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  • Drei Tiere reisen mit dem Zug - Ein inklusives Bilderbuch zur Sprachförderung

    (Werbung/Verlosung) Heute habe ich wieder einmal ein Pappbilderbuch für euch. "Drei Tiere reisen mit dem Zug" von Karin Schmid und Karin Sauter-Singh eignet sich zur Sprachförderung und verbindet Kernwortschatz mit passenden Gebärden. Und ihr könnt ein Exemplar gewinnen! Was waren die ersten Wörter eurer Kinder? Nach Mama und/oder Papa war es vielleicht auch ein lautmalerisches "Wuff, wuff" oder ein "Miau". Sehr beliebt war bei uns auch die "Muh". Und von diesen Tierlauten ist es oft nicht weit bis zu den korrekten Tiernamen. Karin Sauter-Singh und Karin Schmid haben sich die kindliche Freude an Tieren aller Art zu Herzen genommen und lassen in ihrem Pappbilderbuch Ente, Hund und Katze eine Zugreise machen. Zugreisen waren bei unseren drei Kindern sowohl im Rollenspiel als auch im echten Leben ebenfalls total angesagt und das Kinderlied "Tschu, tschu, tschu, en Isebahn chunnt", wurde ein paar Jahre lang rauf und runter gesungen. Das Bilderbuch "Drei Tiere reisen mit dem Zug" setzt nicht nur thematisch nah an den Interessen von Kindern an, sondern ist auch optimal auf den Beginn der Sprachentwicklung von Kindern ausgerichtet. So fokussiert der Text auf das Kernvokabular, das gemäss Forschung der Unterstützten Kommunikation etwa 80 Prozent der Alltagssprache ausmacht. Die Wörter dieses Kernvokabulars helfen den Kindern, sich mit wenigen Worten im Alltag schnell ausdrücken zu können. Wörter, die in der Geschichte vorkommen, sind etwa "essen", "einschlafen", "wo", "wer" oder "stopp". Um den Spracherwerb auf einer weiteren Ebene anzuregen, sind ausgewählte Begriffe auch als Gebärden der PORTA-Sammlung abgebildet. Die PORTA-Sammlung ist anschlussfähig an die Deutschschweizerische Gebärdensprachen (DSGS). Gebärden wirken als Brücke zur Lautsprache und unterstützen so ebenfalls die Sprachentwicklung. Hier gibt es zum Beispiel die Gebärde für "Stopp", für "Zug" oder für "Spielen". Ente, Hund und Katze waren in der Stadt und sind nun auf dem Weg zurück nach Hause. Wir begleiten sie auf ihrer Zugreise und machen an jeder Station mit ihnen Halt, bis wir am Ende auf dem Bauernhof ankommen. Die Kinder werden immer wieder über Fragen in die Geschichte einbezogen und werden so selbst zum Sprechen animiert. Der ritualisierte, sich wiederholende Ablauf und die sich somit wiederholenden Textelemente geben den Kindern Orientierung und ein Gefühl von Vertrautheit. Die Autorin und die Illustratorin laden dazu ein, das Bilderbuch zur noch besseren Vertiefung nachzuspielen. Eine Einladung, der selbst meine 10-jährige Tochter noch gerne nachkommt, wobei sie den Zug zu einem Boot umfunktioniert hat und nicht in tierische, sondern lieber in menschliche Rollen schlüpft. Aber das ist wahrscheinlich einfach "next level". ;-) Karin Schmid, alias Frau Blaumeise, hat die Geschichte mit gedeckten Farben illustriert. Die Illustrationen sind jeweils ein- oder zweiseitig und klar vom Text und den Gebärden getrennt. Kleine Details - wie der mitfliegende Vogel oder ein plötzlich auftauchendes Flugzeug - laden zum Entdecken ein. Fazit Wenn ihr auf der Suche nach einem inklusiven Bilderbuch zur Sprachförderung seid, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus der Arbeit mit Kindern basiert, liegt ihr mit "Drei Tiere reisen mit dem Zug" genau richtig. Die Fakten Drei Tiere reisen mit dem Zug Ein inklusives Bilderbuch zur Sprachförderung Karin Schmid (Illustration + Text) Karin Sauter-Singh (Text) Selfpublisher 20 Seiten Pappbilderbuch Ab 1 Jahr Das Buch ist neben dem Shop von Karin Schmid auch in einzelnen Shops vor Ort (CH) oder online zu erhalten wie zum Beispiel im inklusiven Kinderladen AHOI, St.Gallen . Karin Schmid bei Instagram PS: Herzlichen Dank an Karin Schmid für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. VERLOSUNG: Gewinne 1 Exemplar von "Drei Tiere reisen mit dem Zug" Dank den Macherinnen des Bilderbuchs, darf ich anlässlich des Internationalen Kinderbuchtags (International Children's Books Day) ein Exemplar von "Drei Tiere reisen mit dem Zug" an euch verlosen. So geht's: Verrate mir in einem Kommentar, welches Tier im nächsten Band unbedingt mitfahren sollte im Zug. Weitere Lose: Instagram   Facebook Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Montag, 8. April 2024, 23:59 Uhr . Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch Karin Schmid. Zu diesem Zweck gebe ich die Adresse weiter. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! Deine Eliane Weitere Bilderbuchtipps zur Sprachförderung bei mint & malve Der Wortschatz - Rebecca Gugger, Simon Röthlisberger (NordSüd 2024) Guten Morgen, schöner Tag! - Elisabeth Steinkellner, Michael Roher (Tyrolia 2022) Meine Gartenfreunde. Die kleine Meise - Carla Häfn er, Sandy Lohß (Oetinger 2022) Der Fuchs hat seine lieben Nöte beim Halleluja auf der Flöte - Ein Weihnachts-ABC - Cornelia Boese, Elsa Klever (Thienemann-Esslinger 2018) * Links mit * s ind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Reise durch den Dschungel - Ein inklusives Bilderbuch zur Förderung der Motorik

    (Werbung/Verlosung) Pappbilderbücher sind hier nicht gerade an der Tagesordnung. Aber für "Reise durch den Dschungel" von Karin Schmid und Karin Sauter-Singh mache ich eine Ausnahme. Diesmal nehmen sie sich mit ihrem inklusiven Bilderbuch der Bewegungsförderung an. Und ihr könnt ein Exemplar gewinnen! Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine Besprechung von "Drei Tiere reisen mit dem Zug" , mit dem sich Karin Schmid und Karin Sauter-Singh der Sprachförderung gewidmet haben. In ihrem neuen Gemeinschaftswerk "Reise durch den Dschungel" geht es nicht nur in den tropischen Regenwald, sie nehmen ihre kleinen Zuhörer:innen und Betrachter:innen auch mit auf eine Bewegungsreise. Natürlich darf auch hier die Sprachförderung nicht fehlen und so bleibt das Duo seinem inklusiven Ansatz treu und lässt die wichtigsten Gebärden einfliessen. Auf wimmeligen Bildern können die Kinder verschiedene Dschungeltiere entdecken, die die Kinder zum Mitmachen und Bewegen einladen. So streckt sich die Giraffe hoch zu den grünen Blättern im Baum, Die Affen werfen sich eine Kokosnuss zu und der Flamingo steht gekonnt auf einem Bein. So Manches befindet sich hier hinter einer Klappe, was zusätzlich für Spannung sorgt und zum Miträtseln einlädt. Dazu trägt auch bei, dass die Kinder oft direkt angesprochen werden und so das Gehörte direkt selber anwenden und auch mitsprechen können, wenn es etwa immer wieder heisst: "Kannst du das auch? Probier's mal aus!" Alltagsnahes Kernvokabular und Gebärden Wie im Vorgängerbuch beschränkt sich der Text auf das Kernvokabular, das gemäss Forschung der Unterstützten Kommunikation etwa 80 Prozent der Alltagssprache ausmacht. Die Wörter dieses Kernvokabulars helfen den Kindern, sich mit wenigen Worten im Alltag schnell ausdrücken zu können. Wörter, die in der Geschichte vorkommen, sind etwa "oben", "unten", "schauen", "auf" oder "nochmal". Letzteres kommt am Ende des Bilderbuchs garantiert direkt zum Einsatz. Denn gute Bilderbücher wollen Kinder immer "nochmal" anschauen - oder? Bei meiner 6-jährigen Tochter hat das jedenfalls so geklappt! Um den Spracherwerb auf einer weiteren Ebene anzuregen, sind ausgewählte Begriffe auch als Gebärden der PORTA-Sammlung abgebildet. Die PORTA-Sammlung ist anschlussfähig an die Deutschschweizerische Gebärdensprachen (DSGS). Gebärden wirken als Brücke zur Lautsprache und unterstützen so ebenfalls die Sprachentwicklung. Hier gibt es zum Beispiel die Gebärde für "oben", für "fertig" oder "gross" und "klein". Bewegungs- und Sprachförderung verschmelzen hier, wenn Kinder Tierlaute wie das "Töröööö" der Elefanten nachahmen, denn das trainiert die Mundmotorik - eine der Grundlagen für die Sprachentwicklung. Apropos Nachahmen: Mit dem Lied zum Buch (auf Schweizerdeutsch) macht