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- Polle 8 - Comic-Magazin für Kinder
Das Thema Post beschäftigt uns aktuell sehr, deshalb passt die frisch erschienene Ausgabe von POLLE, dem Comic-Magazin für Kinder, thematisch perfekt! Ein Blick in das vielseitige Comicheft mit kanadischem Schwerpunkt lohnt sich aber für alle! Seit wir in den USA sind, ist Post für die Kinder wichtiger denn je. Gespannt rennen sie jeden Tag zum Briefkasten, um zu schauen, ob sich darin ein Brief, eine nette Karte oder gar ein Paket aus der Schweiz befindet! Hauptsache, die Post kommt an! Ironischerweise auf dem elektronischen Weg hat uns die neue POLLE #8 erreicht: Sie hat so einiges rund ums Thema Post und Kommunikation im weitesten Sinne zu bieten. Das neuste Heft des Comic-Magazins für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren von Péridot versammelt zudem einige kanadische Comic-Künstler*innen: Im obigen Titelbild zu erkennen sind Guillaume Perreault und sein "Weltraumpostbote"*. Der heutige Auftrag bringt Bob in eine moralische Zwickmühle, in die Nähe eines schwarzen Lochs und damit in Lebensgefahr! Michael DeForge lässt uns mit der kanadischen Spezialität "Butter Tart" das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die fantastische Elise Gravel klärt mit viel Humor über Fake News im Internet auf. Und Cathon verrät uns, wie ihr Arbeitsalltag als Comiczeichnerin aussieht - so witzig! :-) Bilder: Ferdinand Lutz, POLLE (2023). Besonders gefreut haben wir uns über den Comic von Thomas Wellmann aus seiner Serie "Nika, Lotte, Mangold!" (Band 1 und Band 2 habe ich euch auch schon vorgestellt und den deutschen Zeichner auch schon interviewt), in dem Mangold einen wirklich üblen "Bad Hair Day" erlebt. Daneben gibt es Comics von Axel Scheffler, Lis Xu, Jeroen Eunke, Leo Leowald, Philip Waechter und Dominik Merscheid, Marie Boisson, Tor Freeman und einigen mehr sowie ein Interview mit Cover-Gestalterin Aisha Franz. Fazit Die POLLE macht einfach immer Spass mit ihrer bunten Mischung an längeren und kürzeren Comics aus Deutschland und aller Welt. Das Comic-Magazin passt genauso für Comic-Neulinge wie für eingefleischte Comicfans, denen es viel Abwechslung und regelmässig Neuentdeckungen in die gute Stube bringt. Die POLLE voller Comics und Geschichten gibt es auch im Abo. Sie erscheint zweimal jährlich. Mit dem Förderabo gibt's coole Extras dazu - nächstes Mal zum Beispiel einen POLLE-Patch von Thomas Wellmann. Die Fakten POLLE #8 Aisha Franz, Guillaume Perreault, Alec Longstreth, Tor Freeman, Marie Boisson, Elise Gravel, Michael DeForge, Philip Waechter u. v. m. Péridot 52 Seiten Erschienen am 13.03.2023 Softcover ISBN 978-3-9822850-8-5 Ab 7 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Direkt bei Péridot bestellen #1 bis #7 gibt es auch bei Thalia und Orell Füssli, #8 habe ich da noch nicht gefunden. Schaut aber einfach mal vorbei! PS: Herzlichen Dank an Péridot für das Rezensionsexemplar in elektronischer Form sowie die Bilder (abgesehen vom Titelbild des Artikels, das von mir stammt). Mehr Comics für Kinder bei mint & malve Akissi 4 - Die Königin der Nervensägen - Marguerite Abouet, Mathieu Sapin (Reprodukt 2022) Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin - Tom Gauld (Moritz Verlag 2022) Zack! - Volker Schmitt, Màriam Ben-Arab (Kibitz Verlag 2021) Power-Prinzessinnen-Patrouille und Mauer, Leiter, Bauarbeiter - Mawil (Reprodukt 2021) Spiel & Spass mit der Hundebande - Dorothée de Monfreid (Reprodukt 2021) supercool - Eine Grundschulgeschichte - Tanja Esch (jaja 2015) Hilda und der Bergkönig - Luke Pearson (Reprodukt 2019) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Silberregen glitzert nicht
Suchtproblematiken tauchen in Jugendbüchern für Early Teens wohl nicht allzu häufig auf. Christine Werner nähert sich dem Thema Medikamentenabhängigkeit in ihrem Roman "Silberregen glitzert nicht" ganz feinfühlig aus der Perspektive der 12-jährigen Emely. Da ich viele Jahre für eine NPO gearbeitet habe, die sich in der Schweiz für eine fortschrittliche Suchtpolitik einsetzt und auch in meinem letzten Job mit dem Programm für "Kinder von suchtkranken Eltern" in Berührung kam, interessiert mich das sensible Thema Sucht in Kinder- und Jugendbüchern. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich das neue Jugendbuch von Christine Werner lesen möchte. Ihr erster Jugendroman "Blitzeinschlag im TerriTorium" hat mir auch schon gut gefallen. Und "Silberregen glitzert nicht" konnte mich nun trotz dem schweren Thema, oder vielleicht gerade deshalb, noch mehr begeistern. Den schönen Schein wahren Emely ist wie erwähnt 12 Jahre alt, sie hat zwei kleine Geschwister, einen besten Freund Mathis, mit dem sie gerne Skaten geht, und in der Schule scheint sie auch ganz gut zu sein. So weit so gut, würde man meinen. Doch Emely hat ein Geheimnis. Sie schmeisst den Haushalt praktisch alleine und übernimmt auch noch die Betreuung ihrer kleinen Geschwister. Ihr Papa ist nämlich oft beruflich unterwegs und ihre Mama schafft es morgens oft nicht aus dem Bett. Daneben liegt meist eine leere Tablettenverpackung. Um welches Medikament es sich handelt, wissen wir nicht. Aber wir merken schnell, dass es kein gutes Zeichen ist, wenn neben Mamas Bett wieder einmal Emelys Mutter hat auch gute Phasen, in denen sie den Haushalt macht, gute Laune verbreitet und mit den Kindern schöne Pläne schmiedet. Pläne, die sie dann aber leider doch allzu oft einfach verschläft. Und so bleibt die ganze Arbeit und die Verantwortung für die Geschwister wieder an Emely hängen. Diese stellt ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse Mal für Mal zurück, um gegen aussen den Schein einer "normalen" Familie zu wahren. Eine riesige Last auf so jungen Schultern. Wenn alles zu viel wird Nach und nach macht sich die Last auch gegen aussen bemerkbar. Wenn sie es etwa nicht schafft, Bruder und Schwester rechtzeitig im Kindergarten oder in der Kita abzuliefern, wenn sie ihren schmutzigen Pullover aus der Schmutzwäsche fischen muss oder wenn sie fast zu spät ins Schulzimmer stolpert. Und irgendwann, ja irgendwann traut sie sich endlich, sich ihrem besten Freund anzuvertrauen. Mathis soll es zwar ebenfalls unbedingt für sich behalten. Emely möchte auf keinen Fall, dass andere Kinder oder Erwachsene Bescheid wissen. Aber zumindest kann sie jetzt mit jemandem darüber sprechen. Und Mathis wäre nicht der beste Freund überhaupt, wenn er Emely nicht auf eine professionelle Suchtberatungsstelle hinweisen würde. Und so nimmt das Buch ein hoffnungsvolles Ende, dass jemand Emely aus ihrer Lage hilft, ihr die übermenschliche Last von den Schultern nimmt und dass schliesslich auch ihre Mama die nötige Hilfe erhält, um der Medikamentensucht zu entkommen. Christine Werner hat das Buch sehr geschickt aufgebaut, indem sie einen langsam an die Problematik heranführt und einem Stück für Stück klar wird, wie es Emely ergeht und wie sie sich in dieser Situation fühlt. Wir spüren ihr Verantwortungsbewusstsein, die Liebe zur Mutter, den absoluten Willen, alles am Laufen zu halten, aber natürlich auch die Traurigkeit über den Zustand der Mutter und den Fakt, dass sie so wenig Unterstützung hat und den immensen Druck, den sie spüren muss, weil sie selbst in die Rolle eines Elternteils für ihre zwei kleinen Geschwister und ihre Mutter schlüpft (Parentifizierung). Und selbstverständlich auch die Enttäuschung darüber, dass sie oft verzichten muss (zum Beispiel auf Ausflüge in den Skatepark, Shopping o.