonnen oder unter dem Tisch, um die Eltern in flagranti bei ihren kleineren und grösseren Missetaten, Gefühlsausbrüchen und Entgleisungen zu erwischen. Also wenn ihr die Kinder das nächste Mal ermahnt, doch bitte endlich die Legos wegzuräumen, hebt vielleicht zuerst einmal eure eigenen Stinksocken auf. Oder lasst alles liegen und lest gemeinsam dieses Buch. Danach geht das Aufräumen und Zusammenleben wieder einiges entspannter und humorvoller. Apropos entspannte Eltern: darüber habe ich hier schon mal etwas geschrieben. Fazit Davide Cali und Benjamin Chaud bringen mit dem Bilderbuch "So was tun Erwachsene nie!" ganz grossen Vorlesespass ins Haus. Sie zeigen mit knappem Text und witzigen Illustrationen, dass Erwachsene auch nur Menschen sind. Ein humorvolles Plädoyer für Eltern-Kind-Beziehungen auf Augenhöhe! Die Fakten So was tun Erwachsene nie! Davide Cali (Text) Benjamin Chaud (Illustration) Ebi Naumann (Übersetzung aus dem Englischen) Thienemann 40 Seiten Erschienen am 14.02.2020 ISBN: 978-3-522-45924-2 Ab 4 Jahren Noch mehr von Davide Cali bei MINT & MALVE Der Glücksverkäufer - Davide Cali und Marco Somà (Carl-Auer Verlag, 2019) Like it? Pin it! Magst du diesen humorvollen Bilderbuchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst oder den Beitrag in den Social Media teilst. #DavideCali #BenjaminChaud #ThienemannEsslinger #Bilderbuch #Humor #Erwachsene #Kinder #Vorbildfunktion #Detektiv

  • Wasser - das blaue Gold

    Wasser ist allgegenwärtig in unserem Alltag. Ohne Wasser würde gar nichts funktionieren. Aber das Wasser ist in Gefahr und damit auch das Klima. Christina Steinlein und Mieke Scheier verraten in ihrem Sachbilderbuch "Ohne Wasser geht nichts!" alles über den wichtigsten Stoff der Welt. Wasser ist elementar für unser Leben. Der Klimawandel gefährdet die Verfügbarkeit von sauberem, sicherem Wasser. Das hat gerade kürzlich der Weltwasserbericht der UNO wieder gezeigt. Demnach leben weltweit 2.2 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Am Freitag, 15. Mai 2020 wäre wieder Klimastreiktag gewesen, aber die Coronakrise macht die meisten Streiks unmöglich. Deshalb mache ich wenigstens mit diesem Blogbeitrag auf das Thema aufmerksam. Die Pandemie überschattet zwar gerade alles, aber wir müssen trotzdem weiter an langfristigen Lösungen drängender Probleme wie dem Klimawandel und dem Schutz des Wassers arbeiten! Ohne Wasser gäbe es uns nicht Christina Steinlein und Mieke Scheier nehmen sich in ihrem Sachbilderbuch "Ohne Wasser geht nichts!" dem blauen Gold in all seinen Facetten an. Jede Doppelseite dieses Sachbuchs für Kinder ab ca. 7 Jahren ist einem anderen Thema rund ums Wasser gewidmet. Wir erfahren, wofür wir alles Wasser brauchen und wie viel, wie viel Wasser in uns und in alltäglichen Dingen steckt. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es 200 Liter Wasser braucht, bis das Huhn ein Ei legen kann? Für ein Kilo Rindfleisch braucht es sogar 15'000 Liter und auch eine Jeans verbraucht bei ihrer Herstellung ganz schön viel Wasser, nämlich 11'000 Liter! Die Autorin und die Illustratorin werfen auch einen Blick zurück und erklären, wie das Wasser überhaupt auf die Erde kam und wie es auf unserem blauen Planeten das erste Leben ermöglichte. Wir lernen viel über die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Wasser, aber auch über Ökosysteme, die vom Wasser geprägt sind - von den Ozeanen, über Flüsse bis zum kleinsten Tümpel. Alles hängt zusammen Einfach verständlich und toll illustriert erklären Christina Steinlein und Mieke Scheier auch, wie das Wasser mit dem Klima zusammenhängt und wie wir Menschen Einfluss auf beides nehmen. So gehen sie auf sinkende Grundwasserspiegel ein, auf den Streit ums Wasser, auf Wasserknappheit und die Wasserverschmutzung - sei es durch Dünger, andere Gifte oder gaaaanz viel Plastik, das im Meer landet. Auch die Folgen wie heftigere Dürren und Stürme sowie Überschwemmungen sparen sie nicht aus. Am Ende gehen sie darauf ein, was wir gegen die Probleme mit dem Element Wasser unternehmen können und welchen Beitrag Wissenschaft und Technik hier leisten könn(t)en. Die Themenvielfalt ist beachtlich, die Texte sind leicht verständlich, vermitteln spannendes und auch mal unerwartetes Wissen und ergänzen sich perfekt mit den Illustrationen. An mancher Stelle hätte ich mir eine Zahl mehr gewünscht, statt nur ein "weniger" oder "mehr". Aber Zahlen gehen oft eh schnell wieder vergessen oder verändern sich. Vielfältig mit Aber Optisch überzeugen mich Mieke Scheiers Illustrationen einmal mehr. Ich war schon von "Passt nicht" begeistert. Im aktuellen Buch stellt sie die Menschen schön vielfältig dar. Frauen, Männer, Mädchen und Jungs mit unterschiedlichen Hautfarben und von unterschiedlicher kultureller Herkunft tauchen in den unterschiedlichsten Rollen auf. Schade ist, dass die abgebildete Freiheit der Geschlechter in der Berufswahl im Text nicht abgebildet wird. Da werden die weiblichen Formen mit einem einleitenden Satz abgetan. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, neben dem Fischer die Meeresbiologin und neben dem Wassermeister die Kanalbauerin auch verbal abzubilden und nicht nur mitzumeinen (siehe dazu den Artikel zu "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay). Ökologischer Inhalt - ökologische Herstellung Besonders schön ist, dass das Sachbuch nicht nur von ökologischen Themen berichtet, sondern auch umweltfreundlich hergestellt wurde. Es ist aus 100% Recycling-Papier, mit mineralölfreien Farben bedruckt und kommt ohne Folienkaschierung daher. Fazit Christina Steinleins und Mieke Scheiers Sachbilderbuch "Ohne Wasser geht nichts!" gibt Kindern ab 7 Jahren einen vielseitigen, leicht verständlichen Überblick über das Thema Wasser und schafft ein Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge. So sensibilisieren die Autorin und die Illustratorin Kinder für einen sorgsamen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser. Die Fakten Ohne Wasser geht nichts! Alles über den wichtigsten Stoff der Welt Christina Steinlein (Text) Mieke Scheier (Illustration) Beltz & Gelberg 96 Seiten Erschienen am 03.04.2020 ISBN: 978-3-407-75565-0 Ab 7 Jahren PS: Herzlichen Dank an den Beltz & Gelberg Verlag für das Rezensionsexemplar. Diese Bücher rund ums Klima könnten dich auch interessieren! Der Tag, an dem das Meer verschwand - Sam Haynes und Jago (Knesebeck, 2020) Die Klimaschweine - Julia Neuhaus und Till Penzek (kunstanstifter, 2020) Wie viel wärmer ist 1 Grad? - Kristina Scharmacher-Schreiber und Stephanie Marian (Beltz & Gelberg, 2019) So geht Planet! Wissenswertes für junge Erdbewohner - Emmanuelle Figueras, Sarah Tavernier und Alexandre Verhille (Kleine Gestalten) TU WAS KIDS - Nicole Röndigs und Thilo Klüppel (Greenpeace Magazin Edition) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann merke dir doch den Pin auf Pinterest! Vielen Dank auch fürs Teilen in den Social Media! #ChristinaSteinlein #MiekeScheier #BeltzundGelberg #Umwelt #Natur #Klima #Wasser #FridaysForFuture #Nachhaltigkeit #Umweltschutz #forgenerationstocome #Klimastreik #Sachbuch #Kindersachbuch #Sachbilderbuch #Kinderbuch

