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Sicheres Haus

  • vor 2 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

(Werbung) "Sicheres Haus" von Marina Vujčić, ein Roman über eine toxische Beziehung, die für den Gewalttäter mit dem Tod und für die Frau mit dem Gefängnis endet, ist eine schwer erträgliche und doch so lohnende Lektüre.


Sicheres Haus - Marina Vujčić (Residenz Verlag 2026)


Eliane mit 4 Indiebooks, auf die sich freut

Zum Indiebookday am 14. März 2026 habe ich euch auf Instagram vier Bücher aus unabhängigen Verlagen vorgestellt, auf die ich besonders neugierig war und bin. Mit "Sicheres Haus" von Marina Vujčić möchte ich euch heute den ersten Roman aus dem österreichischen Residenz Verlag vorstellen. Schaut unbedingt mal beim Verlag vorbei. Das Frühjahrsprogramm hat noch mehr zu bieten! Hier wartet zum Beispiel auch noch "Der Jude der Kaiserin" von Vladimir Vertlib*. Mein Mann bezeichnet es jetzt schon als sein Jahreshighlight!


Aber zurück zu "Sicheres Haus"* von Marina Vujčić. Ich bin noch unsicher, ob ich es zum jetzigen Zeitpunkt schon als Jahreshighlight bezeichnen kann. Aber es hat auf jeden Fall gute Chancen, auch am Ende des Lesejahrs ganz oben zu stehen. Und es ist auf jeden Fall das Buch, das mich bisher am meisten mitgenommen hat. Die Lektüre ist wirklich schwer zu ertragen - und das ist eine Auszeichnung. Sie nimmt einen emotional stark mit, löst manchmal richtiggehend eine körperliche Abwehr aus. An dieser Stelle sei deshalb eine Content Warnung ausgesprochen, v.a. für selbst von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffene Personen.


Lada Lončar sitzt im Gefängnis. Sie hat ihren Ehemann getötet. Neun Jahre muss sie hinter Gittern verbringen, weil sie gemäss Justiz in "übertriebener" Notwehr ihren Mann nach jahrelanger häuslicher Gewalt erstochen hat. Neun Jahre, in denen ihre vierjährige Tochter Melitta ohne sie aufwächst. Neun Jahre, in denen sie ihr Zimmer mit fünf weiteren Verbrecherinnen teilt.


Die erste Besonderheit von Marina Vujčićs Roman ist die Erzählweise: Lada stellt sich eine Art aussenstehende Erzählerin vor, die alles mitgekriegt hat und nun mit ihr selbst in Du-Form spricht. So entsteht eine Art innerer Monolog, der aber von einer äusseren Erzählinstanz geführt wird.


"Du wendest dich an sie, an die Frau, die ihren Ehemann getötet hat, so als wäre die Rede nicht von dir – denn für dich selbst hast du weder Gnade noch Mut übrig. Du kannst dich selbst nur noch von aussen begreifen."/ S. 16

Die Erzählerin rollt die gesamte Geschichte, die als grosse Liebesgeschichte begann und im grössten vorstellbaren Horror endete, nach. Gleichzeitig erfahren wir auch etwas über das Gefängnisleben und wie es Lada in diesem "Sicheren Haus" ergeht. Ergänzt wird der Monolog (oder Dialog mit sich selber) um Stellen, in denen sich Lada in ihrem Notizbuch direkt an ihren toten Mann richtet, wobei sie ihn nie beim Namen nennt.


Marina Vujčić erzählt äusserst nachvollziehbar von einer Beziehung, die mit der angeblich "grossen Liebe" beginnt und schnell von Kontrolle, Manipulation und Macht durch den Ehemann dominiert wird. Wir begleiten Lada bei ihrer inneren Auseinandersetzung mit sich selbst: Wann hätte sie merken sollen, dass am Umgang ihres Mannes mit ihr etwas nicht stimmt? Wann hätte sie ihre eigenen Handlungen, um ihm zu "gefallen", hinterfragen müssen? Woher kam überhaupt ihre Unterwürfigkeit? Wann und wie hätte sie noch aussteigen können? Was, wenn ihr jemand wirklich geholfen hätte - ihre Eltern, ihre beste Freundin, ihre Schwester, die Ex-Freundin ihres Ehemanns?


