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  • Überwintern im Krieg

    "Winterbienen" von Norbert Scheuer ist ein Buch gegen das Vergessen. Ob es mich über die Thematik hinaus überzeugt hat, erfahrt ihr in diesem Artikel. "Winterbienen" erzählt die Geschichte von Egidius Arimond, der 1944 und 1945 nicht nur in seinem Haus in der Eifel ausharrt, sondern jüdische Flüchtlinge über die Grenze nach Belgien bringt. Er leidet unter Epilepsie, weshalb er nicht wehrtauglich ist und nicht eingezogen wurde. Da ihm immer wieder die Medikamente auszugehen drohen, häufen sich die Anfälle. Eine prekäre Situation, weil Menschen wie er im Nazi-Regime nahezu ausgemerzt wurden und ihm dasselbe Schicksal droht, wenn seine Erkrankung den falschen Leuten bekannt wird. Die Bienen sind Arimonds Beschäftigung, Einnahmequelle und schliesslich auch Fluchthelferinnen. Denn er versteckt die jüdischen Flüchtlinge in Bienenstöcken, die er extra dafür präpariert hat. An die Flüchtlinge heftet Arimond Königinnen, so dass die Arbeiterbienen die Menschen komplett einhüllen und diese so sogar bei einer Kontrolle vor den Augen der Nazis verbergen. Die Ausgangslage ist also äusserst spannend! Zudem erfahren wir aus dem Nachwort, dass es Egidius Arimond wirklich gegeben hat und dass Scheuer in den Besitz von dessen Notizen gelangt ist, die die Zeit in alten Bienenstöcken überdauert haben. Folgerichtig erzählt Scheuer die Geschichte in Form von Tagebucheinträgen, was uns sehr nah an Egidius Arimond heran- und mitten in den Krieg hineinführt. Auch das verspricht eigentlich ein an Authentizität und Intensität kaum zu übertreffendes Leseerlebnis. Kalt, unnahbar, langatmig Was wir dann aber lesen, ist leider über weite Strecken etwas ganz anderes: Es ist mir ein Rätsel, wie einem der tagebuchschreibende Arimond so fremd bleiben kann. Wie er so kalt und trocken von seinen doch sehr dramatischen Erlebnissen erzählt. Wie er kaum je auf seine Gefühle zu sprechen kommt. Wie er ganz abgebrüht die Kriegsabwesenheit der Männer ausnutzt, um mit deren Frauen ins Bett zu gehen. "Ich kann nichts anderes tun, als die jetzige Welt mir so tief einzuprägen, dass ihr wirkliches Wesen und das mögliche Glück darin für mich sichtbar werden. Ich frage mich, was genau die Bienen von ihrer Welt erzählen, wenn sie in der Dunkelheit des Stockes auf ihren Waben tanzen." (S. 103) Es ist ja möglich, dass die gefundenen Tagebucheinträge genauso unnahbar waren. Das Buch wird aber als Roman angepriesen und da würde ich erwarten, dass Norbert Scheuer durch seine fiktionalen Ergänzungen mehr Leben in das Buch bringt. Dass er uns das Handeln von Arimond ansatzweise verständlich oder durch die Wiedergabe einer innerlichen Zerrissenheit zumindest nachvollziehbar macht. Das tut er aber leider nicht oder es kam jedenfalls nicht so bei mir an. Auch nicht besser machen es die eingeflochtenen Fragmente von Ambrosius Arimond, einem Vorfahren von Egidius, der im Mittelalter scheinbar eine bestimmte Bienensorte über die Alpen nach Deutschland gebracht hat und dessen Aufzeichnungen Egidius nun aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Sie tragen nichts zur Handlung bei und bringen auch sonst keine Erhellung über die Herkunft der Bienen hinaus. Auch die Abbildungen von Bombern vermitteln keine Empathie für den vorliegenden Stoff bzw. die zugrundeliegende wahre Geschichte. Bienen wären mir lieber gewesen. Die Ausführungen über die Imkerei und das Leben der Bienen ist hingegen sehr interessant und es drängen sich an einigen Stellen Parallelen zum Kriegsgeschehen bzw. zum menschlichen Verhalten auf. Weshalb "Winterbienen" sogar auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 stand, ist mir schleierhaft. Es ist nicht so, dass das Buch überhaupt nicht lesenswert wäre. Der Inhalt bleibt ja an sich spannend, aber man braucht schon einiges an Ausdauer und muss sich mit einem unnahbaren, unsympathischen Protagonisten anfreunden können, um es zu lesen. Fazit Der für den deutschen Buchpreis nominierte Roman "Winterbienen" von Norbert Scheuer bringt eine äusserst vielversprechende Geschichte auf leider ziemlich distanzierte, trockene Art herüber. Es hätte ein grossartiges Buch gegen das Vergessen sein können, hat mich aber leider nicht erreicht. Ich kann es daher nur Leuten empfehlen, die alles über den Zweiten Weltkrieg lesen oder sich sehr für die Imkerei interessieren. Allen anderen lege ich zum Beispiel "Die Nacht von Lissabon" von Erich Maria Remarque oder "Dem Paradies so fern" von Sophia Mott ans Herz. Die Fakten Winterbienen Norbert Scheuer C.H. Beck 319 Seiten Erschienen am 18.07.2019 ISBN: 978-3-406-73963-7 Leseprobe und Bestellung bei C.H. Beck Like it? Pin it! Magst du diese Buchbesprechung? Dann freue ich mich, wenn du sie dir auf Pinterest merkst.