  • T-Rex, Tony T-Rex

    Was haben Bonnie und Clyde mit einem Tyrannosaurus Rex zu tun? Ganz einfach, sie gehören zur selben Familie! Das glaubt ihr nicht? Dann lest erstmal "Tony T-Rex und seine Familie" von Rob Hodgson und Mike Benton. Unsere Mittlere ist grosser Dino-Fan. Abgesehen von zwei Sachbüchern über Dinos, die es am Strassenrand gratis zum Mitnehmen gab, sind wir aber buchtechnisch überhaupt nicht auf Dinosaurier eingestellt. Waren. Denn als ich "Tony T-Rex und seine Familie" von Rob Hodgson und Mike Benton in der Vorschau der Bilderbande entdeckt habe, war klar, dass Tony fortan zu unserer Familie gehören muss. Ein Tyrannosaurus kommt selten allein Nun ist Tony hier eingezogen, aber nicht alleine, er hat gleich seine ganze Bagage mitgebracht. Vom Allosaurus aka Kannibalen-Käthe, über Horst Horni (ein Ceratosaurus), bis eben zu Bonnie und Clyde von der Gattung Velociraptor ist alles dabei, was bei den Dinosauriern Rang und Namen hat. Dino-Experte Mike Benton stellt uns in seinem super witzigen Sachbilderbuch die ganze Dinosaurierfamilie vor. Er macht das nicht mit trockenen Zahlen und vor lauter lateinischen Ausdrücken unleserlichen Texten, sondern in Form von äusserst bekömmlichem Familientratsch aus dem Munde des letzten überlebenden Tyrannosaurus Rex namens Tony. "Wer braucht schon ein Hirn, wenn er der John Wayne der Jura-Zeit ist?" (S. 18) Tony ist zwar schonungslos ehrlich und verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein. Manche nennen es vielleicht auch Einbildung. ;-) Aber man spürt seinen weichen Kern voller Liebe für seine Familienmitglieder. Da verzeiht man ihm natürlich seine Lästerattacken. "Mein liebevoll als Doofnuss bezeichneter Onkel Dieter war eine Seele von einem Dino." (S. 16) Wie nebenbei lernen wir in diesem Kinderbuch total viel über die Riesen der Urzeit. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Paläontologen vermuten, dass sich die Wirbelsäulenplatten des Stegosaurus rot verfärben konnten? Oder dass Horst Horni, der Ceratorsaurus, sein Horn nicht im Kampf zum Einsatz brachte, sondern als cooles Gadget, um Weibchen anzulocken? Paläontologie leicht gemacht Wir erfahren nicht nur viel über die einzelnen Familienmitglieder von Tony, sondern auch, wann und wo die Dinos unsere Erde bevölkerten, wie das mit dem Ausgraben funktioniert, wie Fossilien entstehen, wie wir sie finden und weshalb wir beim Suchen nach Kacke und Kotze Ausschau halten sollten. Echt! Ein paar lateinische Ausdrücke und Fremdwörter kommen natürlich trotzdem vor, aber dafür hat es hinten im Buch ein sehr hilfreiches Glossar. Spass macht das Buch zusätzlich wegen den knallig bunten Illustrationen von Rob Hodgson. Fazit Dino-Experte Mike Benton und Illustrator Rob Hodgson haben mit "Tony T-Rex und seine Familie" ein witziges und doch informatives Sachbilderbuch über Dinosaurier geschaffen. Tony T-Rex ist ein ursympathischer Erzähler, mit dem wir schmunzelnd durchs Familienalbum der Dinos blättern können und dabei vom Ankylosaurus bis zum Velociraptor alle ins Herz schliessen. Das humorvolle Bilderbuch ist also nicht nur für eingefleischte minderjährige Dino-Fans ab 5 (ich würde eher sagen 7 oder 8) geeignet, sondern macht auch den erwachsenen Vorleser*innen Spass, die dem Dino-Alter längst entwachsen sind. Die Fakten Tony T-Rex und seine Familie Die Geschichte der Dinosaurier Mike Benton (Text) Rob Hodgson (Illustration) Alexandra Titze-Grabec (Übersetzung aus dem Englischen) E.A. Seemanns Bilderbande 64 Seiten Hardcover Erschienen am 23.04.2020 ISBN: 978-3-86502-435-0 Ab 5 Jahren PS: Herzlichen Dank an E.A. Seemann und Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin dazu auf Pinterest merkst. #RobHodgson #MikeBenton #Dinosaurier #Dinos #EASeemann #Geschichte #Wissen #Urzeit #Paläontologie #Bilderbuch #Sachbilderbuch #Sachbuch #Humor