das direkt doppelten Spass. Hört mal rein! Auf der Website von Karin Lena Schmid findet ihr weitere Informationen und Fördermaterial zum kostenlosen Download. Karin Schmid hat die Geschichte mit gedeckten Farben illustriert. Die Illustrationen sind jeweils doppelseitig und klar vom Text und den Gebärden getrennt. Die wimmeligen Bilder mit vielen Details laden zum Entdecken und Verweilen ein. Die Klappen fördern die Feinmotorik. Fazit Wenn ihr auf der Suche nach einem inklusiven Bilderbuch seid, das Bewegungs- und Sprachförderung verbindet und erst noch die Körperwahrnehmung stärkt, liegt ihr mit "Reise durch den Dschungel" genau richtig. Die Fakten Reise durch den Dschungel Ein inklusives Bilderbuch zur Förderung der Motorik Karin Schmid (Illustration + Text) Karin Sauter-Singh (Text) Selfpublisher 20 Seiten Pappbilderbuch Ab 1 Jahr Das Buch ist neben dem Shop von Karin Lena Schmid auch in einzelnen Shops vor Ort (CH) oder online zu erhalten wie zum Beispiel im inklusiven Kinderladen AHOI, St.Gallen . Karin Schmid bei Instagram PS: Herzlichen Dank an Karin Schmid für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. VERLOSUNG: Gewinne 1 Exemplar von "Reise durch den Dschungel" Dank den Macherinnen des Bilderbuchs, darf ich ein Exemplar von "Reise durch den Dschungel" an euch verlosen. So geht's: Verrate mir in einem Kommentar, welches Tier im nächsten Band unbedingt eine Rolle spielen sollte. Weitere Lose: Instagram   Facebook Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Mittwoch, 18. März 2026, 23:59 Uhr . Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch Karin Schmid. Zu diesem Zweck gebe ich die Adresse weiter. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! Deine Eliane Weitere Bilderbuchtipps rund um Bewegung und zur Sprachförderung bei mint & malve Alle machen Sport - Anna Horak, Liese Macher und Vale Weber (Achse Verlag 2023) Mimis kunterbunter Sport - Ulrike Haas, Nicola Boyne, Shiila Lippold (ulila Verlag 2024) Der Wortschatz - Rebecca Gugger, Simon Röthlisberger (NordSüd 2024) Sommer auf der Fahrradinsel - Ariane Pinel  (mairisch 2024) Drei Tiere reisen mit dem Zug - Karin Schmid, Karin Sauter-Singh (2023) Wilde Radtour mit Velociraptorin - Nils Mohl, Halina Kirschner  (mairisch 2023) Wir alle im Stadtgewimmel - Kori Klima, Isabelle Göntgen  (Orlanda 2023) Guten Morgen, schöner Tag! - Elisabeth Steinkellner, Michael Roher (Tyrolia 2022) Meine Gartenfreunde. Die kleine Meise - Carla Häfner, Sandy Lohß (Oetinger 2022) Der Fuchs hat seine lieben Nöte beim Halleluja auf der Flöte - Ein Weihnachts-ABC - Cornelia Boese, Elsa Klever (Thienemann-Esslinger 2018) * Links mit * s ind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Als Mädchen geboren. Mutgeschichten aus aller Welt

    Zum diesjährigen Weltfrauentag stelle ich euch "Als Mädchen geboren. Mutgeschichten aus aller Welt" von Alice Dussutour vor. Ein Buch, das anhand der Geschichten von fünf Mädchen aus aller Welt Mut macht, für Geschlechtergerechtigkeit zu kämpfen - ob für sich oder für uns alle. Was verbindet Kaneila aus Nepal, Jade aus Frankreich, Manoosh aus Afghanistan, Makena aus Kenia und Luisa aus Mexiko? Sie alle sind Mädchen, die im Patriarchat aufwachsen. Und sie alle haben den Wunsch, frei über ihr Leben entscheiden zu können und sich so zu entfalten, wie sie das möchten. Alice Dussutour zeigt in ihrem Buch "Als Mädchen geboren. Mutgeschichten aus aller Welt", wie Manoosh, Makena, Luisa, Kaneila und Jade dem Patriarchat den Mittelfinger zeigen und sich gegen alle Widerstände für sich und andere Mädchen und Frauen einsetzen. In jedem Kapitel lernen wir ein anderes Mädchen und seine Geschichte kennen und erfahren, wie sie sich zu befreien versuchen. Mal ist das schon geglückt und sie setzen sich für andere Mädchen in derselben Situation ein, mal bleibt es beim Traum. Mal sind die Mädchen fast komplett auf sich alleine gestellt, mal finden sie Solidarität und Schwesternschaft. Persönliche Portraits und Sachwissen rund um Feminismus Alice Dussutour geht anhand der fünf ausgewählten Mädchen auf so vielfältige Themen ein wie Tabus und Rituale rund um die Periode, Body Shaming und Körperbilder, Bildung für Mädchen, Zwangsehe und Genitalverstümmelung oder sexuelle Belästigung und Femizid. "Die Periode ist also keine intime Angelegenheit oder Mädchensache: Die Menstruation ist politisch!" / S. 37 Neben den persönlichen Geschichten erfahren wir als Leser*innen (ab etwa 11 Jahren) auch mehr über patriarchale und matrilineare Gesellschaftssysteme, über verschiedene Formen patriarchaler Gewalt, aber auch Formen des feministischen Aktivismus und Konzepte wie Intersektionalität. Dabei liefert die Alice Dussutour auch immer wieder Good News zu Verbesserungen für Mädchen und Frauen aus aller Welt. So etwa Verbote von Zwangsehen und Genitalverstümmelung oder Massnahmen gegen Periodenarmut und für den Zugang von Mädchen zu Bildung oder zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt. So macht das Buch auch Mut und wird zu einem Plädoyer, patriarchale Muster zu erkennen und aus ihnen auszubrechen: "Es wird Zeit, andere nicht anhand ihres Geschlechts oder ihres Aussehens zu beurteilen, sondern Menschen als Menschen zu begegnen." / S. 70 Auch die Beispiele von Frauendörfern in Kenia oder von der matriarchalen Gesellschaft der Moso in China wirken inspirierend und zeigen spannende Ansätze, von denen wir im ach so "aufgeklärten" Europa viel lernen können. Kritisieren würde ich einzig, dass der weibliche Zyklus mit "Zauberei" assoziiert wird. Ich bin keine Freundin solcher Mystifizierungen, weil gerade solche irrationalen Erklärungen für biologische Abläufe oder auch soziale Machtstrukturen missbraucht wurden und werden und entsprechend eine rationale Aufklärung (aller Geschlechter) Not tut. Das bedeutet natürlich nicht, dass die biologischen Abläufe nicht hoch faszinierend wären! Alice Dussutour hat "Als Mädchen geboren" nicht nur geschrieben, sondern mit ihren kraftvollen, farbenfrohen, leicht grafischen Illustrationen auch selbst bebildert. Sie wechselt ab zwischen ganzseitigen Bildern und kleinen Vignetten zur Ergänzung der Textpassagen. Der Text ist kurz gehalten und durch die Abwechslung zwischen erzählenden und informierenden Passagen sehr abwechslungsreich und gut verdaubar. Fazit Mit ihrem Jugendbuch "Als Mädchen geboren" liefert Alice Dussutour Geschichten von fünf wahrlich mutigen Mädchen aus aller Welt, die uns alle inspirieren und im Kampf gegen das Patriarchat bestärken können. Dank der schönen Gestaltung durch die Autorin selbst wird das Buch auch zu einem tollen Geschenk für Teenager und Early Teens. Die Fakten Als Mädchen geboren. Mutgeschichten aus aller Welt Alice Dussutour (Text + Illustration) Tünde Malomvölgyi (Übersetzung aus dem Französischen) Orlanda Verlag 178 Seiten Erschienen am 17.09.2025 Taschenbuch ISBN: 978-3-949545-83-2 Ab 11 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Website von Alice Dussutour Alice Dussutour auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Orlanda Verlag und Netgalley Deutschland für das Rezensionsexemplar. Weitere feministische Buchtipps für Jugendliche auf mint & malve Genderqueer - Eine nichtbinäre Autobiografie - Maia Kobabe (Reprodukt 2024) The Future is... 14 Comics über die Zukunft - Lilian Pithan (Carlsen 2024) Die Liga der Superfeminist*innen - Mirion Malle  (Orlanda 2023) Die Blüte von Paris - Gaëlle Geniller  (Carlsen 2023) Mach dir die Welt - 30 Frauen erzählen: Ein Buch zum Mitmachen - Raffaela Schöbitz, Mithu Sanyal, Andrea Grill, Emilia Roig, Katharina Kösl (Leykam 2022) Busengewunder - Lisa Frühbeis (Carlsen 2020) "Unerschrocken 1" und "Unerschrocken 2" (es gibt neu auch einen Sammelband) - Pénélope Bagieu  (Reprodukt 2017/2018) Good Night Stories for Rebel Girls 2 - Francesca Cavallo, Elena Favilli  (Hanser 2018) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • 1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.

