Wie erkläre ich Kindern Rassismus?

Josephine Apraku und ihre Co-Autor*innen von "Wie erkläre ich Kindern Rassismus?" helfen Eltern und anderen Erwachsenen, Kinder rassismussensibel zu begleiten und sie zu empowern.


Wie erkläre ich Kindern Rassismus? - Josephine Apraku, Le Hong (familiar faces 2021)

In meiner losen Reihe zu antirassistischen Büchern für Kinder und Erwachsene (erste zwei Tipps siehe unten) darf ein einfach zugänglicher Ratgeber für Eltern und andere Bezugspersonen von Kindern nicht fehlen. Josephine Apraku und ihre Co-Autor*innen haben mit "Wie erkläre ich Kindern Rassismus?" genau das geschafft. Der Leitfaden, erschienen bei familiar faces und illustriert von Le Hong, umfasst zwar nur knappe 80 Seiten, gibt aber einen guten Überblick über die Problematik, thematisiert sie in ihrer Vielfalt und liefert Eltern und Bezugspersonen ganz praktische Tipps für einen rassismuskritischen Alltag.


Für Betroffene und Privilegierte

Das Buch richtet sich sowohl an von Rassismus Betroffene als auch an weisse Menschen. Bei beiden geht es darum, Rassismus als System zu verstehen, ihn zu erkennen und solidarisch gegen Rassismus aktiv zu werden. Bei weissen Kindern geht es stark darum, dass sie selbst nicht rassistisch handeln oder sich äussern und auch Peers auf diskriminierendes Verhalten hinweisen. Bei Kindern of Color steht vielmehr das Empowerment im Fokus, so dass sie sich gegen erfahrenen Rassismus wehren können.


Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert. Im ersten geht es um Rassismus als System. Individueller, institutioneller und struktureller Rassismus werden erklärt und mit Beispielen illustriert. Josephine Apraku macht hier auch deutlich, dass es eine neutrale Position im Falle von Rassismus nicht gibt - nicht mal für Schweizer*innen (bitte hier weiterlesen). Es gilt für weisse Menschen also, sich rassistischer Strukturen, Äusserungen und Verhaltensweisen bewusst zu werden und sich aktiv dagegen zu positionieren.


Besonders spannend finde ich den abschliessenden Teil des ersten Kapitels, in dem verschiedene Rassismen von unterschiedlichen Autor*innen näher erläutert werden. Vanessa Vu schreibt über anti-asiatischen Rassismus (Hörtipp: Podcast "Rice and Shine"), Emilene Wopama Mudimu über anti-Schwarzen Rassismus, Monty Ott über Antisemitismus, Linda Hamoui über antimuslimischen Rassismus (@hamam_talk auf Insta), Serçe Berna Öznarçiçegi über Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*ze. Dass es unterschiedliche Rassismen gibt, war mir bewusst, aber wie unterschiedlich sie sind, wird durch diesen Überblick nochmals richtig deutlich.


Antirassistisch erziehen vom Kleinkind bis zum Teenager

Die folgenden Kapitel 2-4 widmen sich dann der antirassistischen Erziehung im Kleinkindalter, im Grundschulalter und bei Pre-Teens und Teenagern. Die Behandlung der gesamten Altersspanne macht schon deutlich, dass es mit einem rassismuskritischen Aufklärungsgespräch nicht getan ist. Ja, besonders im Kleinkindalter geht es viel weniger ums Sprechen, als ums Vorleben und das Erkennen der eigenen elterlichen Position im System. Auch vielfältige Kinderbücher, Spielzeuge, Serien und generell ein diverses Umfeld sind zentral, um "Weisssein" nicht als Norm zu zementieren und allen Kindern vielfältige Identifikationsmöglichkeiten anzubieten.


Stephanie Cuff-Schöttle bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt:

"Wir kommen nicht darum herum, schon früh über Rassismus zu sprechen, und zwar so früh, wie BIPoC-Kinder von Rassismus betroffen sind." (S. 35)

Ebenfalls erhellend ist hier das Gespräch mit den Gründerinnen des Online-Shops für vielfältige Bücher und Spielzeuge Tebalou: Olaolu Fajembola und Tebogo Nimindé-Dundadengar erklären, weshalb Empowerment und Powersharing so wichtig sind und wie wir beides unterstützen können.


Im Grundschulalter können wir das Thema Rassismus dann über den Gerechtigkeitssinn der Kinder angehen. Das können sie in der Regel sehr gut nachvollziehen und auch die problematische Vergangenheit sowie Probleme der Gegenwart können mit Alltagsbeispielen thematisiert werden. Mit Pre-Teens und Teenagern können wir uns an die komplexeren Zusammenhänge heranwagen, Mikroaggressionen und Othering thematisieren.



Besonders gut gefällt mir am Leitfaden von familiar faces, dass es auch immer Hinweise für empfehlenswerte Accounts, Plattformen, Shops und Tipps zum Weiterlesen gibt. Mittels QR-Code gelangt man jeweils zu Linklisten mit den Empfehlungen. Hier wird praktisch ein Bogen geschlagen vom Medium Buch in die digitale Welt und so sowohl die vertiefte Beschäftigung mit der Materie als auch das Dranbleiben gefördert.


Fazit

Josephine Apraku, ihre Co-Autor*innen und Illustratorin Le Hong haben mit "Wie erkläre ich Kindern Rassismus?" einen zwar kurzen, aber doch umfassenden Ratgeber für die rassismussensible Begleitung von Kindern geschaffen. Ich empfehle das Büchlein besonders zum Einstieg in die Thematik.



Die Fakten

Wie erkläre ich Kindern Rassismus?

Rassismussensible Begleitung und Empowerment von klein auf (überarbeitete und erweiterte Neuauflage)

Josephine Apraku, Stephanie Cuff-Schöttle, Saraya Gomis, Linda Hamoui, Jeff Kwasi Klein, Emilene Wopana Mudimu, Olaolu Fajembola und Tebogo Nimindé-Dundadengar, Monty Ott, Serçe Berna Öznarçiçeği und Vanessa Vu (Text)

Le Hong (Illustration)

familiar faces

78 Seiten

Erschienen am 16.09.2021

Taschenbuch

ISBN: 978-3-9823681-0-8


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PS: Herzlichen Dank an familiar faces für das Rezensionsexemplar.


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Natürlich findet ihr auf dem Blog weitere Buchtipps, die das Thema Rassismus oder allgemeiner Diversität und Vielfalt aufgreifen. Viel Spass beim Stöbern!



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