  • Bis zum Hals im Wasser

    "Die Klimaschweine" von Julia Neuhaus und Till Penzek versucht einen humorvollen Zugang zum Thema Klimaerwärmung zu schaffen. Ob das gelungen ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Eins vorab: Das wird keine Abhandlung über das viel kritisierte Klimasau-Lied vom WDR. ;-) Wer die Geschichte nicht mitbekommen hat, findet Näheres über einschlägige Suchportale. Leben auf Kosten des Klimas Kommen wir zum Buch: Die Schweine geniessen ihr Leben. Sie haben es gut im Schweineland, fahren mit Monstertrucks, steigen auch für kurze Strecken in den Flieger und essen vorzugsweise Fleisch. Dass es immer wärmer und wärmer wird, stört sie zunächst nicht. Aber die Pinguine am anderen Ende der Welt. Ihr Pinguinland wird nämlich immer kleiner und kleiner, es schmilzt infolge der Erderwärmung einfach weg. Also beschliessen die Pinguine, dass sie etwas gegen den Klimawandel unternehmen und die Schweine zum Umdenken bewegen müssen. Das gelingt aber lange nicht, die Schweine machen munter weiter wie gehabt. Bis das Klima so richtig ungemütlich wird... Persiflage auf den menschengemachten Klimawandel Soviel zur Geschichte dieses Bilderbuchs. Uns Erwachsenen ist schnell klar, dass wir die Schweine sind, die Bewohner*innen der Industrieländer, denen es eigentlich viel zu gut geht. Zu gut jedenfalls, um Politik und Verhalten wirklich zu verändern. Und es ist zu befürchten, dass es auch in der Realität einschneidendere Klimaveränderungen braucht, bis wir die Pinguine erhören - oder wahlweise die weltweit protenstierenden Jugendlichen bzw. die Bevölkerung der Weltregionen, die jetzt bereits unter dem Anstieg des Meeresspiegels, unter extremen Stürmen und Dürren leiden. Insofern würde ich "Die Klimaschweine" nicht als humorvolles Buch bezeichnen. Es ist zwar mit Wortwitz, direkt und schnörkellos erzählt. Darüber hinaus zeichnet es schlicht die Realität ab, vereinfacht, zugespitzt und aufs Tierreich übertragen. Aber in der Essenz stecken wir mitten in diesem Szenario. Ich finde das Kinderbuch deshalb geeignet, um mit Kindern mit gewissen Vorkenntnissen in eine ernsthafte Diskussion über den Klimawandel und unsere Rolle darin einzusteigen. Da das Buch mehr oder weniger bei den Klimaprotesten à la #fridaysforfuture endet und eine positive Wende lediglich andeutet, halte ich eine anschliessende Diskussion für unerlässlich. Erstens werden viele Fragen auftauchen und zweitens fände ich es nicht zielführend, die Kinder mit ihren Sorgen und Ängsten, die die nachgezeichneten Entwicklungen auslösen, alleine zu lassen. Anbieten würden sich zum Beispiel diese drei Bücher, die ich ebenfalls schon besprochen habe: Wie viel wärmer ist 1 Grad? - Kristina Scharmacher-Schreiber und Stephanie Marian (Beltz & Gelberg) So geht Planet! Wissenswertes für junge Erdbewohner - Emmanuelle Figueras, Sarah Tavernier und Alexandre Verhille (Kleine Gestalten) TU WAS KIDS - Nicole Röndigs und Thilo Klüppel (Greenpeace Magazin Edition) Die Illustrationen von Julia Neuhaus im Collagestil sind sehr gelungen. Die Tiere haben menschliche Züge, so dass wir uns in ihnen wiedererkennen und wahlweise Abscheu oder Mitgefühl empfinden. Mit wenigen Ausnahmen füllen die Illustrationen jeweils eine Doppelseite und illustrieren den knapp gehaltenen Text. Fazit "Die Klimaschweine" von Julia Neuhaus und Till Penzek zeigt die Problematik des Klimawandels einfach verständlich auf, ohne bestimmte Menschengruppen - aber durchaus ihre Verhaltensweisen - anzuprangern, und endet mit der Hoffnung auf Einsicht und Besserung. Es ist mir für ein Kinderbuch mit einem Thema solcher Tragweite etwas zu wenig auserzählt, aber es bietet ab Grundschulalter einen guten Einstieg in die Thematik und weiterführende Diskussionen. Und es ist mal ein erzählendes Kinderbuch zum Klimawandel, was nochmals einen anderen Zugang bietet als all die Sachbücher, die es inzwischen sehr zahlreich gibt. Die Fakten Die Klimaschweine Julia Neuhaus (Illustration) Till Penzek (Text) kunstanstifter 36 Seiten Hardcover Erschienen am 18.02.2020 ISBN: 978-3-942795-80-7 Ab 6 Jahren PS: Herzlichen Dank an die kunstanstifter und an Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp rund ums Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst.