  • Selbstbestimmt und doch zusammen

    Mit "Ein Leben mehr" entführt uns Jocelyne Saucier in die Wälder Kanadas und erzählt davon, wie in der Einsamkeit zusammenfindet, was zusammengehört. Das Glück liegt in der Einsamkeit Der Roman beginnt damit, dass eine Fotografin auf der Suche nach Überlebenden der Grossen Brände im Norden Ontarios (anfangs 1900) viele Jahrzehnte später in die gut versteckte Einsiedelei von Tom, Charlie und Ted findet. Und genau diesen Ted oder Edward oder Ed (oder wie auch immer der Vorname lautet) Boychuck sucht die Fotografin für ihr Projekt. "Selbst wer ihn nicht gekannt hatte und ihm nie begegnet war, erzählte von ihm. Ed, Ted oder Edward Boychuck - beim Vornamen war man sich nicht einig - ist das grosse Rätsel des Brandes von Matheson. Der Junge, der durch die rauchenden Trümmer irrte, so nannten ihn die meisten." (S. 73) Genau dieser Ted - nennen wir ihn der Einfachheit halber so - ist aber vor Kurzem verstorben. Die beiden anderen Männer sind alles andere als begeistert vom Auftauchen der Fotografin und wimmeln sie vorerst ab. "Man ist frei, meine Schöne, wenn man sich aussuchen kann, wie man lebt." "Und wie man stirbt", ergänzte Charlie. Die beiden brachen in schallendes Gelächter aus. (S. 25) Charlie und Tom (und auch Ted) haben aus unterschiedlichen Gründen im Wald ihre Freiheit gesucht und gefunden. Sie haben sich neue Identitäten zugelegt und leben seither fernab der Zivilisation und von den Behörden unbehelligt in einfachen Hütten auf einer Lichtung. Versorgt werden sie von Bruno und Steve, die - mit illegalen Mitteln - dafür sorgen, dass das Geld nicht ausgeht, und die unliebsame Besucher*innen abwimmeln. Das Blatt wendet sich Die Fotografin kehrt jedoch zurück. Und eine weitere Frau stösst zu den Einsiedlern: Brunos 82-jährige Tante Gertrude, später Marie-Desneige genannt. Sie wurde vor über 60 Jahren von ihrem Vater in die Psychiatrie gesteckt, kam da nie mehr heraus und wurde von der Familie totgeschwiegen, bis nun ihr Neffe von ihr erfährt und beherzt eingreift. "Die alte Dame mit dem luftigen Haar und den Fingern wie Spitzendecken wirkte zerbrechlich wie ein Vögelchen. Er [Charlie] hatte das Gefühl, er müsse nur einmal fest pusten und das Vögelchen würde von seinem Holzklotz fallen. Dieser Gedanke erschreckte ihn. Er wollte das Vögelchen nicht umpusten, er wollte es lieber vorsichtig zurück in sein Nest setzen. Dieser Gedanke erschreckte ihn noch mehr." (S. 91) Wie das obige Zitat schon erahnen lässt, verändert sich die kleine Gemeinschaft mit den beiden weiblichen Mitgliedern grundlegend. Die beiden Frauen befördern überdies ein Geheimnis von Ted ans Licht und spüren so dessen Vergangenheit auf. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung beim Lesen erhalten bleibt. Interessante Erzähltechnik Die frankokanadische Schriftstellerin Jocelyne Saucier hat ihren Roman spannend aufgebaut. Zuerst erfahren wir aus wechselnden Ich-Perspektiven von der Fotografin, von Bruno und Steve, wie sich die Einsiedelei und ihre Neukonstellation mit den beiden Frauen ergeben haben. Durchsetzt sind die Erzählstränge mit kurzen Einschüben eines auktorialen Erzählers. Zu Beginn fand ich das etwas merkwürdig, besonders da es sich inhaltlich wiederholt. Aber der ironische Stil dieser Einschübe gefiel mir und die Autorin schafft es damit, eine besondere Spannung aufzubauen. Die verschiedenen Erzählungen aus der Ich-Perspektive lassen Stück für Stück ein Bild der Situation entstehen und gehören für mich zum Stärksten des Buches. Im Folgenden wird dann nur noch von aussen erzählt, womit auch wir etwas distanzierter auf das Geschehen blicken. Teils finde ich das schade und unnötig, weil es auch die Akteur*innen selbst hätten erzählen können. Teils macht es aber durchaus Sinn, weil die Protagonist*innen nicht alles wissen können, was für die Geschichte relevant und besonders für den Clou am Ende essentiell ist. Insgesamt mag ich, wie Jocelyne Saucier die Geschichte erzählt, wie wir die verschrobenen alten Herren, ihre Gehilfen, die Fotografin und die alte Dame kennenlernen, wie wir uns dabei Gedanken darüber machen, was im Leben (insbesondere im Alter) und beim Sterben wichtig ist. Saucier zeichnet die Charaktere sehr lebhaft, ironisch und doch einfühlsam. Zusammen mit der spannenden Geschichte mit dramatischen, traurigen und herzergreifenden Szenen und einem Clou am Ende ergibt sich ein sehr lesenswerter Roman, den ich in der Art noch nie gelesen habe. Zwei ganz kleine Kritiken habe ich anzubringen: An mindestens zwei Stellen taucht im selben Abschnitt zweimal derselbe Wortlaut auf (z.B. einmal als Hauptsatz und kurz darauf als Nebensatz). Ein oder zwei Äusserungen fand ich klar frauenfeindlich. Und das ohne Not, denn sie wurden nicht etwa von frauenfeindlichen Personen geäussert, sondern von der Erzählstimme (also schlussendlich von einer Frau). Möglich, dass diese Fauxpas nicht der Autorin, sondern der Übersetzerin anzulasten sind. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich die Passagen nicht mit dem Original verglichen habe. Fazit Jocelyne Saucier hat mit "Ein Leben mehr" einen einfühlsamen, teils tragischen, aber auch witzigen Roman darüber geschrieben, was ein selbstbestimmtes Leben (und Sterben) ausmacht und wie unterschiedlich verschiedene Menschen damit umgehen. Es ist eine Hommage an die Gemeinschaft, an den Zusammenhalte, an die Hilfsbereitschaft und die Liebe in jedem Alter. Ich kann den Roman sowohl notorischen Einzelgänger*innen als auch überzeugten Familienmenschen sehr empfehlen! PS: Das Buch wurde 2019 unter dem Titel "Il pleuvait des oiseaux" verfilmt. Die Fakten Ein Leben mehr Jocelyne Saucier Sonja Finck (Übersetzung aus dem Französischen) Insel Verlag 192 Seiten Erschienen 2015 (als Hardcover) ISBN: 978-3-458-36189-3 (Taschenbuch) Leseprobe und mehr beim Insel Verlag (Suhrkamp) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du den Pin dazu auf Pinterest teilst. Natürlich kannst du auch sonst in den Social Media oder im realen Leben drüber sprechen!

  • Ein bisschen Wahnsinn muss sein

    Weshalb ich diese Buchbesprechung fast nicht schreiben konnte und wieso ein bisschen Wahnsinn vielleicht ganz gut tut, erfahrt ihr in diesem Beitrag über "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" von Dita Zipfel, mit Illustrationen von Rán Flygenring. Eins vorneweg: Das Buch ist irrsinnig gut! Okay, sorry, das Wortspiel musste sein. Denn es ist auch nichts als die Wahrheit. Wobei man sich nach der Lektüre von "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" wohl öfter überlegt, was nun wahr ist und was nicht. Aber beginnen wir mal bei der Geschichte. Vom Hundesitter zur Kochbuchautorin Lucie Schmurrer braucht unbedingt einen Job, einen der so richtig die Kasse klingeln lässt. Sie möchte nämlich mit ihren 13 Jahren schon von zuhause ausziehen und bei Bernie (Bernardine, Ex-Freundin von Lucies Mutter) in Berlin einziehen. Grund dafür ist "der Michi", der nervige Freund ihrer Mutter, der gerne Walgesang lauscht, seine Mitmenschen ungefragt mit Liebe, Achtsamkeit und Empathie überschüttet und mit gut gemeinten, aber schlechten Sprüchen beglückt. Da scheint Lucie mit dem sehr gut bezahlten Hundesitter-Job bei Herrn Klinge den Jackpot geknackt zu haben (mit Schweigegeld bringt der 22 Euro pro Stunde). Es stellt sich allerdings heraus, dass der Hund nicht mehr lebt und Herr Klinge - der Typ "Adventurer" mit Multifunktionskleidung in Grün und 1'000 Taschen - ist... naja, sagen wir es so: Er ist etwas seltsam. Er ist zwar uralt (Dita Zipfel meint, so 186 Jahre), aber seine Reaktionen sind fast schneller als das Licht und er leidet unter dezentem Verfolgungswahn. Trotz anfänglicher Bedenken stellt er Lucie, die er nur "Mädchen" nennt, ein. Statt Hundesitterin ist sie nun seine persönliche Sekretärin und soll seine mehr als komischen Rezepte für einen Liebestrank aus Drachenherzen (Tomaten) und Feenzähnen (Mais) oder Ghulacamole zu einem Kochbuch verdichten. Oh, Entschuldigung, es ist natürlich viel mehr als das. Herr Klinge nennt es: "den Schlüssel für das Tor zur Torheit, den Dietrich zu dem Buch mit den sieben Siegeln! ... ein Manifest der Möglichkeiten!". (S. 23) Wie auch immer. Lucie ist zwar äusserst skeptisch, ob es die Fabelwesen, die sich Herr Klinge so lebhaft vorstellt, gibt und ob sich die Schlinge (welche Schlinge das auch immer sein soll) tatsächlich zuzieht, aber den Liebestrank könnte man ja trotzdem mal ausprobieren. Zum Beispiel an Marvin. Lucie findet Marvin jetzt nicht wirklich gut, aber er gilt halt als coolster Junge der Schule, deshalb wählt sie ihn zum Zielobjekt. Die Sache läuft dezent aus dem Ruder, aber zum Glück gibt es noch Leo. Er versteht ganz schön viel vom Wahnsinn. Mehr will ich hier nicht verraten. Das müsst ihr selbst herausfinden. "Ich mache mit, egal ob er verrückt ist oder nicht. Was er höchstwahrscheinlich ist. Aber auch für Verrückte ist es schön, wenn irgendeiner einfach mitmacht." (S. 75) Vom Erwachsenwerden, von Familienproblemen und vom Wahnsinn Lucie steckt mitten zwischen Kindheit und Erwachsensein. Sie sucht ihren Platz in der Familie, im Freundeskreis (den sie nicht wirklich hat) und muss sich auch noch mit den Veränderungen auseinandersetzen, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt. Stichwort Achselhaare! Gleichzeitig macht sie sich auch noch Gedanken über Herrn Klinge und ob seine Art der Weltsicht nun total wahnsinnig ist oder vielleicht doch ihre Berechtigung hat - zumindest ein ganz kleines Bisschen? "Als Erwachsener kann man Regeln einfach erfinden und verbiegen, Ausnahmen bestimmen und Widersprüche ignorieren. Ergebnis meiner Studien. Beweissubjekte: der Michi, die Haarklammerfrau, Klinge." (S. 65) Lucie ist richtig cool, gewinnt jede Menge schlaue Erkenntnisse, hält den Finger auf Ungerechtigkeiten (wieso sind eigentlich Rasierer für Frauen teurer als die für Männer?!), fühlt sich in ganz unterschiedliche Menschen ein (bei "der Michi" ist das echt schwierig!). Und an all dem lässt uns Autorin Dita Zipfel gewissermassen live und in Farbe teilhaben, einerseits durch den inneren Monolog der Ich-Erzählerin Lucie und andererseits durch die Illustrationen von Rán Flygenring. Die Illustrationen fügen sich wunderbar in den Text ein. Sie bebildern nicht einfach, was wir eh lesen, sondern sind Teil der Erzählung, bringen weitere Details ins Spiel, verdeutlichen Lucies Überlegungen, sind Listen, Skizzen, kleine Exkurse (z.B. über die verzwickte Sache mit der Vulva). Und genau da liegt das Problem. Nicht mit dem Buch, sondern mit der Besprechung hier. Kaum schlage ich eine Seite auf, lese und schaue ich mich auch schon wieder fest und möchte am liebsten gleich das ganze Buch nochmals lesen und nochmal Neues entdecken, Bekanntes nochmal anders lesen und mich einmal mehr weglachen. Ich hoffe sehr, dass der Wahnsinn bald weitergeht! Dita Zipfel schreibt richtig witzig, mit 1'000 lustigen Ideen und klugen Gedanken. Durch die Ich-Perspektive von Lucie sind wir richtig nah dran. Es hat einige Sprünge drin, Dinge, die nicht ganz auserzählt sind. So ist das Buch auch nicht leicht zu lesen und die Altersempfehlung ist mit 12 Jahren bestimmt gut gewählt. Fazit Mit Lucie hat Dita Zipfel in "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" eine richtig coole Protagonistin geschaffen, die sich mit viel Verständnis, schlauen Gedanken und noch mehr Witz durch das schwierige Leben einer 13-jährigen Jugendlichen schlägt und uns nebenbei ganz schön viel beibringt über Wahnsinn, Mitgefühl, Familienleben, Freundschaft und einiges mehr! Der Jugendroman ist obendrein fantastisch illustriert von Rán Flygenring. Er sollte unter keinem Weihnachtsbaum fehlen. Oder wenn es dafür zu spät ist, verschiebt einfach Weihnachten oder setzt die Geldgeschenke von Omas und Onkels schlau ein! Die Fakten Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte Dita Zipfel (Text) Rán Flygenring (Illustration) Hanser Verlag 208 Seiten Erschienen am 19.08.2019 ISBN: 978-3-446-26444-1 Ab 12 Jahren Website von Dita Zipfel Website von Rán Flygenring Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann verbreite ihn doch in der digitalen Welt! Zum Beispiel mit diesem Pin. Herzlichen Dank!