    Eine dystopische Welt tut sich auf in Yorick Goldewijks Jugendroman "1000 und ich". Eine Welt, in der es darum geht, zu funktionieren und vor allem: niemand Besonderes zu sein. Beklemmend und klug geschrieben! Yorick Goldewijk wirft uns mit Ich-Erzählerin 8 - ja, das ist ihr Name - mitten hinein in eine düstere, monotone Welt. Hier geht es für 8 und alle anderen Seelenlosen darum, jeden Tag pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, dort ihr Soll abzuliefern und wieder in ihr totalüberwachtes Zimmer in einem weissen Hochhaus ohne irgendwelche herausstechenden Merkmale zurückzukehren. "...und ich weiss, dass es nie gut ist, die Einzige zu sein, denn wenn du die Einzige bist, bist du etwas. Und wenn du etwas bist, dann willst du etwas, dann wirst du träumen, denken, zweifeln." / S. 14 Bricht eins der Mädchen aus dem vorgegebenen Muster aus, wird das von Sehern (einer Art Drohnen) sofort entdeckt, die Person wird beendet und vergessen. Folgen die Mädchen den Befehlen der Beseelten, können sie selber zu solchen werden und es lockt eine Zukunft in einem anderen Land. Eines Tages hat 8 das Gefühl, dass ihr ein anderes Mädchen zugezwinkert hat. Sie kann nicht aufhören, daran zu denken. Versucht, das Mädchen namens 1000 in der Masse gleichgekleideter Mädchen auszumachen. Langsam beginnt sie, die vorgegebenen Muster zu durchbrechen und der Wunsch auszubrechen nimmt Form in ihr an. Die Krux: Sie darf auf keinen Fall auffallen, sonst wird sie von den Sehern beendet. "Zum ersten Mal überhaupt tat ich tatsächlich etwas, fiel mir auf, zum ersten Mal ertrug ich nicht einfach mehr brav das, was mir auferlegt wurde." / S. 62 Die Geschichte nimmt unaufhaltbar ihren Lauf, denn irgendwann gibt es für 8 einfach kein Zurück mehr. Yorick Goldewijk treibt die Erzählung schnell voran. Durch die Ich-Perspektive fiebert man mit 8 mit, kann ihre Gedanken und Gefühle sehr gut nachfollziehen. Ständig fragt man sich, wie man selbst in der Situation agieren würde. Am Ende wartet der Autor mit einer grossen Überraschung auf, die zumindest ich so nicht erwartet hätte. Die Auflösung macht richtig Lust, das Buch direkt ein zweites Mal zu lesen, um zu prüfen, ob das so aufgehen kann. Natürlich kann ich an dieser Stelle nicht spoilern. Der niederländische Autor erinnert mit seinem Jugendroman natürlich an andere Dystopien wie Margaret Atwoods "The Handmaid's Tale" (hier in der deutschen Graphic Novel-Version von Renée Nault* ), George Orwells "1984"* oder für jüngere Leser*innen auch Michael Endes "Momo"* . Aufgrund der technischen Elemente der Überwachung kommen aber auch Assoziationen mit SciFi-Romanen auf wie "Do Androids Dream of Electric Sheep?" von Philip K. Dick, die Buchvorlage für den Filmklassiker Blade Runner. Schliesslich lässt sich im Zuge der Lektüre auch sehr gut über Bezüge zu heutiger Technik rund um Künstliche Intelligenz, Datenextraktivismus und Massenüberwachung diskutieren (vgl. dazu auch das Sachbuch "Digitaler Kolonialismus" ). "1000 und ich" kommt zwar als Taschenbuch daher, ich finde die Buchgestaltung aber sehr gelungen. Es verfügt über Klappen, die bei der Buchdicke auch nutzbar sind, das Cover hat eine schöne Haptik und matte Optik und das Vorsatzpapier greift das Covermotiv auf. Ich denke, "1000 und ich" ist - auch aufgrund seiner Kürze - eine ideale Klassenlektüre, sei es nun als "Standalone" oder als Einstieg in andere dystopische Werke. Die Altersempfehlung von 12 Jahren mag für die eine oder den anderen etwas früh sein, für dritte genau richtig. Die Fakten 1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht. Yorik Goldewijk Sonja Fiedler-Tresp (Übersetzung aus dem Niederländischen) Dragonfly (Harper Collins) 160 Seiten Erschienen am 25.08.2025 Taschenbuch ISBN: 978-3-7488-0278-5 Ab 12 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   PS: Herzlichen Dank an den Dragonfly Verlag für das Rezensionsexemplar. Zusatztipp: Soma - eine Graphic Novel Wer sich lieber mit einer Graphic Novel in dystopische Welten stürzt, dem kann ich "Soma"* , das Debüt der deutschen Comiczeichnerin Judith Kranz (erschienen 2025 bei Reprodukt) empfehlen. Hier finden wir uns in einer postapokalyptischen Welt wieder, in der die Erde total verseucht ist. Das Volk der Soma trotzt diesen Umständen, basiert allerdings ebenfalls auf einem sehr rigiden Gesellschaftsystem, das keinerlei Individualität zulässt. Ja, Lan soll sogar für die Gemeinschaft geopfert werden. Und so kommt es auch hier zur Flucht. Weitere Dystopien für Jugendliche und Erwachsene bei mint & malve The Future is... 14 Comics über die Zukunft - Lilian Pithan (Carlsen Comics 2024) Das Lied des Propheten - Paul Lynch (Klett-Cotta 2024) Und alle so still - Mareike Fallwickl (Rowohlt 2024) Endling - Jasmin Schreiber (Eichborn 2023) Going Zero - Anthony McCarten (Diogenes 2023) Regenschatten - Seraina Kobler (Kommode 2020) Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde (Büchergilde Gutenberg 2017) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht

    Habt ihr euch schon mal mit Lichtverschmutzung befasst? Alina Gries und Alina Spiekermann bringen das Thema mit ihrem Kinderbuch "Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht" jungen Zuhörer*innen näher und schaffen ein Bewusstsein für unnötige oder übertriebene Lichtquellen in unserer Umgebung. Wir sind rund um das Phänomen der Nordlichter schon mehrmals auf die Problematik der Lichtverschmutzung gestossen. Je nach Wohnort ist es gar nicht so leicht, einen richtig dunkle Stelle zu finden, die freie Sicht auf die Sterne und solche Himmelsphänomene zulässt. Auf unserer Reise durch die USA konnten wir mehrere Parks mit dem Label "Dark Sky" geniessen, eine Initiative, die zum Glück immer grössere Verbreitung findet - zum Beispiel auch im Bruneau Dunes State Park in Idaho , wo wir an einem Anlass des Planetariums ganz viele eindrückliche Himmelskörper und ein fluoreszierendes Skorpion bestaunen konnten (siehe Fotos). Im neusten Sachbilderbuch von Alina Gries und Alina Spiekermann erleben wir mit "Finn Fledermaus" ganz unmittelbar, was die Lichtverschmutzung bedeutet. Eigentlich macht sich Finn gerade auf zu seinem ersten Nachtflug, da geht plötzlich ein gleissend helles Licht an. Das blendet nicht nur Finn, sondern auch Nina Nachtfalter, Guido Glühwürmchen und ganz viele weitere nachtaktive Tiere, die am Abend den Wald zum Leben erwecken. Sie können dem Licht kaum entkommen, verlieren die Orientierung und flattern teils - wie magisch vom Licht angezogen - direkt in die Lichtquelle, in diesem Fall neu aufgestellte Strassenlaternen. Finn Fledermaus flattert vor einer der Lampen herum, so dass er sie etwas abdunkelt und die Falter und anderen Insekten davonkommen. Aber das Licht brennt einfach immer weiter und so helfen auch Finns flatternde Artgenossen nur sehr beschränkt. Zum Glück tauchen da Menschen auf, die sich der Problematik bewusst sind. Wie sie den Tieren helfen, könnt ihr in den Bildern erahnen und solltet ihr natürlich in "Finn Fledermaus" selber entdecken. Neben der Geschichte, die das Thema der Lichtverschmutzung schon für kleine Zuhörer*innen einfach verständlich und gleichzeitig emotional berührend rüberbringt, bietet das erzählende Sachbilderbuch auch einige Fakten über nachtaktive Tiere und die Problematik der Lichtverschmutzung. Sie bringt nicht nur uns Menschen um den Sternenhimmel, sondern beeinträchtigt nacht- und tagaktive Tiere ganz stark in ihrem natürlichen Rhythmus. Vom Duo Alina Gries und Alina Spiekermann gibt es übrigens auch noch "Kira Koralle"*  sowie das Buch von "Egon Eichhorn"* . Mit Saskia Diederichsen hat Alina Gries zudem "Hedi Hummel"*  veröffentlicht. Diese drei Bände sprechen ebenfalls wichtige Naturthemen kindgerecht an. Besucht am besten mal die Website von Alina Gries , denn da finden sich auch noch Poster, Ausmalbilder und viele weitere Infos über die Natur. Die Fakten Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht Alina Gries (Text) Alina Spiekermann (Illustration) Verlag Alina Gries 48 Seiten Erschienen am 24.10.2025 Hardcover ISBN: 978-3-9825786-7-5 Ab 5 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   Website von Alina Gries Alina Gries auf Instagram Website von Alina Spiekermann Alina Spiekermann auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Alina Gries für das Rezensionsexemplar. Diese Buchtipps von mint & malve könnten dir auch gefallen Kira Koralle - Alina Gries, Alina Spiekermann (2024) Der schwarze Strand - Die Entstehung des Earth Days - Shaunna und John Stith, Maribel Lechuga (Kindermann Verlag 2024) Wilde Wanderer - Anke Peterson, Lisa Rammensee (Carlsen 2023) Glow - Das wundersame Leuchten der Natur - Jennifer N. R. Smith (cbj 2023) Insekten retten die Welt - Buglife, Qu Lan (Laurence King Verlag 2022) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Der Sohn des Ursars

