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Lichtungen

"Lichtungen", der neue Roman von Iris Wolff ist erschienen und begeistert mit einer Liebes- und Freundschaftsgeschichte, verbunden mit der Geschichte Rumäniens, kluger Konstruktion und feiner Sprache.


Lichtungen - Iris Wolff (Klett-Cotta 2024)

In ihrem neuen Roman "Lichtungen" erzählt Iris Wolff die Geschichte von Kato und Lev. Es ist die Geschichte einer Freundschaft (und Liebe) seit Kindertagen. Eine Geschichte, die in der Maramuresch im Norden Rumäniens begann, in einer Zeit, als Ceaușescu noch Diktator des kommunistischen Vielvölkerstaates war. Doch wir begegnen Kato und Lev erstmal auf einer Reise, dann in Zürich, wo Kato ihr Geld mit ihrer Kunst verdient.


"Für ihn war diese Reise ein Aufbruch, für sie ein Übergang, vielleicht sogar Abschluss. Und doch hatten sie sich in diesen gegensätzlichen Bewegungen wiedergefunden." / S. 18

Denn Iris Wolff erzählt die Geschichte rückwärts. Umgekehrt chronologisch steigt sie immer tiefer ein in die Leben der beiden - vor allem in das von Lev, eigentlich Leonhard. Schicht um Schicht legt sie die Geschichten seines Aufwachsens sowie der wechselhaften, aber immer besonderen Beziehung der beiden frei.


So erfahren wir, wie Lev mit seinen drei Stiefgeschwistern aufwuchs, wie der Grossvater, der deutsch sprach und sich immer als Österreicher fühlte, sich nach seinem "Heimatland" sehnte. Wie Kato, den Traum einer guten Schulbildung aufgeben musste, um den Haushalt für ihren gewalttätigen Vater zu führen und sich mit Leuten aus dem Widerstand anfreundete. Und wie sie schliesslich mit einem Deutschen auf der Durchreise Rumänien und Lev hinter sich liess, wie so viele vor ihr.


"Mit ihrem Fortgehen hatte sie etwas mitgenommen, einen Sinn, eine Freude, und er konnte nicht darüber sprechen, denn für alle anderen war es unwesentlich." / S. 53

Mit Lev reisen wir zurück in die Zeit der Diktatur, in seine Zeit bei der Armee, seine Arbeit in der Forstwirtschaft, seine Schulzeit.


"Sie hatten auf das Ende der Diktatur gewartet, dann warteten sie auf das Neue, ohne zu wissen, was es mit sich brachte. Nichts hatten sie sich sehnlicher gewünscht als die Öffnung der Grenzen, und als sie offen waren, wussten sie nicht, was mit dieser Offenheit zu tun war. " / S. 65

Und in die Zeit, in der er ans Bett gefesselt war. Wie es dazu kam, erfahren wir erst später, aber leiden natürlich mit ihm mit, wie er das Geschehen um ihn herum nur aus der Ferne betrachten, ja, meist nur gedämpft erhören konnte.


"Die Zeit zuvor kam ihm wie eine Probe vor. An irgendeinem Punkt musste er herausgefallen sein aus der Ordnung, und jetzt war er ein Überzähliger, einer, der in den hinteren Räumen verwahrt wurde." / S. 135

Iris Wolff erzählt aus der Perspektive von Lev von Kindheitserinnerungen, die sich einprägen, vom Verlust des Vaters, des Grossvaters, der liebsten Schwester, eines Freundes. Mal an den Tod, mal an die Ehe, mal an ein anderes Land oder das Studium in einer anderen Stadt. Nur Lev scheint in seinem Dorf an der Iza zu verharren. Und immer wieder ist da Kato und ist da Kater Khalil, seine wohl treusten Begleiter*innen - auch wenn er sie gerade aus dem Blick verloren hat. Die Autorin aus Siebenbürgen lotet Fragen von Zugehörigkeit, Aufbruch und Zurückkehren, Zusammenhalt und Wagemut, Zukunftsträumen und Realitäten, von Freundschaft und Liebe aus, ohne zu viel oder zu wenig zu sagen.


"Lichtungen" liest sich grundsätzlich leicht, wir versinken sofort in der poetischen Sprache von Iris Wolff, fühlen uns Lev und Kato unmittelbar nah und folgen der Autorin sehr gerne beim Aufdecken all der Geschichten, die Lev und Kato schliesslich in Zürich wieder zusammenführen. Aufgrund des umgekehrt chronologischen Aufbaus, braucht es etwas Konzentration und es empfiehlt sich, den Roman möglichst am Stück zu lesen.


Fazit

"Lichtungen" von Iris Wolff ist mit seiner bildhaften, aber doch zurückhaltenden Sprache, dem Eintauchen in ein Leben und seine ganzen Verstrickungen, in eine besondere Beziehung und mit der klugen Konstruktion ein grosser Lesegenuss und ein wunderbarer Auftakt ins neue Lesejahr!



Die Fakten

Iris Wolff

Klett-Cotta

256 Seiten

Erschienen am 12.01.2024

Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-608-98770-6




PS: Herzlichen Dank an den Klett-Cotta Verlag für das digitale Rezensionsexemplar. Die Seitenangaben beziehen sich auf das E-Book und können von der Printversion abweichen.


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