  • Etwas Lyrik fürs Fest

    Seid ihr nicht so die grossen Sängerinnen oder Flötenspieler oder könnt, was man sonst so tut vorm Weihnachtsbaum? Dann versucht es doch wie wir mal mit "vier kerzen drei könige zwei augen ein stern" von Arne Rautenberg und Katrin Stangl! "vier kerzen drei könige zwei augen ein stern" ist ein feines Büchlein mit 24 Weihnachtsgedichten. Jetzt nicht so lahmes Zeug, sondern echt coole Gedichte. Mal gereimt, mal nicht. Mal kurz, mal lang. Mal witzig, mal besinnlich, mal laut, mal leise, mal böse, mal einfach schön. Aber immer ohne Punkt und Komma und in Kleinbuchstaben. Alles dabei, was das Weihnachtsfest braucht Da wird dem "kleinen bruder helfend über die schulter" geschaut. Für Marietta gibt's Lametta. Die Waldtiere schmücken den Baum - "mit hasenfell und gänsefeder". Natürlich gibt es auch Schnee. Und Leckereien - "aus schokolade"! Und auch die Weihnachtsgans darf nicht fehlen. Zum Glück landet sie nicht auf dem Tisch, sondern kriegt schnell einen Namen. In dem kleinen Bändchen trefft ihr auch Rentier Rudolf... und seinen Zwillingsbruder Ludolf! Und natürlich gibt es Geschenke, Kerzen, Christbaumkugeln. Und wem das alles nicht gefällt, der wünscht sich vielleicht statt Weihnachten "zweinachten"... "oder ganz laut schreinachten"! Jedenfalls sind die Gedichte von Arne Rautenberg alle toll und von Katrin Stangl wunderbar mit Bildern in Blau, Weihnachtsrot, Schwarz und Weiss illustriert. Wenn ich mich für einen Favoriten entscheiden müsste, wäre es wohl "der weihnachtsfloh". Wer das ist und was er so treibt, müsst ihr selbst herausfinden! teddybär an eisenbahn: lass uns noch ne runde fahrn! eisenbahn an teddybär: ich kann nicht mehr du bist zu schwer! Arne Rautenberg Empfehlenswert ist das Buch ab etwa 5 Jahren und, wie der Peter Hammer Verlag selbst meint, für alle. Das kann ich nur bestätigen! Wenn die Kinder noch an den Weihnachtsmann glauben (sollen), würde ich eins der Gedichte auslassen. Ansonsten bereiten sie ganz bestimmt Klein und Gross im Advent, an Heiligabend und Weihnachten viel Freude. Fazit "vier kerzen drei könige zwei augen ein stern" mit Gedichten von Arne Rautenberg und Illustrationen von Katrin Stangl ist was für alle, die Weihnachten gerne mögen und finden, die besinnliche Zeit kann auch etwas Humor vertragen. Neben guter Unterhaltung, Wortwitz und schönen Bildern bietet das Bändchen auch eine gute Hinführung an die Welt der Lyrik. PS: Herzlichen Dank an den Peter Hammer Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Fakten vier kerzen drei könige zwei augen ein stern 24 Weihnachtsgedichte Arne Rautenberg (Text) Katrin Stangl (Illustration) Peter Hammer Verlag 32 Seiten Erschienen am 8. Juli 2019 ISBN: 978-3-7795-0620 Ab 5 Jahren Website von Katrin Stangl Website von Arne Rautenberg Like it? Pin it! Magst du Humor unterm Weihnachtsbaum? Dann freue ich mich sehr, wenn du die gute Laune auf Pinterest teilst!

