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- Selma, Yunus und die Sache mit der Pubertät
(Werbung/Verlosung) Laura Melina Berling und Hannah Rödel haben mit "Selma, Küsse, Kuddelmuddel" und "Yunus, Zocken, Liebeszeugs" zwei grossartige Bücher für Kinder in oder kurz vor der Pubertät geschrieben. Ich stelle euch die beiden Bücher aus dem österreichischen Leykam Verlag heute vor und ihr könnt sie im Rahmen der Aktion "11 Tage, 11 Verlage" gewinnen. Österreich ist Gastland an der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Grund genug, die österreichischen Kinderbuchverlage mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Henrike von @frau_buecherfee hat aus diesem Anlass mit 11 österreichischen Verlagen die Aktion "11 Tage, 11 Verlage - Der Blogger:innen-Countdown zur Leipziger Buchmesse" ins Leben gerufen. Wir zählen die Tage bis zum Start der Leipziger Buchmesse am 27. April 2023 herunter und versüssen euch die Wartezeit mit Kinderliteratur aus Österreich. Ich darf euch heute gemeinsam mit Brigitte von @brigittes_kinderbuchblog Bücher aus dem Leykam Verlag vorstellen. Mehr zum Verlag erfahrt ihr weiter unten und alle teilnehmenden Blogger*innen und Verlage seht ihr in den Grafiken, die Leonora Leitl gezaubert hat. Auf meinem Instagram-Kanal findet ihr ein Highlight mit allen Verlinkungen. Gestern war @kuestenkidsunterwegs mit dem Obelisk Verlag an der Reihe. Morgen geht es weiter mit @blattwender und @bilderbuch.mit.herz und dem tollen Tyrolia Verlag (schaut mal, was es da bei mir alles gibt). Aber kommen wir nun zum Inhaltlichen und damit zu den beiden Bücher über Pubertät, Erwachsenwerden und Aufklärung aus dem Leykam Verlag. Selma, Küsse, Kuddelmuddel Im Reihenauftakt von Autorin Laura Melina Berling und Illustratorin Hannah Rödel nimmt uns Ich-Erzählerin Selma mit in ihren Alltag, in dem gerade ganz schön viel los ist! Selma hat plötzlich so Knubbel an der Brust, bekommt ihre Tage und alle sprechen vom Küssen. Zu allem Übel ist ihre Mama auch noch dauernd am Arbeiten. Eigentlich ist es ja gut, hat sie einen tollen Job, das war auch schon anders und die Familie hatte sehr wenig Geld, aber sie fehlt Selma gerade jetzt beim Erwachsenwerden. Ihr Papa gibt sich grosse Mühe, für sie da zu sein, hat aber zugegebenermassen auch etwas Mühe. ;-) Zum Glück hat Selma noch ihre Freund*innen wie Ella und Yunus. Als in der Schule eine Liste mit Bewertungen der Mädchen nach ihrem Aussehen auftaucht, sind Aida, Anna, Selma und Ella empört und beschliessen, ihren Detektiv*innen-Club aufleben zu lassen und den Übeltätern - Tobias und Jan stehen unter besonderem Verdacht - auf die Schliche zu kommen. Laura Melina Berling erzählt Selmas Geschichte sehr nahbar, einfühlsam, mit einer Prise Spannung und einer guten Portion Humor. Die angesprochenen Themen und Sorgen wie Brüste, die Blase, die Periode oder Konsens werden in Aufklärungsseiten mit Illustrationen von Hannah Rödel informativ und bestärkend nochmals aufgegriffen. Fotos: Michèle Ganser. Das Duo spricht mit Text und Illustration nicht nur sehr wichtige und aktuelle Themen wie Rassismus, Sexismus, Mobbing, Sexualität und Verliebtsein an, sondern deckt auch sonst viele Vielfaltsdimensionen ab: Die Namen lassen auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe schliessen, Sarah sitzt im Rollstuhl, Aida trägt Kopftuch, Yunus und seine offenbar alleinerziehende Mama essen vegan, Ella hat einen dunklen Hautton, Afrohaare und ist gerade in ein Mädchen verliebt. Yunus, Zocken, Liebeszeugs Im zweiten Band begegnen wir den bekannten Gesichtern aus Band 1 wieder. Diesmal steht aber Yunus im Mittelpunkt und erzählt von seinen Erlebnissen rund um die Skifreizeit (ein Skilager), in die seine Klasse und die Parallelklasse für eine Woche fahren. Yunus erhält merkwürdige Nachrichten von einer unbekannten Person, die vorgibt, in ihn verliebt zu sein. Ob da vielleicht ein Streich von Tobias und Jan dahintersteckt? Yunus wendet sich an Ellas Detektiv*innen-Club, der sofort die Ermittlungen aufnimmt und dabei laufend noch Ermittler*innen-Nachwuchs erhält. Yunus stellen sich auf der Klassenfahrt