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  • 1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.

    Eine dystopische Welt tut sich auf in Yorick Goldewijks Jugendroman "1000 und ich". Eine Welt, in der es darum geht, zu funktionieren und vor allem: niemand Besonderes zu sein. Beklemmend und klug geschrieben! Yorick Goldewijk wirft uns mit Ich-Erzählerin 8 - ja, das ist ihr Name - mitten hinein in eine düstere, monotone Welt. Hier geht es für 8 und alle anderen Seelenlosen darum, jeden Tag pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, dort ihr Soll abzuliefern und wieder in ihr totalüberwachtes Zimmer in einem weissen Hochhaus ohne irgendwelche herausstechenden Merkmale zurückzukehren. "...und ich weiss, dass es nie gut ist, die Einzige zu sein, denn wenn du die Einzige bist, bist du etwas. Und wenn du etwas bist, dann willst du etwas, dann wirst du träumen, denken, zweifeln." / S. 14 Bricht eins der Mädchen aus dem vorgegebenen Muster aus, wird das von Sehern (einer Art Drohnen) sofort entdeckt, die Person wird beendet und vergessen. Folgen die Mädchen den Befehlen der Beseelten, können sie selber zu solchen werden und es lockt eine Zukunft in einem anderen Land. Eines Tages hat 8 das Gefühl, dass ihr ein anderes Mädchen zugezwinkert hat. Sie kann nicht aufhören, daran zu denken. Versucht, das Mädchen namens 1000 in der Masse gleichgekleideter Mädchen auszumachen. Langsam beginnt sie, die vorgegebenen Muster zu durchbrechen und der Wunsch auszubrechen nimmt Form in ihr an. Die Krux: Sie darf auf keinen Fall auffallen, sonst wird sie von den Sehern beendet. "Zum ersten Mal überhaupt tat ich tatsächlich etwas, fiel mir auf, zum ersten Mal ertrug ich nicht einfach mehr brav das, was mir auferlegt wurde." / S. 62 Die Geschichte nimmt unaufhaltbar ihren Lauf, denn irgendwann gibt es für 8 einfach kein Zurück mehr. Yorick Goldewijk treibt die Erzählung schnell voran. Durch die Ich-Perspektive fiebert man mit 8 mit, kann ihre Gedanken und Gefühle sehr gut nachfollziehen. Ständig fragt man sich, wie man selbst in der Situation agieren würde. Am Ende wartet der Autor mit einer grossen Überraschung auf, die zumindest ich so nicht erwartet hätte. Die Auflösung macht richtig Lust, das Buch direkt ein zweites Mal zu lesen, um zu prüfen, ob das so aufgehen kann. Natürlich kann ich an dieser Stelle nicht spoilern. Der niederländische Autor erinnert mit seinem Jugendroman natürlich an andere Dystopien wie Margaret Atwoods "The Handmaid's Tale" (hier in der deutschen Graphic Novel-Version von Renée Nault* ), George Orwells "1984"* oder für jüngere Leser*innen auch Michael Endes "Momo"* . Aufgrund der technischen Elemente der Überwachung kommen aber auch Assoziationen mit SciFi-Romanen auf wie "Do Androids Dream of Electric Sheep?" von Philip K. Dick, die Buchvorlage für den Filmklassiker Blade Runner. Schliesslich lässt sich im Zuge der Lektüre auch sehr gut über Bezüge zu heutiger Technik rund um Künstliche Intelligenz, Datenextraktivismus und Massenüberwachung diskutieren (vgl. dazu auch das Sachbuch "Digitaler Kolonialismus" ). "1000 und ich" kommt zwar als Taschenbuch daher, ich finde die Buchgestaltung aber sehr gelungen. Es verfügt über Klappen, die bei der Buchdicke auch nutzbar sind, das Cover hat eine schöne Haptik und matte Optik und das Vorsatzpapier greift das Covermotiv auf. Ich denke, "1000 und ich" ist - auch aufgrund seiner Kürze - eine ideale Klassenlektüre, sei es nun als "Standalone" oder als Einstieg in andere dystopische Werke. Die Altersempfehlung von 12 Jahren mag für die eine oder den anderen etwas früh sein, für dritte genau richtig. Die Fakten 1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht. Yorik Goldewijk Sonja Fiedler-Tresp (Übersetzung aus dem Niederländischen) Dragonfly (Harper Collins) 160 Seiten Erschienen am 25.08.2025 Taschenbuch ISBN: 978-3-7488-0278-5 Ab 12 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   PS: Herzlichen Dank an den Dragonfly Verlag für das Rezensionsexemplar. Zusatztipp: Soma - eine Graphic Novel Wer sich lieber mit einer Graphic Novel in dystopische Welten stürzt, dem kann ich "Soma"* , das Debüt der deutschen Comiczeichnerin Judith Kranz (erschienen 2025 bei Reprodukt) empfehlen. Hier finden wir uns in einer postapokalyptischen Welt wieder, in der die Erde total verseucht ist. Das Volk der Soma trotzt diesen Umständen, basiert allerdings ebenfalls auf einem sehr rigiden Gesellschaftsystem, das keinerlei Individualität zulässt. Ja, Lan soll sogar für die Gemeinschaft geopfert werden. Und so kommt es auch hier zur Flucht. Weitere Dystopien für Jugendliche und Erwachsene bei mint & malve The Future is... 14 Comics über die Zukunft - Lilian Pithan (Carlsen Comics 2024) Das Lied des Propheten - Paul Lynch (Klett-Cotta 2024) Und alle so still - Mareike Fallwickl (Rowohlt 2024) Endling - Jasmin Schreiber (Eichborn 2023) Going Zero - Anthony McCarten (Diogenes 2023) Regenschatten - Seraina Kobler (Kommode 2020) Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde (Büchergilde Gutenberg 2017) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht

    Habt ihr euch schon mal mit Lichtverschmutzung befasst? Alina Gries und Alina Spiekermann bringen das Thema mit ihrem Kinderbuch "Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht" jungen Zuhörer*innen näher und schaffen ein Bewusstsein für unnötige oder übertriebene Lichtquellen in unserer Umgebung. Wir sind rund um das Phänomen der Nordlichter schon mehrmals auf die Problematik der Lichtverschmutzung gestossen. Je nach Wohnort ist es gar nicht so leicht, einen richtig dunkle Stelle zu finden, die freie Sicht auf die Sterne und solche Himmelsphänomene zulässt. Auf unserer Reise durch die USA konnten wir mehrere Parks mit dem Label "Dark Sky" geniessen, eine Initiative, die zum Glück immer grössere Verbreitung findet - zum Beispiel auch im Bruneau Dunes State Park in Idaho , wo wir an einem Anlass des Planetariums ganz viele eindrückliche Himmelskörper und ein fluoreszierendes Skorpion bestaunen konnten (siehe Fotos). Im neusten Sachbilderbuch von Alina Gries und Alina Spiekermann erleben wir mit "Finn Fledermaus" ganz unmittelbar, was die Lichtverschmutzung bedeutet. Eigentlich macht sich Finn gerade auf zu seinem ersten Nachtflug, da geht plötzlich ein gleissend helles Licht an. Das blendet nicht nur Finn, sondern auch Nina Nachtfalter, Guido Glühwürmchen und ganz viele weitere nachtaktive Tiere, die am Abend den Wald zum Leben erwecken. Sie können dem Licht kaum entkommen, verlieren die Orientierung und flattern teils - wie magisch vom Licht angezogen - direkt in die Lichtquelle, in diesem Fall neu aufgestellte Strassenlaternen. Finn Fledermaus flattert vor einer der Lampen herum, so dass er sie etwas abdunkelt und die Falter und anderen Insekten davonkommen. Aber das Licht brennt einfach immer weiter und so helfen auch Finns flatternde Artgenossen nur sehr beschränkt. Zum Glück tauchen da Menschen auf, die sich der Problematik bewusst sind. Wie sie den Tieren helfen, könnt ihr in den Bildern erahnen und solltet ihr natürlich in "Finn Fledermaus" selber entdecken. Neben der Geschichte, die das Thema der Lichtverschmutzung schon für kleine Zuhörer*innen einfach verständlich und gleichzeitig emotional berührend rüberbringt, bietet das erzählende Sachbilderbuch auch einige Fakten über nachtaktive Tiere und die Problematik der Lichtverschmutzung. Sie bringt nicht nur uns Menschen um den Sternenhimmel, sondern beeinträchtigt nacht- und tagaktive Tiere ganz stark in ihrem natürlichen Rhythmus. Vom Duo Alina Gries und Alina Spiekermann gibt es übrigens auch noch "Kira Koralle"*  sowie das Buch von "Egon Eichhorn"* . Mit Saskia Diederichsen hat Alina Gries zudem "Hedi Hummel"*  veröffentlicht. Diese drei Bände sprechen ebenfalls wichtige Naturthemen kindgerecht an. Besucht am besten mal die Website von Alina Gries , denn da finden sich auch noch Poster, Ausmalbilder und viele weitere Infos über die Natur. Die Fakten Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht Alina Gries (Text) Alina Spiekermann (Illustration) Verlag Alina Gries 48 Seiten Erschienen am 24.10.2025 Hardcover ISBN: 978-3-9825786-7-5 Ab 5 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   Website von Alina Gries Alina Gries auf Instagram Website von Alina Spiekermann Alina Spiekermann auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Alina Gries für das Rezensionsexemplar. Diese Buchtipps von mint & malve könnten dir auch gefallen Kira Koralle - Alina Gries, Alina Spiekermann (2024) Der schwarze Strand - Die Entstehung des Earth Days - Shaunna und John Stith, Maribel Lechuga (Kindermann Verlag 2024) Wilde Wanderer - Anke Peterson, Lisa Rammensee (Carlsen 2023) Glow - Das wundersame Leuchten der Natur - Jennifer N. R. Smith (cbj 2023) Insekten retten die Welt - Buglife, Qu Lan (Laurence King Verlag 2022) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Der Sohn des Ursars