ä.) und der Zweifel daran, ob sie ihrer Mutter überhaupt wichtig ist. "Warum kriegt sie es nicht hin? Weil ich nicht wichtig bin. Egal." (S. 75) Der Jugendroman für junge Teenager ab etwa 11 Jahren hat mich sehr, sehr mitgenommen. Was sicher auch daran liegt, dass Christine Werner alles aus der Perspektive von Emely beschreibt. So sind wir ganz nah an ihr und ihrer emotionalen Not dran. Hoffen mit ihr und werden oft wieder enttäuscht. Sehr gut gefällt mir auch, dass die Autorin ihre Kapitel immer mit einer Frage überschrieben hat, die zuerst einmal bildhaft verstanden werden kann, die aber eine ganz greifbare Relevanz für Emely hat und im Verlauf des Kapitels vielleicht nicht immer beantwortet, aber doch thematisiert wird. Ebenfalls ein tolles Stilmittel sind Quizfragen im Stile von "Wer wird Millionär?", die sich Emely ausdenkt, da ihre Mama und sie Quizsendungen lieben. Wie toll wäre es, wenn ihre Mama oder sie einmal eine solche Show gewinnen und dann jubelnd im Silberregen stehen würde? Der Silberregen ihres Lebens ist aber leider alles andere als ein Segen. "Was ist eine Million wert? A: die Antwort auf die Biologie-Frage B: die Entdeckung von Quizanien C: Mama, die tanzt" (S. 109) Darüber hinaus ist Emely als cooles Mädchen, das Skateboarden mag, klischeefrei gezeichnet. Ihre Freund*innen haben den Namen nach zu urteilen ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Und auch Nebenrollen wie der Fassadenarbeiter sind sympathisch geschrieben. Fazit Christine Werner erzählt in "Silberregen glitzert nicht" sehr gefühlvoll von einem Teenager-Mädchen, dessen Mutter tablettensüchtig ist. Als Leser*innen des Jugendbuchs erleben wir mit Emely, was es bedeutet, viel zu früh viel Verantwortung übernehmen zu müssen. Gleichzeitig teilen wir mit ihr die Hoffnung, dass es Menschen gibt, die ihr und ihrer Mutter helfen können. So erzählt der Roman nicht nur vom schweren Thema der Medikamentensucht und ihren Folgen für die Kinder der betroffenen Familien, sondern transportiert auch, dass es sich lohnt, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe zu holen. Niemand muss so etwas alleine durchstehen! Schon gar kein Kind. Die Fakten Silberregen glitzert nicht Christine Werner Mixtvision 208 Seiten Erschienen am 08.02.2023 Hardcover ISBN: 978-3-95854-197-9 AB 11 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Christine Werner bei Instagram PS: Herzlichen Dank an den Verlag Mixtvision für das Rezensionsexemplar. PPS: In der Schweiz haben gemäss Sucht Schweiz etwa 100'000 Kinder suchtkranke Eltern. Die Stiftung organisiert deshalb zusammen mit Partnerorganisationen jeweils im Frühjahr eine Aktionswoche für Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung. 2023 findet sie vom 13.-19. März statt. Weitere Bücher (für Erwachsene) zum Thema Sucht Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier (Kampa 2022) Das grüne Auge - Nathacha Appanah (Lenos Basel 2021) Auf Erden sind wir kurz grandios - Ocean Vuong (Hanser Verlag 2019) Loyalitäten - Delphine de Vigan (Dumont 2018) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Flauschig mauschig
Schon Kinder betrachten ihren Körper kritisch. Autorin Nora Burgard-Arp und Illustratorin Franziska Viviane Zobel wollen dem mit ihrem Bilderbuch "Flauschig mauschig" etwas entgegensetzen. Wider den Diät- und Schlankheitswahn Nora Burgard-Arp betrachtet die immer noch vorherrschende "Diet Culture" in unserer Gesellschaft und ihre Auswirkungen auf Kinder und ihre Körperwahrnehmung sehr kritisch. Mit "Flauchig mauschig" setzt sie ein liebevolles, empowerndes Zeichen dagegen und vermittelt so ihre Botschaft: "Liebe Kinder, ihr seid noch so viel mehr als eure äußere Erscheinung. Ihr seid klug, lustig, warmherzig, kreativ, verträumt, wild oder schüchtern. Und manchmal seid ihr sogar alles gleichzeitig." ~ Nora Burgard-Arp In "Flauschig mauschig" begegnen wir Lou - das Geschlecht wird offen gelassen. Lou ist ganz einsilbig und traurig heute. Papa findet erst nach und nach heraus, weshalb. Ein Kind hat Lous Bauch als "dick" beschimpft. Papa erklärt Lou einfühlsam, dass "dick" eigentlich gar kein Schimpfwort ist, sondern einfach beschreibt, wie etwas ist. Als solches ist das Wort erstmal neutral. Der einfühlsame Papa verrät Lou dann auch, mit welchem Zaubertrick vor dem Spiegel, man den kritischen, negativen Blick auf den Körper in einen liebevollen, positiven Blick auf sich selbst - mit Körper und Persönlichkeit verwandeln kann. Wie wir im Nachwort zum Buch erfahren, wird die Methode der "Spiegelexposition" auch in Therapien gegen Essststörungen wie Magersucht und Bulimie angewendet. So vermittelt Autorin Nora Burgard-Arp jungen Leser*innen bzw. Zuhörer*innen ab 5 Jahren, dass Körper ganz unterschiedlich und genau so gut sind, wie sie sind. Es wird auch deutlich, dass Körper sich verändern und so auch das Abenteuer Leben abbilden - wie Beispielsweise die Schwangerschaftsstreifen auf Mamas Bauch oder Omas Lachfältchen. Menschen in ihrer Vielfalt Franziska Viviane Zobel hat "Flauschig mauschig" wunderbar warm illustriert. Die Menschen scheinen geradezu von innen heraus zu leuchten! Besonders gefällt mir neben dem offen gelassenen Geschlecht von Lou auch, dass Lou, Mama und Oma People of Color sind. Auch auf der abschliessenden Seite, die die Leser*innen zum Nachmachen einlädt, sehen wir eine breite Palette an Körpern: dick, dünn, mit hellen und dunklen Hauttönen, im Rollstuhl, europäisch oder asiatisch gelesen. Ganz schön ist auch der positive Nebeneffekt, dass ihr mit dem Buchkauf (siehe Links unten) die Organisation nuruWomen e.V. unterstützt. Der gemeinnützige Verein hilft Frauen in Äthiopien und anderen Ländern des globalen Südens mit Bildung und Mikrokrediten, ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu führen. Fazit "Flauschig mauschig" von Nora Burgard-Arp und Franziska Viviane Zobel ist ein wunderbar bestärkendes Bilderbuch, das die Selbstakzeptanz und das Selbstbewusstsein fördert. Die wohlwollende Betrachtung von Lous Körper und die Ergänzung um tolle Eigenschaften jenseits des Aussehens wirken ansteckend und ermutigen dazu, zu sich zu stehen. Die Fakten Flauschig mauschig Nora Burgard-Arp (Text) Franziska Viviane Zobel (Illustration) Jupitermond Verlag 32 Seiten Erschienen am 23.02.2023 Hardcover ISBN: 978-3-949239-12-0 Ab 5 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Nora Burgard-Arp bei Instagram Franziska Viviane Zobel bei Instagram Jupitermond Verlag bei Instagram PS: Herzlichen Dank an den Jupitermond Verlag für das digitale Rezensionsexemplar. Weitere Körperbücher bei mint & malve Some Bodies - Sophie Kennen, Airin O'Callaghan (Sleeping Bear Press 2022) AnyBody - Dick & dünn & Haut & Haar: das grosse Abc von unserem Körper-Zuhause - Katharina von der Gathen, Anke Kuhl (Klett Kinderbuch 2021) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Durch die Jahreszeiten