  • Von Flamingos und Feuerwehrmännern

    Mariana Leky hatte ein Leben vor "Was man von hier aus sehen kann" und da schrieb sie zum Beispiel "Die Herrenausstatterin". Der leichte Roman ist genau das Richtige für eure Sommerferien! Schon seit 1999 veröffentlichte Mariana Leky regelmässig Erzählungen. 2004 erschien dann "Erste Hilfe" bei Dumont. Vielen von euch wird die Autorin wie mir mit ihrem letzten Roman "Was man von hier aus sehen kann" bekannt geworden sein. Ich habe das Buch über Silvester und Neujahr 2018/2019 gelesen und war sehr begeistert. Vorgestellt habe ich den Roman ganz kurz in einem Beitrag über Bücher mit Humor und Tiefgang. Mehr vom traurig Schönen Nach dieser ersten Begegnung mit Mariana Lekys Schreibe war klar, dass ich noch mehr von ihr lesen möchte. Und so stand hier schon seit einer Weile "Die Herrenausstatterin", ihr zweitneustes Werk, in einem praktischen Sonderformat im Regal. Es ist wie gemacht für die Handtasche, die Strandtasche oder das Handgepäck, falls es doch schon etwas weiter geht. Wie in ihrem Erfolgsroman mit Okapi, verbindet Leky auch bei "Die Herrenausstatterin" das Reale mit dem Übernatürlichen. Ich bin kein wahnsinniger Fan von surrealen Geschichten, aber Leky nehme ich solche Elemente komischerweise ab. Das darf sonst eigentlich nur Haruki Murakami. ;-) Aber zur Geschichte: Ich-Erzählerin des Romans ist Katja Wiesberg, eine Übersetzerin, die bei einem Zahnarztbesuch auf ihren zukünftigen Ehemann trifft. Der Mann? Ebendieser Zahnarzt, Jakob, einer der besonders einfühlsamen Gattung, spezialisiert auf Schmerzpatient*innen. Dass bei diesem Zahnarztbesuch etwas seinen Anfang nimmt, weiss sie natürlich noch nicht: "Es ist ganz und gar normal und ganz und gar ungeheuerlich, dass man immer ahnungslos ist, wenn solche Sachen ihren Anfang nehmen." (S. 13) Und was einen Anfang nimmt, nimmt leider oftmals auch wieder ein Ende. Und auch dieses Ende kommt für Katja überraschend. Was genau passiert, möchte ich hier nicht verraten. Aber nach dem Verlust von Jakob versinkt Katja verständlicherweise erst mal in einem tiefen Loch. Da ist nur noch Trauer, Schmerz und Leere und eine unaushaltbare Stille. "Jakobs vollkommene Abwesenheit, die am Anfang etwas Spitzes, Schneidendes, Ohrenbetäubendes gewesen war, war jetzt grossflächig geworden, sie umgab mich wie eine Landschaft, in die ich versetzt worden war, in die ich meinen Hauptwohnsitz hatte verlegen müssen..." (S. 76) In diese ohrenbetäubende Stille treten kurz nacheinander ein ominöser Feuerwehrmann, der bei Katja einen Brand löschen möchte, den es gar nicht gibt, und ein Altphilologe namens Blank, der eigentlich schon tot ist, aber immer noch im Quartier herumgeistert. Gemeinsam machen sie sich auf eine Reise an den Strand im niederländischen Zandvoort. Dort hofft Armin, der Feuerwehrmann, sein Idol, den Karatefilmschauspieler McQuincey zu treffen. Er soll in derselben Pension abgestiegen sein. Ihr merkt schon, die Geschichte ist einerseits traurig, durch die absurden und teils surrealen Ereignisse, aber auch voller Drive und Witz. Mariana Leky schafft die Verbindung zwischen Humor und Tiefgang einmal mehr hervorragend. Sie schaut zwar in menschliche Abgründe, schaut dahin, wo es weh tut, aber sie sät auch immer wieder Samen der Hoffnung, kleine Keime der Erholung und starke Triebe des zwischenmenschlichen Zusammenhalts. Und so lässt uns auch diese Schicksalsgemeinschaft daran glauben, dass das Leben immer irgendwie weitergeht, auch wenn es in gewissen Momenten als nicht mehr weiter lebbar erscheint. Fazit Mariana Lekys "Die Herrenausstatterin" ist ein wunderbar humorvoller, leicht skurriler Liebesroman voller Herzenswärme. Das perfekte Buch, um im Sommerurlaub oder einfach mal zwischendurch in einer anderen Welt mit Porzellanflamingos, Feuerwehrmännern, Actionhelden und netten Geistern zu versinken. Die Fakten Die Herrenausstatterin Mariana Leky Dumont Verlag 208 Seiten Erschienen am 18.02.2010 Hardcover ISBN: 978-3-8321-9577-9 (Sonderformat im Bild, erschienen 10.07.2019, ISBN: 978-3-8321-6517-8) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du diese Empfehlung mit dem Pin auf Pinterest teilst. Du kannst natürlich auch in den Social Media drüber sprechen oder einfach meinen Blog weiterempfehlen. Vielen Dank! #MarianaLeky #Dumont #Roman #Liebesroman #Gegenwartsliteratur #Literatur #Frauenlesen #Liebesgeschichte #Meer #Liebe #Tod #Verlust