    Als Jugendroman über eine Familie der Rom*nja angekündigt, hat mich "Der Sohn des Ursars" von Xavier-Laurent Petit sofort neugierig gemacht. Und die Geschichte ist gut geschrieben, ich sehe aber auch einige Problematiken, die man begleitend zur Lektüre zumindest thematisieren sollte. Aber kommen wir zuerst zur Handlung von "Der Sohn des Ursars" von Xavier-Laurent Petit: Ciprian und seine Familie reisen mit einem Wohnwagen und einem Bären durch Osteuropa. Sie ziehen von Stadt zu Stadt, um auf den Marktplätzen aufzutreten - der Vater mit einem Showkampf mit dem Bären, Tochter Vera mit ihrem Gesang. Da die Zuschauer*innen meist nicht spendabel genug sind, müssen sie sich oft das Nötigste an Essen "ausleihen", wie Ciprian es nennt. Bruder Dimetriu hat das "Ausleihen" perfektioniert und versorgt die Familie mit geklautem Essen oder was sie sonst zum Überleben brauchen. Ein Leben in ständiger Bedrohung Kommt dazu, dass die Familie aufgrund ihrer Rom*nja-Zugehörigkeit meist nicht gern gesehen ist und immer wieder vertrieben wird. Der Vater trägt ihre Lage grundsätzlich mit Fassung, das Nomadenleben gehört ja auch zu ihrer Tradition und diese leben sie mit Stolz: "Wir gehen eben woanders hin. Das ist unser Schicksal. Wir sind die Söhne des Windes und die letzten Nachfahren der Pharaonen. Die Welt ist unser Zuhause." / S. 23 Doch eines Tages wird sogar ihr liegengebliebenes Auto von Nationalisten bei der Stadt Tamasciu (Rumänien) angezündet und sie werden unter Drohungen weggeschickt. Als zwei Männer auftauchen, die ihnen die Reise nach Paris finanzieren wollen, sagen sie in ihrer Not zu und werden am nächsten Tag von einem Lastwagen abgeholt. Sie landen - zusammen mit vielen weiteren Rom*nja-Familien - in der Banlieue von Paris, wo sie unter prekärsten Verhältnissen in behelfsmässig selbst gezimmerten Hütten hausen. "Leute, die ein Dach über dem Kopf haben, trauen Obdachlosen nicht über den Weg. Deshalb machen sie leer stehende Häuser für uns unbewohnbar. Sie wollen sichergehen, dass wir nie dazugehören." / S. 79 Und das vorgestreckte Geld sollen sie innert einer unmöglich einzuhaltenden Frist zurückzahlen. Die dubiosen Männer sind offensichtlich nicht so nett, wie sie vorgegaukelt haben, sondern versklaven die Rom*nja faktisch, die in Frankreich völlig mittel- und rechtelos sind und nicht mal über Papiere verfügen. Glückliche Wende dank besonderem Talent Ciprians Familie versucht verzweifelt, genug Geld zu verdienen, um ihre Schulden zurückzubezahlen. Doch die Schuldeneintreiber - Verbündete der Männer, die sie hierhergebracht haben - setzen immer mehr und mehr Druck auf und drohen mit Gewalt, falls sie nicht genügend Geld auftreiben können. Die Lage wird noch schwieriger, als Ciprian immer öfter das Geldverdienen (durch Betteln oder Klauen) vergisst, weil er im "Jardin du Luxembourg" den Schachspieler:innen zuschaut. Doch der Junge hat Glück, eines Tages fordert ihn eine ältere Dame zum Spiel heraus und ist fasziniert von seinem Können. Und das, obwohl er "Scharr" - wie er das Spiel in seinem rudimentären Französisch nennt - nie beigebracht bekommen hat. Madame "Walfisch" nimmt den Jungen unter ihre Fittiche, stellt ihn ihren Bekannten, darunter ein Schachlehrer, ein Polizei-Präfekt und eine Lehrerin, vor und schafft es, Ciprians einmaliges Talent zu fördern. Die Geschichte entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen dramatisch weiter. Da möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Aber Ciprian hat nun das Glück, französische Freund:innen zu haben, die ihm und seiner Familie helfen. Xavier-Laurent Petit erzählt sehr spannend und mitreissend aus Sicht von Ciprian, dem er eine jugendliche, ziemlich naive Stimme verleiht. Manchmal vielleicht etwas gar kindlich und unwissend - aber das ist schwer zu beurteilen. Ich gehe mal davon aus, dass ein zehnjähriger Rom das Wort "Euro" auch schon einmal gehört hat, aber kann mich natürlich täuschen. Auf jeden Fall ist es spannend, mal aus ganz ungewohnter Perspektive auf die westliche Gesellschaft und das "moderne" Leben zu blicken, das für uns so selbstverständlich ist. Etwa, dass man nicht einfach über das Drehkreuz in der Metro-Station springen darf, sondern ein Ticket braucht. Der weisse Blick auf die Welt und das Problem des White Saviorism Xavier-Laurent Petit möchte mit "Der Sohn des Ursars" Vorurteile abbauen und plädiert implizit dafür, dass Rom*nja nicht kriminalisiert und in Slums ausserhalb von westeuropäischen Grossstädten ihrem Schicksal und der Macht von kriminellen Banden und Menschenhändler*innen überlassen werden. Allerdings stellt er dann doch die weissen Menschen als "Retter*innen" hin, ohne die es Ciprian nicht schaffen würde. Sie wissen auch besser als er oder seine Schwester, was gut für sie ist (z. B. Schulbildung, ein neuer Haarschnitt, neue Kleider) und verhalten sich entsprechend paternalistisch. Hinzu kommt, dass alles mit Ciprians Schachtalent verbunden ist. Hätten sie ihn ohne dieses Talent überhaupt beachtet oder wären sie wie Millionen andere Menschen ohne einen zweiten Blick am bettelnden Kind vorbeigegangen? Hier scheint mir dann doch der weisse Blick und die Problematik des White Saviorism an der Geschichte zu haften. Hätte Ciprian nicht sein Schachtalent, könnten seine französischen Freund*innen ihm auch nicht helfen und fänden es wohl auch nicht "so schade um das vergeudete Talent". Dass Ciprian auch liebenswert wäre, sein Leben und seine Würde auch schützenswert wären, wenn er nichts zu bieten hätte, wird mir zu wenig deutlich gemacht. Allerdings wäre es auch schwierig, das in der Ich-Erzählung aus der Perspektive von Ciprian differenziert unterzubringen. Das wäre auch nicht sehr autenthisch. Fazit Die Absicht von Xavier-Laurent Petit, mit Vorurteilen zu brechen und über Schleuserbanden aufzuklären, ist sicher löblich. Und die Umsetzung im Jugendroman "Der Sohn des Ursars" ist auch spannend und sehr empathisch gemacht. Trotzdem würde ich lieber eine ownvoices-Geschichte von Rom*nja oder Sinti*zze lesen, um auch sicher zu sein, tatsächlich aus ihrer Perspektive auf die Welt zu blicken. Wenn ihr diesbezüglich Tipps habt, bin ich sehr froh über einen Kommentar! Die Fakten Der Sohn des Ursars Xavier-Laurent Petit Désirée Schneider (Übersetzung aus dem Französischen) Knesebeck Verlag 240 Seiten Erschienen am 17.03.2022 Hardcover ISBN: 978-3-95728-538-6 Ab 12 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   PS: Herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar. *  Links mit *  sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Das schönste aller Leben

    Auf das Debüt von Betty Boras habe ich mich schon seit der Buchmesse in Frankfurt letzten Herbst gefreut. Und meine Bloggerkollegin hat mich mit ihrem ersten Roman nicht enttäuscht, im Gegenteil! "Das schönste aller Leben" ist ein grossartiger Start ins Autorinnenleben. Ausgangspunkt des Romans "Das schönste aller Leben" von Betty Boras ist ein Unfall, bei dem sich Vios zweijährige Tochter mit heissem Wasser verbrüht hat. Im einen Handlungsstrang begleiten wir Vio in der Gegenwart beim Umgang mit der Tatsache, dass ihre Tochter bleibende Narben davontragen wird und dass sie sich als Mutter die Schuld daran gibt. "Ich wollte in der Zeit zurückreisen, wollte keinen Unfall erlebt haben, keine Geburt. Nicht meine und nicht die meines Kindes, wollte keine Mutter mehr sein, kein Mensch." / S. 65 In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir Vio, eigentlich Violetta, als Kind und Teenager kennen. Vio kam mit sechs Jahren mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland. Vios Vorfahren sind Banater Schwaben, also Deutsche aus verschiedensten Regionen, die im 18. Jahrhundert ins Banat auswanderten. Je nach Umständen mehr oder weniger freiwillig. Und hier setzt auch der dritte Handlungsstrang rund um Theresia an. Theresia war eine wunderschöne Frau, früh zur Waisin geworden und später so gefährlich schön, dass sie ins Visier der Keuschheitskommission geriet. Die Kommission hatte von Österreichs Erzherzogin Maria Theresia 1752 den Auftrag erhalten, "anstössiges" oder "unsittliches" Verhalten zu unterbinden. Dazu gehörte natürlich auch Sex ausserhalb der Ehe, den die Kommission Theresia vorwarf. "Kein Wunder, dass d' hier bist. Zu viel Schönheit hat noch keinem Weib was Gut's bracht." / S. 20 Schönheit, Herkunft, Identität Vierte Protagonistin, wenn man so will, ist kein Mensch, sondern das alle Zeitachsen und Protagonistinnen verbindende Banat. Die oben bereits erwähnte Region liegt im heutigen Rumänien, wo deutsche Bevölkerungsgruppen im 18. Jahrhundert von den Habsburgern gezielt angesiedelt wurden. Unter dem nationalistischen Diktator Ceaușescu flohen Ende der 1970-er-Jahre viele Banater Schwaben, auch Donauschwaben genannt, zurück nach Deutschland. Neben der Banater Erde verbinden zwei weitere Motive die unterschiedlichen Handlungsstränge: Schönheit und die Suche nach Identität. Die Vio der Gegenwart wünscht sich ein schönes Kind. Nicht der Schönheit wegen, sondern weil sie denkt, dass schöne Menschen es leichter haben im Leben. Neben der Tatsache, dass daran durchaus etwas Wahres ist, stellt sich aber die Frage, weshalb Schönheit für Vio derart essenziell ist. Hier liefert uns der zweite Handlungsstrang rund um Vios Aufwachsen verschiedene Hinweise, die ich hier noch nicht verraten möchte. Die Autorin lässt sich die beiden Vios im Verlauf des Romans immer mehr annähern und erklärt so sehr gut, weshalb die heutige Vio ist, wie sie ist. Auch in Theresias Leben spielt Schönheit eine grosse Rolle. Doch hier wird sie eher zum Fluch, denn