  • Die Stimme der Frauen

    In "Wenn nicht ich, wer dann?" lässt Anna Russell Frauen zu Wort kommen. Sie hat rund 50 besondere Reden von 50 eindrücklichen Frauen ausgewählt. Ein Buch, das inspiriert und Mut macht, die Stimme zu erheben! Verschiedene Initiativen wie Frauen zählen #, #frauenlesen oder jüngst der #autorinnenschuber auf Instagram versuchen, schreibenden Frauen mehr Aufmerksamkeit zu verleihen. Ebenso tun dies Blogs wie Nacht und Tag oder Female Writers Club, der Podcast Frauen schreiben auch. Andere wie #dichterdran machen sich stark für eine gleichwertige Rezeption der männlichen und weiblichen Autor*innen. Denn es gibt sie ja, die schreibenden Frauen, sie werden nur nicht so oft besprochen, so intensiv beworben, so häufig verlegt, so wohlwollend beurteilt und entsprechend auch weniger gelesen. Anna Russell geht nun noch einen Schritt weiter und hat sich vorgenommen, eindrückliche, bewegende, wichtige Reden grosser Frauen bekannter zu machen. Und wie sie einleitend beschreibt, war das zunächst gar nicht so einfach, denn die gängigen Anthologien mit Reden versammeln vor allem eins: Reden von Männern. Also musste sie sich anderweitig auf die Suche machen und wurde fündig. Und zwar so, dass ihr die Auswahl am Ende schwer fiel. "Dass wir die Wahrheit aussprechen, wird einige Leute ärgern. Doch dann wird unser Sprechen es anderen Frauen erlauben, ebenfalls zu sprechen, bis Gesetze geändert und Leben gerettet werden und die Welt für immer eine andere ist." - Naomi Wolf, Autorin, 1992 (S. 105) Von der Suffragette bis zur youtube-Aktivistin Entstanden ist eine bunte Mischung von Reden "grosser Frauen". Anna Russell betont, dass es "keine Heldinnen und keine Heilige" seien, sondern echte Menschen - mit Fehlern, Widersprüchen und teilweise problematischen Ansichten. Sie hat deshalb Reden herausgegriffen, die eine politische oder geschichtliche Wirkung hatten - sei es nun offensichtlich in Form von Revolutionen oder eher still, indem sich langsam die Einstellungen der Zuhörer*innen veränderten. Zeitlich bewegen sich die Reden zwischen 1588 und 2018. Die älteren Reden sind stark angelsächsisch geprägt. Das ist wohl einerseits der Herkunft und Muttersprache Anna Russells geschuldet, andererseits aber auch der Stellung der Frauen in den jeweiligen Weltregionen und dem Fakt, ob Reden überhaupt schriftlich festgehalten wurden oder nicht. Je näher wir an die Gegenwart rücken, umso vielfältiger werden die Herkunft der Rednerinnen und die Inhalte der Reden. So lauschen wir den Worten von Sklavereigegnerin Maria Stewart, von Frauenrechtsaktivistin Sojourner Truth oder von Suffragetten wie Mary Church Terrell und Nellie McClung. Wir lesen, was so unterschiedliche Nobelpreisträgerinnen wie Marie Curie (Nobelpreis für Physik und Chemie), Malala Yousafzai (Friedensnobelpreis) oder Ellen Johnson Sirleaf (Friedensnobelpreis) zu sagen hatten. Wir kleben an den Lippen von Staatsfrauen wie Königin Elizabeth I., Simone Veil (Gesundheitsministerin von Frankreich, 1974-79), Margaret Thatcher, Indira Ghandi und Angela Merkel. Die Rede von Letzterer sollte Herr Trump einmal lesen! "Ich bin überzeugt: So wie wir im 20. Jahrhundert die Kraft hatten, eine Mauer aus Stacheldraht und Beton zu Fall zu bringen, so haben wir auch heute die Kraft, Mauern des 21. Jahrhunderts zu überwinden - Mauern in unseren Köpfen, Mauern eines kurzsichtigen Eigeninteresses, Mauern zwischen Gegenwart und Zukunft." - Angela Merkel, Bundeskanzlerin von Deutschland (seit 2005), S. 125 Wir erfahren, was uns Autorinnen wie Virginia Woolf, Toni Morrison oder J. K. Rowling jenseits ihrer Bücher mitzuteilen haben. Und wir bewundern die aufrüttelnden Worte von Aktivistinnen wie Severn Cullis-Suzuki für die Umwelt, von Emma Watson für Frauenrechte oder Manal al-Sharif für dasselbe in Saudi-Arabien. "..., es geht darum, am Lenkrad unseres eigenen Schicksals zu sitzen und dass wir nicht nur die Freiheit haben zu träumen, sondern die Freiheit zu leben." - Manal al-Sharif, Frauenrechtsaktivistin aus Saudi-Arabien, 2012 (S. 135) Von einigen Rednerinnen finden sich die Statements natürlich auch auf youtube. Hier zwei Beispiele, die mich im Buch besonders beeindruckt haben: Asmaa Mahfouz, politische Aktivistin, deren Video-Blog half, die ägyptische Revolution zu entfachen. Severn Cullis-Suzuki, Umweltaktivistin, die mit nur 12 Jahren an der Konferenz der UNO über Umwelt und Entwicklung sprach. Sie war gewissermassen die Greta Thunberg der 1990er-Jahre. Die Parallelitäten sind verblüffend! Da die Reden auf jeweils zwei bis vier Seiten Platz finden müssen, sind sie teilweise nur gekürzt abgedruckt. Aber das Tolle ist, dass der Sieveking Verlag viele der Reden in ihrer vollen Länge auf einer Website präsentiert, so dass Interessierte den vollständigen Wortlaut nachlesen können. Ebenso hilfreich sind jeweils die einleitenden Worte von Anna Russell, die kurz den Werdegang der Persönlichkeit und die Umstände der Rede erklären. "Woran liegt es, dass Länder, die wir "stark" nennen, so erfolgreich darin sind, Kriege anzufangen, aber so schwach darin sind, Frieden zu schaffen? Warum ist es so einfach, Gewehre zu verteilen, aber so schwer, Bücher zu verteilen?" - Malala Yousafzai, Aktivistin für weibliche Bildung, 2014 (S. 142) Fazit In "Wenn nicht ich, wer dann?" hat Anna Russell 50 bewegende Reden von aussergewöhnlichen Frauen versammelt. Reden, die die Welt verändert haben. Reden, die neue Erkenntnisse verbreitet haben. Reden, die den Schwachen, den Benachteiligten, den Gefährdeten und Unterdrückten eine Stimme verliehen haben. Reden, deren Worte bis heute nachhallen. Mit den wunderbaren grafischen Illustrationen von Camila Pinheiro liegt ein Buch vor, das sich auch ideal als Geschenk eignet. Für alle, die sich inspirieren lassen möchten, die Mut schöpfen wollen oder die Motivation brauchen, eigene Wege zu gehen! PS: Die Postkarte im Titelbild dieses Artikels bekommt ihr bei tadah.ch. Diese stammt aus der Sammlung "Motivation", es gibt weitere zu den Themen "Gratulation", "Danke" und "Geburtstag". PPS: Herzlichen Dank an den Sieveking Verlag für das Rezensionsexemplar. Die Fakten Wenn nicht ich, wer dann? Grosse Reden grosser Frauen Anna Russell (Text) Camila Pinheiro (Illustrationen) T.J. Evans, S. Kleemann, S. Link, K. Lohmann, A. O'Brien, V. Siegemund, R. Unger (Übersetzung aus dem Englischen) Sieveking Verlag 176 Seiten Erschienen im September 2019 ISBN: 978-3-944874-87-6 Like it? Pin it! Dir gefällt mein Buchtipp? Dann ab damit auf dein Pinterest-Board! Auch sonst freue ich mich, wenn du die Inspiration teilst! Danke.

  • Spuren im Schnee

    (Werbung/Verlosung) Was wünscht sich wohl eine Maus, wenn sie eine Sternschnuppe entdeckt? Ihr erfahrt es im Bilderbuch "Eine Sternschnuppe im Schnee" von Yumi Shimokawara. Ich darf ein Exemplar an euch verlosen. Eine Sternschnuppe und ein Wunsch Es ist Winter. Überall liegt Schnee. Es ist wunderbar weiss. Eines Abends schaut die Maus in den Himmel und entdeckt eine Sternschnuppe. Sie wünscht sich, ihren Freund den Maulwurf bald wiederzusehen, denn sie vermisst ihn sehr. Und weil der Maulwurf ihr im Sommer erzählt hat, dass ein Wunsch in Erfüllung gehe, wenn man die Sternschnuppe finde, möchte sie den heruntergefallenen Stern unbedingt suchen. Die Spur im Schnee Und tatsächlich: Am nächsten Morgen sieht sie sonderbare Spuren im Schnee und beginnt ihnen zu folgen. Sie ist überzeugt, dass es sich um die Spuren der Sternschnuppe handelt. Nach und nach schliessen sich der Maus andere neugierige Tiere an. Zuerst das Eichhörnchen, dann ein Hase, ein Fuchs und ein Waschbär und einige mehr. Die anderen Tiere sind allerdings äusserst skeptisch und wollen nicht so recht an die Vermutung der Maus glauben. Doch diese lässt sich nicht beirren und geht weiter. Der Mut zahlt sich aus, denn am Ende der Spur findet die Maus tatsächlich etwas. Es ist zwar keine Sternschnuppe, aber dafür ihr Freund, der Maulwurf. Und wer weiss, wenn dieser Wunsch schon in Erfüllung gegangen ist, wieso dann nicht auch ein zweiter?! Von Wünschen und Freundschaft Die japanische Autorin und Illustratorin Yumi Shimokawara erzählt in ihrem Bilderbuch eine wunderschöne Geschichte von Wünschen und von Freundschaft. Die äusserst realistischen, detailreichen Illustrationen auf dem weissen, tief verschneiten Hintergrund sind so ausdrucksstark, dass wir uns den Tieren ganz nah und verbunden fühlen. Shimokawara transportiert die Gefühle der Tiere unglaublich stark: Wir sehen die Neugier in den Augen, die Unsicherheit, die Freude in ihrer Haltung, die Zuneigung. Fazit Yumi Shimokawara ist mit ihrem Bilderbuchdebüt das schönste Winterbuch der Saison gelungen! Mit naturalistischen Illustrationen und feinfühligem Text erzählt sie Kindern ab 3 Jahren eine Geschichte über Freundschaft und das Wünschen. Wenn wir das nächste Mal eine Sternschnuppe sehen, wünschen wir uns auf jeden Fall ganz fest etwas! Die Fakten Eine Sternschnuppe im Schnee Yumi Shimokawara (Text + Illustration) Gwendolin Peer (Übersetzung aus dem Japanischen) Atlantis Verlag 32 Seiten Erschienen am 20.09.2019 ISBN: 978-3-7152-0774-2 Ab 3 Jahren Verlosung auf Instagram Auf meinem Instagram-Account @mintundmalve verlose ich im Rahmen der Aktion #vorleseadvent von Steffie alias @kleinerleser ein Exemplar von "Eine Sternschnuppe im Schnee". Herzlichen Dank an Atlantis (ein Imprint von Orell Füssli Verlag) für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar! Die Teilnahmebedingungen entnehmt ihr dem Instagram-Post, der ab dem 13.12.2019 aufgeschaltet ist. Viel Glück! Eure Eliane PS: Wenn ihr über meine Verlosungen und neue Blogbeiträge auf dem Laufenden gehalten werden möchtet, abonniert gerne meinen kostenlosen Newsletter, der ungefähr einmal im Monat erscheint. Like it? Pin it! Magst du diesen winterlichen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du ihn dir auf Pinterest merkst. Oder wenn du in den Social Media darüber sprichst! Natürlich freue ich mich auch über einen Kommentar unterhalb dieses Beitrags.

