Frag Philomena Freud. Die Perlenspinne
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Der historische Krimi "Frag Philomena Freud. Die Perlenspinne" von Annette Roeder verspricht Spannung, eine starke weibliche Ermittlerin und Wiener Charme. Erfahrt mehr über den gelungenen Reihenauftakt für Early Teens und Jugendliche.

Schon das Cover von "Frag Philomena Freud" sprach mich mit seiner Jugendstiloptik, die an Werbeplakate von Alphonse Mucha erinnert, voll an. Dass uns Annette Roeder mit ihrem ersten Band der Krimireihe rund um Detektivin Philomena ins Wien der 1920er-Jahre entführt, machte mich ebenso neugierig. Und dann noch der historische Bezug zum berühmten österreichischen Psychoanalytiker Sigmund Freud! Mehr Argumente, um nach einem Buch zu greifen, braucht es ja wirklich nicht, oder?
Schuhputzerin wird zur Detektivin
Philomena Freud stellt sich denn auch als ursympathische Hauptfigur, kluge und ziemlich verwegene Detektivin und Schuhputzerin heraus. Ihren Namen hat sich Philomena, wie alle Kinder der Alsergrundbande, selbst ausgesucht. Er ist ein Zeichen der Selbstermächtigung, nachdem Philomena aus dem Kinderheim Hohe Warte entfliehen konnte, wo sie nach dem Tod ihrer Ziehmutter zwei Jahre zubringen musste.
Philomena muss sich denn auf ihren Runden als Schuhputzerin auch ständig in Acht nehmen vor der Sprengelfürsorgerin, einer Art Mitarbeiterin des Jugendamts, die entlaufene Waisenkinder wieder einzufangen versucht. Gut, dass sie den Wachtmeister Wachs kennt und sich jeden Tag auf den neusten Stand bringen lassen kann, wo sich die Sprengelfürsorgerin herumtreibt. Ist die Luft rein, macht sie sich jeweils auf zu ihrem liebsten Ort zum Schuheputzen, der auch Grund für ihre Namenswahl war: den Platz vor Sigmunds Freuds psychoanalytischer Praxis. Dank dem Schuheputzen kennt sie einige seiner Patient*innen, darunter die nette Baronin Wallersee und ihre Adoptivtochter Sidonie, ebenfalls ein ehemaliges Waisenkind.

Philomenas erster Fall ergibt sich, als sie am Abend im Extrablatt liest, dass Baronin Wallersee heimtückisch ermordert worden sei. Verdächtig und geständig sei ausgerechnet Sidonie. Das kann Philomena nicht glauben! Und dank ihrer guten Beobachtungsgabe bzw. ihrem Talent zum Lauschen hat sie auch schon eine Idee, wie sie Sidonies Unschuld beweisen könnte.
In der Folge entspinnt (entschuldigt den Kalauer) sich eine äusserst spannende und rasante Ermittlung, bei der Philomena selber in grosse Gefahr, ja sogar in Lebensgefahr gerät! Zum Glück stehen ihr der geliebte Riesenschnauzer Kaiser Franz und die ganze Alsergrundbande tatkräftig zur Seite. Aber ob das ausreicht, um diesen Fall zu lösen und was es mit der Perlenspinne auf sich hat? Das müsst ihr in "Frag Philomena Freud. Die Perlenspinne" selber herausfinden!
Historischer Krimi Wiener Schmäh, Zeit- und Lokalkolorit
Annette Roeder leitet jedes Kapitel mit einer kleinen Inhaltsbeschreibung ein (siehe Foto), was einen gewissen Charme hat und immer neugierig aufs neue Kapitel macht. Gepaart mit dem Sog der Geschichte lässt einen das Buch gar nicht mehr los. Hier wird es nie langweilig, in jedem Kapitel lernt man neue Menschen, Tiere oder einen neuen Teil von Philomenas Umgebung kennen und der Fall entwickelt sich weiter.
Besonders gefallen hat mir auch, dass Annette Roeder den Kriminalroman für Early Teens und Jugendliche auch sprachlich an den Beginn des 20. Jahrhunderts und nach Wien versetzt. Das ist nicht nur authentisch, sondern lässt die Leser*innen auch richtig in Philomenas Welt eintauchen und traut ihnen etwas zu. Einige Fachbegriffe werden direkt im Buch erklärt, typisch Wienerische Begriffe und Ausdrücke hinten in einem Glossar erklärt. Viele habe ich selber noch nie gehört - etwa Grosskopferte oder Karfiol. Andere haben sich wohl in die Gegenwart gerettet wie "Bist deppert!" und sind entsprechend geläufiger. Ebenfalls überzeugend ist die Wortwahl aus der Perspektive von 1922. So spricht sie korrekt vom "Grossen Krieg" und nicht vom "Ersten Weltkrieg", der ja damals noch nicht der erste von bisher zwei Weltkriegen war.

Armut, Freiheit und starke weibliche Figuren
Ich bin ein grosser Fan von Philomena als Hauptprotagonistin, die vielleicht arm ist und sicher nicht lange die Schule besuchen konnte. Aber sie ist schlau und hat auch jede Chance genutzt, um an Bildung zu kommen. Und sie hat lauter sympathische Menschen um sich. Diese treten nicht als noble Retter*innen auf, sondern führen eine Beziehung auf Augenhöhe mit Philomena. Diese ist denn auch äusserst selbstbewusst und legt wert auf ihre Freiheit und Selbstbestimmung.
Auch der Einblick in den Umgang mit Waisenkindern, Menschen aus tieferen Klassen weiblichen Verdächtigen und Frauen generell im 20. Jahrhundert ist für heutige Leser*innen sehr interessant und führt an verschiedene Machtstrukturen heran, die uns auch heute noch beschäftigen: Adultismus, Klassismus und das Patriarchat. Insofern wird der an sich schon spannende Plot auch noch um eine gesellschaftskritische Komponente ergänzt, was das Gesamtpaket abrundet.
Ich freue mich entsprechend schon riesig auf den zweiten Band. "Frag Philomena Freud. Die Goldkröte"* erscheint Ende Oktober 2026 bei Knesebeck
Fazit
"Frag Philomena Freud. Die Perlenspinne" von Annette Roeder ist ein grossartiger Reihenauftakt. Ich kann das Buch nur allen jungen Leser*innen empfehlen, die gerne Krimis, Historisches und starke weibliche Ermittlerinnen mögen. Das Buch eignet sich mit der Goldfolie auf dem Cover, dem knalligen Farbschnitt und dem wundervollen Vorsatzpapier mit Illustrationen von Julia Plath auch wunderbar als Geschenk.
Die Fakten
Annette Roeder (Text)
Julia Plath (Illustration)
Knesebeck
272 Seiten
Erschienen am 21.08.2025
Hardcover mit Farbschnitt
Ab 12 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar.
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