In Dawid Ryskis und Sören Maahs' Bilderbuch geht es mit einer Familie "Durch die Jahreszeiten". Kommt ihr mit und erlebt Frühling, Sommer, Herbst und Winter zwischen zwei Buchdeckeln? Seid ihr auf der Suche nach einem wunderschön gestalteten Bilderbuch, das das ganze Jahr über aktuell bleibt? Dann ist das Bilderbuch "Durch die Jahreszeiten" von Dawid Ryski und Sören Maahs genau das Richtige! Winter, Frühling, Sommer und Herbst Mit einer vierköpfigen Familie und dem Hund Polly starten wir das neue Jahr im Schnee. Wir sehen eine verschneite Grossstadt, aber auch wie sich die Familie auf den Schneehügeln in einer etwas ländlicheren Regionen die Zeit mit Schlitteln, Skifahren und Snowboarden vertreibt. Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse schauen schon heraus und der Schneemann wird bald geschmolzen sein. Weiter geht es durch den Frühling mit den wunderschön blühenden Obstbäumen, ersten Bienen, Blumen und Vogelgezwitscher. Die Bilder sind harmonische, kräftige Farben mit roten, blauen und gelben Akzenten im grafischen Stil etwas retromässig illustriert und erstrecken sich immer über eine ganze Doppelseite. In den Sommerferien reisen wir mit der Familie ans Meer, rutschen in Gedanken die geniale Wasserrutsche hinunter, übernachten im Zelt und werfen den Grill an. So geht es weiter über den Herbst mit Drachenfliegen und Halloween bis mit dem ersten Schnee wieder der Winter Einzug hält und die Familie einen neuen, noch viel grösseren Schneemann bauen kann. Neben den wunderschönen Illustrationen im reduzierten Stil, die so gekonnt die Stimmung verschiedener Jahreszeiten heraufbeschwören gefällt mir auch, dass die Familie und weitere Personen so vielfältig dargestellt sind. Da gibt es ganz unterschiedliche Haarfarben und Hauttöne, einige Personen können asiatisch, andere als Schwarz gelesen werden. Mit dem reduzierten Text lädt Sören Maahs dazu ein, die Bilder des polnischen Illustrators um eigene Geschichten zu ergänzen. Zudem macht es Spass, nach süssen Details wie dem kleinen Maulwurf mit Brille Ausschau zu halten. Fazit "Durch die Jahreszeiten" von Dawid Ryski und Sören Maahs ist ein Bilderbuch, das Kinder ab etwa drei Jahren durch das Jahr begleitet und alle Jahreszeiten mit ihren Naturphänomenen bildlich erleben lässt. Das Bilderbuch ist mit den Illustrationen im Retrostil auf jeden Fall auch etwas fürs Auge der erwachsenen Vorleser*innen. Die Fakten Durch die Jahreszeiten Dawid Ryski (Illustration) Sören Maahs (Text) Kleine Gestalten 32 Seiten Erschienen am 11.04.2017 Hardcover ISBN: 978-3-89955-783-1 Ab 3 Jahren Buch bei genialokal.de kaufen* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Noch mehr Jahreszeiten-Bücher für Kinder bei mint & malve Meine Gartenfreunde. Die kleine Meise - Carla Häfner, Sandy Lohß (Oetinger 2022) Ein Garten für uns - Zoë Tucker, Julianna Swaney (NordSüd 2022) Heute pflanz ich, morgen koch ich. Tipps zum Gärtnern, Ernten und Rezepte für Kinder - Felicita Sala (Prestel junior 2022) Meine Freundin Erde - Patricia MacLachlan, Francesca Sanna (NordSüd 2020) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Morgen, morgen und wieder morgen
(Werbung) Gabrielle Zevin nimmt uns in ihrem Bestseller "Morgen, morgen und wieder morgen" mit in die Gamingwelt und erschliesst uns so ein ganzes Universum. In den USA und Grossbritannien war der Roman "Morgen, morgen und wieder morgen" von Gabrielle Zevin 2022 ein voller Erfolg. Nun können wir ihn dank der Übersetzerin Sonia Bonné (siehe auch "Die Gesetzlose" von Anna North) auch auf Deutsch geniessen. Ich habe das über 500 Seiten starke Buch über Neujahr gelesen und bin froh, euch jetzt endlich davon erzählen zu können! Eine besondere Freundschaft Sadie und Sam begegnen sich in ihrer Kindheit bzw. frühen Teenagerjahren in einem Krankenhaus in Los Angeles. Sadie begleitet ihre an Krebs erkrankte Schwester Alice oft zu den Behandlungen, leistet ihr Gesellschaft. Sam hat einen schweren Autounfall überlebt, doch dabei seinen Fuss 27 Mal gebrochen. Die beiden verbringen ganze Nachmittage mit Videospielen, ihrer grossen Leidenschaft. Über das gemeinsame Hobby entwickelt sich schnell eine innige Freundschaft, die allerdings auf einem wackligen Fundament steht, weil Sadie nicht ganz offen ist zu Sam. Ihre Oma Freda warnt Sadie, aber die hört nicht auf sie: "Freundschaft ist Freundschaft, und Wohltätigkeit ist Wohltätigkeit. (...) Es ist unmöglich, von einem Freund Wohltätigkeit zu erfahren." (S. 43) So kommt es, wie es kommen muss und die Freundschaft zwischen dem "armen" Jungen aus Koreatown und dem "reichen" Mädchen aus den Flats (ein Teil von Beverly Hills) geht zwischenzeitlich auseinander. Erst im Studium treffen sie sich am anderen Ende der USA, in Cambridge, Massachusetts wieder. Und sie beginnen, gemeinsam Videospiele zu entwickeln. Eine Rolle spielen auch Sams Mitbewohner Marx, er hat wie Sam koreanische (sowie japanische) Wurzeln, und Dov, Sadies Dozent und Freund mit Wurzeln, Frau und Kind in Israel. "Aber da war sie nun: Sadie Green in Person. Bei ihrem Anblick hätte er heulen können. Es fühlte sich an, als wäre sie ein mathematischer Beweis, der ihm jahrelang entgangen war..." (S. 16) Beziehungen auf dem Prüfstand Ihr merkt schon, das Beziehungskarussell dreht sich schnell in "Morgen, morgen und wieder morgen" - sei es nun in Bezug auf Freundschaften oder Liebesbeziehungen. Immer hinein spielen auch die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe, Problematiken wie Klassismus, Sexismus und Rassismus und der Umgang der Protagonist*innen damit. Und die eine oder andere Beziehung muss durchaus als toxisch bezeichnet werden. Sie alle haben neben der eh schon schwierigen Identitätssuche auch mit Trauer und Verlust umzugehen. Gleichzeitig begleiten wir sie in einer Zeit der kreativen Euphorie, einer Phase der schier unendlichen Schaffenskraft. Ich bin nur so durch die Seiten dieses Romans geflogen, fand den Ausflug in die Gamingwelt spannend, erkannte so einige Spiele und andere popkulturelle Referenzen der 1990er-Jahre wieder. Ich konnte zwar nicht immer alle Entscheidungen oder Gedanken der Protagonist*innen nachvollziehen, was mich ab und zu verzweifeln liess. Wieso macht er/sie sich das Leben selber schwer? Sprecht doch einfach miteinander! Aber genau das macht wohl einen Teil des Sogs aus. Man wünscht ihnen so, dass alles gut geht und dann geschieht auch noch ein ganz grosses Unglück, das das gesamte Geflecht an Freundschaften und beruflichen Beziehungen zum Einsturz bringt. "Sam bezweifelte, dass er etwas anderes fühlen konnte als Schmerz, und so sehnte er sich weniger nach dem Vergnügen als andere Leute. Am glücklichsten war er, wenn er gar nichts fühlte." (S. 276) Gabrielle Zevin arbeitet geschickt mit Vor- und Rückblenden, wechselt gekonnt die Perspektive und lässt einen Teil des Buches sogar ganz in einem Game spielen. Was es damit auf sich hat, erfahren wir als Leser*innen natürlich nach und nach. Das Ende ist traurig und hoffnungsvoll zugleich - und es kommt viel zu früh. Denn man mag Sadie und Sam nach 560 Seiten gar nicht mehr loslassen, man wünscht sich, dass es wie in einem Game immer weitergeht: Morgen, morgen und wieder morgen. Gabrielle Zevin spricht sehr viele Themen an und erzählt nicht alle aus. Inhalt und Message von "Morgen, morgen und wieder morgen" erscheinen relativ offensichtlich, ohne viele Metaebenen. Aber es ist allemal ein sehr unterhaltsamer, emotionaler, (fast) unkitschiger Roman mit Suchtpotenzial! Fazit "Morgen, morgen und wieder