    Als Jugendroman über eine Familie der Rom*nja angekündigt, hat mich "Der Sohn des Ursars" von Xavier-Laurent Petit sofort neugierig gemacht. Und die Geschichte ist gut geschrieben, ich sehe aber auch einige Problematiken, die man begleitend zur Lektüre zumindest thematisieren sollte. Aber kommen wir zuerst zur Handlung von "Der Sohn des Ursars" von Xavier-Laurent Petit: Ciprian und seine Familie reisen mit einem Wohnwagen und einem Bären durch Osteuropa. Sie ziehen von Stadt zu Stadt, um auf den Marktplätzen aufzutreten - der Vater mit einem Showkampf mit dem Bären, Tochter Vera mit ihrem Gesang. Da die Zuschauer*innen meist nicht spendabel genug sind, müssen sie sich oft das Nötigste an Essen "ausleihen", wie Ciprian es nennt. Bruder Dimetriu hat das "Ausleihen" perfektioniert und versorgt die Familie mit geklautem Essen oder was sie sonst zum Überleben brauchen. Ein Leben in ständiger Bedrohung Kommt dazu, dass die Familie aufgrund ihrer Rom*nja-Zugehörigkeit meist nicht gern gesehen ist und immer wieder vertrieben wird. Der Vater trägt ihre Lage grundsätzlich mit Fassung, das Nomadenleben gehört ja auch zu ihrer Tradition und diese leben sie mit Stolz: "Wir gehen eben woanders hin. Das ist unser Schicksal. Wir sind die Söhne des Windes und die letzten Nachfahren der Pharaonen. Die Welt ist unser Zuhause." / S. 23 Doch eines Tages wird sogar ihr liegengebliebenes Auto von Nationalisten bei der Stadt Tamasciu (Rumänien) angezündet und sie werden unter Drohungen weggeschickt. Als zwei Männer auftauchen, die ihnen die Reise nach Paris finanzieren wollen, sagen sie in ihrer Not zu und werden am nächsten Tag von einem Lastwagen abgeholt. Sie landen - zusammen mit vielen weiteren Rom*nja-Familien - in der Banlieue von Paris, wo sie unter prekärsten Verhältnissen in behelfsmässig selbst gezimmerten Hütten hausen. "Leute, die ein Dach über dem Kopf haben, trauen Obdachlosen nicht über den Weg. Deshalb machen sie leer stehende Häuser für uns unbewohnbar. Sie wollen sichergehen, dass wir nie dazugehören." / S. 79 Und das vorgestreckte Geld sollen sie innert einer unmöglich einzuhaltenden Frist zurückzahlen. Die dubiosen Männer sind offensichtlich nicht so nett, wie sie vorgegaukelt haben, sondern versklaven die Rom*nja faktisch, die in Frankreich völlig mittel- und rechtelos sind und nicht mal über Papiere verfügen. Glückliche Wende dank besonderem Talent Ciprians Familie versucht verzweifelt, genug Geld zu verdienen, um ihre Schulden zurückzubezahlen. Doch die Schuldeneintreiber - Verbündete der Männer, die sie hierhergebracht haben - setzen immer mehr und mehr Druck auf und drohen mit Gewalt, falls sie nicht genügend Geld auftreiben können. Die Lage wird noch schwieriger, als Ciprian immer öfter das Geldverdienen (durch Betteln oder Klauen) vergisst, weil er im "Jardin du Luxembourg" den Schachspieler:innen zuschaut. Doch der Junge hat Glück, eines Tages fordert ihn eine ältere Dame zum Spiel heraus und ist fasziniert von seinem Können. Und das, obwohl er "Scharr" - wie er das Spiel in seinem rudimentären Französisch nennt - nie beigebracht bekommen hat. Madame "Walfisch" nimmt den Jungen unter ihre Fittiche, stellt ihn ihren Bekannten, darunter ein Schachlehrer, ein Polizei-Präfekt und eine Lehrerin, vor und schafft es, Ciprians einmaliges Talent zu fördern. Die Geschichte entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen dramatisch weiter. Da möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Aber Ciprian hat nun das Glück, französische Freund:innen zu haben, die ihm und seiner Familie helfen. Xavier-Laurent Petit erzählt sehr spannend und mitreissend aus Sicht von Ciprian, dem er eine jugendliche, ziemlich naive Stimme verleiht. Manchmal vielleicht etwas gar kindlich und unwissend - aber das ist schwer zu beurteilen. Ich gehe mal davon aus, dass ein zehnjähriger Rom das Wort "Euro" auch schon einmal gehört hat, aber kann mich natürlich täuschen. Auf jeden Fall ist es spannend, mal aus ganz ungewohnter Perspektive auf die westliche Gesellschaft und das "moderne" Leben zu blicken, das für uns so selbstverständlich ist. Etwa, dass man nicht einfach über das Drehkreuz in der Metro-Station springen darf, sondern ein Ticket braucht. Der weisse Blick auf die Welt und das Problem des White Saviorism Xavier-Laurent Petit möchte mit "Der Sohn des Ursars" Vorurteile abbauen und plädiert implizit dafür, dass Rom*nja nicht kriminalisiert und in Slums ausserhalb von westeuropäischen Grossstädten ihrem Schicksal und der Macht von kriminellen Banden und Menschenhändler*innen überlassen werden. Allerdings stellt er dann doch die weissen Menschen als "Retter*innen" hin, ohne die es Ciprian nicht schaffen würde. Sie wissen auch besser als er oder seine Schwester, was gut für sie ist (z. B. Schulbildung, ein neuer Haarschnitt, neue Kleider) und verhalten sich entsprechend paternalistisch. Hinzu kommt, dass alles mit Ciprians Schachtalent verbunden ist. Hätten sie ihn ohne dieses Talent überhaupt beachtet oder wären sie wie Millionen andere Menschen ohne einen zweiten Blick am bettelnden Kind vorbeigegangen? Hier scheint mir dann doch der weisse Blick und die Problematik des White Saviorism an der Geschichte zu haften. Hätte Ciprian nicht sein Schachtalent, könnten seine französischen Freund*innen ihm auch nicht helfen und fänden es wohl auch nicht "so schade um das vergeudete Talent". Dass Ciprian auch liebenswert wäre, sein Leben und seine Würde auch schützenswert wären, wenn er nichts zu bieten hätte, wird mir zu wenig deutlich gemacht. Allerdings wäre es auch schwierig, das in der Ich-Erzählung aus der Perspektive von Ciprian differenziert unterzubringen. Das wäre auch nicht sehr autenthisch. Fazit Die Absicht von Xavier-Laurent Petit, mit Vorurteilen zu brechen und über Schleuserbanden aufzuklären, ist sicher löblich. Und die Umsetzung im Jugendroman "Der Sohn des Ursars" ist auch spannend und sehr empathisch gemacht. Trotzdem würde ich lieber eine ownvoices-Geschichte von Rom*nja oder Sinti*zze lesen, um auch sicher zu sein, tatsächlich aus ihrer Perspektive auf die Welt zu blicken. Wenn ihr diesbezüglich Tipps habt, bin ich sehr froh über einen Kommentar! Die Fakten Der Sohn des Ursars Xavier-Laurent Petit Désirée Schneider (Übersetzung aus dem Französischen) Knesebeck Verlag 240 Seiten Erschienen am 17.03.2022 Hardcover ISBN: 978-3-95728-538-6 Ab 12 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   PS: Herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar. *  Links mit *  sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Das schönste aller Leben

    Auf das Debüt von Betty Boras habe ich mich schon seit der Buchmesse in Frankfurt letzten Herbst gefreut. Und meine Bloggerkollegin hat mich mit ihrem ersten Roman nicht enttäuscht, im Gegenteil! "Das schönste aller Leben" ist ein grossartiger Start ins Autorinnenleben. Ausgangspunkt des Romans "Das schönste aller Leben" von Betty Boras ist ein Unfall, bei dem sich Vios zweijährige Tochter mit heissem Wasser verbrüht hat. Im einen Handlungsstrang begleiten wir Vio in der Gegenwart beim Umgang mit der Tatsache, dass ihre Tochter bleibende Narben davontragen wird und dass sie sich als Mutter die Schuld daran gibt. "Ich wollte in der Zeit zurückreisen, wollte keinen Unfall erlebt haben, keine Geburt. Nicht meine und nicht die meines Kindes, wollte keine Mutter mehr sein, kein Mensch." / S. 65 In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir Vio, eigentlich Violetta, als Kind und Teenager kennen. Vio kam mit sechs Jahren mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland. Vios Vorfahren sind Banater Schwaben, also Deutsche aus verschiedensten Regionen, die im 18. Jahrhundert ins Banat auswanderten. Je nach Umständen mehr oder weniger freiwillig. Und hier setzt auch der dritte Handlungsstrang rund um Theresia an. Theresia war eine wunderschöne Frau, früh zur Waisin geworden und später so gefährlich schön, dass sie ins Visier der Keuschheitskommission geriet. Die Kommission hatte von Österreichs Erzherzogin Maria Theresia 1752 den Auftrag erhalten, "anstössiges" oder "unsittliches" Verhalten zu unterbinden. Dazu gehörte natürlich auch Sex ausserhalb der Ehe, den die Kommission Theresia vorwarf. "Kein Wunder, dass d' hier bist. Zu viel Schönheit hat noch keinem Weib was Gut's bracht." / S. 20 Schönheit, Herkunft, Identität Vierte Protagonistin, wenn man so will, ist kein Mensch, sondern das alle Zeitachsen und Protagonistinnen verbindende Banat. Die oben bereits erwähnte Region liegt im heutigen Rumänien, wo deutsche Bevölkerungsgruppen im 18. Jahrhundert von den Habsburgern gezielt angesiedelt wurden. Unter dem nationalistischen Diktator Ceaușescu flohen Ende der 1970-er-Jahre viele Banater Schwaben, auch Donauschwaben genannt, zurück nach Deutschland. Neben der Banater Erde verbinden zwei weitere Motive die unterschiedlichen Handlungsstränge: Schönheit und die Suche nach Identität. Die Vio der Gegenwart wünscht sich ein schönes Kind. Nicht der Schönheit wegen, sondern weil sie denkt, dass schöne Menschen es leichter haben im Leben. Neben der Tatsache, dass daran durchaus etwas Wahres ist, stellt sich aber die Frage, weshalb Schönheit für Vio derart essenziell ist. Hier liefert uns der zweite Handlungsstrang rund um Vios Aufwachsen verschiedene Hinweise, die ich hier noch nicht verraten möchte. Die Autorin lässt sich die beiden Vios im Verlauf des Romans immer mehr annähern und erklärt so sehr gut, weshalb die heutige Vio ist, wie sie ist. Auch in Theresias Leben spielt Schönheit eine