eine schöne, ledige, elternlose Frau war im 18. Jahrhundert per se verdächtig. Auch hier streut Betty Boras sehr geschickt feine Verbindungen von Theresia bis zu Vio ein. Eine detektivische Freude, die verbindenden Elemente im Roman zu finden. Die Identitätssuche von Vio findet im Spannungsfeld zwischen der rumänischen Herkunft und der neuen Heimat Deutschland statt. Ein Spannungsfeld, das umso vielschichtiger ist, als dass die deutschsprachigen Banater Schwaben in Rumänien ebenfalls zugewandert waren und bei der Rückwanderung nach Deutschland zu einer Art Fremden in der eigenen, früheren Heimat wurden. "Für Freiheit waren sie in ein Land gegangen, das ihre Vorfahren mehr als zweihundert Jahre vorher verlassen hatten, mit dem sie sich verbunden fühlten, in dem sie aber Fremde waren." / S. 68 Vio hat als Kind eine grosse Integrationsleistung vollbracht, ihre Eltern forderten viel von ihr und gaben selber ihr Bestes und nun hatte sie gehofft, ihrer Tochter die bestmöglichen Startbedingungen zu bieten. Und dann diese Narben! Wie wird das Kind im Kindergarten aufgenommen werden? Was werden die Leute von ihr denken, was von ihrer Mutter? Vio droht an den Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Fazit Ich kann euch nur empfehlen, "Das schönste aller Leben", diesen wunderschön geschriebenen, vielschichtigen Roman von Betty Boras selber zu lesen. Auf 240 Seiten erzählt sie dicht, fein, elegant und gleichzeitig zeitgemäss von Mädchen und Frauen zwischen Schönheitsidealen, tradierten Geschlechterrollen, Muttermythen, dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Wertschätzung. Wollt ihr mehr über das Buch und die Hintergründe seiner Entstehung erfahren? Dann kann ich euch das Gespräch von Florian Valerius ( @literarischernerd ) und Betty Boras ( @bettyboras ) auf Instagram herzlich empfehlen. Die Fakten Das schönste aller Leben Betty Boras hanserblau 240 Seiten Erschienen am 17.02.2026 Hardcover ISBN: 978-3-446-28451-7 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an hanserblau für das Rezensionsexemplar. Das könnte dir auch gefallen Mathilde und Marie - Torsten Woywod (dtv 2026) Lichtungen - Iris Wolff (Klett-Cotta 2024) Wenn wir wieder Menschen sind - Tanja Miljanovi ć (Zytglogge 2024) Angelina. Verlorene Familie - David Bielmann  (Zytglogge 2023) Vatermal - Necati Öziri  (Claassen 2023) Maman - Sylvie Schenk  (Hanser 2023) Birobidschan - Tomer Dotan-Dreyfus  (Voland & Quist 2023) Herkunft - Saša Stanišić  (Luchterhand 2019) In der Fremde sprechen die Bäume arabisch - Usama Al Shahmani  (Limmat Verlag 2018) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Einfach Sunny

    (Werbung/Verlosung) Wie oft habt ihr ein Kinderbuch mit blinder Heldin gelesen? Ich noch nie! Deshalb habe ich mich sehr auf "Einfach Sunny" von Maren Graf und Olivia Vieweg gefreut und wurde nicht enttäuscht. Mit etwas Glück könnt ihr das Buch bald selber lesen. Ich darf nämlich ein Exemplar an euch verlosen. Und oben drauf habe ich noch einen DIY-Tipp für ein Fühlmemory für euch! Sunny ist professionelle Sachen-Sucherin. Die erste Fundsache lässt denn auch nicht lange auf sich warten. Auf dem Gehsteig trifft Sunny mit ihrem Stock auf ein ziemlich grosses, ziemlich schweres, aber auch irgendwie weiches Ding. Das Ding entpuppt sich als Mensch, genauer gesagt, als Ben, der wie Sunny in die dritte Klasse geht und das auch noch an der Schule, die Sunny so gerne bald besuchen würde. Leider ist dieser Ben nicht wahnsinnig gesprächig und scheint irgendwie traurig zu sein. Sunny entscheidet, dass der Junge offensichtlich Hilfe braucht und nimmt ihn kurzerhand mit. Ben lässt sich wirklich jedes Detail aus der Nase ziehen, aber irgendwann findet Sunny heraus, dass er ein "Dings" vermisst und ist entschlossen, ihm bei der Suche zu helfen. Ehrensache, also professionelle Sachen-Sucherin. Ermittlungen mit allen Sinnen Maren Graf nimmt uns in "Einfach Sunny" mit auf eine unterhaltsame Detektivsuche mit der blinden Heldin Sunny. Eindrücklich schildert sie, wie Sunny ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrnimmt. Okay, auf das Sehen muss Sunny verzichten, denn in ihrer Welt ist es dunkel. Aber sie hat ihren Blindenstock, erfühlt ganz viel mit den Händen (und den Untergrund mit den Füssen), riecht und hört ihre Umgebung. "Der Bergweg liegt nur drei Mal Abbiegen von Ferdinands Fundkiste entfernt. Den Weg dorthin kennt sie sogar. Links, über die unebenen Pfastersteine, bei der Bäcker-Ecke rechts, bis sich der süße Duft von Waffeln, Kuchen und Brötchen verzogen hat, dann nach der Bushaltestelle noch mal links." / S. 39 Wie sich Sunny mit Hilfe ihrer Sinne und dem Blindenstock im Raum orientiert, ist sehr eindrücklich mitzuverfolgen. Es ist nicht so, dass Sunny besser hören oder riechen würde als andere, aber diese Sinne haben für sie einen höheren Stellenwert, sind durch die Übung bestens geschärft. Ben fragt sich sogar: "Ob Sunny einen Extra-Sinn hat? Der ihre Augen ersetzt? Kann ja eigentlich nicht sein. Aber trotzdem. Sunny kann irgendwie unter die Haut gucken. Ja, genau so fühlt sich das an. Wahrscheinlich hört sie gerade sogar sein Herz klopfen." / S. 113 An dieser Textstelle wird schon deutlich, dass Sunny nicht nur ihre Sinne gut nutzt, sondern auch ein gutes Gespür für Menschen und ihre Gefühle hat. Und dieses Gespür wird sich im Verlaufe der Ermittlungen noch als sehr hilfreich erweisen. Ermittlungen mit Hindernissen und Erdbeereis Auf dem Vorsatzpapier könnt ihr erkennen, womit Sunny und Ben es so zu tun kriegen bei ihren Ermittlungen. Was es mit dem Dackelmann, dem Monster, einer Gartenmauer und einem Erdloch so auf sich hat, müsst ihr natürlich selber lesen. Auf jeden Fall wird das Team vor so einige Herausforderungen gestellt und dabei geht es nicht nur um das verlorene Dings, sondern auch noch um eine Freundschaft, fiese Mobber und Sunnys Zukunft an der neuen Schule. "»Das Leben schenkt dir nicht immer nur Erdbeereis. Du musst auch mal bereit sein für Überraschungen.«" / S. 133 Maren Graf zeichnet ihre Heldin sehr vielschichtig. Und klar, auch eine Heldin hat mal zu kämpfen und das Blindsein ist in manchen Situationen echt unpraktisch, das wird gar nicht beschönigt. Der zurückhaltende Ben bildet einen guten Kontrast zur quirrligen, immer optimistischen Sunny. Die meisten Kapitel werden aus der Perspektive von Sunny erzählt, einige aber auch aus Bens Sicht. Welchen Blick wir gerade einnehmen, ist an der farblichen Gestaltung der Kapitel zu erkennen (rot für Sunny, grün für Ben). Das Kinderbuch bebildert hat Olivia Vieweg. Wie ihr seht, ist von kleinen Vignetten bis zu seitenfüllenden Illustrationen alles dabei. Die Bilder sind in ganz warmen Farben gehalten, so als wären sie - wie Sunnys Gemüt - in Sonnenlicht getaucht worden. Neben den auflockernden Bildern kommt den jungen Leser*innen auch der lockere Satz entgegen. Die Schrift ist relativ gross, die Seitenränder breit und die Zeilenabstände so gross, dass man nicht in der Zeile verrutscht. So wird "Einfach Sunny" für Kinder ab etwa 8 Jahren zu einem tollen Leseerlebnis. Fazit "Einfach Sunny" von Maren Graf und Olivia Vieweg ist eine Detektivgeschichte mit Humor, einer ursympathischen Heldin, einer wunderbaren Freundschaft und der richtigen Portion Spannung. Von mir gibt es natürlich eine sonnige Leseempfehlung! Die Fakten Einfach Sunny Maren Graf (Text) Olivia Vieweg (Illustration) Thienemann 208 Seiten Erschienen am 28.01.2026 Hardcover ISBN: 978-3-522-18863-0 Ab 8 Jahren Buch kaufen bei Thienemann-Esslinger*   Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   Maren Graf auf Instagram Olivia Vieweg auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. DIY-Tipp: Ein Fühlmemory basteln Um sich einmal ganz auf seinen Tastsinn zu konzentrieren, bietet sich ein Fühlmemory an. Das lässt sich natürlich in ganz unterschiedlichen Varianten vorstellen. Wir haben eine Variante mit verschiedenen Oberflächen auf typischen quadratischen Memory-Kärtchen. Diese könnt ihr mit Karton und Materialien, die ihr im Haushalt findet, ganz einfach selber basteln. Anstatt den Stoffbeutel mit Kordel und die Augenbinde selber zu nähen, könnt ihr natürlich auch einfach irgendeinen Beutel und eine vorhandene Augenbinde oder ein Tuch zum Verbinden der Augen nehmen. Kinder selber machen lassen oder einbeziehen Beim Basteln und Nähen können die Kinder gut die Hauptarbeit übernehmen. Meine Tochter hat in der 2. Klasse sämtliche Teile des Fühlmemorys selber gemacht. Der Beutel lässt sich aus einem Stück Stoff auch von Hand ganz einfach nähen. Die Augenmaske besteht aus zwei Filzstücken, die ebenfalls von Hand zusammengenäht und mit einem Gummiband (mit Filzstift etwas verschönert) versehen werden. Zu den Kärtchen können sicher auch kleinere Kinder schon etwas beitragen. Folgende Materialien bieten sich zum Bekleben an: verschiedene Stoffe - etwa Seide, Jute, Plüsch, Netzstoff Filz und (Kunst-)Leder verschiedene Papiere, Kartons (z.B. Wellpappe) und Folien verschiedene Kunststoffe - etwa dünne Kunststoffmatte, Isolier- oder Verpackungsmaterial Je ähnlicher die gewählten Materialien sind, je kniffliger wird das Memory. So wird gespielt Wir spielen das Memory so, dass wir eine Hälfte der Kärtchen auf dem Tisch auslegen. Die andere Hälfte bleibt im Beutel. Reihum zieht jemand die Augenbinde an und greift dann in den Beutel. Das Pendant des gezogenen Kärtchens muss dann durch Erfühlen - nicht schummeln! - auf dem Tisch gefunden werden. Wenn man mag, kann man natürlich auch noch ein Zeitlimit setzen, um die Schwierigkeit twas zu erhöhen. Mitspielen können alle zwischen etwa 3 und 99 (oder darüber hinaus)! Viel Spass! Eure Eliane VERLOSUNG: Gewinne 1x "Einfach Sunny" von Maren Graf und Olivia Vieweg Aus Anlass unserer Blogtour rund um "Einfach Sunny" darf ich ein Exemplar des Buches an euch verlosen. Und so kannst du in den Lostopf hüpfen: Lass mich in den Kommentaren wissen, welchen deiner Sinne du am meisten vermissen würdest. Vergiss nicht, deine E-Mail-Adresse anzugeben , damit ich dich bei einem Gewinn kontaktieren kann! (Die Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.) Auch hier kannst du in den Lostopf hüpfen: Instagram   Facebook   Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Mittwoch, 4. Februar 2026, 23:59 Uhr . Schau auch bei der Autorin und den anderen Blogger*innen vorbei. Auch da kannst du jeweils ein Buch gewinnen! Alle Infos zur Blogtour gibt's im Instagram-Post . Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du per Mail bzw. PN auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den Verlag. Dafür gebe ich deine Adresse weiter an Thienemann-Esslinger Verlag. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Das könnte dir auch gefallen - noch mehr Kinder-Detektive im Einsatz Ein Winter in Schweden - Weihnachten in Småland - Miriam Schaps, Uta Polster (Biber & Butzemann 2025) Die Hochhaus-Detektive - Band 1 - Johanna Lindemann, Elli Bruder (EMF Verlag 2023) Die Wilden Rüben - Das Geheimnis von Garten Nr. 8 - Dorthe Voss und Stefanie Klassen (Thienemann-Esslinger 2023) Detektivbüro LasseMaja - Martin Widmark, Helena Willis (Edition Helden 2023) Weihnachten mit Juli - Petra Eimer (Baumhausbande 2021) Matti und Max - Abenteuer in New York - Sandra Lehmann, Manja Adamson  (Biber & Butzemann 2019) Matti und Max - Abenteuer in Berlin - Sandra Lehmann, Manja Adamson  (Biber & Butzemann Verlag 2020) - Mit einem Autorinneninterview! * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. 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  • Belichtet & Benebelt - Zwischen Alkohol und Auslöser

    (Werbung/Verlosung) Oliver Baer war einst gefragter Fotograf und Videoproduzent - und Alkoholiker. Jetzt legt er seine Autobiografie "Belichtet & Benebelt" vor. Zum Buchrelease könnt ihr hier ein signiertes Exemplar gewinnen. Wie wird man Alkoholiker und wie kommt man aus dieser Sucht wieder heraus? Oliver Baer macht sich in seiner Autobiografie "Belichtet & Benebelt" auf die Spuren seiner Sucht. Er tut das sehr offen, ja schonungslos. Manchmal ist das vielleicht etwas viel, zu viel, aber es ist ehrlich und autenthisch. Das Krasse daran ist, dass seine Sucht sehr früh begann, er aber gegen aussen immer funktioniert hat, ja sogar sehr erfolgreich war. Er erzählt seine Geschichte in sechs Episoden, chronologisch vom Aufwachsen im Kanton Aargau - ganz in meiner Nähe -, über den Aufbau seiner Karriere als Fotograf und Videoproduzent und seinen Absturz, bis zu den Versuchen des Ausstiegs aus der Sucht und dem Finden einer neuen Perspektive - im doppelten Sinne. Besonders berührt haben mich die Schilderungen seines Aufwachsens. Es wird schnell klar, dass da der Grundstein für seine spätere Sucht gelegt wurde. Natürlich nicht im Sinne einer direkten Kausalität, aber indem Oliver Baer schon als Kind ein viel zu schwerer Rucksack aufgebürdet wurde. Seine Eltern waren getrennt, er lebte bei seiner Mutter, die infolge eines Unfalls unter unvorstellbaren Schmerzen litt. Dadurch war er viel zu früh auf sich alleine gestellt, musste viel zu viel Verantwortung tragen - für sich und seine Mutter. Die Schule war leider kein Ort, wo er unbeschwert hätte sich selbst sein, lernen und aufblühen können, sondern ein weiteres Korsett, in das er nicht so recht passen wollte. Und auch beim Vater, zu dem er durchaus einen guten Kontakt hatte, fühlte er sich nicht rundum aufgehoben, sondern teils noch stärker unter Druck gesetzt. Sucht und Leistung - eine gegenseitige Abhängigkeit Schon als Jugendlicher entdeckte er das Fotografieren für sich, genoss den Blick durch die Linse, die im einen Fokus gab, einen Anker, den er sonst im Leben nicht fand. Gleichzeitig begann er aber auch zu trinken, nahm Drogen, stürzte immer häufiger ab. Eine weiterführende Schule kam nicht in Frage, das Bewerbungsgespräch für die Lehre bei einem renomierten Fotografen liess er sausen. Und doch, er wurde autodidaktisch und dank seinem offensichtlichen Talent zu einem gefragten Fotografen, später auch Videoproduzenten. "Offenbar war es akzeptiert, oder ich hatte mich so positioniert, dass Alkohol und Kamera eins schienen. Sie war inzwischen nicht mehr nur Begleiterin, sondern Symbol. Sie und eine gute Flasche Wein gehörten zusammen..." / S. 166 Um dem Druck standzuhalten und wie er sich einredete, um auf dem Boden zu bleiben, gehörte für Oliver Baer der Alkohol dazu. Nicht ein Glas, sondern literweise trank er. Zuerst Bier in Dosen, später Wein in Flaschen. Sie füllten seinen Kühlschrank anstelle von Essen. Natürlich kam irgendwann der Absturz, der Versuch des Ausstiegs, der Rückfall. "Dieser verdammte Gin Tonic mit Bombay Saphire Gin, das war kein Genuss. Ich trank ihn, als wäre ich in einer Wüste unterwegs und fände nach stundenlangem Suchen endlich eine Wasserquelle." / S. 132 Wie er sich aus der Sucht kämpfte, sich neu orientierte und bis heute trocken ist, müsst ihr in "Belichtet & Benebelt" selber nachlesen. Oliver Baer sieht sein Buch als Gesprächsangebot. Und Gesprächsanlässe bietet dieser Erfahrungsbericht auf jeden Fall. Keine Lösungen, klar, weil jede Sucht individuell ist. Aber Anlässe, um sich über die gesellschaftlichen Strukturen Gedanken zu machen, in denen sich solche Abhängigkeiten entwickeln: Von der mangelnden Begleitung und Unterstützung von Familien und Kindern - besonders in vulnerablen Situationen -, über den viel zu leichten und günstigen Zugang zu und die Normalisierung von Alkohol als Genuss- statt als Suchtmittel, bis zur Tabuisierung der Sucht und dem Abtun als individuelles Scheitern statt als Symptom einer Vielzahl systemischer und individueller Ursachen. Es würde wahrscheinlich nichts helfen, aber eigentlich sollten alle Parlamentarier:innen dieses Buch lesen, bevor sie das nächste Mal wieder Mittel für Suchtprävention, Kinder- und Jugenschutz streichen und gleichzeitig den Weinanbau grosszügig subventionieren und danach zu ihrem nächsten Apéro mit massig Fendant aufbrechen. Fazit "Belichtet & Benebelt" von Oliver Baer nimmt die Leser:innen mit in den Abgrund einer Alkoholsucht. Es ist eine schmerzhaft ehrliche und direkte Auseinandersetzung mit seiner Person, seinem Werdegang, seinen Verlusten und dem tiefen Fall. Gleichzeitig beeindruckt der Kampf um einen Weg aus der Sucht und sein unbändiger Wille, etwas aus seinem Leben zu machen. Das Buch regt nicht nur zum Nachdenken und einem gesellschaftlichen Diskurs über den Umgang mit Suchtmitteln - ob nun legal oder illegal - an. Es hält uns auch dazu an, in unserem Umfeld hinzuschauen und offen über - problematischen - Konsum zu sprechen und bei Bedarf Hilfe zu suchen. Die Fakten Belichtet & Benebelt Zwischen Alkohol und Auslöser - endlich fokussiert nüchtern Oliver Baer 272 Seiten Erschienen am 03.02.2026 Taschenbuch ISBN: 978-3-033-11584-2 Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Oliver Baer auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Oliver Baer für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. VERLOSUNG: Gewinne ein signiertes Exemplar von "Belichtet & Benebelt" Zum Release von "Belichtet & Benebelt" von Oliver Baer darf ich ein signiertes Exemplar an euch verlosen. So könnt ihr euch Lose sichern: Auf dem Blog: Verrate mir in den Kommentaren, ob du das Buch selber lesen möchtest oder wem du es schenken würdest. Vergiss nicht, deine E-Mail-Adresse anzugeben , damit ich dich bei einem Gewinn kontaktieren kann! (Die Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.) Auch hier kannst du in den Lostopf hüpfen: Instagram   Facebook   Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Freitag, 6. Februar 2026, 23:59 Uhr . Viel Glück! Eure Eliane Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du per Mail bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch mich. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Diese Bücher könnten dir auch gefallen Demon Copperhead - Barbara Kingsolver (dtv 2024) Das Geheimnis meiner Superkraft - Alison Bechdel (KiWi 2023) Vatermal - Necati Öziri (Claasen 2023) Cleopatra und Frankenstein - Coco Mellors (Eichborn 2023) 22 Bahnen - Caroline Wahl (Dumont 2023) Silberregen glitzert nicht - Christine Werner  (Mixtvision 2023), ab 11 Jahren Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier  (Kampa 2022) Das grüne Auge - Nathacha Appanah  (Lenos Basel 2021) Auf Erden sind wir kurz grandios - Ocean Vuong  (Hanser Verlag 2019) Loyalitäten - Delphine de Vigan  (Dumont 2018) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum?