morgen" von Gabrielle Zevin ist ein literarischer Ausflug in die Gamingwelt und in das Aufwachsen und das (persönliche und berufliche) Sich-Finden von jungen, kreativen, ambitionierten Menschen in den USA. Sie alle haben ihren Rucksack zu tragen: Mal verzweifeln sie an den gesellschaftlichen Hürden, mal an der eigenen Unzulänglichkeit, mal am unfairen Schicksal und mal rücken sie mit 99 Leben hoffnungsvoll ins nächste Level vor. Die Fakten Morgen, morgen und wieder morgen Gabrielle Zevin Sonia Bonné (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) Eichborn 560 Seiten Erschienen am 24.02.2023 Hardcover ISBN: 978-8479-0129-7 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Eichborn Verlag für das Rezensionsexemplar. Hörbuch-Flatrate 45 Tage gratis testen! "Morgen, morgen und wieder morgen" von Gabrielle Zevin gibt es auch als gekürzte Hörbuchfassung bei Storytel, gelesen von Moritz Pliquet und Slim Weidenfeld. Besorgt euch die Hörbuch-Flatrate mit meinem Link für 45 (statt nur 30) Tage kostenlos* und ihr könnt dieses oder eins der 600'000 anderen Hörbücher für Gross und Klein gratis hören! Nach Ablauf des Probeabos kostet die Flatrate 14.90 Euro pro Monat, ist aber jederzeit kündbar (auch vor Ablauf des Probeabos). Die Verfilmung ist übrigens auch schon geplant. Das würde ich mir auf jeden Fall gerne im Kino anschauen! * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Stone Blind - Der Blick der Medusa
(Werbung) Lust auf griechische Mythologie, aber mit erfrischend neuem Fokus auf Medusa? Dann versuchen wir es doch mal mit "Stone Blind - Der Blick der Medusa" von Natalie Haynes. Vorab gilt es wohl zu sagen, dass es in diesem Roman - wie immer in der griechischen Mythologie - ziemlich gewalttätig zu- und hergeht. Wer also Mühe damit hat, liest diese Rezension und das Buch besser nicht. Neuerzählungen griechischer Mythen Ihr wisst vielleicht aus früheren Besprechungen, dass ich Bücher über die griechischen Mythen gerne lese, am liebsten Neuerzählungen mit einem feministischen Blick auf die Geschichten der Götter und Göttinnen. Bisher vorgestellt habe ich euch "Galatea" und "Ich bin Circe" von Madeline Miller. Nun habe ich mich mit "Stone Blind - Der Blick der Medusa" von Natalie Haynes wieder demselben Genre gewidmet. Ein kleines Fazit vorab: Natalie Haynes konnte mich mit ihrer Neuerzählung des Medusa-Mythos oder man könnte auch sagen der Perseus-Sage nicht so überzeugen, wie das Madeline Miller vermochte. Die weibliche Perspektive Aber kommen wir zuerst zum Inhalt des Buches: Natalie Haynes erzählt uns in ihrem Roman, wie es überhaupt dazu kam, dass die sterbliche Gorgone Medusa zum bekannten Wesen mit den Schlangenhaaren wurde, dessen Blick (sterbliche) Lebewesen sofort in Stein verwandelte. Sie möchte uns also einen neuen Blick auf das vermeintliche Monster geben, das vielleicht doch vielmehr liebende und geliebte Schwester und Opfer der göttlichen Grausamkeiten war. Haynes erzählt ihre Geschichte konsequent aus weiblicher Perspektive, einmal sind es die anderen Gorgonen, einmal die Graien, einmal Athene oder Hera, einmal Medusa selbst oder ein Olivenhain (Elaia), die uns erzählen, wie es zu Medusas Verwandlung zum "Monster" kam. In immer wechselnden Perspektiven nähern wir uns in unterschiedlichen Erzählsträngen dem grossen Höhepunkt (bzw. aus Medusas Perspektive der Tiefpunkt) an, der Ermordung Medusas durch den sterblichen Helden Perseus, ein Sohn des Zeus. "Für Sterbliche sind wir also Monster. Wegen unserer Zähne, unserer Flügel, unserer Stärke. Sie fürchten uns, also nennen sie uns Monster." (S. 271) Trotz dieser oberflächlich betrachtet weiblichen Perspektive stehen aber oft Perseus, Zeus, Phorkys, König Kepheus, Hermes und andere Männer im Mittelpunkt. Wir erfahren zwar etwas mehr von Medusas Gefühlen und Gedanken, aber sie steht nicht dauernd im Zentrum, ja nicht mal in einem Grossteil des Buches. Da hätte ich mir vom Titel her schon etwas mehr erhofft. Immerhin sind auch die Einblicke in die Seelen von Athene oder der beiden Sterblichen Danaë und Andromeda nicht ganz uninteressant. Page turner, aber leider ohne den erhofften Tiefgang Durch die sehr häufig wechselnde Perspektive muss man sich als Leser*in dauernd umstellen, wieder neu orientieren. Das führt zwar dazu, dass sich das Buch recht kurzweilig und abwechslungsreich liest, aber es erschwert es, in die Tiefe zu gehen, sich wirklich einzufühlen. So habe ich "Stone Blind" schnell und gerne gelesen, aber die Charaktere blieben doch etwas oberflächlich und unnahbar. Auch kognitiv ist es eine gewisse Herausforderung, alle Handlungsstränge, Personen, ihre Taten und Wege zusammenzuhalten und der Geschichte zu folgen. Kenner*innen der griechischen Mythologie werden hier natürlich einen leichteren Zugang finden als Leser*innen, die sich noch kaum mit der Thematik befasst haben. Natalie Haynes lässt zwar manchmal ihren Witz und ihre Ironie aufblitzen, etwa wenn sie Beschreibt, wie die Gorgonen (unsterbliche "Monster" mit riesigen Stosszähnen, Schlangen als Haaren und schuppigen Körpern) aber das gelingt ihr lange nicht so gut wie beispielsweise Madeline Miller (oder auch Michael Köhlmeier in seinen "Sagen des klassischen Altertums"*). Schliesslich wird zwar deutlich, dass Medusa nicht einfach ein schlangenhaariges Monster war, sondern von Poseidon vergewaltigt und danach auch noch der Rache von Athene zum Opfer fällt und dass sie darüber hinaus von ihren zwei unsterblichen Schwestern Stheno und Euryale abgöttisch geliebt wurde. "Sie [Stheno, A.d.R.] hatte noch nie Angst um ein anderes Wesen gehabt. (...) Doch dann war da plötzlich Medusa, die von allem Möglichen verletzt werden konnte, sogar von einem Stein." (S. 27) Im Gegensatz zu Circe oder Galatea in Millers Büchern findet aber keine nennenswerte Emanzipation statt, so dass sich der feministische Aspekt des Romans in der weiblichen Perspektive auf die Perseus-Sage erschöpft. Ich bin gespannt, ob Natalie Haynes sich im bereits angekündigten Folgeband "A Thousand Ships - Die Heldinnen von Troja" noch steigern kann. Potenzial wäre durchaus vorhanden. Fazit Nathalie Haynes' "Stone Blind - Der Blick der Medusa" über das vermeintliche Monster mit den Schlangenhaaren ist ein unterhaltsamer Roman mit erfrischend neuem Blick auf die zugrundeliegende griechische Sage. Der Roman bleibt etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück, ist aber trotzdem lesenswert und lässt auf mehr von der britischen Autorin, Journalistin, Komikerin und Kennerin der griechischen Mythologie hoffen. Die Fakten Stone Blind - Der Blick der Medusa Natalie Haynes Babette Schröder, Wolfgang Thon (Übersetzung aus dem Englischen) dtv Verlag 384 Seiten Erschienen am 16.02.2023 Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen ISBN: 978-3-423-28317-5 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Website der Autorin Natalie Haynes auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar und die Collage Art von Alexandra Stiller. Hörbuch-Flatrate 45 Tage gratis testen! "Stone Blind - Der Blick der Medusa" von Natalie Haynes gibt es auch als Hörbuch bei Storytel, gelesen von Laura Maire. Besorgt euch die Hörbuch-Flatrate mit meinem Link für 45 (statt nur 30) Tage kostenlos* und ihr könnt dieses oder eins der 600'000 anderen Hörbücher für Gross und Klein gratis hören! Nach Ablauf des Probeabos kostet die Flatrate 14.90 Euro pro Monat, ist aber jederzeit kündbar (auch vor Ablauf des Probeabos). * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Ich bin Circe - Neuerzählung einer Göttinnengeschichte