viele Fragen rund um Männlichkeit, Coolsein und Dazugehören. Einserseits zockt er gerne mit Tobias und Jan, andererseits sind die beiden auch ganz schön sexistisch und auch sonst fies unterwegs. Und im Übrigen hat Yunus eh gerade nur Augen für die Skilehrerin mit ihren wunderschönen kurzen Haaren. Wie nebenbei geht es auch um die Mitsprache und Teilhabe der Jugendlichen sowie um unterschiedliche geschlechtliche Identitäten und sexuelle Orientierungen. Die illustrierten Infoseiten decken in diesem Band Themen ab wie Pickel, Erektion, Penisse und Gefühle. Wie schon bei "Selma" gibt es auch hier am Ende nochmals einige Seiten, die komplexere Begriffe wie Sexismus oder Klimawandel erklären. Fotos: Leykam Verlag. Am Ende des Bandes steht natürlich das grosse Abschlussfest an. Ob der Detektiv*innen-Club den neuen Fall lösen kann und ob Yunus etwas mehr Klarheit über das ganze Liebeszeugs gewinnt, müsst ihr selbst herausfinden! Die 160 Seiten lesen sich jedenfalls wieder wie im Flug und kombinieren sehr gut eine alltagsnahe Geschichte, verwirrende Teenager*innen-Gefühle en masse, Aufklärung und das richtige Mass an Aktivismus für eine vielfältige Gesellschaft und ein solidarisches Miteinander! Es lohnt sich übrigens, den Macherinnen der beiden Bücher auch auf Instagram zu folgen. Laura Melina Berling ist feministische Bloggerin und auf Instagram als @littlefeministblog zu finden. Hannah Rödel macht nicht nur Bücher, sondern auch Zeichentrick-Animationen und Keramikskulpturen. Dabei befasst sie sich wie hier oft mit Körperbildern, Feminismus und LGBTQI*. Fazit Ich freue mich schon auf weitere Bände aus der Reihe und bin froh, meinen Kindern solch alltagsnahe, einfühlsame, aufklärende, vielfältige und witzige Bücher an die Hand geben zu können, sobald sie in die Early Teens-Phase kommen. Ich empfehle die Lektüre von "Selma, Küsse, Kuddelmuddel" und "Yunus, Zocken, Liebeszeugs" von Laura Melina Berling und Hannah Rödel ausdrücklich jeweils beiden Geschlechtern bzw. auch nicht binären Jugendlichen. Aufklärung über alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen ist für alle wichtig und fördert das gegenseitige Verständnis. Die Fakten Selma, Küsse, Kuddelmuddel Laura Melina Berling (Text) Hannah Rödel (Illustration) Leykam Verlag 160 Seiten Erschienen am 10.02.2022 Hardcover ISBN: 978-3-7011-8230-5 Ab 10 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Yunus, Zocken, Liebeszeugs Laura Melina Berling (Text) Hannah Rödel (Illustration) Leykam Verlag 160 Seiten Erschienen am 06.02.2023 Hardcover ISBN: 978-3-7011-8264-0 Ab 10 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Leykam Verlag und die Wolkenlos Agentur für die Rezensions- und Verlosungsexemplare. Der Leykam Verlag aus Österreich Ich habe den Leykam Verlag noch relativ frisch für mich entdeckt. Ihr findet aber bereits eine Besprechung zu "Rotkäppchen rettet den Wolf" von Petra Piuk und Gemma Palacio - einem genialen Antimärchen - und zu "Mach dir die Welt" von Raffaela Schöbitz - einem feministischen Mitmachbuch mit 30 inspirierenden Frauenbiografien - auf meinem Blog. Diese Bücher passen wunderbar zum Credo des Verlags: "Der Leykam Buchverlag hat sich zum Ziel gesetzt, Bücher zu publizieren, die Leser*innen nicht nur begeistern, sondern ihnen auch neue Denkanstöße und Antworten zu den brennenden Fragen unserer Zeit liefern." So geht es in den Kinderbüchern (aber auch im Literatur- und Sachbuchprogramm) zum Beispiel um feministische Themen, Nachhaltigkeit, Umwelt und Natur, Gesellschaft und Politik, kulturelle Vielfalt und Toleranz sowie Wissenschaft und Pädagogik. Schaut euch doch einmal im Kinderbuchprogramm um! Der Leykam Verlag hat eine sehr traditionsreiche Geschichte. Er wurde bereits 1585 als Druckerei Widmannstetter gegründet und nach 200 Jahren dann von Andreas Leykam in seine Druckerei Leykam eingegliedert. Heute ist der Verlag im Besitz der Beteiligungsgesellschaft GL Invest. Mit seinem Geleitwort zur aktuellen Frühjahrsvorschau spricht mir das Leykam-Team aus der Seele: "Wir glauben an Solidarität, an die Kraft des Gemeinsamen, und daran, dass wir Bücher brauchen, Bücher