Herrin der Zahlen und Lochkarten

06/12/2019

Augusta Ada Byron King, kennt ihr, oder? Die Erfinderin des Computers. Nicht?! Na, dann wird es höchste Zeit, sie mit Zoë Tuckers und Rachel Katstallers Bilderbuch "Ada und die Zahlen-Knack-Maschine" kennenzulernen!

 

 

Vielleicht sagt euch die genannte Dame mehr unter dem Namen "Ada Lovelace", so wurde die Mathematikerin allgemein genannt und so wird sie zum Beispiel auch in den "Good Night Stories vor Rebel Girls" (zur Buchbesprechung) oder in der Reihe der "Little People, Big Dreams" (erst auf Englisch erschienen, Besprechung von 3 anderen Büchern der Reihe) vorgestellt.

 

Zugegeben, das mit der Computer-Erfinderin ist vielleicht auch ganz leicht übertrieben, aber tatsächlich hat sie im 19. Jahrhundert zusammen mit ihrem Lehrer Charles Babbage, Mathematiker und Erfinder, eine Vorläufermaschine des heutigen Computers erfunden sowie das erste Programm geschrieben und damit erst den Weg für die gigantische Entwicklung im letzten und im aktuellen Jahrhundert geebnet. Grund genug für Autorin Zoë Tucker und Illustratorin Rachel Katstaller, die Geschichte von Ada nachzuerzählen.

 

In "Ada und die Zahlen-Knack-Maschine", erschienen beim NordSüd Verlag, erfahren wir, dass Ada vielseitig interessiert war. Sie hat sehr gerne gelesen, sie liebte das Malen und sie liebte es eben auch, knifflige Rechenaufgaben zu lösen. Dass sie das im 19. Jahrhundert schon tun durfte, hatte sie vor allem ihrer Mutter Annabella Milbanke zu verdanken. Ihr Vater, der berühmte Dichter Lord Byron, lebte von der Mutter getrennt und war sehr damit beschäftigt,

 

"in der Landschaft herumzustreichen und wilde, romantische Liebesgedichte zu schreiben."

 

So drückt es Zoë Tucker in ihrer prägnanten und witzigen Art aus.

 

Mathematik ist auch Frauensache 

Aber zurück zu Ada:

 

"Alles, was ein Mädchen tun konnte, war Handarbeiten machen oder Harfe spielen oder einfach nur aus dem Fenster schauen."

 

Da es im 19. Jahrhundert nicht üblich war, dass Mädchen zur Schule gehen oder sich überhaupt irgendwie bilden, bestellte Adas Mutter lauter kluge Leute ins Haus, die Ada unterrichteten. Darunter war - neben Charles Dickens - auch ein gewisser Charles Babbage. Ada und Charles verstanden sich blendend, forderten sich gegenseitig heraus und lösten gemeinsam die kniffligsten Rätsel. Und dann begannen die beiden, Pläne für eine riesige Maschine zu schmieden, die mithilfe von Lochkarten, riesige Summen berechnen könnte. Während Charles sich um die Maschine, ihre Zahnräder, Hebel und Kurbeln kümmerte, nahm sich Ada den Lochkarten an. Heraus kam die Zahlen-Knack-Maschine - mit offiziellem Namen "Analytische Maschine". Und diese Maschine sollte - wie wir nun wissen - in Form des Computers die Welt verändern.

 

"Ada Lovelace hat unsere Welt verändert. Sie hatte die Gabe, die Dinge anders zu betrachten. Sie war schlau, erfinderisch und kreativ und sie sah sich Probleme aus allen Blickwinkeln an."

 

Gelungenes Porträt einer unkonventionellen Karriere

Zoë Tucker hat die Lebens- und Schaffensgeschichte von Ada Lovelace auf eine kindgerechte Art eingedampft und in ihrem Bilderbuch mit Witz und dem Blick für die jungen Zuhörer*innen spannenden Details nacherzählt. An einigen Stellen kommt das Kinderbuch mit ganz wenig Text aus, manchmal muss Tucker aber auch etwas weiter ausholen und genauer erklären. Da sowohl die dahintersteckenden Konzepte als auch die Wortwahl an diesen Stellen ziemlich komplex sind (zumindest in der deutschen Übersetzung von Elisa Martins), würde ich die Altersempfehlung höher ansetzen als der Verlag. Dieser empfiehlt 5 Jahre. Ich würde mindestens Grundschulalter empfehlen und auch da noch einige Begriffe wie "Addition" umgangssprachlicher ausdrücken beim Vorlesen.

 

Ein gestalterisches Kunstwerk

Am meisten begeistert mich an diesem Bilderbuch tatsächlich auch die Bildsprache. Rachel Katstaller hat ihre Illustrationen ganz in Braun- und Blautönen gehalten und schafft damit einen schönen Kontrast. Mathematische und geometrische Anspielungen ziehen sich durch - etwa in Adas Kleid, das aussieht wie ein kariertes Rechenblatt oder in den Teppichen der Wohnung mit ihren grafischen Mustern. Die Menschen mit ihren übergrossen Augen und dreieckigen Nasen versprühen einen gewissen Schalk und die vor die Kutsche gespannten Zebras bereichern das Stadtbild des viktorianischen London. Eine kleine Krähe begleitet Ada durch das ganze Buch. Was es mit ihr bzw. ihm auf sich hat, habe ich leider noch nicht herausgefunden. Vielleicht ist es eine Anspielung darauf, dass Ada einst eine tote Krähe als Modell nutzte, um eine Flugmaschine zu entwerfen.

 

Rachel Katstaller ist übrigens mit diesem Bilderbuch direkt auf der Nominierungsliste der Serafina 2019 gelandet!

 

Fazit

"Ada und die Zahlen-Knack-Maschine" von Zoë Tucker und Rachel Katstaller ist ein spannendes und vom Cover mit Prägedruck, über das Vorsatzpapier, bis zu den einzelnen Seiten wunderschön gestaltetes Bilderbuch über eine aussergewöhnliche Frau. Auf unterhaltsame Art erfahren junge Zuhörer*innen oder Leser*innen mehr über die schlaue Mathematikerin, die mit ihren Erfindungen unsere Welt verändert hat und dabei ihrer Zeit weit voraus war. Wer zu Weihnachten Inspiration und Mut, eigene Wege zu gehen, verschenken möchte, liegt hier genau richtig!

 

PS: Herzlichen Dank an den NordSüd Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

 

Die Fakten

 

Ada und die Zahlen-Knack-Maschine

Zoë Tucker (Text)

Rachel Katstaller (Illustration)

Elisa Martins (Übersetzung aus dem Englischen)

NordSüd Verlag

32 Seiten

Erschienen am 16.07.2019

ISBN: 978-3-314-10472-5

Ab 5 Jahren (Verlag), ab 6 Jahren (meine Empfehlung)

 

 

Website von Rachel Katstaller (sie entwirft übrigens auch Kleider!)

Website von Zoë Tucker

 

 

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