(Werbung) Jeweils im Sommer nehme ich mir einen dicken Schinken vor und meistens lohnt es sich. So auch beim Roman "Ich bin Circe" von Madeline Miller. Das #dickebüchercamp von Marina aka @nordbreze ist immer eine Gelegenheit, ein dickes Buch vom Stapel ungelesener Bücher zu befreien, das im normalen Arbeits-, Familien- und Blogger*innen-Alltag liegen geblieben ist. Auf dem Bild seht ihr, welche Bücher ich ins Auge gefasst habe. Mehr dazu lest ihr im Instagram-Post. Die Wahl fiel schliesslich auf "Ich bin Circe" von Madeline Miller, weil viele mir das Buch als sehr lesenswert empfohlen haben. Soviel vorneweg: Sie hatten recht! Griechische Mythologie neu erzählt "Ich bin Circe" erzählt die Geschichte der griechischen Göttin Circe in gut lesbarem und humorvollem Stil neu. Circe wurde als Tochter des Sonnengotts Helios und der Nymphe Perse geboren. Und weil es damals keinen Namen gab, für das, was sie war, war sie einfach auch eine Nymphe, gehörte also zu den niedrigsten von den niedrigen Gottheiten der griechischen Mythologie. Im Verlauf der Geschichte erfahren wir, dass Circe eine Hexe ist. Nach und nach lernt sie, ihre besonderen Kräfte und die der Natur einzusetzen. Das wird nicht immer goutiert von den höheren Göttern wie ihrem Vater Helios oder Zeus, dem König der Götter und Menschen, und so landet sie in der Verbannung auf der Insel Aiaia. "Ich war ein Nichts, ein Stein. Ein Nymphenkind unter abertausend anderen." (S. 32) Ich möchte natürlich für all diejenigen, die in der griechischen Mythologie - wie ich - nicht so bewandert sind, nicht zu viel verraten, damit die Lektüre spannend bleibt. Aber Circe bekommt es neben Helios und Zeus mit alten Bekannten wie Hermes, Apollon, Ariadne und Athene und Sterblichen wie Daidalos (Dädalus) und Odysseus zu tun. Zu den Menschen hat Circe einen ganz besonderen Draht, was für Göttinnen jedoch nicht unproblematisch ist. Und so muss sie ihre ganz eigene Position zwischen der Götterwelt und der Welt der Sterblichen finden. Feministisch erzählte griechische Sage Circe erzählt uns ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive gleich selbst. Das bringt uns der Hauptprotagonistin sehr nahe und erlaubt auch eine Innensicht, die die ganzen Ambivalenzen deutlich macht. So erleben wir hautnah mit, wie Circe sich in der Welt der Göttinnen und Götter zurechtfindet, wie sie versucht, ihre Rolle - auch als Frau - zu finden, wie sie sich emanzipiert, ihre Macht zu nutzen lernt, sich vermeintlich stärkeren Göttern und anderen Herausforderungen mutig stellt und dabei nicht ihre "Menschlichkeit" verliert. In diesem Sinne kann man "Ich bin Circe" sowohl als Bildungsroman als auch als feministischen Roman bezeichnen. "Aber in einem einsamen Leben gibt es jene seltenen Momente, in denen eine Seele eine andere berührt, so wie Sterne einmal im Jahr die Erde streifen." (S. 198) Madeline Miller erzählt in modernem, munterem, manchmal leicht sarkastischem Ton. Der Roman ist zwar relativ lang, aber immer wenn es droht, eintönig und für die Leser*innen damit langweilig zu werden, nimmt Circes Leben eine neue Wendung. Die amerikanische Autorin fährt viel mythologisches Personal auf, wer da kurzzeitig den Überblick verliert, findet aber im Anhang praktische Kurzbeschreibungen. Die Übersetzung von Frauke Brodd ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr gut. "Ich bin Circe" ist Madeline Millers zweiter Roman, wurde aber vor ihrem ersten Roman "Das Lied des Achill"* auf Deutsch übersetzt. Für alle, die gut Englisch können, habe ich unten noch einen Hörtipp! Beim Eisele Verlag erscheint von Madeline Miller ausserdem diesen Herbst "Galatea"*, die Erzählung des Pygmalion-Mythos, illustriert von Thomke Meyer. Fazit Madeline Millers Roman "Ich bin Circe" kann ich euch für ein verlängertes Wochenende oder eine Woche Ferien mit etwas mehr Lesezeit sehr empfehlen! Eine spannende, feministische Adaption der griechischen Sage mit mehr Bezügen zur modernen Welt, als man auf Anhieb vermuten könnte! Die Fakten Ich bin Circe Madeline Miller Frauke Brodd (Übersetzung aus dem Amerikanischen) Eisele Verlag 520 Seiten Erschienen am 30.08.2019 Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen ISBN: 978-3-96161-068-6 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Hörbuch-Flatrate 45 Tage testen! "The Song of Achilles" von Madeline Miller gibt es auch als Hörbuch bei Storytel, gelesen von Frazer Douglas. Besorgt euch die Hörbuch-Flatrate mit meinem Link für 45 (statt nur 30) Tage kostenlos* und ihr könnt dieses oder eins der 600'000 anderen Hörbücher für Gross und Klein gratis hören! Nach Ablauf des Probeabos kostet die Flatrate 14.90 Euro pro Monat, ist aber jederzeit kündbar. * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Some Bodies - ein Bilderbuch über Körper
Sophie Kennen und Airin O'Callaghan stellen uns in "Some Bodies" wortwörtlich einige Körper vor - jeder einzigartig und gut, so wie er ist! Das Wortspiel des Titels "Some Bodies" vom Bilderbuch von Sophie Kennen und Airin O'Callaghan funktioniert natürlich nur auf Englisch. Trotzdem hoffe ich, dass es das Bilderbuch auch bald auf Deutsch geben wird. Das Buch ist in recht einfachem Englisch geschrieben und auch im deutschsprachigen Buchhandel erhältlich (siehe Links unten). Ich bin kein Fan von (übertriebener) Body Positivity, aber dieses Kinderbuch trifft recht gut einen Mittelweg zwischen Body Positivity und Body Neutrality. Sophie Kennen macht in knappem, gereimtem Text deutlich, dass Körper ganz einzigartig sind. Sie können klein oder gross sind, ein oder zwei Füsse haben, Sommersprossen oder keine, hellere oder dunklere Hauttöne, können sich schnell oder langsam bewegen usw. In den pastelligen Illustrationen von Airin O'Callaghan entdecken wir ganz verschiedene Vielfaltsdimensionen wie verschiedene Hautfarben, Haarfarben und Frisuren, Augenfarben, Behinderungen (Prothese, Rollstuhl, Hörgerät, Brillen), Körperschmuck, verschiedene Religionen bzw. kulturelle Hintergründe (Hijab) oder verschiedene Altersgruppen. Zwei Bilder könnten auch auf Krankheiten wie Krebs ansprechen, wobei das nicht explizit gemacht wird und damit Interpretationssache ist. Das Bilderbuch "Some Bodies" zeigt den Kindern diese grossartige Palette an unterschiedlichen Körperausprägungen auf und bestärkt sie darin, dass alle gut sind, wie sie sind. Vielleicht ist es nicht immer einfach, aber wir können mit dem uns gegebenen Körper leben und ziemlich viel erreichen! Im Anhang des Buches finden Eltern, Betreuungspersonen und Lehrer*innen noch einige Hinweise zum Umgang mit Kinderfragen rund um den Körper. Fazit Körper können ganz unterschiedlich sein, aber sie sind alle gut, wie sie sind! Das machen Sophie Kennen und Airin O'Callaghan in ihrem Bilderbuch "Some Bodies" mit lockeren Reimen schon kleinen Kindern deutlich. Ein Bilderbuch, um schädlichen Körperbildern vorzubeugen! Die Fakten Some Bodies Sophie Kennen (Text) Airin O'Callaghan (Illustration) Sleeping Bear Press 32 Seiten Erschienen am 15.08.2022 Hardcover mit Schutzumschlag ISBN: 978-1-5341-1141-7 Ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Ein weiterer Buchtipp zum Thema "Körper" AnyBody - Dick & dünn & Haut & Haar: das grosse Abc von unserem Körper-Zuhause - Katharina von der Gathen, Anke Kuhl (Klett Kinderbuch 2021) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Aretha Franklin, Kamala Harris und Amanda Gorman - Bilderbücher über inspirierende Schwarze Frauen