grosse Rolle. Doch hier wird sie eher zum Fluch, denn eine schöne, ledige, elternlose Frau war im 18. Jahrhundert per se verdächtig. Auch hier streut Betty Boras sehr geschickt feine Verbindungen von Theresia bis zu Vio ein. Eine detektivische Freude, die verbindenden Elemente im Roman zu finden. Die Identitätssuche von Vio findet im Spannungsfeld zwischen der rumänischen Herkunft und der neuen Heimat Deutschland statt. Ein Spannungsfeld, das umso vielschichtiger ist, als dass die deutschsprachigen Banater Schwaben in Rumänien ebenfalls zugewandert waren und bei der Rückwanderung nach Deutschland zu einer Art Fremden in der eigenen, früheren Heimat wurden. "Für Freiheit waren sie in ein Land gegangen, das ihre Vorfahren mehr als zweihundert Jahre vorher verlassen hatten, mit dem sie sich verbunden fühlten, in dem sie aber Fremde waren." / S. 68 Vio hat als Kind eine grosse Integrationsleistung vollbracht, ihre Eltern forderten viel von ihr und gaben selber ihr Bestes und nun hatte sie gehofft, ihrer Tochter die bestmöglichen Startbedingungen zu bieten. Und dann diese Narben! Wie wird das Kind im Kindergarten aufgenommen werden? Was werden die Leute von ihr denken, was von ihrer Mutter? Vio droht an den Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Fazit Ich kann euch nur empfehlen, "Das schönste aller Leben", diesen wunderschön geschriebenen, vielschichtigen Roman von Betty Boras selber zu lesen. Auf 240 Seiten erzählt sie dicht, fein, elegant und gleichzeitig zeitgemäss von Mädchen und Frauen zwischen Schönheitsidealen, tradierten Geschlechterrollen, Muttermythen, dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Wertschätzung. Wollt ihr mehr über das Buch und die Hintergründe seiner Entstehung erfahren? Dann kann ich euch das Gespräch von Florian Valerius ( @literarischernerd ) und Betty Boras ( @bettyboras ) auf Instagram herzlich empfehlen. Die Fakten Das schönste aller Leben Betty Boras hanserblau 240 Seiten Erschienen am 17.02.2026 Hardcover ISBN: 978-3-446-28451-7 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an hanserblau für das Rezensionsexemplar. Das könnte dir auch gefallen Mathilde und Marie - Torsten Woywod (dtv 2026) Lichtungen - Iris Wolff (Klett-Cotta 2024) Wenn wir wieder Menschen sind - Tanja Miljanovi ć (Zytglogge 2024) Angelina. Verlorene Familie - David Bielmann  (Zytglogge 2023) Vatermal - Necati Öziri  (Claassen 2023) Maman - Sylvie Schenk  (Hanser 2023) Birobidschan - Tomer Dotan-Dreyfus  (Voland & Quist 2023) Herkunft - Saša Stanišić  (Luchterhand 2019) In der Fremde sprechen die Bäume arabisch - Usama Al Shahmani  (Limmat Verlag 2018) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Einfach Sunny

    (Werbung/Verlosung) Wie oft habt ihr ein Kinderbuch mit blinder Heldin gelesen? Ich noch nie! Deshalb habe ich mich sehr auf "Einfach Sunny" von Maren Graf und Olivia Vieweg gefreut und wurde nicht enttäuscht. Mit etwas Glück könnt ihr das Buch bald selber lesen. Ich darf nämlich ein Exemplar an euch verlosen. Und oben drauf habe ich noch einen DIY-Tipp für ein Fühlmemory für euch! Sunny ist professionelle Sachen-Sucherin. Die erste Fundsache lässt denn auch nicht lange auf sich warten. Auf dem Gehsteig trifft Sunny mit ihrem Stock auf ein ziemlich grosses, ziemlich schweres, aber auch irgendwie weiches Ding. Das Ding entpuppt sich als Mensch, genauer gesagt, als Ben, der wie Sunny in die dritte Klasse geht und das auch noch an der Schule, die Sunny so gerne bald besuchen würde. Leider ist dieser Ben nicht wahnsinnig gesprächig und scheint irgendwie traurig zu sein. Sunny entscheidet, dass der Junge offensichtlich Hilfe braucht und nimmt ihn kurzerhand mit. Ben lässt sich wirklich jedes Detail aus der Nase ziehen, aber irgendwann findet Sunny heraus, dass er ein "Dings" vermisst und ist entschlossen, ihm bei der Suche zu helfen. Ehrensache, also professionelle Sachen-Sucherin. Ermittlungen mit allen Sinnen Maren Graf nimmt uns in "Einfach Sunny" mit auf eine unterhaltsame Detektivsuche mit der blinden Heldin Sunny. Eindrücklich schildert sie, wie Sunny ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrnimmt. Okay, auf das Sehen muss Sunny verzichten, denn in ihrer Welt ist es dunkel. Aber sie hat ihren Blindenstock, erfühlt ganz viel mit den Händen (und den Untergrund mit den Füssen), riecht und hört ihre Umgebung. "Der Bergweg liegt nur drei Mal Abbiegen von Ferdinands Fundkiste entfernt. Den Weg dorthin kennt sie sogar. Links, über die unebenen Pfastersteine, bei der Bäcker-Ecke rechts, bis sich der süße Duft von Waffeln, Kuchen und Brötchen verzogen hat, dann nach der Bushaltestelle noch mal links." / S. 39 Wie sich Sunny mit Hilfe ihrer Sinne und dem Blindenstock im Raum orientiert, ist sehr eindrücklich mitzuverfolgen. Es ist nicht so, dass Sunny besser hören oder riechen würde als andere, aber diese Sinne haben für sie einen höheren Stellenwert, sind durch die Übung bestens geschärft. Ben fragt sich sogar: "Ob Sunny einen Extra-Sinn hat? Der ihre Augen ersetzt? Kann ja eigentlich nicht sein. Aber trotzdem. Sunny kann irgendwie unter die Haut gucken. Ja, genau so fühlt sich das an. Wahrscheinlich hört sie gerade sogar sein Herz klopfen." / S. 113 An dieser Textstelle wird schon deutlich, dass Sunny nicht nur ihre Sinne gut nutzt, sondern auch ein gutes Gespür für Menschen und ihre Gefühle hat. Und dieses Gespür wird sich im Verlaufe der Ermittlungen noch als sehr hilfreich erweisen. Ermittlungen mit Hindernissen und Erdbeereis Auf dem Vorsatzpapier könnt ihr erkennen, womit Sunny und Ben es so zu tun kriegen bei ihren Ermittlungen. Was es mit dem Dackelmann, dem Monster, einer Gartenmauer und einem Erdloch so auf sich hat, müsst ihr natürlich selber lesen. Auf jeden Fall wird das Team vor so einige Herausforderungen gestellt und dabei geht es nicht nur um das verlorene Dings, sondern auch noch um eine Freundschaft, fiese Mobber und Sunnys Zukunft an der neuen Schule. "»Das Leben schenkt dir nicht immer nur Erdbeereis. Du musst auch mal bereit sein für Überraschungen.«" / S. 133 Maren Graf zeichnet ihre Heldin sehr vielschichtig. Und klar, auch eine Heldin hat mal zu kämpfen und das Blindsein ist in manchen Situationen echt unpraktisch, das wird gar nicht beschönigt. Der zurückhaltende Ben bildet einen guten Kontrast zur quirrligen, immer optimistischen Sunny. Die meisten Kapitel werden aus der Perspektive von Sunny erzählt, einige aber auch aus Bens Sicht. Welchen Blick wir gerade einnehmen, ist an der farblichen Gestaltung der Kapitel zu erkennen (rot für Sunny, grün für Ben). Das Kinderbuch bebildert hat Olivia Vieweg. Wie ihr seht, ist von kleinen Vignetten bis zu seitenfüllenden Illustrationen alles dabei. Die Bilder sind in ganz warmen Farben gehalten, so als wären sie - wie Sunnys Gemüt - in Sonnenlicht getaucht worden. Neben den auflockernden Bildern kommt den jungen Leser*innen auch der lockere Satz entgegen. Die Schrift ist relativ gross, die Seitenränder breit und die Zeilenabstände so gross, dass man nicht in der Zeile verrutscht. So wird "Einfach Sunny" für Kinder ab etwa 8 Jahren zu einem tollen Leseerlebnis. Fazit "Einfach Sunny" von Maren Graf und Olivia Vieweg ist eine Detektivgeschichte mit Humor, einer ursympathischen Heldin, einer wunderbaren Freundschaft und der richtigen Portion Spannung. Von mir gibt es natürlich eine sonnige Leseempfehlung! Die Fakten Einfach Sunny Maren Graf (Text) Olivia Vieweg (Illustration) Thienemann 208 Seiten Erschienen am 28.01.2026 Hardcover ISBN: 978-3-522-18863-0 Ab 8 Jahren Buch kaufen bei Thienemann-Esslinger*   Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   Maren Graf auf Instagram Olivia Vieweg auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. DIY-Tipp: Ein Fühlmemory basteln Um sich einmal ganz auf seinen Tastsinn zu konzentrieren, bietet sich ein Fühlmemory an. Das lässt sich natürlich in ganz unterschiedlichen Varianten vorstellen. Wir haben eine Variante mit verschiedenen Oberflächen auf typischen quadratischen Memory-Kärtchen. Diese könnt ihr mit Karton und Materialien, die ihr im Haushalt findet, ganz einfach selber basteln. Anstatt den Stoffbeutel mit Kordel und die Augenbinde selber zu nähen, könnt ihr natürlich auch einfach irgendeinen Beutel und eine vorhandene Augenbinde oder ein Tuch zum Verbinden der Augen nehmen. Kinder selber machen lassen oder einbeziehen Beim Basteln und Nähen können die Kinder gut die Hauptarbeit übernehmen. Meine Tochter hat in der 2. Klasse sämtliche Teile des Fühlmemorys selber gemacht. Der Beutel lässt sich aus einem Stück Stoff auch von Hand ganz einfach nähen. Die Augenmaske besteht aus zwei Filzstücken, die ebenfalls von Hand zusammengenäht und mit einem Gummiband (mit Filzstift etwas verschönert) versehen werden. Zu den Kärtchen können sicher auch kleinere Kinder schon etwas beitragen. Folgende Materialien bieten sich zum Bekleben an: verschiedene Stoffe - etwa Seide, Jute, Plüsch, Netzstoff Filz und (Kunst-)Leder verschiedene Papiere, Kartons (z.B. Wellpappe) und Folien verschiedene Kunststoffe - etwa dünne Kunststoffmatte, Isolier- oder Verpackungsmaterial Je ähnlicher die gewählten Materialien sind, je kniffliger wird das Memory. So wird gespielt Wir spielen das Memory so, dass wir eine Hälfte der Kärtchen auf dem Tisch auslegen. Die andere Hälfte bleibt im Beutel. Reihum zieht jemand die Augenbinde an und greift dann in den Beutel. Das Pendant des gezogenen Kärtchens muss dann durch Erfühlen - nicht schummeln! - auf dem Tisch gefunden werden. Wenn man mag, kann man natürlich auch noch ein Zeitlimit setzen, um die Schwierigkeit twas zu erhöhen. Mitspielen können alle zwischen etwa 3 und 99 (oder darüber hinaus)! Viel Spass! Eure Eliane VERLOSUNG: Gewinne 1x "Einfach Sunny" von Maren Graf und Olivia Vieweg Aus Anlass unserer Blogtour rund um "Einfach Sunny" darf ich ein Exemplar des Buches an euch verlosen. Und so kannst du in den Lostopf hüpfen: Lass mich in den Kommentaren wissen, welchen deiner Sinne du am meisten vermissen würdest. Vergiss nicht, deine E-Mail-Adresse anzugeben , damit ich dich bei einem Gewinn kontaktieren kann! (Die Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.) Auch hier kannst du in den Lostopf hüpfen: Instagram   Facebook   Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Mittwoch, 4. Februar 2026, 23:59 Uhr . Schau auch bei der Autorin und den anderen Blogger*innen vorbei. Auch da kannst du jeweils ein Buch gewinnen! Alle Infos zur Blogtour gibt's im Instagram-Post . Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du per Mail bzw. PN auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den Verlag. Dafür gebe ich deine Adresse weiter an Thienemann-Esslinger Verlag. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Das könnte dir auch gefallen - noch mehr Kinder-Detektive im Einsatz Ein Winter in Schweden - Weihnachten in Småland - Miriam Schaps, Uta Polster (Biber & Butzemann 2025) Die Hochhaus-Detektive - Band 1 - Johanna Lindemann, Elli Bruder (EMF Verlag 2023) Die Wilden Rüben - Das Geheimnis von Garten Nr. 8 - Dorthe Voss und Stefanie Klassen (Thienemann-Esslinger 2023) Detektivbüro LasseMaja - Martin Widmark, Helena Willis (Edition Helden 2023) Weihnachten mit Juli - Petra Eimer (Baumhausbande 2021) Matti und Max - Abenteuer in New York - Sandra Lehmann, Manja Adamson  (Biber & Butzemann 2019) Matti und Max - Abenteuer in Berlin - Sandra Lehmann, Manja Adamson  (Biber & Butzemann Verlag 2020) - Mit einem Autorinneninterview! * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. 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  • Belichtet & Benebelt - Zwischen Alkohol und Auslöser

    (Werbung/Verlosung) Oliver Baer war einst gefragter Fotograf und Videoproduzent - und Alkoholiker. Jetzt legt er seine Autobiografie "Belichtet & Benebelt" vor. Zum Buchrelease könnt ihr hier ein signiertes Exemplar gewinnen. Wie wird man Alkoholiker und wie kommt man aus dieser Sucht wieder heraus? Oliver Baer macht sich in seiner Autobiografie "Belichtet & Benebelt" auf die Spuren seiner Sucht. Er tut das sehr offen, ja schonungslos. Manchmal ist das vielleicht etwas viel, zu viel, aber es ist ehrlich und autenthisch. Das Krasse daran ist, dass seine Sucht sehr früh begann, er aber gegen aussen immer funktioniert hat, ja sogar sehr erfolgreich war. Er erzählt seine Geschichte in sechs Episoden, chronologisch vom Aufwachsen im Kanton Aargau - ganz in meiner Nähe -, über den Aufbau seiner Karriere als Fotograf und Videoproduzent und seinen Absturz, bis zu den Versuchen des Ausstiegs aus der Sucht und dem Finden einer neuen Perspektive - im doppelten Sinne. Besonders berührt haben mich die Schilderungen seines Aufwachsens. Es wird schnell klar, dass da der Grundstein für seine spätere Sucht gelegt wurde. Natürlich nicht im Sinne einer direkten Kausalität, aber indem Oliver Baer schon als Kind ein viel zu schwerer Rucksack aufgebürdet wurde. Seine Eltern waren getrennt, er lebte bei seiner Mutter, die infolge eines Unfalls unter unvorstellbaren Schmerzen litt. Dadurch war er viel zu früh auf sich alleine gestellt, musste viel zu viel Verantwortung tragen - für sich und seine Mutter. Die Schule war leider kein Ort, wo er unbeschwert hätte sich selbst sein, lernen und aufblühen können, sondern ein weiteres Korsett, in das er nicht so recht passen wollte. Und auch beim Vater, zu dem er durchaus einen guten Kontakt hatte, fühlte er sich nicht rundum aufgehoben, sondern teils noch stärker unter Druck gesetzt. Sucht und Leistung - eine gegenseitige Abhängigkeit Schon als Jugendlicher entdeckte er das Fotografieren für sich, genoss den Blick durch die Linse, die im einen Fokus gab, einen Anker, den er sonst im Leben nicht fand. Gleichzeitig begann er aber auch zu trinken, nahm Drogen, stürzte immer häufiger ab. Eine weiterführende Schule kam nicht in Frage, das Bewerbungsgespräch für die Lehre bei einem renomierten Fotografen liess er sausen. Und doch, er wurde autodidaktisch und dank seinem offensichtlichen Talent zu einem gefragten Fotografen, später auch Videoproduzenten. "Offenbar war es akzeptiert, oder ich hatte mich so positioniert, dass Alkohol und Kamera eins schienen. Sie war inzwischen nicht mehr nur Begleiterin, sondern Symbol. Sie und eine gute Flasche Wein gehörten zusammen..." / S. 166 Um dem Druck standzuhalten und wie er sich einredete, um auf dem Boden zu bleiben, gehörte für Oliver Baer der Alkohol dazu. Nicht ein Glas, sondern literweise trank er. Zuerst Bier in Dosen, später Wein in Flaschen. Sie füllten seinen Kühlschrank anstelle von Essen. Natürlich kam irgendwann der Absturz, der Versuch des Ausstiegs, der Rückfall. "Dieser verdammte Gin Tonic mit Bombay Saphire Gin, das war kein Genuss. Ich trank ihn, als wäre ich in einer Wüste unterwegs und fände nach stundenlangem Suchen endlich eine Wasserquelle." / S. 132 Wie er sich aus der Sucht kämpfte, sich neu orientierte und bis heute trocken ist, müsst ihr in "Belichtet & Benebelt" selber nachlesen. Oliver Baer sieht sein Buch als Gesprächsangebot. Und Gesprächsanlässe bietet dieser Erfahrungsbericht auf jeden Fall. Keine Lösungen, klar, weil jede Sucht individuell ist. Aber Anlässe, um sich über die gesellschaftlichen Strukturen Gedanken zu machen, in denen sich solche Abhängigkeiten entwickeln: Von der mangelnden Begleitung und Unterstützung von Familien und Kindern - besonders in vulnerablen Situationen -, über den viel zu leichten und günstigen Zugang zu und die Normalisierung von Alkohol als Genuss- statt als Suchtmittel, bis zur Tabuisierung der Sucht und dem Abtun als individuelles Scheitern statt als Symptom einer Vielzahl systemischer und individueller Ursachen. Es würde wahrscheinlich nichts helfen, aber eigentlich sollten alle Parlamentarier:innen dieses Buch lesen, bevor sie das nächste Mal wieder Mittel für Suchtprävention, Kinder- und Jugenschutz streichen und gleichzeitig den Weinanbau grosszügig subventionieren und danach zu ihrem nächsten Apéro mit massig Fendant aufbrechen. Fazit "Belichtet & Benebelt" von Oliver Baer nimmt die Leser:innen mit in den Abgrund einer Alkoholsucht. Es ist eine schmerzhaft ehrliche und direkte Auseinandersetzung mit seiner Person, seinem Werdegang, seinen Verlusten und dem tiefen Fall. Gleichzeitig beeindruckt der Kampf um einen Weg aus der Sucht und sein unbändiger Wille, etwas aus seinem Leben zu machen. Das Buch regt nicht nur zum Nachdenken und einem gesellschaftlichen Diskurs über den Umgang mit Suchtmitteln - ob nun legal oder illegal - an. Es hält uns auch dazu an, in unserem Umfeld hinzuschauen und offen über - problematischen - Konsum zu sprechen und bei Bedarf Hilfe zu suchen. Die Fakten Belichtet & Benebelt Zwischen Alkohol und Auslöser - endlich fokussiert nüchtern Oliver Baer 272 Seiten Erschienen am 03.02.2026 Taschenbuch ISBN: 978-3-033-11584-2 Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Oliver Baer auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Oliver Baer für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. VERLOSUNG: Gewinne ein signiertes Exemplar von "Belichtet & Benebelt" Zum Release von "Belichtet & Benebelt" von Oliver Baer darf ich ein signiertes Exemplar an euch verlosen. So könnt ihr euch Lose sichern: Auf dem Blog: Verrate mir in den Kommentaren, ob du das Buch selber lesen möchtest oder wem du es schenken würdest. Vergiss nicht, deine E-Mail-Adresse anzugeben , damit ich dich bei einem Gewinn kontaktieren kann! (Die Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.) Auch hier kannst du in den Lostopf hüpfen: Instagram   Facebook   Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Freitag, 6. Februar 2026, 23:59 Uhr . Viel Glück! Eure Eliane Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du per Mail bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch mich. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Diese Bücher könnten dir auch gefallen Demon Copperhead - Barbara Kingsolver (dtv 2024) Das Geheimnis meiner Superkraft - Alison Bechdel (KiWi 2023) Vatermal - Necati Öziri (Claasen 2023) Cleopatra und Frankenstein - Coco Mellors (Eichborn 2023) 22 Bahnen - Caroline Wahl (Dumont 2023) Silberregen glitzert nicht - Christine Werner  (Mixtvision 2023), ab 11 Jahren Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier  (Kampa 2022) Das grüne Auge - Nathacha Appanah  (Lenos Basel 2021) Auf Erden sind wir kurz grandios - Ocean Vuong  (Hanser Verlag 2019) Loyalitäten - Delphine de Vigan  (Dumont 2018) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum?