  • Neun Hunde in Paris

    Die Hundebande ist wieder los! Dorothée de Monfreids liebenswürdige Truppe macht sich im neusten Comic "Die Hundebande in Paris" auf zum Geburtstag von Onkel Jakob. Wie es sich für die Hundebande gehört, steckt die Reise voller witziger Überraschungen! Vielleicht kennt ihr frühere Bände von der Hundebande? Die ersten drei habe ich euch hier schon in einem eigenen Artikel vorgestellt. Waren die bisherigen Bände (es gibt noch zwei weitere bei Reprodukt) aus Pappe, kommt der neuste Band "Die Hundebande in Paris" mit dünnerem Papier und mehr wie ein richtiger Comic daher. Es gibt zwar immer noch seitenfüllende Bilder, aber auch Seiten mit zwei, drei oder vier Panels. Die Ausgabe von Reprodukt kommt zudem mit einem eleganten roten Leinenrücken daher! Wenn einer eine Reise tut... Aber kommen wir zur Geschichte: Die Hundebande kriegt eine Postkarte von Onkel Jakob. Er lädt sie zu seiner Geburtstagsfeier in Paris ein. Die Sause soll noch heute Abend stattfinden. Also nichts wie los! Die bunte Truppe macht sich sofort auf nach Paris. Etwas zu Trinken und ein Geschenk - Kekse - für Onkel Jakob müssen auch mit. Schon die Zugfahrt ist herrlich amüsant, denn es dauert natürlich keine fünf Minuten bis Popow Hunger hat, Micha sich langweilt und Zaza fragt, ob sie denn bald da seien. Das kommt bestimmt nicht nur euch Vorleser*innen bekannt vor, sondern auch euren Kindern! Unfreiwilliger Stadtrundgang In Paris angekommen merken die neun Hunde, dass sie eigentlich keine Ahnung haben, wo sich das Haus von Onkel Jakob befindet. Die Auskünfte des Hasen sind leider auch nicht sehr hilfreich und so beginnt eine abenteuerliche Suche durch ganz Paris. Unterwegs kommen sie an allen grossen Sehenswürdigkeiten vorbei: Erklimmen den Montmartre, baden im Brunnen vor dem Pompidou, stöbern durch die Bücher entlang der Seine, stehen vor der Notre-Dame - historisch aktuell ohne den abgebrannten Turm - und kraxeln sogar auf den Eiffelturm. Bei dem ganzen Spass wechseln sie auch noch dauernd das Verkehrsmittel. Mal Kutsche, mal Schiff, mal Bus und natürlich Métro dienen ihnen als fahrbare Untersätze. Ob das Geschenk heil ankommt? Dabei wandert die rosa Kiste mit den Keksen von Hund zu Hündin zu Hund usw. Ob und was am Ende noch drin ist und ob die Hundebande überhaupt bei Onkel Jakob ankommt, erfahrt ihr, wenn ihr euch selbst in das witzige Comic-Abenteuer von Dorothée de Monfreid stürzt. Schönes Detail: Die Namen der Hunde sind wunderbar divers: Jane und Alex, Omar und Pedro, Nono und Popow, Micha, Kaki und Zaza. Dahinter kann man sich die verschiedensten Herkünfte vorstellen und jeder Hund hat neben dem unterschiedlichen Aussehen auch seine charmanten Eigenheiten. Wir haben uns sehr gefreut, dass die Hundebande etwas mit unseren Kindern mitgewachsen ist und wir dieses Mal in ein längeres Abenteuer eintauchen konnten. Und das erst noch in der Stadt, die meine Grosse schon seit sie denken kann, gerne selbst entdecken möchte! Das müssen wir dann wohl unbedingt tun, sobald Kurzurlaube im Nachbarland wieder möglich sind. Im Gepäck haben wir dann bestimmt auch ein paar Kekse. ;-) Fazit Die französische Comic-Zeichnerin Dorothée de Monfreid liefert mit dem neusten Band "Die Hundebande in Paris" einmal mehr ab! Das Bilderbuch im Comicstil bringt uns nicht nur eine witzige Geschichte der charmanten Hundecrew, sondern lässt uns wie nebenbei Paris entdecken. Dies zwar aus einer recht touristischen Warte, aber vielleicht folgt der Insider-Band für Pariskenner*innen ja noch! Die Fakten Die Hundebande in Paris Dorothée de Monfreid (Text + Illustration) Ulrich Pröfrock (Übersetzung aus dem Französischen) Reprodukt 40 Seiten Erschienen am 10.03.2020 Hardcover mit Leinenrücken ISBN: 978-3-95640-221-0 Ab 4 Jahren Website von Dorothée de Monfreid (ihr findet da auch tolle Malvorlagen mit Raum für Kreativität) PS: Herzlichen Dank an den Reprodukt Verlag für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin dazu auf Pinterest merkst. #Hundebande #DorothéedeMonfreid #ReproduktVerlag #Paris #Frankreich #Comics #Vorlesen #Bilderbuch #Kinderbuch #Reise #Geburtstag #Abenteuer #Stadt #Humor