Aus der Reihe "Little People, Big Dreams" von Autorin María Isabel Sánchez Vegara möchte ich euch drei Kinderbiografien über Schwarze Frauen vorstellen, die uns in unterschiedlichen Bereichen inspirieren können und wichtige Stimmen für die Gleichberechtigung sind bzw. waren. Anlässlich des Black History Month (mehr dazu in diesem Artikel) möchte ich euch drei Schwarze Frauen vorstellen, die in den USA (und darüber hinaus) Geschichte schrieben: die Sängerin Aretha Franklin, die Politikerin Kamala Harris und die Dichterin Amanda Gorman. Sie sind ganz unterschiedlich und sind für unterschiedliche Dinge bekannt, aber wie ihr noch merken werdet, sind sie auch alle miteinander verbunden und sie alle erheben bzw. erhoben die Stimme für die Gleichberechtigung - sei es zwischen Schwarzen und Weissen oder zwischen den Geschlechtern. Aretha Franklin Die Biografie über Aretha Franklin hat wie immer bei den Bänden der Reihe "Little People, Big Dreams" María Isabel Sánchez Vegara geschrieben. Für die Illustrationen zeichnet Britin Amy Blackwell verantwortlich. Das Bilderbuch zeichnet Arethas frühe und steile Karriere zur Sängerin nach. Zuerst sang sie in der Kirche ihres Vaters, der Prediger war, Gospel. Später auch Jazz, Blues, Oper und Soul. Zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung in den USA wurde sie mit ihrer Version von Otis Reddings Song "Respect" weltberühmt. Sie sang an der Beerdigung von Martin Luther King und 2008 bei der Amtseinführung des ersten Schwarzen US-Präsidenten Barack Obama. Aretha Franklin ist 2018 verstorben. Den Band kann man gut schon kleineren Kinder vorlesen, auch wenn sie noch nicht wissen, wer die anderen Personen waren, aber die Kinderbiografie macht auf jeden Fall Lust, auch mal die Songs von Aretha Franklin zu hören und bietet so einen guten Zugang zur Welt der Musik. Aretha Franklin. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara, Amy Blackwell, Svenja Becker (Übersetzung aus dem Spanischen), Insel Verlag (2022), 32 Seiten, Halbleinen, ISBN: 978-3-458-64281-7, ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*, Buch kaufen bei Thalia (DE)*, Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*, Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*, Buch kaufen bei Thalia (AT)* Kamala Harris Kamala Harris wurde die Politik wohl in die Wiege gelegt, denn ihre Eltern, ein Jamaikaner und eine Inderin, lernten sich in Kalifornien bei Protestmärschen der Bürgerrechtsbewegung kennen. Auch ihr Grossvater in Indien beeindruckte sie mit Gesprächen über gleiche Rechte für alle. Kamala studierte Politik, Wirtschaft und Jura und wurde Staatsanwältin. Später wurde sie zur Justizministerin Kaliforniens, zur Senatorin und schliesslich an Joe Bidens Seite zur Vizepräsidentin der USA gewählt. In diesem Amt ist sie die erste Frau, die erste Afroamerikanerin und die erste asiatischstämmige Amerikanerin. Kamala Harris bezeichnet Aretha Franklins Song "Young, Gifted and Black" als Soundtrack ihrer Kindheit. Die Bilderbuchbiografie über Kamala Harris hat Lauren Semmer illustriert. Lauren Semmer hat eine Schwarze Mutter und einen kanadischen Vater und lebt in Manhattan. Kamala Harris. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara, Lauren Semmer, Svenja Becker (Übersetzung aus dem Englischen), Insel Verlag (2022), 32 Seiten, Halbleinen, ISBN: 978-3-458-17983-2, ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*, Buch kaufen bei Thalia (DE)*, Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*, Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*, Buch kaufen bei Thalia (AT)* Amanda Gorman Die dritte und jüngste im Bunde ist Amanda Gorman. Sie wuchs mit ihrer Mutter und den Geschwistern in Los Angeles auf und hatte von Beginn an eine Faszination für Sprache. Sie hatte zwar Mühe mit der Aussprache des R, liess sich aber nicht davon abhalten, Dichterin werden zu wollen. Sie studierte Soziologie, schrieb aber auch immer Gedichte und trug sie bei verschiedensten Gelegenheiten vor. Einem grossen Publikum bekannt wurde sie mit 22 Jahren, als sie zur Amtseinführung von Joe Biden (und Kamala Harris) ihr Gedicht "The Hill We Climb" vortrug. Amanda Gorman hat noch ganz viel Leben vor sich und damit hoffentlich auch noch ganz viel Poesie zu geben. Für den Einstieg ist die kurze, kindgerechte Biografie von María Isabel Sánchez Vegara und der Schwarzen Illustratorin Queenbe Monyei genau das Richtige! Amanda Gorman. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara, Queenbe Monyei, Silke Kleemann (Übersetzung aus dem Englischen), Insel Verlag (2022), 32 Seiten, Halbleinen, ISBN: 978-3-458-64283-1, ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*, Buch kaufen bei Thalia (DE)*, Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*, Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*, Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Insel Verlag für die Rezensionsexemplare. Weitere Bilderbücher der Reihe "Little People, Big Dreams" bei mint & malve Harriet Tubman - María Isabel Sánchez Vegara, Pili Aguado (Insel Verlag 2021) Ada Lovelace - María Isabel Sánchez Vegara, Zafouko Yamamoto (Insel Verlag 2021) Simone de Beauvoir - María Isabel Sánchez Vegara und Christine Roussey (Insel Verlag 2020) Maria Montessori, Agatha Christie, Ella Fitzgerald - María Isabel Sánchez Vegara (Insel Verlag 2019) Frida Kahlo, Marie Curie und Anne Frank - María Isabel Sánchez Vegara (Insel Verlag 2019) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- The World Belonged to Us - Kinder erobern die Strasse
Heute möchte ich euch mit "The World Belonged to Us" von Jacqueline Woodson und Leo Espinosa ein besonderes Bilderbuch vorstellen. Es entführt uns in den Sommer und passt als #ownvoices-Buch trotzdem in den Black History Month Februar. Jacqueline Woodson ist eine vor allem für ihre Kinder- und Jugendbücher bekannte und preisgekrönte afroamerikanische Schriftstellerin aus Ohio. Bereits besprochen habe ich ihren Ausflug in die Erwachsenenliteratur "Ein anderes Brooklyn". Kindheit im Brooklyn der 1970er-Jahre In "The World Belonged to Us" hat sie sich mit dem kolumbianische Illustrator Leo Espinosa zusammengetan. Zusammen entführen sie uns mit Text und Bild ins Brooklyn der 1970er-Jahre. Gut erkennbar an den Farben, Mustern und Stil der Kleidung. Es ist Sommer, in der Stadt ist es heiss und die Kinder nutzen jede Gelegenheit für eine Abkühlung. Kurzerhand funktionieren sie den Hydranten zur . Wenn die Sommerferien endlich da sind, geniessen die Kinder ihre Freiheit in vollen Zügen und erobern die Strassen ihres Quartiers in Brooklyn. Vom Morgen bis zum Abend sind sie draussen, bemalen die Strassen, spielen Fangen und Verstecken, bauen Burgen, verletzen sich auch mal und sprechen sich gegenseitig Mut zu. Sie kaufen ein Eis und teilen mit den Kindern, die gerade kein Geld haben. Erst wenn die Mütter aus den Fenstern schauen und sie zum