    (Werbung) Warum können sich nicht alle gleich viel leisten? Weshalb leben einige Kinder im Luxus und andere müssen arbeiten, statt zur Schule zu gehen? "Das ist doch unfair!", sagen Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs und erklären in ihrem Sachkinderbuch, warum es Armut und Reichtum gibt. Bei uns stehen bald die Skiferien an. Doch nicht alle können sich teure Skiferien und das Equipment dafür leisten, auch ein Skilager ist finanziell nicht für alle Kinder machbar. Weshalb ist das so? "Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum?" von Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs liefert Kindern ab etwa 7 Jahren Antworten auf solche Fragen. Was ist überhaupt arm? Die Autorinnen streifen in ihrem Kindersachbuch zahlreiche Themen rund um Armut und Reichtum. Zuerst geht es darum, wie Armut überhaupt aussieht, sie macht sich nämlich nicht nur im Portemonnaie bemerkbar, sondern entscheidet auch darüber, wie stark oder schwach wir am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Sie hat Einfluss auf die Bildung und damit auf die späteren Berufschancen und den künftigen Lohn. Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs liefern die nötigen Informationen, erklären Zusammenhänge, geben Kindern ein Gefühl für das Ausmass von Armut in Deutschland und weltweit. Sie lassen dabei aber immer auch die Kinder selber zu Wort kommen. Darunter sind Kinder, die von Armut betroffen sind oder deren Familien Gefahr laufen, arm zu werden. Aber auch solche, die sich offensichtlich alles Nötige und Mögliche leisten können. Durch die Voten von Kindern, werden die Erfahrungen und Gefühle für die jungen Leser*innen sehr alltagsnah und gut nachvollziehbar. Da geht noch was! Immer wieder wird auch deutlich gemacht, wie stark bestehende Strukturen und die Politik über Armut und deren Vererbung bestimmen. Klar wird, es ist Zufall, ob wir in eine arme oder reiche Familie hineingeboren werden und ob wir in der Folge mehr oder weniger Chancen haben - auf Bildung, auf Zugang zu Kultur, Gesundheitsleistungen, Freizeitangebote, Urlaub usw. Auch über weitere Ursachen von Armut erfahren wir etwas: etwa Krieg im Herkunftsland, mangelndes Arbeitsangebot, Ausschluss von Bildung (v.a. für Mädchen), eine Krankheit oder Invalidität. So wird klar: Jede und jeder kann arm werden. Nur weil man reich geboren wird, heisst das nicht, dass es immer so sein wird, aber man hat bessere Startchancen als andere. Da das Buch in Kooperation mit Oxfam Deutschland entstanden ist, geben die Autorinnen anhand von Beispielen aus dem Jemen und dem Niger einen kleinen Einblick in Oxfams Arbeit und wie sie Armutsbetroffenen helfen. Auch Massnahmen zur Armutsbekämpfung in Europa sind ein Thema. Das Buch endet denn auch mit einer positiven und kämpferischen Message, dass wir weiter solidarisch dafür kämpfen, dass möglichst wenige Kinder von Armut betroffen sind, dass alle dieselben Chancen haben und die verbrieften Kinderrechte endlich Realität werden. Sarah Tabea Hinrichs hat nicht nur zum Text beigetragen, sondern auch die wundervoll vielfältigen Illustrationen beigesteuert. Wir sehen eine Vielfalt in Bezug auf das Alter, Hauttöne, Kleidungsstile, kulturelle Hintergründe und am Rande auch die körperlichen Voraussetzungen. Hier wäre bezüglich unterschiedlicher Körperformen und einer Viefalt an unterschiedlichen Behinderungen noch mehr möglich gewesen. Ansonsten sind die Illustrationen aber sehr divers und klischeefrei, auch in Bezug auf Geschlechterrollen. Gestalterisch und inhaltlich gelungen finde ich auch, dass wir bereits auf dem Vorsatzpapier mit O-Tönen von Kindern in das Thema eintauchen. Die Sprechblasen sind dann auch durch das gesamte Buch ein wichtiges Element, um die Stimme der Kinder zu vermitteln. Die diskriminierungssensiblen Formulierungen - zum Beispiel die Vermeidung von Klassismus - sind sicher auch dem Sensitivity Reading von Journalistin und Autorin Mareice Kaiser zu verdanken. Fazit Wer auf der Suche nach einem Kindersachbuch ist, das einen umfassenden Überblick über die Armutsproblematik gibt, erklärt, wie Armut und Reichtum entstehen und wie sich Kinder damit fühlen, ist mit "Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum?" von Inka Friese und Sarah Tabea Hinrichs sehr gut beraten. Die Fakten Das ist doch unfair! Warum gibt es Armut und Reichtum? Inka Friese (Text) Sarah Tabea Hinrichs (Text + Illustration) Fischer Sauerländer 40 Seiten Erschienen am 24.04.2024 Hardcover ISBN: 978-3-7373-7276-3 Ab 7 Jahren Zur Leseprobe* Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)*   Inka Friese auf Instagram Sarah Tabea Hinrichs auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Sarah Tabea Hinrichs und an den Fischer Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar. Das könnte dich auch interessieren Moor Myrte und das Zaubergarn - Sid Sharp (NordSüd 2025) Die Hochhaus-Detektive - Band 1 - Johanna Lindemann, Elli Bruder (EMF Verlag 2023) Home - ein Kinderbuch über Wohnungslosigkeit - Tonya Lippert, Andrea Stegmaier (Magination Press 2022) Alles Arbeit oder was?! - Mieke Scheier (Beltz & Gelberg 2021) Kein Bett in der Nacht - Maria Inês Almeida, José Almeida de Oliveira, Cátia Vidinhas  (Knesebeck 2021) Papierklavier - Elisabeth Steinkellner, Anna Gusella (Beltz & Gelberg 2020) Der Weihnachtsbaum - Delia Huddy, Emily Sutton  (Aladin 2015) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Mathilde und Marie

    (Werbung) Seid ihr auf der Suche nach einem Roman, der euch eine wundervolle Auszeit voller Bücher, Empathie und sympathischer Charaktere beschert? Dann kann ich euch Torsten Woywods Debütroman "Mathilde und Marie" von Herzen empfehlen. Vielleicht kennt ihr die Sachbücher von Torsten Woywod, den ich als Büchermensch durch und durch bezeichnen würde: In 60 Buchhandlungen durch Europa* oder In 80 Buchhandlungen um die Welt* . Nun ist mit "Mathilde und Marie" bei dtv sein erster Roman erschienen. Ich hätte mir für die Zeit zwischen den Jahren keine bessere Lektüre vorstellen können. Marie, eine Mittzwanzigerin, ergreift nach einem lebensverändernden Ereignis die Flucht aus dem trubeligen, stressigen, lauten Paris. Sie besteigt den erstbesten Zug und landet in Belgien. Schon im Regionalzug in Richtung Libramont, in den Ardennen, lernt sie Jónína kennen. Die ältere Isländerin überzeugt Marie, sie ins Bücherdorf Redu zu begleiten. Ja, das Dorf gibt es wirklich und es ist voller Buchhandlungen für jedes Bedürfnis oder Spezialinteresse. Entschleunigung pur Marie hat anfangs Mühe, sich auf den Aufenthalt in Redu einzulassen, ist sie hier doch praktisch abgeschnitten von der Aussenwelt. Im Dorf gibt es nur für eine Stunde pro Tag überhaupt Internetempfang - erzwungenes Detox sozusagen. Doch dann ergreift Marie die Chance, so richtig zu entschleunigen, sich Gedanken über ihr Leben und ihre Erwartungen an die Zukunft zu machen. Und dann geschieht noch etwas: Jónína verlässt das Dorf ohne Vorankündigung für eine Weile in Richtung ihrer Heimat und wirft Marie ins kalte Wasser: Plötzlich steht die junge Frau alleine da mit Jónínas Buchhandlung und deren Hündin Anneliese. Zum Glück gibt es noch ein paar andere nette Bewohner:innen von Redu - und dann ist da noch die mürrische, einzelgängerische Mathilde. Der Buchtitel lässt es vermuten: Die beiden nähern sich nach und nach an. Bald verbindet sie eine generationenübergreifende Freundschaft. Was hinter Mathildes Traurigkeit und Isolation steckt, verrate ich natürlich an dieser Stelle nicht. Und auch, welche Rolle eine Kiste voller Schlüssel spielt, müsst ihr euch selber erlesen. Klar ist, dass die beiden Frauen sich gegenseitig zu einer wichtigen Stütze werden. Wohlfühlbuch mit Tiefgang Torsten Woywod lässt uns mit "Mathilde und