mit Haltung und Humor – gerade in Zeiten der Krise." Entsprechend wundert es auch nicht, dass sich der Verlag, seine Autor*innen und Illustrator*innen in den letzten Jahren über zahlreiche Preise und Auszeichnungen freuen durften. VERLOSUNG: Je 1 Exemplar von "Selma" oder "Yunus" gewinnen! Anlässlich der Aktion "11 Tage, 11 Verlage - Blogger:innen-Countdown zur Leipziger Buchmesse" (v.a. auf Instagram) darf ich je ein Exemplar von "Selma, Küsse, Kuddelmuddel" und "Yunus, Zocken, Liebeszeugs" verlosen. Verratet mir einfach in den Kommentaren, für welches Buch ihr euch entscheiden und wem ihr es schenken würdet. Weitere Lose gibt's hier: Facebook Instagram Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Samstag, 24. April 2023, 23:59 Uhr. Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die Gewinner*innen. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den Leykam Verlag. Zu diesem Zweck gebe ich deine Adresse an den Verlag weiter. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- This Is Not My Home - eine umgekehrte Migrationsgeschichte
In "This Is Not My Home" (Das ist nicht mein Zuhause) erzählen Eugenia Yoh und Vivienne Chang die Geschichte von Lily, die mit ihrer Mutter (zurück) nach Taiwan zieht. Wie werden Migrationsgeschichten meistens erzählt? Genau: Ein Kind verlässt mit seinen Eltern die Heimat und zieht in ein fremdes Land. Das tut auch Lily in "This Is Not My Home" von Eugenia Yoh und Vivienne Chang. Doch das Besondere daran ist, dass es von den USA (zurück) in die Heimat ihrer Mutter, nach Taiwan geht. Für die Mutter ist es also eine Heimkehr, für Lily aber ist Amerika ihr Zuhause und Taiwan ist es nicht. Schon bevor es losgeht, vermisst sie die Barbecues im Garten, das Auto (sehr amerikanisch ;-)), die Glühwürmchen im Park, das Haus und natürlich ihre Freund*innen und die Schule. Unvorstellbar, dass sie sind in Taiwan jemals zuhause fühlen könnte. Doch sie hat keine Wahl. Ihre Mutter will und muss zurück nach Taiwan, um die Grossmutter (Ah Ma) zu pflegen. Umzug in die fremde Heimat Und der Anfang in der neuen Heimat ist tatsächlich schwer: anderes Essen, andere Märkte, andere Häuser, eine andere Sprache und Schrift, total andere Abläufe des Schulalltags, andere Fortbewegungsmittel und andere Menschen. Lily fühlt sich ganz und gar nicht zuhause. Lilys Mutter muntert sie auf, ist überzeugt, dass Taiwan irgendwann auch ihre Heimat werden kann. Und nach und nach findet Lily auch neue Freund*innen, eine neue Art von Glühwürmchen (Lampions) und Gefallen an der Fortbewegung auf dem Roller. Wer weiss, vielleicht kann Taiwan eines Tages (in ferner Zukunft natürlich) doch Lilys Zuhause werden! "I'm sorry. I know this is not your home." "But this is mine." Besonders gefallen mir am Buch der sanfte Humor, mit dem Lilys schwieriger Situation begegnet wird, die verständlicherweise Verlustängste und Traurigkeit auslöst. Dass das Verlassen der alten Heimat und der Neuanfang in einem fremden Land schwierig sind, können sicher ganz viele Kinder nachvollziehen. Und vielleicht können sie, wie Lily es mit der Zeit tut, auch Gefallen am Neuen finden. Ein Traum sind auch die Illustrationen: Schon mit dem Vorsatzpapier springen wir mitten in die Geschichte - in eine typisch amerikanische Einfamilienhaus-Siedlung mit Doppelgaragen und dem vorbeifahrenden Fahrzeug der US Post. Die Farbpallette ist reduziert mit viel Rosa und Mint sowie Akzenten in Gelb und Rot. Und Lily erkennen wir immer ganz leicht an ihrer roten Schleife im Haar. Die Menschen sind - vor allem in Taiwan - grösstenteils asiatisch gelesen. Die Illustrationen sind sehr abwechslungsreich. Es gibt ganzseitige und doppelseitige Bilder, aber auch Panels mit Sprechblasen oder Text ausserhalb der Panels. Es gibt Illustrationen vor ganz weissem Hintergrund und Personen, die durch Panels hindurch und - verändert - auf der anderen Seite wieder hinaus laufen bzw. fahren. Und am Ende trägt Lily sogar wieder ihr leuchtend gelbes T-Shirt vom Anfang! Die Sprache ist sehr einfach gehalten, so dass man den Text auch mit wenig Englisch gut versteht. Einige Seiten kommen auch ganz