Abendessen hereinrufen, verabschieden sie sich in all den Sprachen des Quartiers voneinander und freuen sich schon auf morgen und übermorgen und überübermorgen - viele weitere heisse Tage mit dem Gefühl der absoluten Freiheit. Jacqueline Woodsons Text ist sehr rhythmisch gestaltet, mit Wiederholungen, aber ohne Reime. Sie beschwört damit gleichzeitig "die guten alten Zeiten" herauf und lässt universelle Träume vor unseren Augen wahr werden, ein Gefühl von "Kinder regieren die Welt", von "alles ist möglich" und "wir gehören alle zusammen". "In Brooklyn in the summer not so long ago..." So löst das Bilderbuch bei Erwachsenen sicher so manche nostalgische Erinnerung an eigene Sommer aus - egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Es spricht aber genauso Kinder an, die sich im freien Spiel der Kinder, ihren Alltagsabenteuern, der Freude über eine nasse Erfrischung oder ein kühles Eis wiederfinden und die gebannt der Geschichte über den gebrochenen Arm lauschen. Meine Kinder können die Geschichte nicht oft genug hören, freuen sich mit der Ich-Erzählerin (wohl die junge Jacqueline) über die Freiheit der schulfreien Zeit - die selbst vor den sonst gebändigten Afro-Haaren nicht Halt macht. Besonders gut gefällt mir auch, dass Jungs ganz selbstverständlich auch weinen und dazu stehen. "We didn't need doorbells or telephones. Just two hands to cup around our mouths and a voice loud enough to be heard." Leo Espinosa hat das Bilderbuch im Retrostil mit knalligen, warmen Farben illustriert. Die Illustrationen umfassen meist eine ganze Doppelseite. Durch dem häufigen Blick von unten nach oben versetzt er die Betrachter*innen geschickt in die Kinderperspektive und damit mitten ins turbulente Geschehen. Fazit "The World Belonged to Us" von Jacqueline Woodson und Leo Espinosa bringt einen Sommer voller Freiheit, Spass und kleinen Abenteuern zu uns nach Hause. Mit Text und Bildern vermittelt das Duo nicht einfach eine Geschichte und eine Botschaft, sondern vielmehr ein Gefühl. Ein Gefühl der Leichtigkeit, der Verbundenheit, der unendlichen Möglichkeiten. Ein Gefühl, das man immer und immer wieder spüren will! Ich hoffe, das Bilderbuch wird bald auch auf Deutsch übersetzt. Sprachlich sicher nicht einfach, aber es wäre zu schade, wenn es nicht auch deutschsprachigen Kindern zugänglich würde. Die Fakten The World Belonged to Us Jacqueline Woodson (Text) Leo Espinosa (Illustration) Nancy Paulsen Books (Penguin Random House) 32 Seiten Erschienen am 10.05.2022 Hardcover mit Schutzumschlag ISBN: 978-0-399-54549-8 Ab 5 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Jacqueline Woodson bei Instagram Leo Espinosa bei Instagram Website von Leo Espinosa * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Lilly und Billy. Ich bin nicht schuld!
Kennt ihr das? Nach einem Streit wird lang und breit darüber gestritten, wer denn nun angefangen hat und die Schuld trägt am Ganzen. So geht es auch dem Hasenmädchen und dem Enterich in "Lilly und Billy. Ich bin nicht schuld!". Zum Glück haben sie Füchsin Frieda, die beim Streitschlichten hilft. Zum Streit kann es in der besten Freundschaft kommen. Aber was tun, um dadurch nicht gleich die Beziehung zu gefährden? "Entschuldigung" sagen und die Sache ist erledigt? Das ist vielleicht gar nicht die beste Idee, vor allem wenn die Entschuldigung nicht auch ehrlich gemeint ist. Lilly, das Hasenmädchen, und Billy, der Enterich sind Freund*innen, beste Freund*innen! Sie sehen sich nicht nur in der Schule, sondern treffen sich auch noch an den Wochenenden zum Spielen auf der schönen Waldlichtung. Dabei necken sie sich gerne und knuffen sich auch mal freundschaftlich in die Seite oder geben dem anderen/der anderen einen Klaps. Nicht zum Spassen aufgelegt Doch eines Tages kommt ein solcher Klaps von Billy gar nicht gut an bei seiner Freundin Lilly. Sie schlägt hart zurück und der Streit eskaliert schnell zu einer Prügelei und gegenseitigen Beschimpfungen. Erst Füchsin Frieda schafft es, die beiden auseinanderzubringen und führt sie zu einer Lösung ohne Schuldzuweisungen oder gar Kündigung der Freundschaft. Durch die Begleitung der Füchsin kommen Lilly und Billy ins Nachdenken und schliesslich ins Sprechen, so dass beide wieder offen dafür sind, die Gefühle und Bedürfnisse des anderen anzuhören. Statt nach dem oder der Schuldigen zu suchen, sprechen sie über die Ursache des Streits und können sich am Ende aufrichtig entschuldigen und versöhnen. Die Idee der Geschichte von Ursula Gruss, dass ein Streit nicht das Ende einer Freundschaft sein muss und durch gegenseitiges Zuhören und das Suchen nach einer Lösung wieder aufgelöst werden kann, gefällt mir gut. Die Geschichte ist auch sehr gut nachvollziehbar für Kinder, die solche Situationen sicherlich aus eigener Erfahrung (zum Beispiel auch mit Geschwistern) kennen. Im Mittelteil, in dem die Füchsin zur Streitschlichterin wird, wirkt sie auf mich etwas künstlich und allzu pädagogisch, aber die Kinder scheint das nicht gestört zu haben. Was ich unglücklich finde, ist, dass Lilly und Billy für meinen Geschmack etwas heftige Schimpfwörter verwenden, auch wenn sie sich nur necken. Da hätte ich mir kreativere, scherzhaftere Begriffe gewünscht. Ich will ja nicht, dass die Kinder beim Vorlesen "dumme Gans" oder "lahme Ente" aufschnappen und das dann selber verwenden. Auch dass die Füchsin die beiden einfach an den Federn und Ohren packt, finde ich zu rabiat. Sehr gut gefallen mir die Illustrationen von Lukas Oleschinski, die ganz sanft und in warmen Farben daherkommen und gleichzeitig die ganze Dynamik, die Freude und auch die Wut der beiden abbilden. Die Bilder reichen von einzelnen Szenen bis zu ganzen Doppelseiten. Geschickt bildet der Illustrator auch mehrere Szenen vor derselben Kulisse ab. Meiner Tochter fiel auch sofort auf, dass sich die Ohren des Hasenmädchens und der ganze Enterich im Schriftzug "Lilly und Billy" im Titel wiederfinden. Solche Finessen liebe ich ja! Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, dass Enterich Billy ganz selbstverständlich mit zwei Vätern aufwächst. Ich bin gespannt, wie die Geschichte bei meinen Kindern weiterwirken wird, denn sie hat auf jeden Fall Eindruck hinterlassen und ich musste sie gleich mehrmals vorlesen. Sie bietet sich sicher auch an, um in einer Klasse oder einer anderen Kindergruppe übers Streiten und Versöhnen zu sprechen. Kein Wunder, ist Ursula Gruss doch nicht nur Kinderbuchautorin, sondern auch Grundschullehrerin - das perfekte Feld zur Erforschung von Streit und anderen Themen, die Kinder beschäftigen! ;-) Fazit Mit "Lilly und Billy. Ich bin nicht schuld!" erzählen Ursula Gruss und Lukas Oleschinski eine gut nachvollziehbare, emotionale Geschichte über Streit in einer Freundschaft und bieten auch gleich einen Lösungsansatz zur späteren Versöhnung. Und vielleicht lässt sich der nächste Streit so ja sogar ganz vermeiden! Von "Lilly und Billy" gibt es übrigens bald schon eine weitere Geschichte, in der es um ein Geschwisterkind für Lilly und das Thema Transgender geht. Die Fakten Lilly und Billy. Ich bin nicht schuld! Ursula Gruss (Text) Lukas Oleschinski (Illustration) KraeHe Verlag 40 Seiten Erschienen am 14.12.2022 Hardcover ISBN: 978-3-910511-03-3 Ab 5 Jahren PS: Herzlichen Dank an den KraeHe Verlag für das Rezensionsexemplar.