Marie" eintauchen in eine Welt voller Bücher, lässt uns entschleunigen, die Natur mit den Protagonist:innen mit jeder Faser geniessen. Seine Figuren sind eigenwillig, charakterstark, manchmal etwas verschroben, aber immer liebenswert. Das gilt auch für den Ort Redu, der neben den menschlichen und tierischen Figuren durchaus als wichtiger Protagonist im Buch betrachtet werden kann. In einer Online-Buchpremiere mit Florian Valerius (bekannt als @literarischernerd auf Instagram ) hat Torsten Woywod verraten, dass Anneliese seinem eigenen, leider viel zu früh verstorbenen Hund Nele nachempfunden ist. Nele ist dieser Roman denn auch gewidmet. Torsten Woywod schreibt elegant und man kann es nicht anders sagen: schön. Er schildert die Ereignisse in drei Teilen und aus den unterschiedlichen Perspektiven von Marie, Jónína und Mathilde, wodurch die Lektüre immer abwechslungsreich bleibt. Nicht ganz autenthisch fand ich teilweise, wie sich Jónína und Thomas, der Bäcker von Redu, ausdrücken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand so spricht. "Tut mir leid, liebe Marie. Ich wollte dir nicht zu nahe treten, das war mein Fehler, nicht deiner. Wobei ich eigentlich gar nicht von einem Fehler sprechen möchte, im Gegenteil. Nennen wir es eine ausgesprochen direkte Art des Kennenlernens, wodurch die Karten gleich offen auf dem Tisch liegen..." / S. 19 Insgesamt finde ich diese etwas gestelzten Dialoge verzeihbar, weil es den Figuren sofort Charakter verleiht. Über einige Formulierungen wie "mit einem Fingertipp" oder "es regnete Hunde und Katzen" bin ich gestolpert, da sie wie aus dem Englischen übersetzt klingen. Passender wären wenn schon Wendungen aus dem Französischen gewesen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und tut dem Lesegenuss keinen Abbruch. Torsten Woywod gelingt es mit seinem Romandebüt, die Leser*innen eintauchen zu lassen in eine völlig andere Welt. Die Lektüre ist entschleunigender Eskapismus pur. Und das Schönste daran? Es ist keine Utopie. Solche Menschen, das Leben in Gemeinschaft und mit ganz vielen Büchern gibt es wirklich! Ich würde sagen: Auf nach Redu! Oder wahlweise : "Mathilde und Marie" lesen! Hier geht's zur Leseprobe von Book 2 Look* . Der Autor sagte im Gespräch mit Florian Valerius: "Hoffentlich ein Buch, das einfach gut tut." Diese Hoffnung hat sich zumindest für mich zu 100 Prozent bestätigt. Fazit "Mathilde und Marie" von Torsten Woywod ist eine literarische Ode an das Entschleunigen, an die Freundschaft und das Leben in Gemeinschaft. Mich würde es nicht erstaunen, wenn das Buch dieses Jahr auf der LIste zum Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen oder anderen Bestenlisten auftauchen würde. Von mir gibt es deshalb eine ganz herzliche Leseempfehlung! Die Fakten Mathilde und Marie Torsten Woywod dtv Verlag 336 Seiten Erschienen am 15.01.2026 Hardcover mit Lesebändchen ISBN: 978-3-423-28512-4 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)* Torsten Woywod auf Instagram Torsten Woywods und Frauke Meurers Verlag PS: Herzlichen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar und die Einladung zur digitalen Buchpremiere. Das könnte dir auch gefallen Sonnenhang - Kathrin Weßling (Rowohlt 2025) Umlaufbahnen - Smantha Harvey (dtv 2024) Bei euch ist es immer so unheimlich still - Alena Schröder (dtv 2023) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Jina. Das Mädchen, das Leben heisst

    "Jina. Das Mädchen, das Leben heisst" von Zilan Sarah Koeßler und Clara Gilod ist ein Bilderbuch über ein starkes, freiheitsliebendes Mädchen. Es ist das Portrait der jungen kurdischen Frau Jina Amini, die am Ursprung der Protestbewegung "Frau, Leben, Freiheit" steht und bis heute Quelle der Inspiration und des Mutes für den Freiheitskampf im Iran und weltweit ist. "An alle Mädchen und Frauen, die Freiheit suchen, um mit ihr zu tanzen." Genau das tat Jina Amini, die junge Kurdin, gerne. Und sie wollte dies nicht nur im Geheimen tun, sondern wann, wo und wie sie wollte. Sie suchte die Freiheit. Doch diese wurde ihr vom iranischen Regime genommen - mit ihrem Leben. Welch bittere Ironie, denn der Name Jina bedeutet "Leben"! Autorin Zilan Sarah Koeßler erzählt in ihrem Kinderbuch "Jina. Das Mädchen, das Leben heisst" von dieser eindrücklichen jungen Frau, die nach Freiheit suchte und bedingungslos dafür einstand. Behutsam erzählt die Autorin vom Leben Jinas und ihrer kurdischen Mitmenschen im Iran. Es war (und ist) geprägt von strengen Regeln und vielen Verboten - ganz besonders für Frauen und Mädchen. So durfte Jina in der Öffentlichkeit nicht tanzen oder singen, nicht die Kleider tragen, die sie wollte und auch keine Haare zeigen. Wie wir alle wissen, tat sie aber genau das, wurde festgenommen und starb in Gefangenschaft. Und so bildete sich die breite, feministische Protestbewegung mit dem Ruf "Frau, Leben, Freiheit!" bzw. "Jin Jiyan Azadi!". Eine Bewegung, die mit eine Basis ist für die aktuell wieder sehr grossen Proteste im ganzen Land. Aber zurück zum Kinderbuch: Zilan Sarah Koeßler erzählt die Geschichte von Jina stark rhytmisiert, so dass sie sehr eingängig und eindringlich, aber doch kindgerecht erscheint. Die französische Illustratorin Clara Gilod hat die Erzählung mit ihren Illustrationen gestalterisch umgesetzt. Sie zeigt uns die traditionelle kurdische Bekleidung, die Ausgelassenheit von Jina und ihren Freund:innen, Bekannten und Verwandten, wenn die Regelmacher des iranischen Staates fern waren. Und im Kontrast dazu die düstere, eintönige Umgebung in der gut überwachten Stadt - und noch schlimmer im Gefängnis. Besonders eindrücklich finde ich hier, wie Clara Gilod die Haare als Symbol für die Freiheit auch gestalterisch einsetzt, indem sie die Verbindung aus der Gefangenschaft in die Freiheit darstellen. Als wären Jinas Haare nicht zu bändigen, suchen sich die Strähnen einen Weg durch die Gitterstäbe nach draussen. Genauso wie ihre Haare zuvor den Weg aus dem Hidjab fanden. "Jina war im Gefängnis, weil sie die Regeln gebrochen hatte. Regeln, die unfair waren. Die Regelmacher sperrten Jinas Haare weg, doch sie wussten nicht, dass Gefängnisgitter Jinas Haare nicht aufhalten konnten." Mit ihrem Buch gibt die kurdische Autorin etwas von Jinas Mut weiter, vermittelt ihn schon jungen Leser:innen und erklärt, wie Jina weiterlebt - in Liedern, in Tänzen, in Protesten und hoffentlich bald in einer befreiten, selbstbestimmten kurdischen (und iranischen) Gesellschaft. Zum Buch gibt es eine Erzählbox , die sich den Themen Freiheit und Mut widmet. Mit kreativen Aktivitäten und einem kurdischen Lied wird Jinas Geschichte in die Realität geholt und junge Leser*innen können sich ihr mit allen Sinnen nähern und sich auf die Suche nach ihrer inneren Stimme begeben. Das Buch ist übrigens zuerst in der englischen Version erschienen, die es unter dem Titel "Jina. The Girl whose Name means Life" natürlich ebenfalls weiterhin bei Blue Boat Books zu kaufen gibt. Die Fakten Jina. Das Mädchen, das Leben heisst Zilan Sarah Koeßler (Text) Clara Gilod (Illustration) Blue Boat Books 42 Seiten Erschienen am 24.05.2025 Hardcover ISBN: 978-3-911957-00-7 Ab 6 Jahren Buch oder Storybox kaufen bei Blue Boat Books Zilan Sarah Koeßler bei Instagram Clara Gilod bei Instagram Blue Boat Books bei Instagram PS: Herzlichen Dank für das digitale Rezensionsexemplar an Blue Boat Books und NetGalley DE. Noch mehr über Jina Amini und "Frau, Leben, Freiheit" Marjane Satrapi hat mit "Frau, Leben, Freiheit" eine Graphic Novel herausgegeben (Rowohlt 2023). Damit porträtiert sie gemeinsam mit Iran-Experten und Zeichner:innen aus Iran, Europa und den USA die gleichnamige feministische Protestbewegung und macht Hoffnung, dass die Befreiung der Iraner:innen vom Islamischen Regime gelingen kann.