  • Der blaue Engel

    In seinem Roman "Im Licht der Zeit" erzählt Edgar Rai die unglaubliche Geschichte eines der ersten grossen Tonfilme Deutschlands und damit vom grossen Durchbruch der Marlene Dietrich. Ein Buchtipp für das nächste verregnete Wochenende! Edgar Rai hat sich mit diesem Buch den Anfängen von Marlene Dietrich als Filmschauspielerin angenommen und damit auch dem Anfang des Tonfilms. Der Autor wirft zuerst einen Blick in Marlenes Leben während dem Ersten Weltkrieg. Schon zu der Zeit, als Jugendliche, war sie sehr selbstbewusst. Sie himmelte Henny Porten - die damalige Übermutter des deutschen Stummfilms - nicht nur an. Nein, beim ersten Zusammentreffen verführte sie sie regelrecht. Schon da war Marlene klar, dass sie nicht den gut bürgerlichen Weg einschlagen würde: "Frauen hatten sich aufzuopfern, für was auch immer, am besten für einen Mann. Das war nicht sie, würde es niemals sein. (...) Sicher konnten Entsagung und Hingabe einer Frau Erfüllung geben und sollten es vielleicht auch. Nicht aber ihr." (S. 25) Wäre es nach Marlenes Mutter gegangen, wäre sie Konzertgeigerin geworden. Aber ihre Tante Vally prophezeite schon damals, dass es Marlenes Beine noch weit bringen würden und so verwunderte es niemanden, als sie vorerst zum Revue-Girl wurde und mit einem Varieté durchs Land tourte. Marlenes Plan war es aber immer, Schauspielerin zu werden. Ihre ersten Ausflüge zum Film (Stummfilm) waren nicht gerade von Erfolg gekrönt. Von der Kritik wurde sie verrissen. Heimlicher Star des Romans ist, neben der damals noch relativ unbekannten Theaterschauspielerin, Karl Vollmöller, seines Zeichens "dramaturgischer Mitarbeiter" der Ufa (1917 gegründetes Filmunternehmen). Die Berufsbezeichnung verrät es schon: Den Beruf gab es eigentlich gar nicht. Die Stelle bei der Ufa scheint eigens für Karl Vollmöller geschaffen worden zu sein und er war der einzige, der diese auch ausfüllen konnte. Er war der Strippenzieher im Hintergrund, er hielt alle Fäden zusammen, spinnte gezielt Intrigen, schmiedete waghalsige Pläne und setzte sie mithilfe seiner einflussreichen Freunde und seines taktischen Geschicks in die Tat um. Im Mittelpunkt von "Im Licht der Zeit" steht Vollmöllers Plan, das Unmögliche möglich zu machen: Erstens von Schriftsteller Heinrich Mann die Rechte an "Professor Unrat" zu kaufen, zweitens die Ufa dafür zu gewinnen, den zweiten (und mit 2 Millionen Reichsmark unfassbar teuren) Tonfilm der deutschen Geschichte zu produzieren, drittens die bis aufs Blut verfeindeten Josef von Sternberg (Regisseur) und Emil Jannings (weltberühmter Stummfilmstar) für die Produktion zu engagieren, viertens eine geeignete Schauspielerin für die Rolle der Femme fatale Lola Lola zu besetzen. Die Rolle, die im Verlauf der Geschichte Marlene Dietrich zufallen sollte, einer bis dahin weitgehend unbekannten Schauspielerin. Zeitgeschichte und Filmgeschichte treffen aufeinander Im gesamten Roman bekommen wir durch Einschübe von Zeitungsartikeln zu Beginn jedes Kapitels einen Einblick ins Zeitgeschehen. So gelingt es Edgar Rai geschickt, Marlenes Leben, die Entwicklung des Filmgeschäfts und die Geschichte Deutschlands zu verweben - sei es nun mit Berichten über die erstarkenden Nationalsozialisten, die zunehmende Judenverfolgung oder Kritiken zu Film- und Theatervorstellungen. So verleiht Rai der ganzen Handlung am Ende der Goldenen Zwanziger eine gewisse Dringlichkeit. Das Damoklesschwert der nationalsozialistischen Machtübernahme und z.B. Goebbels' Einflussnahme als Reichspropagandaleiter auf das Filmgeschäft schwebten die ganze Zeit über dem Projekt "Der blaue Engel". Kam hinzu, dass der damalige Direktor der Ufa Alfred Hugenberg Nazi-Anhänger war und auf keinen Fall Wind davon bekommen durfte, was da wirklich gedreht wurde und v.a. wie freizügig und selbstbewusst Marlene alias Lola Lola in dem Film auftrat. Schliesslich waren zahlreiche Involvierte auch noch Juden und Jüdinnen, allen voran der Produzent Erich Pommer und der Komponist Friedrich Hollaender. Auch wenn wir nun den Ausgang der Geschichte schon kennen ("Der blaue Engel" wurde ja Tatsache und ein riesiger Erfolg), zieht uns Edgar Rai mitten hinein in die Irrungen und Wirrungen dieser Mammut-Produktion und der damaligen Herausforderungen - wider das Spiessbürgertum der Nazis, wider die Grenzen der Technik und der Geldreserven der Ufa, wider die Lobpreisungen des guten alten Stummfilms und wider die davonlaufende Zeit. Hinzu kamen die zwischenmenschlichen Stolpersteine, gegenseitige Empfindlichkeiten, private Verstrickungen, diverse Ausschweifungen und die an Wahnsinn grenzenden Wesenszüge gewisser Involvierter. Fazit Edgar Rai gelingt es in seinem Roman "Im Licht der Zeit" spannend, witzig und mitreissend von Marlene Dietrichs grossem Durchbruch im Filmgeschäft zu erzählen. Der Autor verbindet gekonnt die Geschichte vom "Blauen Engel" mit der Zeitgeschichte der Goldenen Zwanzigerjahre und des aufkeimenden Nationalsozialismus. So zeichnet er nicht nur ein spannendes Bild der menschlichen Beziehungen (und Dramen) und der Produktion eines der ersten Tonfilme aus deutscher Hand, sondern auch ein Abbild der damaligen gesellschaftlichen und politischen Konventionen und Umbrüche. Den 500-seitigen Schmöker kann ich nicht nur Filmfans empfehlen, sondern allen, die sich für eine durch und durch unkonventionelle Frau interessieren. PS: Herzlichen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Die Fakten Im Licht der Zeit Edgar Rai Piper Verlag 512 Seiten Erschienen am 05.08.2019 ISBN: 978-3-492-05886-5 Interview mit Edgar Rai und Leseprobe bei Piper Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir diesen Pin bei Pinterest merkst.