- Lincoln im Bardo
Mit "Lincoln im Bardo" von George Saunders habe ich einen Backlisttitel im Gepäck, der sowohl zu unserem USA-Aufenthalt passt als auch zum Black History Month. Ein äusserst lesenswertes Romandebüt! Am 20. Februar 1862 starb Willie (William) Lincoln, der damals 11-jährige Sohn vom amtierenden US-Präsidenten Abraham Lincoln. Gleichzeitig befanden sich die USA im Bürgerkrieg. Die Südstaaten - und Sklavereibefürworter - strebten die Unabhängigkeit von der Union an. Abraham Lincoln wollte die Sklaverei abschaffen und die Südstaaten in der Union halten, was auch gelang. Tot, aber noch nicht ganz Von Willies Tod erfahren wir in George Saunders erstem Roman "Lincoln im Bardo" in einer Mischung aus Stimmen aus dem Zwischenreich - von anderen Verstorbenen - und realen sowie fiktiven Stimmen der damaligen Zeit - Bekannten der Familie, Biografen, Historiker*innen sowie von Gästen des Empfangs, den Mary und Abraham Lincoln trotz Willies Krankheit noch ausrichteten. Die Stimmen aus dem Zwischenreich sind äusserst facettenreich und unterscheiden sich deutlich in ihrer Sprache. So entsteht eine Vielfalt an Erzählstimmen mit einer ebenso grossen Vielfalt an durchlebten Lebensrealitäten. Da ist Hans Vollman, ein Drucker, der von einem Balken erschlagen und dadurch um den ersten Sex mit seiner viel jüngeren Frau gebracht wurde. Da ist der homosexuelle junge Mann Roger Bevins, der seinen Suizid bereut. Da ist Reverend Everly Thomas, der sich einfach nicht erklären kann, welche Sünde er begangen haben soll, um an der Himmelspforte in Richtung Hölle geschickt worden zu sein. Des weiteren gibt es eine junge Prostituierte, ein offenbar drogenabhängiges Paar, das zu Lebzeiten und auch im Zwischenreich gerne Orgien feiert und viele mehr. Die (Halb-)Toten empfangen Willie in diesem Zwischenreich, bevor es endgültig in den Himmel oder in die Hölle geht. Roger Bevins, der Reverend und Hans Vollman wollen ihn eigentlich dazu bringen, das Zwischenreich - den Bardo - möglichst schnell zu verlassen. Es ist ein gefährlicher Ort. Doch Willie will unbedingt die Rückkehr seines Vaters zur Grabstätte abwarten und schliesslich unterstützen Bevins und Vollman ihn dabei. Gemäss Zeitungsberichten kehrte Lincoln tatsächlich zum Grab zurück, um seinen Sohn nochmals in den Armen zu halten. Die Szenen, die Wilies Sterben und das Trauern des Vaters um den geliebten Sohn beschreiben, sind wahnsinnig berührend. George Saunders lässt uns den Schmerz des Vaters im Angesicht des viel zu frühen und scheinbar unnötigen Todes intensiv nachfühlen. Umso stärker werden diese Passagen durch das Unverständnis des Jungen ob des eigenen Zustands und der grossen Sehnsucht nach seinem Vater. "Mein lieber Willie, wir haben uns immer liebgehabt, und jetzt, aus Gründen, die wir nicht verstehen können, ist dieses Band zerrissen. Aber unser Band kann niemals zerreissen. Du wirst immer bei mir sein, mein Kind, so lang ich lebe." (S. 80) Das Buch ist aber nicht einfach traurig und auch nicht kitschig. Es gibt auch witzige Szenen, exzessive, gewalttätige, abgründige... Und viele lassen tief blicken in die amerikanische Gesellschaft - sei es nun in Bezug auf Rassismus, Sexismus, Klassismus oder die Diskriminierung von queeren Menschen. In Bezug auf den Rassismus sei an dieser Stelle auch eine Triggerwarnung ausgesprochen, denn einige Stimmen im Buch schrecken weder vor rassistischen Begriffen noch Handlungen zurück. Auch den Bürgerkrieg, der rund um Willies Tod besonders blutig verlief, thematisiert Saunders immer wieder, zum Beispiel, indem er Hinterbliebene von Gefallenen zu Wort kommen lässt, indem Lincoln über den Sinn der vielen Toten und das Weitertreiben des Krieges rätselt oder indem er einen verstorbenen Sklaven sein Leben schildern lässt. Im Verlauf des Romans lernen die Toten des Zwischenreichs so einiges über die Welt, die sich seit ihrem Tod weiterentwickelt hat, aber auch über menschliche Beziehungen, Liebe, Verlust und ihren eigenen Zustand, den sie lange nicht wahrhaben wollten. "Dies, wie alles, hat als Nichts angefangen, schlummernd in einer enormen Energiesuppe, aber dann fanden wir Namen dafür und Liebe und brachten auf diese Weise alles voran." (S. 433) Fazit George Saunders hat mich mit seinem Romandebüt "Lincoln im Bardo" sehr überzeugt. Die Sprache, die Vielstimmigkeit, der kritische Blick auf die Geschichte - ohne einfaches Urteil, die Gefühle des trauernden Vaters, der Humor, das Rohe, all das ist ein grosser Lesegenuss, der lange nachhallt. Dank diesem Roman durfte ich mit einem grossen Highlight ins neue Lesejahr starten und habe jetzt auch Lust, seine Kurzgeschichten oder Essays zu lesen. PS: George Saunders hat für "Lincoln im Bardo" im Erscheinungsjahr 2017 den Man Booker Prize gewonnen. Die Fakten (Ausgabe der Büchergilde, im Bild) Lincoln im Bardo George Saunders Frank Heibert (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) Büchergilde Gutenberg 448 Seiten Erschienen 2018 Hardcover (Leinen mit Schutzumschlag) ISBN: 978-3-7632-7061-3 Die Fakten (deutsche Erstausgabe bei Luchterhand) Lincoln im Bardo George Saunders Frank Heibert (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) Luchterhand 448 Seiten Erschienen am 14.05.2018 Hardcover mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-630-87552-1 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!