  • Junge Frauen auf neuen Wegen

    Rachele De Caro versammelt in "Junge Macherinnen" 12 Frauen, die es gewagt haben, beruflich ihren eigenen Weg zu gehen. Was es dafür braucht und was den jungen Frauen wichtig ist auf ihrem Weg, erfahren wir in 12 ausführlichen Interviews. Ich muss zugeben, Bücher wie "Lean in" von Sheryl Sandberg fasse ich nicht mal mit der Kneifzange an. Weshalb? Weil ich auch ohne Lektüre weiss, dass in solchen Büchern beschrieben wird, wie eine Frau aus privilegierter Situation sich unter Selbstaufopferung (oder Aufopferung der Familie) mit "männlichen Mitteln" in einer Männerdomäne durchschlägt. Sowas will und muss ich nicht lesen, weil es eben nicht auf die Situation der 99% Frauen mit nicht so privilegierter Ausgangslage übertragbar ist. Und ich das Bestreben, sich in patriarchalen Strukturen mit patriarchalen Verhaltensweisen zu behaupten, schon für sehr fragwürdig halte. Meiner Meinung nach geht es viel mehr darum, diese Strukturen aufzubrechen und neue Verhaltensweisen als "erfolgreich" zu etablieren - ohne Ellbogeneinsatz. Eine gesunde Prise Skepsis Deshalb ging ich auch ein kleines Bisschen skeptisch an die Lektüre von "Junge Macherinnen" heran. Würden auch hier diese Vorzeige-Businessfrauen abgebildet, denen Karriere über alles geht und die Karriere auch noch männlich definieren? Ich kann Entwarnung geben! Ihr könnt also weiterlesen. "Junge Macherinnen" porträtiert anhand von Interviews 12 junge Schweizerinnen (jung ist man zum Glück auch noch mit 37 oder 38, uff!), die neue Wege gehen und sich selbständig gemacht haben. Dabei sind die 12 Frauen so unterschiedlich wie ihre 12 neuen Wege: Da sind die, die vor Selbstbewusstsein strotzen. Da sind aber auch introvertierte und ruhige Frauen. Da sind die mit internationalem Flair, aber auch die stark lokal verwurzelten. Da sind die mit den Akademikereltern, da sind aber auch Bauernmädchen. Da sind Singles und Familienmenschen. Zwei Beispiele Nadia Cavelle hat zum Beispiel den Sprung von der Verlagsarbeit zur Schauspielerin, Filmemacherin, Skript- und Theaterautorin gewagt - und das in London! Und im Rahmen ihrer Arbeit setzt sie sich erst noch dafür ein, die weiblichen Erzählstimmen verstärkt in die Branche einzubringen und dem herrschenden Sexismus entgegenzuwirken. "Ich glaube fest daran, dass man es wagen sollte, wenn man tief im Innern den Wunsch hat, etwas zu machen - auch wenn man nicht weiss, was dabei herauskommt." ~ Nadia Cavelle (S. 22) Julia Kreienbühl ist Textildesignerin und Mutter und hat mit little indi ein nachhaltiges Kleiderlabel für Kinder gegründet. Sie sieht sich nicht primär als Macherin, sondern macht vor allem das, was ihr Freude macht. Sie ist eher schüchtern und schildert auch, mit welchen Ängsten sie umzugehen hat. "Wenn man etwas Neues wagt, gibt es keine Standardlösungen, die man herausnehmen kann - man muss sich selber zu helfen wissen." ~ Julia Kreienbühl (S. 27) Was die Weinexpertin, die Journalistin und die Schreinerin gemeinsam haben Sehr spannend fand ich auch die Porträts von Luzia Tschirky, Russland-Korrespondentin beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF, Politikerin Mattea Meyer und von Schriftstellerin Tabea Steiner, einfach, weil sie mir thematisch am nächsten liegen. Aber auch die Interviews mit der Bio-Bäuerin mit Hofladen, der Weinbloggerin, der App-Entwicklerin, der Schreinerin und der Bestattungsplanerin liefern sehr spannende Einsichten. Neben all den Unterschieden zwischen den sehr unterschiedlichen Macherinnen in ganz verschiedenen Berufsfeldern, fördern die Porträts auch einige Parallelen zu Tage. So ist vielen die Nachhaltigkeit ein wichtiges Anliegen und auch die Gleichstellung - gerade in männlich dominierten Berufsfeldern. Alle Frauen zählen mehr auf ihr Bauchgefühl, als dass sie alles im Voraus durchplanen würden. Sie alle bauen auf ein Netzwerk, das ihnen Halt gibt, sie unterstützt und sie versuchen auch, dieses Netzwerk auszubauen. Sie wollen ihren ganz eigenen Weg gehen, fernab bereits ausgetretener Pfade, aber auch ohne, sich dem Verhalten der Männer in ihrer Domäne anzupassen. Und sie alle machen einfach. Und wenn es mal nicht klappt, dann versuchen sie es halt nochmals anders. Stimmungsvolle Bilder, gelungenes Layout Paolo De Caro hat die Interviews um schöne, nahbare Fotos der Macherinnen in ihrem alltäglichen Umfeld ergänzt. Und er hat das Buch frisch und modern, mit Mut zur Farbe gestaltet. Eine kleine Kritik muss ich anbringen: Wenn in einem Buch so oft von der weiblichen Perspektive, der Gleichstellung, von Sexismus etc. die Rede ist, würde ich mir in den Interviewfragen und den Begleittexten erst recht eine gendersensible Sprache wünschen. Leider taucht hier aber das generische Maskulinum doch ab und zu auf. Wer sich für die sprachlichen Aspekte der Gleichstellung interessiert, kann meinen Beitrag zu "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay nachlesen. Fazit Mit "Junge Macherinnen" präsentiert Rachele De Caro nicht nur spannend zu lesende Porträts von 12 Schweizer Unternehmerinnen. Sie zeigt auch, wie vielfältig die Lebens- und Arbeitsmodelle aussehen können und dass es nicht richtig oder falsch gibt, sondern jede ihren eigenen Weg finden muss. In diesem Sinne ist das Buch ein grosser Schatz an Inspirationen und ein Mutmacher dazu! Die Fakten Junge Macherinnen Rachele De Caro (Text) Paolo De Caro (Fotos und Gestaltung) Édition De Caro 192 Seiten Erschienen am 01.01.2019 Hardcover ISBN: 978-3-9525107-0-4 Das Buch ist im lokalen Buchhandel erhältlich oder direkt auf der Website des Verlags. PS: Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an die Édition De Caro. PPS: Die ebenfalls porträtierte Madelyne Meyer ist bekannt als Bloggerin edvin uncorked und hat 2019 ebenfalls ihr erstes Buch herausgebracht: Endlich Wein verstehen - Madelyne Meyer, AT Verlag, 2019 Like it? Pin it! Magst du diesen inspirierenden Buchtipp? Dann teile die Inspiration bei Pinterest! #Sachbuch #jungemacherinnen #ÉditionDeCaro #RacheleDeCaro #Selbständigkeit #Gleichstellung #metoo #Feminismus #Unternehmerinnen #Frauen