  • Fremd im eigenen Land

    "Persepolis" von Marjane Satrapi ist eine DER Graphic Novels. Weshalb sich die Lektüre der autobiografischen Geschichte über ein Mädchen aus dem Iran lohnt, erzähle ich euch in diesem Beitrag. Auf den Geschmack von Graphic Novels gebracht hat mich Trude von Literaturpower mit ihrem Gastbeitrag über diese unterschätzte Kunstgattung. In ihrem Artikel erwähnt sie auch Marjane Satrapis "Persepolis", das man getrost zu den Klassikern unter den Graphic Novels zählen kann. 2007 kam "Persepolis" unter Satrapis Regie als Animationsfilm in die Kinos, wurde mehrfach ausgezeichnet und löste in einigen arabischen Ländern gar politische Kontroversen und Proteste aus. Weshalb, erfahrt ihr, wenn ihr im Folgenden mehr über die Graphic Novel lest. Hier schon mal ein kleiner Einblick mit dem deutschen Film-Trailer: Eine Autobiografie in Bildern In "Persepolis" erzählt Marjane Satrapi ihre eigene Geschichte von ihrer Kindheit im Iran bis zur Emigration nach Frankreich. Die Geschichte setzt 1980 ein, als Marjane - kurz: Marji - 10 Jahre alt war und der Iran gerade die Islamische Revolution von 1979 erlebt hatte. Wir erfahren mit dem kindlichen Blick von Marjane, wie sich das Leben der modernen, weltoffenen Familie mit der Revolution veränderte, wie die anfängliche Euphorie über die Emigration des Schahs, der Enttäuschung wich, dass nun nicht alles besser, weltoffener, freier, frauenfreundlicher wurde. Im Gegenteil: Am Ende blieben Wut, Verzweiflung, heimliche Opposition und der Entschluss, die erst 14-jährige Tochter zu ihrem eigenen Schutz ins Exil nach Österreich zu schicken. Durch Satrapis Erzählung kriegen wir ein vielschichtiges Bild davon, wie es damals war, im Iran aufzuwachsen, wie weit das Bild der iranischen Gesellschaft in der Öffentlichkeit und das tatsächliche Leben hinter verschlossenen Türen (mit Musik, Alkohol und ohne Kopftuch) auseinander gingen. Wie die Revolution und der darauffolgende Krieg mit dem Irak die freundlichen Nachbarn plötzlich zu Gegnern (weil sie einem verraten könnten) machen konnten. Wie das Leben von Familienmitgliedern nicht nur bedroht, sondern tatsächlich dem totalitären Regime zum Opfer fallen konnte. Und wie unterschiedlich Personen auf die religiöse Tyrannei reagierten - von offener Opposition bis hin zur fanatischen Verteidigung. Befreiung in Wien Marjanes Zeit in Wien fiel genau mit der Zeit ihres Erwachsenwerdens zusammen und war so besonders spannend. Doch ihr Aufenthalt in der westlichen Welt wurde nicht einfach zu einem Befreiungsschlag - wie man sich das als Europäer*in - vorstellen könnte. Natürlich genoss sie in Österreich nie gekannte Freiheiten, aber sie machte auch die Erfahrung, wie schwierig es ist, sich hier zu integrieren, echte Freunde zu finden, sich ein neues Netz aufzubauen und so landete sie am Ende sogar auf der Strasse. Zurück in der Heimat Schliesslich kehrte sie in den Iran zurück, wo der letzte Teil der Gesamtausgabe spielt. Die alte Heimat war ihr nun aber wiederum fremd geworden und sie eckte mit ihrem westlichen Verhalten sowohl bei ihren Freund*innen als auch an der Universität und natürlich bei den Religionswächtern ziemlich an. In diesem Teil werden wir Zeuge ihres Kampfes zwischen Selbstbestimmung, der Suche nach der grossen Liebe, der beruflichen Orientierung und dem Zurechtfinden in einem totalitären Regime, das für Frauen nur einen Lebensentwurf vorsah: das Dienen als treue, religiöse, züchtige, unterwürfige Ehefrau und Mutter. Kein Wunder entschied sie sich abermals für die Emigration und verliess 1994 den Iran in Richtung Frankreich, wo sie heute noch lebt. Der Comic und der gleichnamige Animationsfilm stiessen bei der Iranischen Regierung verständlicherweise auf wenig Gegenliebe. Nicht nur wird Allah darin als alter Mann mit weissem Bart dargestellt, auch die Islamische Revolution kommt alles andere als gut weg. Reduzierte Bildsprache Wie ihr an den Fotos aus dem Buch und am Trailer zum Film sehen könnt, ist die Bildsprache von "Persepolis" ganz einfach. Satrapi verwendet nur Schwarz und Weiss, die Linien sind klar. Die schlichte Darstellung nimmt der Erzählung aber nichts von ihrer Intensität. Fazit "Persepolis" von Marjane Satrapi gehört nicht umsonst zu den Klassikern unter den Graphic Novels. Die autobiografische Geschichte ist zugleich eine Geschichte des Irans nach der Islamischen Revolution, die Geschichte des Erwachsenwerdens, die Geschichte einer Emigration und die Geschichte eines selbstbestimmten Lebens in einem totalitären System. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung! Die Fakten Persepolis Marjane Satrapi (Illustration + Text) Stephan Pörtner (Übersetzung aus dem Französischen) Edition Moderne 356 Seiten Erschienen im Oktober 2013 ISBN: 978-3-03731-117-2 Leseprobe und Bestellung bei Edition Moderne Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst.

  • Herrin der Zahlen und Lochkarten

    Augusta Ada Byron King, kennt ihr, oder? Die Erfinderin des Computers. Nicht?! Na, dann wird es höchste Zeit, sie mit Zoë Tuckers und Rachel Katstallers Bilderbuch "Ada und die Zahlen-Knack-Maschine" kennenzulernen! Vielleicht sagt euch die genannte Dame mehr unter dem Namen "Ada Lovelace", so wurde die Mathematikerin allgemein genannt und so wird sie zum Beispiel auch in den "Good Night Stories vor Rebel Girls" (zur Buchbesprechung) oder in der Reihe der "Little People, Big Dreams" (erst auf Englisch erschienen, Besprechung von 3 anderen Büchern der Reihe) vorgestellt. Zugegeben, das mit der Computer-Erfinderin ist vielleicht auch ganz leicht übertrieben, aber tatsächlich hat sie im 19. Jahrhundert zusammen mit ihrem Lehrer Charles Babbage, Mathematiker und Erfinder, eine Vorläufermaschine des heutigen Computers erfunden sowie das erste Programm geschrieben und damit erst den Weg für die gigantische Entwicklung im letzten und im aktuellen Jahrhundert geebnet. Grund genug für Autorin Zoë Tucker und Illustratorin Rachel Katstaller, die Geschichte von Ada nachzuerzählen. In "Ada und die Zahlen-Knack-Maschine", erschienen beim NordSüd Verlag, erfahren wir, dass Ada vielseitig interessiert war. Sie hat sehr gerne gelesen, sie liebte das Malen und sie liebte es eben auch, knifflige Rechenaufgaben zu lösen. Dass sie das im 19. Jahrhundert schon tun durfte, hatte sie vor allem ihrer Mutter Annabella Milbanke zu verdanken. Ihr Vater, der berühmte Dichter Lord Byron, lebte von der Mutter getrennt und war sehr damit beschäftigt, "in der Landschaft herumzustreichen und wilde, romantische Liebesgedichte zu schreiben." So drückt es Zoë Tucker in ihrer prägnanten und witzigen Art aus. Mathematik ist auch Frauensache Aber zurück zu Ada: "Alles, was ein Mädchen tun konnte, war Handarbeiten machen oder Harfe spielen oder einfach nur aus dem Fenster schauen." Da es im 19. Jahrhundert nicht üblich war, dass Mädchen zur Schule gehen oder sich überhaupt irgendwie bilden, bestellte Adas Mutter lauter kluge Leute ins Haus, die Ada unterrichteten. Darunter war - neben Charles Dickens - auch ein gewisser Charles Babbage. Ada und Charles verstanden sich blendend, forderten sich gegenseitig heraus und lösten gemeinsam die kniffligsten Rätsel. Und dann begannen die beiden, Pläne für eine riesige Maschine zu schmieden, die mithilfe von Lochkarten, riesige Summen berechnen könnte. Während Charles sich um die Maschine, ihre Zahnräder, Hebel und Kurbeln kümmerte, nahm sich Ada den Lochkarten an. Heraus kam die Zahlen-Knack-Maschine - mit offiziellem Namen "Analytische Maschine". Und diese Maschine sollte - wie wir nun wissen - in Form des Computers die Welt verändern. "Ada Lovelace hat unsere Welt verändert. Sie hatte die Gabe, die Dinge anders zu betrachten. Sie war schlau, erfinderisch und kreativ und sie sah sich Probleme aus allen Blickwinkeln an." Gelungenes Porträt einer unkonventionellen Karriere Zoë Tucker hat die Lebens- und Schaffensgeschichte von Ada Lovelace auf eine kindgerechte Art eingedampft und in ihrem Bilderbuch mit Witz und dem Blick für die jungen Zuhörer*innen spannenden Details nacherzählt. An einigen Stellen kommt das Kinderbuch mit ganz wenig Text aus, manchmal muss Tucker aber auch etwas weiter ausholen und genauer erklären. Da sowohl die dahintersteckenden Konzepte als auch die Wortwahl an diesen Stellen ziemlich komplex sind (zumindest in der deutschen Übersetzung von Elisa Martins), würde ich die Altersempfehlung höher ansetzen als der Verlag. Dieser empfiehlt 5 Jahre. Ich würde mindestens Grundschulalter empfehlen und auch da noch einige Begriffe wie "Addition" umgangssprachlicher ausdrücken beim Vorlesen. Ein gestalterisches Kunstwerk Am meisten begeistert mich an diesem Bilderbuch tatsächlich auch die Bildsprache. Rachel Katstaller hat ihre Illustrationen ganz in Braun- und Blautönen gehalten und schafft damit einen schönen Kontrast. Mathematische und geometrische Anspielungen ziehen sich durch - etwa in Adas Kleid, das aussieht wie ein kariertes Rechenblatt oder in den Teppichen der Wohnung mit ihren grafischen Mustern. Die Menschen mit ihren übergrossen Augen und dreieckigen Nasen versprühen einen gewissen Schalk und die vor die Kutsche gespannten Zebras bereichern das Stadtbild des viktorianischen London. Eine kleine Krähe begleitet Ada durch das ganze Buch. Was es mit ihr bzw. ihm auf sich hat, habe ich leider noch nicht herausgefunden. Vielleicht ist es eine Anspielung darauf, dass Ada einst eine tote Krähe als Modell nutzte, um eine Flugmaschine zu entwerfen. Rachel Katstaller ist übrigens mit diesem Bilderbuch direkt auf der Nominierungsliste der Serafina 2019 gelandet! Fazit "Ada und die Zahlen-Knack-Maschine" von Zoë Tucker und Rachel Katstaller ist ein spannendes und vom Cover mit Prägedruck, über das Vorsatzpapier, bis zu den einzelnen Seiten wunderschön gestaltetes Bilderbuch über eine aussergewöhnliche Frau. Auf unterhaltsame Art erfahren junge Zuhörer*innen oder Leser*innen mehr über die schlaue Mathematikerin, die mit ihren Erfindungen unsere Welt verändert hat und dabei ihrer Zeit weit voraus war. Wer zu Weihnachten Inspiration und Mut, eigene Wege zu gehen, verschenken möchte, liegt hier genau richtig! PS: Herzlichen Dank an den NordSüd Verlag für das Rezensionsexemplar. Die Fakten Ada und die Zahlen-Knack-Maschine Zoë Tucker (Text) Rachel Katstaller (Illustration) Elisa Martins (Übersetzung aus dem Englischen) NordSüd Verlag 32 Seiten Erschienen am 16.07.2019 ISBN: 978-3-314-10472-5 Ab 5 Jahren (Verlag), ab 6 Jahren (meine Empfehlung) Website von Rachel Katstaller (sie entwirft übrigens auch Kleider!) Website von Zoë Tucker Like it? 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  • Nur noch kurz die Welt retten