    (Werbung) Warum können sich nicht alle gleich viel leisten? Weshalb leben einige Kinder im Luxus und andere müssen arbeiten, statt zur Schule zu gehen? "Das ist doch unfair!", sagen Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs und erklären in ihrem Sachkinderbuch, warum es Armut und Reichtum gibt. Bei uns stehen bald die Skiferien an. Doch nicht alle können sich teure Skiferien und das Equipment dafür leisten, auch ein Skilager ist finanziell nicht für alle Kinder machbar. Weshalb ist das so? "Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum?" von Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs liefert Kindern ab etwa 7 Jahren Antworten auf solche Fragen. Was ist überhaupt arm? Die Autorinnen streifen in ihrem Kindersachbuch zahlreiche Themen rund um Armut und Reichtum. Zuerst geht es darum, wie Armut überhaupt aussieht, sie macht sich nämlich nicht nur im Portemonnaie bemerkbar, sondern entscheidet auch darüber, wie stark oder schwach wir am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Sie hat Einfluss auf die Bildung und damit auf die späteren Berufschancen und den künftigen Lohn. Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs liefern die nötigen Informationen, erklären Zusammenhänge, geben Kindern ein Gefühl für das Ausmass von Armut in Deutschland und weltweit. Sie lassen dabei aber immer auch die Kinder selber zu Wort kommen. Darunter sind Kinder, die von Armut betroffen sind oder deren Familien Gefahr laufen, arm zu werden. Aber auch solche, die sich offensichtlich alles Nötige und Mögliche leisten können. Durch die Voten von Kindern, werden die Erfahrungen und Gefühle für die jungen Leser*innen sehr alltagsnah und gut nachvollziehbar. Da geht noch was! Immer wieder wird auch deutlich gemacht, wie stark bestehende Strukturen und die Politik über Armut und deren Vererbung bestimmen. Klar wird, es ist Zufall, ob wir in eine arme oder reiche Familie hineingeboren werden und ob wir in der Folge mehr oder weniger Chancen haben - auf Bildung, auf Zugang zu Kultur, Gesundheitsleistungen, Freizeitangebote, Urlaub usw. Auch über weitere Ursachen von Armut erfahren wir etwas: etwa Krieg im Herkunftsland, mangelndes Arbeitsangebot, Ausschluss von Bildung (v.a. für Mädchen), eine Krankheit oder Invalidität. So wird klar: Jede und jeder kann arm werden. Nur weil man reich geboren wird, heisst das nicht, dass es immer so sein wird, aber man hat bessere Startchancen als andere. Da das Buch in Kooperation mit Oxfam Deutschland entstanden ist, geben die Autorinnen anhand von Beispielen aus dem Jemen und dem Niger einen kleinen Einblick in Oxfams Arbeit und wie sie Armutsbetroffenen helfen. Auch Massnahmen zur Armutsbekämpfung in Europa sind ein Thema. Das Buch endet denn auch mit einer positiven und kämpferischen Message, dass wir weiter solidarisch dafür kämpfen, dass möglichst wenige Kinder von Armut betroffen sind, dass alle dieselben Chancen haben und die verbrieften Kinderrechte endlich Realität werden. Sarah Tabea Hinrichs hat nicht nur zum Text beigetragen, sondern auch die wundervoll vielfältigen Illustrationen beigesteuert. Wir sehen eine Vielfalt in Bezug auf das Alter, Hauttöne, Kleidungsstile, kulturelle Hintergründe und am Rande auch die körperlichen Voraussetzungen. Hier wäre bezüglich unterschiedlicher Körperformen und einer Viefalt an unterschiedlichen Behinderungen noch mehr möglich gewesen. Ansonsten sind die Illustrationen aber sehr divers und klischeefrei, auch in Bezug auf Geschlechterrollen. Gestalterisch und inhaltlich gelungen finde ich auch, dass wir bereits auf dem Vorsatzpapier mit O-Tönen von Kindern in das Thema eintauchen. Die Sprechblasen sind dann auch durch das gesamte Buch ein wichtiges Element, um die Stimme der Kinder zu vermitteln. Die diskriminierungssensiblen Formulierungen - zum Beispiel die Vermeidung von Klassismus - sind sicher auch dem Sensitivity Reading von Journalistin und Autorin Mareice Kaiser zu verdanken. Fazit Wer auf der Suche nach einem Kindersachbuch ist, das einen umfassenden Überblick über die Armutsproblematik gibt, erklärt, wie Armut und Reichtum entstehen und wie sich Kinder damit fühlen, ist mit "Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum?" von Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs sehr gut beraten. Die Fakten Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum? Inka Friese (Text) Sarah Tabea Hinrichs (Text + Illustration) Fischer Sauerländer 40 Seiten Erschienen am 24.04.2024 Hardcover ISBN: 978-3-7373-7276-3 Ab 7 Jahren Zur Leseprobe* Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   Inka Friese auf Instagram Sarah Tabea Hinrichs auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Sarah Tabea Hinrichs und an den Fischer Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar. Das könnte dich auch interessieren Moor Myrte und das Zaubergarn - Sid Sharp (NordSüd 2025) Die Hochhaus-Detektive - Band 1 - Johanna Lindemann, Elli Bruder (EMF Verlag 2023) Home - ein Kinderbuch über Wohnungslosigkeit - Tonya Lippert, Andrea Stegmaier (Magination Press 2022) Alles Arbeit oder was?! - Mieke Scheier (Beltz & Gelberg 2021) Kein Bett in der Nacht - Maria Inês Almeida, José Almeida de Oliveira, Cátia Vidinhas  (Knesebeck 2021) Papierklavier - Elisabeth Steinkellner, Anna Gusella (Beltz & Gelberg 2020) Der Weihnachtsbaum - Delia Huddy, Emily Sutton  (Aladin 2015) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Mathilde und Marie

    (Werbung) Seid ihr auf der Suche nach einem Roman, der euch eine wundervolle Auszeit voller Bücher, Empathie und sympathischer Charaktere beschert? Dann kann ich euch Torsten Woywods Debütroman "Mathilde und Marie" von Herzen empfehlen. Vielleicht kennt ihr die Sachbücher von Torsten Woywod, den ich als Büchermensch durch und durch bezeichnen würde: In 60 Buchhandlungen durch Europa* oder In 80 Buchhandlungen um die Welt* . Nun ist mit "Mathilde und Marie" bei dtv sein erster Roman erschienen. Ich hätte mir für die Zeit zwischen den Jahren keine bessere Lektüre vorstellen können. Marie, eine Mittzwanzigerin, ergreift nach einem lebensverändernden Ereignis die Flucht aus dem trubeligen, stressigen, lauten Paris. Sie besteigt den erstbesten Zug und landet in Belgien. Schon im Regionalzug in Richtung Libramont, in den Ardennen, lernt sie Jónína kennen. Die ältere Isländerin überzeugt Marie, sie ins Bücherdorf Redu zu begleiten. Ja, das Dorf gibt es wirklich und es ist voller Buchhandlungen für jedes Bedürfnis oder Spezialinteresse. Entschleunigung pur Marie hat anfangs Mühe, sich auf den Aufenthalt in Redu einzulassen, ist sie hier doch praktisch abgeschnitten von der Aussenwelt. Im Dorf gibt es nur für eine Stunde pro Tag überhaupt Internetempfang - erzwungenes Detox sozusagen. Doch dann ergreift Marie die Chance, so richtig zu entschleunigen, sich Gedanken über ihr Leben und ihre Erwartungen an die Zukunft zu machen. Und dann geschieht noch etwas: Jónína verlässt das Dorf ohne Vorankündigung für eine Weile in Richtung ihrer Heimat und wirft Marie ins kalte Wasser: Plötzlich steht die junge Frau alleine da mit Jónínas Buchhandlung und deren Hündin Anneliese. Zum Glück gibt es noch ein paar andere nette Bewohner:innen von Redu - und dann ist da noch die mürrische, einzelgängerische Mathilde. Der Buchtitel lässt es vermuten: Die beiden nähern sich nach und nach an. Bald verbindet sie eine generationenübergreifende Freundschaft. Was hinter Mathildes Traurigkeit und Isolation steckt, verrate ich natürlich an dieser Stelle nicht. Und auch, welche Rolle eine Kiste voller Schlüssel spielt, müsst ihr euch selber erlesen. Klar ist, dass die beiden Frauen sich gegenseitig zu einer wichtigen Stütze werden. Wohlfühlbuch mit Tiefgang Torsten Woywod lässt uns mit "Mathilde und Marie" eintauchen in eine