  • Ferienabenteuer mit Hai

    Marie ist grosser Fan von Haien. Sie erklärt deshalb die Maiferien kurzerhand zu "Haiferien". Ob Marie auch tatsächlich einen Hai findet? Das erfahrt ihr im neuen Bilderbuch von Nini Alaska! Stehen bei euch vielleicht gerade Maiferien an wie bei Marie? Oder Pfingstferien? Auch wenn es, wie bei uns, nur ein verlängertes Pfingstwochenende ist, habe ich genau das richtige Buch für euch! Den Haien auf der Spur Wie gesagt, Marie liebt Haie! Sie malt jeden Tag welche und immer wieder schenkt sie ihrer Lehrerin Frau März eins ihrer Haibilder. Frau März ist es denn auch, die Maries Papa auf die Idee bringt, sein grosses, rotes Segelboot zu nehmen und mit Marie in See zu stechen. "Marie", sagte Papa oft, 'wir halten die Nase in den Wind und schauen geradeaus - bist du dabei?" "Klar, Papa", stimmte Marie dann immer zu." Da die Ostsee gleich um die Ecke liegt, ist schnell klar, wo es hingeht. Marie hofft natürlich, in der Ostsee auch tatsächlich einen Hai zu finden. Falls es denn in der Ostsee überhaupt Haie gibt? Marie hat da ihre Zweifel, weil sie beim Baden noch nie einen gesehen hat. Aber klar gibt es in der Ostsee Haie! Ganz viele sogar, weiss ihr Vater. Denn er ist Meeresbiologe und hat deshalb Ahnung von Fischen. Am ersten Tag der Maiferien geht es endlich los. Papa und Marie gehen mit ganz viel Suppe und Dosenwürstchen an Bord. Nur: Das Abenteuer bzw. die Haie lassen auf sich warten. Weit und breit ist keine Haiflosse in Sicht. Da beschliesst Marie, etwas nachzuhelfen. Wie und ob der Plan aufgeht? Das müsst ihr in "Haiferien" selbst herausfinden! Vater-Tochter-Geschichte Das Schöne an Nini Alaskas Buch ist, dass wir mit Marie ein abenteuerlustiges Mädchen in der Hauptrolle haben und dass eine Vater-Tochter-Beziehung im Mittelpunkt steht. Maries Mutter hat sich alleine auf Weltreise gemacht und Marie und Papa zurückgelassen. Es ist toll, das Vater-Tochter-Gespann zu begleiten und ihre Dialog mit feinem Witz zu verfolgen. Nini Alaskas Illustrationen erstrecken sich meist über eine ganze Doppelseite und werden von recht viel Text begleitet. So eignet sich das Bilderbuch perfekt zum Vorlesen, wenn man man so richtig Zeit hat, um in einer Geschichte zu versinken. Wenn den Kindern abends schon halb die Augen zufallen, würde ich es nicht empfehlen. Denn dann schlafen sie entweder ein oder, was viel wahrscheinlicher ist bei der spannenden Geschichte, sind am Ende wieder hellwach! Fazit Wer Lust auf ein Ferienabenteuer ohne Klischees hat und vielleicht sogar Haie mag, ist mit Nini Alaskas "Haiferien" genau auf dem richtigen Dampfer, äh, Segelboot! Das Kinderbuch mit dem mutigen Mädchen, der herzerwärmenden Vater-Tochter-Geschichte und feinem Humor ist perfekt zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren. Die Fakten Haiferien Nini Alaska (Text + Illustration) Tulipan Verlag 48 Seiten Erschienen im Januar 2020 ISBN: 978-3-86429-459-4 Ab 4 Jahren Das Buch ist in jeder lokalen Buchhandlung erhältlich. Kauft lokal ein und unterstützt so eure Buchhändler*innen vor Ort. Website von Nini Alaska PS: Herzlichen Dank an den Tulipan Verlag für das Rezensionsexemplar. Noch mehr von Nini Alaska Hollie & Fux - Nini Alaska (Tulipan, 2019) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du ihn auf Pinterest teilst. #Bilderbuch #NiniAlaska #Ferien #Klischeefrei #Familie #Meer #Ostsee #Schweden #Haie #Abenteuer #TulipanVerlag #Familienleben #Väter

  • Zwischen Frausein und Muttersein

    Drei Frauen, ihr Frausein und ihre Mutterschaft stehen im Zentrum von Laura Vogts zweitem Roman "Was uns betrifft". Eine vielschichtige Suche nach der eigenen Rolle. "Am Tag, als ein Ei auf Kommando des luteinisierenden Hormons ihren rechten Eierstock verliess und sich mit einem Spermium vereinte, sass Rahel in der zweitvordersten Reihe an einer Lesung." (S. 9) Rahel ist 27 Jahre alt und ungewollt schwanger. Der Vater des Kindes hat sich aus dem Staub gemacht. Sie sieht ihren Beruf als Jazz-Sängerin und die Mutterrolle als unvereinbar und setzt ganz auf Letzteres. Der Zufall will es, dass sie den Schriftsteller Boris kennenlernt und ziemlich überstürzt zu ihm aufs Land, in ein grosses Haus in der Ostschweiz, zieht. Rahel stürzt sich voll in ihre Mutterrolle und verbannt die Musik aus ihrem Leben. Schwieriges Zurechtfinden im Muttersein Boris nimmt Rahels Sohn Rico wie sein eigenes Kind an. Später bekommen sie noch das gemeinsame Kind Leni. Die Geburt ist ungleich schwerer als die von Rico und Rahel fühlt sich nach der Geburt leer, kann schlecht eine Beziehung zu ihrer Tochter aufbauen, das Stillen ist ein Kampf. Die emotionalen Defizite - vielleicht ist es auch eine postpartale Depression - überkompensiert sie mit übertriebenem Perfektionismus im Haushalt. Boris weist sie ab, obwohl er objektiv gesehen ein toller umsorgender Vater und verständnisvoller Partner ist. In Rahel steigt aber immer wieder die Befürchtung auf, Boris könnte - wie einst ihr eigener Vater und Ricos leiblicher Vater - plötzlich aus ihrem Leben verschwinden. Gleichzeitig wird klar, dass sie ihr Leben als Sängerin vermisst. Die beiden unterschiedlichen Welten aber auch nicht zusammenbringt. Sie hat Mühe, gleichzeitig Frau und Mutter und sich selbst zu sein, sich neu zu positionieren, ihr Selbst wiederzufinden. "... vor mir der halbierte Körper, in jeder Hälfte stecken noten, die nicht klingen. Da liege ich nun, verstreut in meinen Kindern." (S. 103) Stark sein bis zum Verleugnen? In dieser Phase kommt nun Rahels jüngere Schwester Fenna zu Besuch. Auch sie schwanger, allerdings gewollt. Abstruserweise ist diese Schwangerschaft eine Retourkutsche dafür, dass ihr Freund Luc sie einmal im Wald vergewaltigt hat. Fenna ist eine starke, selbstbestimmte Frau, sieht sich als Feministin. Um dieses Bild von sich aufrechtzuerhalten, rechtfertigt sie die Vergewaltigung, macht ein Machtspiel daraus, in dem sie durchs Schwangerwerden wieder die Oberhand gewinnt. Die Wertung des Ganzen ist uns Leser*innen überlassen. Fennas Auftauchen und ihr Austausch mit Rahel bringen Fragen rund um das Frauenbild und die Rolle der Macht in Beziehungen aufs Tapet. Eine oft abwesende Mutter Die dritte Frau im Bunde ist Verena, die Mutter von Rahel und Fenna. Auch sie trifft später im Haus auf dem Land ein. Rahel, Fenna und Verena konfrontieren sich gegenseitig mit ihren Rollen als Mütter, Töchter, Frauen. Verena hat ihre Mädchen alleine aufgezogen, hat viel gearbeitet und war so für Rahel oft fast genauso wenig greifbar wie ihr abwesender Vater. Zumindest erscheint die Beziehung recht unterkühlt. Verena ging später eine Beziehung mit einer Frau ein. So bringt auch dieser Erzählstrang nochmals viele spannende Fragen ein über Familien- und Rollenmodelle sowie über Beziehungen. Laura Vogt erzählt den Grossteil des Romans mit einer Erzählstimme von aussen, aber jeweils in wechselnden Perspektiven durch die Augen der drei Frauen Rahel, Fenna und Verena. Nur einzelne Tagebuchpassagen bieten eine Innensicht von Rahel. So entsteht ein vielstimmiges, vielschichtiges Bild von den drei Frauen, die wiederum ganz unterschiedliche und sich im Laufe der Zeit ändernde Bilder von sich selbst, von den anderen, vom Frausein und vom Muttersein haben. Fazit "Was uns betrifft" von Laura Vogt ist ein tiefgründiger, psychologischer Roman über das Frausein, mit und ohne Kind, über das Muttersein, mit und ohne Partner*in, mit und ohne berufliche Pflichten oder Erfüllung. Indem die Autorin dieses Spannungsfeld vielstimmig aufzeigt, regt sie sehr zum Nachdenken an über frühere und aktuelle Rollenbilder, feministische Bestrebungen und das Zurechtfinden in sozialen Gefügen. Besonders jungen Müttern kann ich die Lektüre sehr empfehlen, sie hallt lange nach. Die Fakten Was uns betrifft Laura Vogt Zytglogge Verlag 210 Seiten Erschienen am 28.02.2020 Hardcover ISBN: 978-3-7296-5043-5 PS: Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Zytglogge Verlag. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. #LauraVogt #Zytglogge #Frauen #Feminismus #Familie #Mutterschaft #Geburt #Karriere #familiensache #Roman #SchweizerAutorin