    (Werbung/Verlosung) So einfach wie in Tim Bendzkos Ohrwurm geht es natürlich nicht. Aber mit "TU WAS KIDS" und seinen 77 Tipps zum Umweltschutz wird das Weltretten wenigstens etwas leichter gemacht. In diesem Beitrag stelle ich euch das Buch vor und ihr könnt zwei Exemplare gewinnen. #fridaysforfuture gehen uns alle an In den Zeiten von #fridaysforfuture taucht bei Kindern und Jugendlichen unweigerlich die Frage auf: Was kann denn ich eigentlich gegen den Klimawandel tun? Ganz schön viel! Den Klimawandel aufzuhalten ist nicht nur Sache der Politik, sondern auch der Gesellschaft. Anstatt tatenlos zuzusehen, können wir zum Beispiel mit den 77 Tipps für Nachwuchsweltretter*innen aus "TU WAS KIDS" beginnen. Klima, Müll, Tiere, anderen helfen In vier Kapiteln erfahren Kinder zwischen 8 und 14 Jahren in diesem Sachbuch, wie sie das Klima schonen, weniger Müll produzieren, Tiere schützen und anderen helfen können. Die 77 Aufgaben sind jeweils eingeteilt in leicht, mittel und schwer, je nachdem, wie viel Einsatz sie erfordern. Die Wirksamkeit ist jeweils in Weltretterpunkten angegeben, die gesammelt werden können. Mit 10 Punkten gehört man immerhin schon zu den "Weltretterchen", ab 20 Punkten darf man sich dann stolz "Weltretter*in" nennen und ab 30 Punkten zählt man gar zur "Weltretter-Champions-League". Die Tipps reichen von ganz einfachen Dingen wie das Licht immer auszuschalten, wenn man nicht im Raum ist oder das Wasser beim Zähneputzen abzudrehen, über mittelschwere Dinge wie das Bekleben von grossen Fensterflächen., damit die Vögel nicht dagegen fliegen, bis hin zu schwierigen Aufgaben wie den Opfern von Mobbing beizustehen. Bei einigen Tipps müssen die Kinder auch die Eltern ins Boot holen (z.B. um alle Glühbirnen im Haus zu ersetzen oder auf Strom aus erneuerbarer Energie umzustellen), aber das tut den Eltern bestimmt gut und schont erst noch oft ihren Geldbeutel und am Ende auf jeden Fall unsere Umwelt. Die Tipps sind oft versehen mit einem weiterführenden Link, wo man zum Beispiel erfährt, wann wo die nächste Müllsammelaktion stattfindet oder wo man sein ausgedientes Handy recyceln lassen kann. Wie ihr an den paar Beispielen auf den Fotos unschwer erkennen könnt, sind die Texte von Autorin Nicole Röndigs sehr kindgerecht formuliert: leicht verständlich, witzig und motivierend. Noch mehr Humor in die Sache bringen die Illustrationen von Thilo Klüppel. Abgerundet wird das Buch mit einem Quiz, mit dem die Nachwuchsweltretter*innen ihr neu erworbenes Wissen testen können. So fällt die schwierige Sache mit dem Weltretten doch etwas leichter. Fazit "TU WAS KIDS" bietet 77 einfach erklärte und mit spannendem Wissen unterfütterte Tipps, wie unsere Kids (und wir Eltern) etwas zur Erhaltung unseres Planeten beitragen können. Den moralischen Zeigefinger packen die Autorin Nicole Röndigs und der Illustrator Thilo Klüppel nicht aus. Vielmehr schaffen sie es, mit Humor zu überzeugen und zu motivieren. So macht Weltretten Spass! PS: Das Buch ist selbstverständlich auf 100% Recycling-Papier gedruckt und mit dem "Blauen Engel" zertifiziert. PPS: Unter den "ähnlichen Beiträgen" ganz am Ende des Beitrags findet ihr weitere Bücher rund um die #fridaysforfuture. Die Fakten TU WAS KIDS Nicole Röndigs (Text) Thilo Klüppel (Illustration) Greenpeace Magazin Edition 176 Seiten Erschienen im August 2019 Papier: 100% Recycling, "Blauer Engel"-zertifiziert ISBN: 978-3-944222-11-0 Alter: 8-14 Jahre Blick ins Buch und Bestellung beim Greenpeace Magazin Noch mehr Informationen für Weltretter*innen Klimastreik Schweiz: Alle Termine und Möglichkeiten zum Mitmachen, z.B. am Internationalen Klimastreik vom 29.11.2019 Greenpeace Magazin (Deutschland) Greenpeace Schweiz Magazin VERLOSUNG AUF INSTAGRAM + FACEBOOK Wenn auch ihr bzw. eure Kinder aktiv ins Weltretter*innen-Business einsteigen wollt, versucht euer Glück bei Instagram und Facebook. Da darf ich je ein Exemplar von "TU WAS KIDS" verlosen. Danke, Greenpeace Magazin, für das Rezensions- und die Verlosungsexemplare! Zur Verlosung: @mintundmalve auf Instagram MINT & MALVE auf Facebook Das sind die Teilnahmebedingungen: Teilnehmen können Leser*innen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland, der Schweiz oder Österreich. Das Gewinnspiel startet mit Freischaltung der Posts auf Instagram und Facebook am 29. November 2019 und endet am 4. Dezember 2019, um 23:59 Uhr! Das Los entscheidet über die Gewinner*in. Die Gewinner*in wird per PN auf Instagram benachrichtigt. Erfolgt innert 3 Tagen keine Reaktion, wird neu ausgelost. Der Rechtsweg und die Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt über das Greenpeace Magazin. Zu diesem Zweck (und nur dafür) muss ich also die Adresse der Gewinnerin / des Gewinners an das Greenpeace Magazin weitergeben. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit diesen Bedingungen einverstanden. Die Verlosung hat nichts mit Facebook oder Instagram zu tun. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp und möchtest vielleicht andere motivieren, etwas zum Klima-, Umwelt- und Tierschutz beizutragen? Dann freue ich mich sehr, wenn du den Beitrag in den Social Media teilst oder dir den Pin dazu auf Pinterest merkst. Sharing is caring!