"In eurem Fall war die Liebe nicht eine triviale Trope aus einem Schundroman, sie war dermassen erhaben und vielschichtig und kompliziert und anspruchsvoll und verrückt und ausserordentlich, dass sie nun einmal auch eine dunkle Seite haben musste,..."/ S. 92


Gewalt an Frauen im Patriarchat

Im Verlauf des Buches werden die psychologischen Tricks, die Manipulation, bewusste Lügen und unzählige Formen der Kontrolle durch den Ehemann offengelegt. Und so wird auch die unendliche Verzweiflung und Aussichtslosigkeit des Opfers deutlich. Klar, will man sie ständig schütteln und sagen: Lauf, lauf, so lange du kannst! Aber gleichzeitig versteht man so gut, weshalb das eben viel einfacher gesagt als getan ist.


"Menschen, die leben, als gäbe es kein Morgen, aber nicht aus romantischen Gründen, sondern weil für sie das Morgen tatsächlich nicht existiert, weil dieses Morgen, wenn sie es überhaupt erleben, kein Morgen ist, wie es sich irgendjemand wünschen würde." / S. 143

Es ist unglaublich spannend, wie Marina Vujčić das Beziehungsgeflecht der beiden offenlegt, ohne je in eine einfache Täter-Opfer-Dichotomie zu verfallen. Aber auch ohne, Victim Blaming zu betreiben. Geschickt baut sie auch das patriarchal geprägte Umfeld von Lada bzw. die Gesellschaft im Allgemeinen mit ein. Sie zeigt, wie die patriarchalen Mechanismen - von Zweifel an den Aussagen des Opfers bis hin zu fehlenden Plätzen in Frauenhäusern - im Zusammenspiel mit den Taten des Ehemanns zur finalen Eskalation führten.


"Scham. Schande und Scham, das ist am schwersten zu ertragen. Es war leichter, eine Verbrecherin und Mörderin zu sein, als eine Frau, die sich für alles schämte, was sie dorthin gebracht hatte." / S. 106f

Die kroatische Autorin nutzt sehr starke Bilder wie von der Gewalt, die sich anfangs unbemerkt einschleicht, wie ein metastasierender Krebs oder vom häuslichen Frieden, der erst mit dem Tod des Mannes eintrat. Die Übersetzerin Mascha Dabić hat den Roman sehr überzeugend ins Deutsche übertragen. Da gibt es keine Stolperer und keine schiefen Bilder.


Zugang zur Leseprobe von "Sicheres Haus" von Marina Vujčić bei book2look

Das titelgebende "Sichere Haus" lässt sich auf verschiedene Arten interpretieren, was mir sehr gut gefallen hat. Ich überlasse es aber euch, die verschiedenen Deutungen mit der Lektüre selber zu entdecken.


Seid ihr jetzt neugierig auf den Roman? Dann werft unbedingt einen Blick in die Leseprobe von Book 2 Look*. Mich hat der Anfang sofort gefesselt und ich musste einfach weiterlesen.


Fazit

Ich kann euch "Sicheres Haus" von Marina Vujčić nur aus vollstem Herzen empfehlen. Besonders, wenn ihr euch auch sonst mit Feminismus und sexualisierter Gewalt auseinandersetzt. Aber natürlich auch oder erst recht, wenn das bisher nicht der Fall ist. Der Roman ist wirklich augenöffnend!



Die Fakten

Cover "Sicheres Haus" von Marina Vujčić (Residenz Verlag 2026)

Marina Vujčić

Mascha Dabić (Übersetzung aus dem Kroatischen)

Residenz Verlag

280 Seiten

Erschienen am 09.03.2026

Hardcover

ISBN: 978-3-7017-1820-7





PS: Herzlichen Dank an den Residenz Verlag für das Rezensionsexemplar.



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