  • Malva und das verborgene Atelier - Eine Entdeckungsreise durch die Welt der Farben

    Habt ihr Lust, in die Welt der Farben einzutauchen und eure Kreativität hervorzukitzeln? Dann ist das Mimachbuch "Malva und das verborgene Atelier" von Anna Elisabeth Schilling ein toller Einstieg. Auf dem Cover steht zwar nur der Name Anna Elisabeth Schilling. Doch eigentlich ist "Malva und das verborgene Atelier - Eine Entdeckungsreise durch die Welt der Farben" ein Gemeinschaftswerk - ja, ein richtiges Generationenwerk. Denn mitgewirkt haben neben der Autorin auch ihre Tochter und ihre 14 Enkelkinder - sei es beim Texten, der Projektleitung oder mit eigenen Kunstwerken. Einige der Aquarelle stammen sogar von Anna Elisabeth Schillings Vater. Die Welt der Farben im Garten Aber kommen wir zum Inhalt: Malva verbringt die Sommerferien bei ihrer Oma, genannt Nana. Total langweilig hier, keine Kinder, kein Internet, nur Malva und Nana. Wie soll sie da nur die Zeit rumbringen? Doch gleich zu Beginn macht Malva eine spannende Entdeckung. Im Garten der zukünftigen Wohngemeinschaft von Nana und ihren Freundinnen Lina und Judith verbirgt sich nämlich ein altes Atelier. Das Atelier und Omas Zeichenmappe öffnen Malva praktisch die Tore zur Aquarellmalerei. Nana zeigt ihrer Enkelin und damit auch den Leser*innen alles über Farbenlehre, Aquarelltechnik, Perspektive, Harmonie und Kontrast, Bildkomposition und mehr. Dabei erfährt man auch viel Spannendes etwa über die Herstellung von Farbe oder ihre Bedeutung in verschiedenen Weltregionen oder Zeitepochen. Nana gibt Malva auch tolle Impulse, um die neuen Kenntnisse direkt anzuwenden. Selber aktiv werden So verbringt Malva ganz viel Zeit mit Malen. Von ihren Erfahrungen und dem neuen Wissen berichtet sie immer wieder ihrer Freundin Rafi in Briefen - ja, echten Briefen. Internet gibt's ja keines bei Oma auf dem Land. Aber Briefe sind eh praktisch, denn so kann sie ihrer Freundin auch ab und zu ein Bild beilegen oder eine Vorlage zum Selbermachen. Dank den Mitmach-Seiten können die Leser*innen ab etwa 10 Jahren direkt ins Tun kommen und ihrer Kreativität beim Aquarellmalen freien Lauf lassen. Das Buch würde sich bestimmt auch toll für den Unterricht eignen, sei es in Gänze oder zu ausgewählten Themen. Anna Elisabeth Schilling bringt besonders gegen Ende des Buches, wenn wir Rafi und ihre WG-Freundinnen kennenlernen, Vielfalt ins Spiel. Noch Potenzial sähe ich bei der Auswahl der kurz erwähnten Künstler. Handelt es sich dabei doch durchgehend um Männer. Gerade die virtuose Aquarellkünstlerin Georgia O'Keeffe hätte doch einen Platz im Buch verdient. Fazit "Malva und das verborgene Atelier" von Anna Elisabeth Schilling lädt, wie es der Untertitel besagt, zu einer Entdeckungsreise durch die Welt der Farben ein. Dabei handelt es sich nicht um ein trockenes Sachbuch, sondern ein Mitmachbuch, das auch noch von einer schönen Geschichte eingerahmt wird. Indem die junge Malerin Malva ins Zentrum gestellt wird, sinkt für die Leser*innen die Hemmschwelle. So motiviert das Buch, die Tipps und Tricks direkt umzusetzen, in die Welt der Farben einzutauchen und die eigene Kreativität auszuleben. Ein tolles Geschenk für kreative Kinder und Jugendliche und alle, die es werden wollen! Die Fakten Malva und das verborgene Atelier - Eine Entdeckungsreise durch die Welt der Farben Anna Elisabeth Schilling (Text & Ilustration) maauwikids 123 Seiten Erschienen am 15.07.2025 Hardcover ISBN: 978-3-9827305-0-9 Ab 10 Jahren Buch kaufen bei maauwikids Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   maauwikids auf Instagram Noch mehr Bücher rund um Kunst, Farbe und Kreativität Die graue Stadt - Torben Kuhlmann (NordSüd Verlag 2023) Ava und die Rückkehr der Farben - Annika Klee, Stella Eich (Jupitermond Verlag 2023) Gaudí - Architekt der Fantasie - Susan B. Katz, Linda Schwalbe (NordSüd Verlag 2022) Kunstfresser - Aus dem Leben einer Museumsmotte - Christine Ziegler, Stephanie Marian (Südpol Verlag 2021) Ein Museumstag - Susanna Mattiangeli, Vessela Nikolova (Bohem 2021) Frida Kahlo. Kleine Bibliothek grosser Persönlichkeiten - Isabel Thomas, Marianna Madriz  (Laurence King Verlag 2020) Frida Kahlo. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara  (Insel Verlag 2019) Die Königin der Farben - Jutta Bauer  (Beltz & Gelberg 2019) Bobs blaue Periode - Marion Deuchars (Laurence King Verlag 2019) Frida Kahlo und ihre Tiere - Monica Brown und John Parra (NordSüd Verlag 2017) Ich male mir ein seltsames Tier - Sarah Numan, Renate Habinger  (NordSüd Verlag 2017) Das kleine Blau und das kleine Gelb - Leo Lionni (Oetinger 1962) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Weihnachten mit Juli

    (Werbung/Verlosung) Habt ihr Lust auf ein weihnachtliches Abenteuer voller Humor und Turbulenzen? Dann kann ich euch das Kinderbuch "Weihnachten mit Juli" von Petra Eimer empfehlen. Im Rahmen des #Vorleseadvent @kleinerleser könnt ihr bei mir ein Exemplar gewinnen! Ich habe euch kürzlich auf Instagram schon "Süsses oder Saures mit Juli" von Petra Eimer vorgestellt. Heute geht's mit einem früheren Band mitten in die Adventszeit mit den "Tierischen Vier", wie sich die Bande um Paul, Max, Anna und das Pferd Juli in diesem Band noch nennt. Später stossen weitere Mitglieder dazu und sie werden zu den "Tierischen Sechs" Erzähler Paul freut sich riesig auf die Adventszeit mit seinen besten menschlichen und tierischen Freund:innen. Deshalb hat er eine Weihnachtsliste gemacht, was er mit ihnen alles erleben möchte, um sich so richtig schön auf Weihnachten einzustimmen: Schneeballschlacht, Schlitten fahren, Plätzchen machen, Geschenke basteln und mehr. Der Einstieg mit einem von Max selbstgemachten Adventskalender für die ganze Bande klappt noch gut. Naja, wenn man mal davon absieht, dass sich Juli nicht daran hält, ob, wann und von wem die einzelnen Geschenke geöffnet werden. ;-) Aber der Schnee lässt leider auf sich warten, womit einige Dinge der Liste schwierig werden. Dafür bekommen Paul und Juli einen neuen Nachbarn. Leider scheint der Herr kein besonderer Kinder- und schon gar kein Pferdefreund zu sein. Und wer Juli kennt, weiss, dass sie sich wohl kaum an Grundstücksgrenzen hält. Wie sich ein Pferd auf dem Weihnachtsmarkt macht, ob der Schnee doch noch kommt, welchen Fall die Bande diesmal zu lösen hat und ob es mit dem missgelaunten Nachbarn noch eine gute Wende nimmt, müsst ihr selber herausfinden! Bei "Weihnachten mit Juli" von Petra Eimer ist wie gewohnt bei den Juli-Bänden für Action gesorgt. Ganz toll - besonders für geübte Erstleser:innen - ist die Verbindung von Text und Bild, die im Stile eines Comicromans gehalten ist. Und natürlich eignet sich das Buch auch bestens zum Vorlesen. Weihnachten für alle Etwas kritisch sehe ich den Umgang mit Klischees: Mädchen waren erstmal nicht erwünscht in der Bande von Paul und Max. Das konnte Anna zwar ändern, aber nur, weil sie halt ein "cooles" Mädchen ist. Auch wenn Klischees am Ende gebrochen werden, finde ich es heikel, sie erstmal zu reproduzieren. Dass der Nachbar öfter als "dick" bezeichnet wird, finde ich auch nicht optimal. Als neutrale Feststellung wäre das völlig okay, aber es wird eher negativ verwendet, was überflüssig ist, weil es nichts zur Handlung beiträgt. Er könnte also ganz gut einfach dick gezeichnet sein, ohne dass es kommentiert wird. Anna ist ein Mädchen of Color, was grossartig ist. In der zeichnerischen Umsetzung dürfte das noch besser herauskommen, da ist sie schon sehr light skinned dargestellt. Toll ist wiederum, dass die Kinder immer offen sind, ihre Vorurteile zu hinterfragen und grundsätzlich immer an das Gute im Menschen glauben. Gut gelungen ist auch die Öffnung des Buches für Leser:innen, die nicht Weihnachten feiern. Denn so ergeht es auch Anna, sie feiert dafür Diwali. So werden auch Feste anderer Religionen angesprochen und gleichzeitig Weihnachtstraditionen unabhängig von religiösen Hintergründen gemeinsam genossen. Fazit Wenn ihr Petra Eimers Reihe um Juli mögt oder gerne kennenlernen würdet, ist "Weihnachten mit Juli" das perfekte Buch für eine unterhaltsame, trubelige Lektüre in der Vorweihnachtszeit. Egal, ob ihr das Buch vorlest oder eure Kinder schon selber lesen. Die Fakten Weihnachten mit Juli Petra Eimer (Text + Illustration) Baumhausbande 176 Seiten Erschienen am 30.09.2021 Hardcover ISBN: 978-3-8339-0676-3 Ab 8 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)*   Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)* VERLOSUNG ZUM #VORLESEADVENT Im Rahmen der Instagram-Aktion #Vorleseadvent @kleinerleser  von Blogger*innen, Autor*innen und Illustrator*innen verlose ich 1 Exemplar von "Weihnachten mit Juli" von Petra Eimer an euch verlosen. So könnt ihr euch Lose sichern: Auf dem Blog: Verrate mir in den Kommentaren, welche Tradition oder welches Ritual bei dir in der Adventszeit nicht fehlen darf. Vergiss nicht, deine E-Mail-Adresse anzugeben , damit ich dich bei einem Gewinn kontaktieren kann! (Die Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.) Auch hier kannst du in den Lostopf hüpfen: Instagram   Facebook   Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Freitag, 19. Dezember 2025, 23:59 Uhr . Sämtliche teilnehmenden Accounts vom Vorleseadvent @kleinerleser  findet ihr in meinem Instagram-Post . Das 14. Türchen steht bei @teresa.hochmuth  noch offen und das 16. Türchen öffnet sich morgen bei @lisarammensee . Die wundervolle Illustration zur Aktion stammt wieder von Anna Galitskaya . Schaut euch mal meinen letzten Buchtipp "Das Tal der Wünsche" von ihr an, mit kostenloser Druckvorlage für eine weihnachtliche Bastelei! Viel Glück und eine wunderbare Adventszeit! Eure Eliane Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die*den Gewinner*in. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch mich. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Weitere Kinderbücher zum Selberlesen oder Vorlesen im Advent Ein Winter in Schweden - Weihnachten in Småland - Miriam Schaps (Biber & Butzemann 2025) Matti und Max - Abenteuer in New York - Sandra Lehmann, Manja Adamson  (Biber & Butzemann 2019) Matti und Max - Abenteuer in Berlin - Sandra Lehmann, Manja Adamson  (Biber & Butzemann Verlag 2020) - Mit einem Autorinneninterview! Frida und die fliegenden Zimtschnecken - Alva Bengt  (Dragonfly 2021) Familie Flickenteppich 4. Wir freuen uns auf Weihnachten - Stefanie Taschinski, Anne-Kathrin Behl  (Oetinger 2021) Familie Flickenteppich. Wir freuen uns auf Weihnachten - Stefanie Taschinski, Anne-Kathrin Behl  (Oetinger 2021) Das Wunder von R. - Francesca Cavallo, Verena Wugeditsch  (Mentor Verlag 2020) Agentin Yeshi - Gabriela Kasperski  (Arisverlag 2020) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. 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  • Digitaler Kolonialismus