Welt voller Bücher, lässt uns entschleunigen, die Natur mit den Protagonist:innen mit jeder Faser geniessen. Seine Figuren sind eigenwillig, charakterstark, manchmal etwas verschroben, aber immer liebenswert. Das gilt auch für den Ort Redu, der neben den menschlichen und tierischen Figuren durchaus als wichtiger Protagonist im Buch betrachtet werden kann. In einer Online-Buchpremiere mit Florian Valerius (bekannt als @literarischernerd auf Instagram ) hat Torsten Woywod verraten, dass Anneliese seinem eigenen, leider viel zu früh verstorbenen Hund Nele nachempfunden ist. Nele ist dieser Roman denn auch gewidmet. Torsten Woywod schreibt elegant und man kann es nicht anders sagen: schön. Er schildert die Ereignisse in drei Teilen und aus den unterschiedlichen Perspektiven von Marie, Jónína und Mathilde, wodurch die Lektüre immer abwechslungsreich bleibt. Nicht ganz autenthisch fand ich teilweise, wie sich Jónína und Thomas, der Bäcker von Redu, ausdrücken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand so spricht. "Tut mir leid, liebe Marie. Ich wollte dir nicht zu nahe treten, das war mein Fehler, nicht deiner. Wobei ich eigentlich gar nicht von einem Fehler sprechen möchte, im Gegenteil. Nennen wir es eine ausgesprochen direkte Art des Kennenlernens, wodurch die Karten gleich offen auf dem Tisch liegen..." / S. 19 Insgesamt finde ich diese etwas gestelzten Dialoge verzeihbar, weil es den Figuren sofort Charakter verleiht. Über einige Formulierungen wie "mit einem Fingertipp" oder "es regnete Hunde und Katzen" bin ich gestolpert, da sie wie aus dem Englischen übersetzt klingen. Passender wären wenn schon Wendungen aus dem Französischen gewesen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und tut dem Lesegenuss keinen Abbruch. Torsten Woywod gelingt es mit seinem Romandebüt, die Leser*innen eintauchen zu lassen in eine völlig andere Welt. Die Lektüre ist entschleunigender Eskapismus pur. Und das Schönste daran? Es ist keine Utopie. Solche Menschen, das Leben in Gemeinschaft und mit ganz vielen Büchern gibt es wirklich! Ich würde sagen: Auf nach Redu! Oder wahlweise : "Mathilde und Marie" lesen! Hier geht's zur Leseprobe von Book 2 Look* . Der Autor sagte im Gespräch mit Florian Valerius: "Hoffentlich ein Buch, das einfach gut tut." Diese Hoffnung hat sich zumindest für mich zu 100 Prozent bestätigt. Fazit "Mathilde und Marie" von Torsten Woywod ist eine literarische Ode an das Entschleunigen, an die Freundschaft und das Leben in Gemeinschaft. Mich würde es nicht erstaunen, wenn das Buch dieses Jahr auf der LIste zum Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen oder anderen Bestenlisten auftauchen würde. Von mir gibt es deshalb eine ganz herzliche Leseempfehlung! Die Fakten Mathilde und Marie Torsten Woywod dtv Verlag 336 Seiten Erschienen am 15.01.2026 Hardcover mit Lesebändchen ISBN: 978-3-423-28512-4 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)* Torsten Woywod auf Instagram Torsten Woywods und Frauke Meurers Verlag PS: Herzlichen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar und die Einladung zur digitalen Buchpremiere. Das könnte dir auch gefallen Sonnenhang - Kathrin Weßling (Rowohlt 2025) Umlaufbahnen - Smantha Harvey (dtv 2024) Bei euch ist es immer so unheimlich still - Alena Schröder (dtv 2023) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Jina. Das Mädchen, das Leben heisst

    "Jina. Das Mädchen, das Leben heisst" von Zilan Sarah Koeßler und Clara Gilod ist ein Bilderbuch über ein starkes, freiheitsliebendes Mädchen. Es ist das Portrait der jungen kurdischen Frau Jina Amini, die am Ursprung der Protestbewegung "Frau, Leben, Freiheit" steht und bis heute Quelle der Inspiration und des Mutes für den Freiheitskampf im Iran und weltweit ist. "An alle Mädchen und Frauen, die Freiheit suchen, um mit ihr zu tanzen." Genau das tat Jina Amini, die junge Kurdin, gerne. Und sie wollte dies nicht nur im Geheimen tun, sondern wann, wo und wie sie wollte. Sie suchte die Freiheit. Doch diese wurde ihr vom iranischen Regime genommen - mit ihrem Leben. Welch bittere Ironie, denn der Name Jina bedeutet "Leben"! Autorin Zilan Sarah Koeßler erzählt in ihrem Kinderbuch "Jina. Das Mädchen, das Leben heisst" von dieser eindrücklichen jungen Frau, die nach Freiheit suchte und bedingungslos dafür einstand. Behutsam erzählt die Autorin vom Leben Jinas und ihrer kurdischen Mitmenschen im Iran. Es war (und ist) geprägt von strengen Regeln und vielen Verboten - ganz besonders für Frauen und Mädchen. So durfte Jina in der Öffentlichkeit nicht tanzen oder singen, nicht die Kleider tragen, die sie wollte und auch keine Haare zeigen. Wie wir alle wissen, tat sie aber genau das, wurde festgenommen und starb in Gefangenschaft. Und so bildete sich die breite, feministische Protestbewegung mit dem Ruf "Frau, Leben, Freiheit!" bzw. "Jin Jiyan Azadi!". Eine Bewegung, die mit eine Basis ist für die aktuell wieder sehr grossen Proteste im ganzen Land. Aber zurück zum Kinderbuch: Zilan Sarah Koeßler erzählt die Geschichte von Jina stark rhytmisiert, so dass sie sehr eingängig und eindringlich, aber doch kindgerecht erscheint. Die französische Illustratorin Clara Gilod hat die Erzählung mit ihren Illustrationen gestalterisch umgesetzt. Sie zeigt uns die traditionelle kurdische Bekleidung, die Ausgelassenheit von Jina und ihren Freund:innen, Bekannten und Verwandten, wenn die Regelmacher des iranischen Staates fern waren. Und im Kontrast dazu die düstere, eintönige Umgebung in der gut überwachten Stadt - und noch schlimmer im Gefängnis. Besonders eindrücklich finde ich hier, wie Clara Gilod die Haare als Symbol für die Freiheit auch gestalterisch einsetzt, indem sie die Verbindung aus der Gefangenschaft in die Freiheit darstellen. Als wären Jinas Haare nicht zu bändigen, suchen sich die Strähnen einen Weg durch die Gitterstäbe nach draussen. Genauso wie ihre Haare zuvor den Weg aus dem Hidjab fanden. "Jina war im Gefängnis, weil sie die Regeln gebrochen hatte. Regeln, die unfair waren. Die Regelmacher sperrten Jinas Haare weg, doch sie wussten nicht, dass Gefängnisgitter Jinas Haare nicht aufhalten konnten." Mit ihrem Buch gibt die kurdische Autorin etwas von Jinas Mut weiter, vermittelt ihn schon jungen Leser:innen und erklärt, wie Jina weiterlebt - in Liedern, in Tänzen, in Protesten und hoffentlich bald in einer befreiten, selbstbestimmten kurdischen (und iranischen) Gesellschaft. Zum Buch gibt es eine Erzählbox , die sich den Themen Freiheit und Mut widmet. Mit kreativen Aktivitäten und einem kurdischen Lied wird Jinas Geschichte in die Realität geholt und junge Leser*innen können sich ihr mit allen Sinnen nähern und sich auf die Suche nach ihrer inneren Stimme begeben. Das Buch ist übrigens zuerst in der englischen Version erschienen, die es unter dem Titel "Jina. The Girl whose Name means Life" natürlich ebenfalls weiterhin bei Blue Boat Books zu kaufen gibt. Die Fakten Jina. Das Mädchen, das Leben heisst Zilan Sarah Koeßler (Text) Clara Gilod (Illustration) Blue Boat Books 42 Seiten Erschienen am 24.05.2025 Hardcover ISBN: 978-3-911957-00-7 Ab 6 Jahren Buch oder Storybox kaufen bei Blue Boat Books Zilan Sarah Koeßler bei Instagram Clara Gilod bei Instagram Blue Boat Books bei Instagram PS: Herzlichen Dank für das digitale Rezensionsexemplar an Blue Boat Books und NetGalley DE. Noch mehr über Jina Amini und "Frau, Leben, Freiheit" Marjane Satrapi hat mit "Frau, Leben, Freiheit" eine Graphic Novel herausgegeben (Rowohlt 2023). Damit porträtiert sie gemeinsam mit Iran-Experten und Zeichner:innen aus Iran, Europa und den USA die gleichnamige feministische Protestbewegung und macht Hoffnung, dass die Befreiung der Iraner:innen vom Islamischen Regime gelingen kann.

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