  • Ein goldenes Blatt, grüne Nadeln, der schweigende Wald

    "Die kleine Waldfibel" von Linda Wolfsgruber entführt uns eine Stunde oder zwei in den Wald und lockt uns damit ganz bestimmt hinter dem Ofen hervor. Gerade ist es hier zwar trüb und nass, aber nicht so kalt, dass ich hinter dem Ofen sitzen würde. Aber ihr wisst natürlich, wie ich das meine. Linda Wolfsgrubers Waldfibel macht nämlich so richtig Lust, nach der Lektüre den Wald selbst zu erkunden. Mit dem Wald durchs Jahr Entlang der vier Jahreszeiten führt uns Linda Wolfsgruber, geboren im Südtirol und lebhaft in Wien, durch das Ökosystem Wald. Dabei erklärt sie uns viel über Laub- und Nadelbäume, über Waldbewohner wie das Eichhörnchen, den Specht oder Borkenkäfer und darüber, wie verschiedene Bäume ein organisches Ganzes bilden. Das Herzstück der Waldfibel bilden die Beschreibungen der häufigsten Baumarten. Wunderschön gestaltet, indem wir sowohl den jungen Baum ohne Laub als auch - auf Transparentblättern - den ausgewachsenen Baum in voller Blätterpracht bewundern können. Die Aquarell- und Tuschezeichnungen von Linda Wolfsgruber sind durch die Buchgestaltung perfekt in Szene gesetzt. Den Wald mit allen Sinnen erleben Der Waldbesuch in Buchform ist aber nicht nur Wissensvermittlung, sondern ganz in der Tradition Joseph von Eichendorffs auch ein intellektueller Waldspaziergang. Eichendorff selbst kommt nicht zu Wort, aber Poetinnen und Poeten wie Heinz Janisch, Hilde Domin oder Erich Kästner. "Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden." ~ Erich Kästner Neben der eingestreuten Lyrik finden wir auch einfache Rezepte - wie Brennesselaufstrich und Baumkuchen - oder eine Anleitung für eine Maipfeife. Die Buchgestaltung von Christiane Dunkel-Koberg ist nicht nur mit den Transparentblättern, sondern auch mit dem Umschlag in holziger Optik und Haptik ein Gesamtkunstwerk - ganz wie wir es von den kunstanstiftern gewohnt sind! Fazit "Die kleine Waldfibel" von Linda Wolfsgruber ist ein schönes Sachbuch für Waldfreund*innen mit poetischer Ader. Dank dem handlichen Format kann die Waldfibel beim nächsten Waldspaziergang sogar gut mit von der Partie sein! Die Fakten Die kleine Waldfibel Linda Wolfsgruber (Text + Illustration) Christiane Dunkel-Koberg (Buchgestaltung) kunstanstifter 144 Seiten Erschienen am 31.01.2020 Hardcover mit Prägung ISBN: 978-3-942795-92-0 Ab 5 Jahren Dieses Buch erhältst du im lokalen Buchhandel. Unterstütze die örtliche Buchhandlung und kaufe lokal! Website von Linda Wolfsgruber PS: Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag kunstanstifter und an Kirchner Kommunikation. Noch mehr #waldbücher bei MINT & MALVE Ich habe anfangs Jahr auf Instagram eure liebsten Waldbücher gesammelt und aus diesem Anlass selbst einige vorgestellt. Das könnte euch auch noch interessieren! Die Wand - Marlen Haushofer (Ullstein) Mikadowälder - Marie-Alice Schultz (Rowohlt) Wald - Doris Knecht (Rowohlt) Holli & Fux - Nini Alaska (Tulipan) Jim Curious - Streifzug durch den Dschungel - Matthias Picard (Reprodukt) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. #Kunstanstifter #LindaWolfsgruber #Waldbücher #Wald #Natur #Nachhaltigkeit #Umwelt #Umweltschutz #Bäume #Sachbuch #Sachbilderbuch

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