    Was haben digitale Technologien mit Kolonialismus zu tun? Sehr viel, wie Ingo Dachwitz und Sven Hilbig in ihrem Sachbuch "Digitaler Kolonialismus" aufzeigen. Eins wird bei der Lektüre klar: Indem wir - wie ich jetzt - täglich mit digitalen Tools arbeiten, sind wir auch Teil kolonialer Mechanismen und tragen eine Mitverantwortung für die marginalisierten Menschen und die Umwelt, die darunter leiden. Aktuell hat man schnell den Eindruck, dass Künstliche Intelligenz den digitalen Raum und praktisch all unsere Lebensbereiche auf den Kopf stellt. Doch trotz dieses rasanten Wandels gibt es einige Konstanten, die am Ende auf eines hinauslaufen: die Ausbeutung des Globalen Südens. Es sind die bekannten Muster von Kapitalismus, Patriarchat und Kolonialismus, denen der Tech-Journalist Ingo Dachwitz und der Globalisierungsexperte Sven Hilbig in ihrem Sachbuch "Digitaler Kolonialismus" auf die Spur gehen. "Formell gehört der Kolonialismus heute zwar der Vergangenheit an, doch prägt er unsere Welt bis heute." / S. 16 Die Autoren zeigen eindrücklich, wie sich koloniale Muster bis heute durchziehen und u.a. von Tech-Konzernen, aber auch von Staaten zur eigenen Bereicherung vorangetrieben werden. Während sie gleichzeitig das Heilsversprechen der digitalen Revolution als Lockmittel vor sich hertragen. Dachwitz und Hilbig steigen denn auch mit dem aktuellen Thema der Künstlichen Intelligenz ins Thema ein und erklären, wer vom Ausbau der Sprachmodelle (LLMs = Large Language Models), die hinter Tools wie ChatGPT stecken, profitiert und wie dabei Arbeiter:innen des Globalen Südens* ausgebeutet werden. In weiten Teilen geht es hier auch um soziale Netzwerke (unabhängig von AI) und die Content Moderation, also digitale Angebote, die sich schon lange vor AI etabliert haben, aber sich dadurch nochmals verändern - Stichwort Deepfakes, Bots, personalisierte Algorithmen (und damit auch Werbung) etc. *"Dabei ist es wichtig, im Kopf zu behalten, dass es den einen Globalen Süden als homogene Masse nicht gibt. Vielmehr werden unter dem Begriff zahlreiche unterschiedliche Menschen, Regionen und Länder mit vollkommen unterschiedlichen politischen Systemen, Kulturen und Ökonomien zusammengefasst." / S. 24 Diese Einblicke sind schon sehr erschütternd, auch wenn sich die Autoren aufgrund mangelnder quantitativer Daten (welche Ironie) und Geheimhaltung seitens der Tech-Firmen stark auf anekdotische Evidenz, Berichte von Betroffenen und Schätzungen verlassen müssen. Im Folgenden geht es darum, wie Tech-Konzerne immer und überall Daten abschöpfen (extraktivieren) und zu ihrer Bereicherung nutzen, wie zum Beispiel die Landwirtschaft - angeblich mit besten Absichten für die Landwirt*innen und die Umwelt - digitalisiert und dadurch abhängig gemacht wird von einem Netz aus Tech-Firmen, Saatgut- und Pestizidherstellern. Vom Kobalt- und Lithiumabbau bis zur digitalen Überwachung Ebenfalls eindrücklich und sehr bedenkenswert ist, wie die Ressourcen des Globalen Südens ausgebeutet werden - für jedes unserer digitalen Geräte genauso wie für die explodierende Anzahl an Datacenters, um die immer grösseren und komplexeren KI-Tools zu trainieren und deren Betrieb zu ermöglichen. Hier erfährt man sehr viel über den Kobalt-Abbau in der Demokratischen Republik Kongo und den Lithiumabbau in Südamerika. Apropos Lithiumabbau in Südamerika kann ich euch auch den Podcast böll.fokus der Heinrich Böll Stiftung empfehlen. In jüngster Zeit liest man auch viel über die KI-Blase (AI Bubble), die wie die dotcom-Blase vielleicht bald platzen könnte. Ein guter Überblicksartikel ist zum Beispiel im Tagesspiegel  zu finden. Ich bin sicher, das Thema wird auch weiterhin die Tagespresse prägen. Im weiteren gehen die Autoren auf das Geschäft mit Zensur, Überwachung und Kontrolle (ein zweischneidiges Schwert), auf die Infrastruktur aus Unterseekabeln und Internetsatelliten sowie auf die Geopolitik im digitalen Bereich ein und beleuchten schliesslich den digitalen "Dritten Weg" Europas kritisch. Erschreckend fand ich insbesondere, wie Entwicklungs- und Forschungsprojekte der EU missbraucht werden. Einerseits, um den Globalen Süden noch abhängiger zu machen vom Globalen Norden, und andererseits, um gerade deshalb entstehende Migrationsströme zu verhindern - ohne Rücksicht auf Menschenrechte. Hierzu gäbe es unendlich viel zu sagen (ich habe mir fast 20 Seiten Notizen gemacht), aber ich wüsste gar nicht, wo anfangen und wo aufhören. Deshalb empfehle ich euch einfach, "Digitaler Kolonialismus" selber zu lesen. Es ist ein leicht lesbares und anschaulich geschriebenes Sachbuch für alle, die hinter das System "Digitaler Kolonialismus" blicken wollen. Für alle, die verstehen wollen, weshalb Künstliche Intelligenz nicht einfach ein "lustiges" Werkzeug ist, wie Big Tech und Autokratien sich verbrüdern (ja, es sind hauptsächlich Männer) und dabei vor keiner Form der Ausbeutung zurückschrecken. Und für alle, die wissen wollen, weshalb sich insbesondere privilegierte, weisse Menschen - und noch mehr Männer - des Globalen Nordens Gedanken über den Umgang mit digitalen Technologien machen sollten. Egal, ob es nun ums nächste Smartphone, die hundertste ChatGPT-Abfrage oder in den nächsten Wahlen oder Abstimmungen um Asylpolitik geht. Es hängt alles zusammen. Vision und Verantwortung zum Abschluss Das mag etwas deprimierend sein, aber da müssen wir durch, wenn wir wollen, dass Renata Ávila Pintos Nachwort "Wider den digitalen Kolonialismus" wahr wird und Student:innen im Jahr 2050 in einer Zeitkapsel aus den 2020ern lesen können: "Die Vision von einer gerechteren Zukunft ließ sich damals nur durch signifikante Veränderungen und mutige Entscheidungen verwirklichen, die den Menschen und dem Planeten die höchste Priorität und damit auch Vorrang vor den Interessen einer privilegierten Minderheit einräumten." / S. 303 Damit das möglich wird, müssen wir laut den Autoren in Wirtschaft und Politik umdenken und Digitalisierung so gestalten, dass sie nicht einigen wenigen, sondern allen Menschen dient. Dafür müssen wir uns wiederum bilden und dann erstmal bei unserem eigenen Konsum- und Nutzungsverhalten anfangen. Tipps, wie ihr das angehen könnt, findet ihr im Buch oder auch auf netzpolitik.org . Und natürlich muss neben dieser individuellen Ebene auch eine kollektive, politische Aktion folgen, wofür wir wiederum Bündnisse schliessen und entsprechende Organisationen unterstützen sollten. Zum Schritt der Bildung bietet "Digitaler Kolonialismus" selbst eine sehr gute Grundlage und zudem über das ausführliche Quellenverzeichnis zahlreiche Hinweise auf weiterführende Literatur, Forschende und Aktivist:innen in diesem Bereich. Die Fakten Digitaler Kolonialismus Ingo Dachwitz, Sven Hilbig C.H. Beck Verlag 351 Seiten Erschienen am 20.02.2025 Hardcover ISBN: 978-3-406-82302-2 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)*   Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)*   Buch kaufen bei Buchhaus (CH)*   Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank NetGalley Deutschland und an den C.H. Beck Verlag für das digitale Rezensionsexemplar. Die Seitenzahlen beziehen sich auf die elektronische Variante und können von den Zahlen der Printversion abweichen. Mehr zu Künstlicher Intelligenz bei mint & malve Mein hauptsächlicher Zugang zum Thema Künstliche Intelligenz sind Bücher und Buchschaffende. Mehr über die Problematik von generativer KI im Buchbereich erfahrt ihr auf Instagram unter dem Hashtag # BuchBrauchtMensch , auf dem Account @buchbrauchtmensch und in meinem Blogartikel zur gleichnamigen Flashmob-Aktion . Das könnte dich auch interessieren Was wäre, wenn wir mutig sind? - Luisa Neubauer (Rowohlt 2025), inklusive Hinweis auf Hörbuch von Erzählende Affen - Samira El Ouassil, Friedemann Karig (Hierax Medien) Unlearn Patriarchy 1 und 2 - Lisa Jaspers, Naomi Ryland, Silvie Horch, Emilia Roig, Alexandra Zykunov etc. (Ullstein 2022 bzw. 2024) Nie mehr leise - Betiel Berhe (Aufbau Verlag 2023) *Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

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