  • Ein Reinfall und drei bessere Alternativen

    Ich hatte Lust auf einen witzigen Roman und dachte, da könnte ich mit Giulia Beckers "Das Leben ist eins der härtesten" richtig liegen. Leider lag ich dann doch eher falsch. Damit euch das nicht passiert, habe ich drei bessere Tipps für humorvolle Bücher für euch. Da ich nicht gerne seitenweise über Bücher schreibe, die mich nicht wirklich überzeugt haben, halte ich mich bei "Das Leben ist eins der Härtesten" von Giulia Becker kurz. Der Klappentext klingt vielversprechend: So als könnte es sich um einen Roman mit vier spannenden Protagonist*innen, allesamt eher Aussenseiter*innen, handeln, der humorvoll ist und doch Tiefgang hat. Den Einstieg fand ich auch noch witzig. Aber schon nach wenigen Seiten kam der Humor bei mir nicht mehr an und ich habe keine Empathie mit den Figuren gespürt. So flach wie Silke, Willy-Martin, Kerstin, Renate und ein paar Randfiguren daherkommen, stellte sich der erhoffte Tiefgang leider nicht ein. Dabei wäre das Potenzial dazu durchaus vorhanden gewesen bei vier Personen zwischen 40 und 50, die alle ihren Rucksack zu tragen haben und gerade mehr oder weniger alleine im Leben stehen, sowie einem obdachlosen Krebspatienten und einer einsamen alten Nachbarin. Nun gut, dieses Buch und ich passen irgendwie nicht zusammen. Um euch trotzdem eine Leseempfehlung - oder besser gesagt drei - mitgeben zu können, habe ich überlegt, welche Bücher die Kombination aus Humor und Tiefgang für mich in letzter Zeit erfüllt haben. Und hier kommen sie: Lucy Fricke: Töchter Dieser Roadtrip war eins meiner Romanhighlights von 2018. Auch hier gibt es einen Krebspatienten. Auch hier brechen er und die Hauptprotagonistinnen Betty und Martha zu einem Roadtrip auf. Marthas Vater möchte zum Sterben in die Schweiz und Tochter. Freundin Betty soll Martha dabei als moralische Stütze begleiten. Schnell wird klar, dass der Roadtrip nicht in der Schweiz endet und dass nicht nur Betty auf dem Weg zu ihrem Vater ist, sondern auch Martha. Lucy Fricke erzählt die Geschichte der beiden Frauen und der Beziehung zu ihren Vätern mit der richtigen Mischung aus Gefühl, Ironie und Spannung. Mehr erfahrt ihr in der ausführlichen Besprechung. Töchter, Lucy Fricke, Rowohlt Verlag, 240 Seiten, erschienen am 20.02.2018, ISBN: 978-3-498-02007-1 Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann Selma, einer alten Frau aus dem Westerwald, erscheint jeweils im Traum ein Okapi, bevor jemand im Dorf stirbt. Mariana Leky erzählt nun in "Was man von hier aus sehen kann", was Selmas Träume unter den Dorfbewohner*innen auslösen: Ängste, den Drang, ein Geheimnis zu offenbaren oder für immer mit sich ins Grab zu nehmen. Das ist aber nicht etwa düster und traurig. Es ist traurig schön. Denn rund um die Hauptfiguren der alten Selma, ihrer Enkelin Luise und des Optikers (um seinen Namen zu erfahren, müsst ihr schon das Buch lesen) zeigt die Autorin, was Geborgenheit, Zuneigung, Liebe bedeuten und wie diese die Welt umspannen können. Ihre Sprache ist wunderschön, ihr Humor fein und voller Nächstenliebe. Kürzlich war Mariana Leky zum Gespräch im Podcast "Dumont auf Sendung" (Folge 6: Brillen, Bücher und Okapis) und sprach dabei auch über dieses Buch. Hörenswert! Was man von hier aus sehen kann, Mariana Leky, Dumont (im Bild ist die Sonderausgabe der Büchergilde, nicht mehr lieferbar), 320 Seiten, erschienen am 18.07.2017, ISBN: 978-3-8321-9839-8 Dörte Hansen: Mittagsstunde Mit "Mittagsstunde" liefert uns Dörte Hansen ein Panorama des Dorflebens in Nordfriesland, geschickt verflochten mit der Geschichte einer Familie, ihren Sorgen und Nöten und ihrem Umgang mit den äusseren Einflüssen - seien dies nun Krieg, Landvermesser oder egozentrische Städter. Damit reiht sich Dörte Hansen bestens in die Reihe moderner Heimatromane ein. Sprachlich ist der Roman eine Wucht. Man kann sich so richtig in Hansens Sprachbildern verlieren, die Ironie geniessen und tief in die Gefühlswelt ihrer Protagonist*innen eintauchen. Ein weiteres literarisches Highlight von 2018, das ich in diesem Blogbeitrag ausführlich besprochen habe! Mittagsstunde, Dörte Hansen, Penguin Verlag, 320 Seiten, erschienen am 15.10.2018, ISBN: 978-3-328-6003-9 PS: Herzlichen Dank an Penguin / Randomhouse für das Rezensionsexemplar. Alle anderen Bücher sind selbstgekauft. Like it? Pin it! Magst du meine drei Buchtipps mit Humor und Tiefgang? Dann freue ich mich sehr wenn du dir den Pin dazu auf Pinterest merkst oder in deinen Social Media-Kanälen über diesen Blogbeitrag oder MINT & MALVE sprichst. Danke!

  • Vom Werden und Vergehen

    Das Wasser des Lebens. Wasser, das uns das ewige Leben schenkt. Gibt es das? Niculina macht sich in der Alpensage "Der See der Seelen" von Tim Krohn auf die Suche. Kommt mit! Der Schweizer Autor Tim Krohn lebt im Val Müstair. Entsprechend gerne entführt er uns in die Bergwelt - so zum Beispiel mit den Kurzgeschichten "Nachts in Vals" über ganz unterschiedliche Gäste der berühmten Therme in den Bündner Bergen. Auch in seinem neusten Buch "Der See der Seelen" geht es in die Berge. Und dieses Mal wird es mystisch! Niculina führt mit ihren Eltern Luisa und Linard einen Hof. Den Sommer verbringen sie im Maiensäss und Niculina geht täglich auf die Foppa da trais mit den Geissen. Dort trifft sie ihre Freundin Ladina, auch sie mit ihren Geissen. Seit neustem stösst jeweils auch noch Peider dazu, allerdings ohne Tiere, denn seine Familie nutzt das Maiensäss nur zur Erholung. Ein moderner Luxus in der sonst bescheidenen Bergdorfgemeinschaft. Peider glaubt an Fabelwesen und erzählt den jungen Frauen vom Wasser des Lebens und dass ewig lebe, wer es trinke. Bedrohte Bergwelt Die Moderne hält im Bergdorf nicht nur in Form von Peider Einzug, sondern auch in Form von seriös gekleideten Herren, die das Haus der Nona, Niculinas Grossmutter, kaufen, abreissen und an dessen Stelle einen Steinbruch eröffnen wollen. Niculina und ihre Freundin Ladina wollen das unbedingt vermeiden. Als nun Niculinas Nona, die Grossmutter, im Sterben liegt, möchte Niculina das ominöse Wasser des Lebens finden, um sie zu retten und damit auch das Haus vor dem Abriss zu bewahren. Eines nachts folgt sie den Rufen eines geheimnisvollen Wolfs in eine Felshöhle im Piz Spiert und gelangt so auf wundersame Weise in die Innerwelt. Dort hofft sie, das rettende Wasser zu finden. Sie findet aber etwas ganz anderes… Und so kristallisiert sich um diese Haupt- und einige weitere Figuren eine Geschichte um Leben, Tod und Wiedergeburt, um Fortschritt und das Bewahren der Bergwelt, um Abhängigkeit und Eigenständigkeit, um das Festhalten und das Loslassen. Fazit "Der See der Seelen" von Tim Krohn ist ein schmales Bändchen, das sprachlich, mit immer wiederkehrenden Motiven und seiner starken Metaphorik überzeugt. Geschickt verwebt der Autor die Leben, Wünsche und Träume der Hauptfiguren mit den grossen Fragen von Leben und Tod, von Bewahrung und Modernisierung, vom Abschiednehmen und Neuanfängen. Mit dem wunderschönen Leinenumschlag eignet es sich auch ideal als Geschenk – nicht nur für Bergliebhaber*innen! Die Fakten Der See der Seelen Tim Krohn Kampa Verlag 96 Seiten Erschienen am 30. August 2019 ISBN: 978-3-311-21009-2 Mehr über das Buch bei Kampa Buch bestellen bei genialokal.de #bergbücher auf Instagram Bei @mintundmalve auf Instagram habe ich die Serie #bergbücher gestartet. Alle User*innen sind dazu aufgerufen, unter dem Hashtag ihre liebsten und schönsten Bücher rund um Berge zu zeigen. Mein Aufruf dazu findet sich in diesem Post. Alle Einreichungen teile ich in den Stories und sind auch später noch in den Highlights unter #bergbücher in der Bio zu sehen. Like it? Pin it! Du magst diesen Buchtipp? Dann merke dir den dazugehörigen Pin auf Pinterest. Vielen Dank!

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