ohne Worte aus. Fazit Die taiwanesisch-amerikanischen Kinderbuchautorinnen Eugenia Yoh und Vivienne Chang erzählen in ihrem ersten Bilderbuch die Geschichte einer Migration erfrischend anders und vermitteln Kindern das Gefühl, dass ein neuer Ort mit den richtigen Menschen auch irgendwann zu einem Zuhause werden kann. PS: Auf der Website des Verlags findet sich auch Lehrmaterial zum Bilderbuch. Die Fakten This Is Not My Home Eugenia Yoh (Illustration) Vivienne Chang (Text) Little Brown, Hachette 48 Seiten Erschienen am 24.01.2023 Hardcover mit Einband ISBN: 978-0-316-37710-2 Ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Website von Eugenia Yoh und Vivienne Chang Website von Eugenia Yoh Vivienne Chang auf Instagram * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Nie mehr leise. Die neue migrantische Mittelschicht
Ich habe zahlreiche Sachbücher, Berichte, Essays, Ratgeber und Romane rund um Rassismus gelesen. Alle sprechen sie auch Intersektionalität an, aber wohl in keinem Buch wurde das toxische Zusammenspiel verschiedener Diskriminierungsformen bisher so konsequent thematisiert wie in "Nie mehr leise" von Betiel Berhe. Wie uns der Titel des Buches "Nie mehr leise. Die neue migrantische Mittelschicht" von Betiel Berhe schon verrät, richtet sie den Blick vor allem auf die Schnittstelle von Rassismus und Klassismus. Sie tangiert aber auch sexistische Mechanismen, die im Patriarchat weiterhin wirken. Die deutsche Autorin ist Ökonomin und Aktivistin und verbindet in ihrem Buch ihr theoretisches Wissen mit ihren eigenen Erfahrungen - sei es nun vom Aufwachsen als Schwarze Person in Deutschland, vom Aufstieg aus der Arbeiter:innenklasse in die sogenannte "migrantische Mittelschicht" oder von ihrer aktivistischen Arbeit. Sie war für verschiedene internationale Organisationen und NGOs tätig, hat das Social Justice Institut in München mitbegründet und ist in rassismuskritischen Netzwerken aktiv. Entgegen der strukturellen Diskriminierung! Die Kapitel des Buches hangeln sich entlang ihrer Entwicklung, die gleichzeitig eine Erkenntnisreise rund um Rassismus und Klassismus darstellt. So nimmt sie uns Leser*innen mit vom Aufwachsen als migrantisches Mädchen in einer weissen Mehrheitsgesellschaft, über die Emanzipation von ihrem Herkunftsmilieu durch den Bildungs- und Klassenaufstieg, bis hin zum Erkennen ihrer Wut und deren produktiver Kraft, die zum Aufruf an alle von struktureller Diskriminierung (welcher Art auch immer) Betroffenen führt, nie mehr leise zu sein. Die diskriminierenden Strukturen (und ihre wirkmächtigen, destruktiven Mechanismen) zu erkennen, aufzudecken, zu benennen, anzuprangern und gemeinsam zu überwinden. "Ich glaube weder an Aufstieg noch daran, dass alle alles erreichen können, und schon gar nicht, dass man sich Privilegien verdienen kann. Illusionen wie diese halten uns bloss davon ab, gesellschaftskritische Fragen zu stellen..." (S. 16) Derart desillusioniert, ist auch von Anfang an klar, dass es sich bei Betiel Berhes Geschichte nicht um ein Einzelschicksal handelt, sondern dass ihre Geschichte über sie hinausweist, strukturelle Diskriminierung aufdeckt und damit anprangert. Das wird in "Nie mehr leise" besonders deutlich am Zusammenwirken von Rassismus und Kapitalismus, wo migrantische Menschen mithilfe rassistischer Narrative und Strukturen kapitalistisch ausgebeutet werden. Der Kapitalismus zudem Rassismus, um sich selbst zu erhalten bzw. das Machtgefälle sogar immer grösser werden zu lassen. Um diese doppelte Hürde von Klassismus und Rassismus zu überwinden, bleibt einem Kind... "nur eine Möglichkeit: durch vollständige Assimilation zu einem "guten Ausländer*innenkind" zu werden." (S. 31) Im Zuge dessen thematisiert die Autorin insbesondere das dreigliedrige Schulsystem Deutschlands (genauso sieht es in der Schweiz aus), das durch frühe Selektion zur Aufrechterhaltung einer Dreiklassengesellschaft aus Arbeiter*innenklasse, Mittelschicht und Oberschicht führt. Von eben diesen privilegierten Schichten scheint es auch mit aller Macht aufrechterhalten zu werden. Und das fängt schon in Kindertagesstätten bzw. bei der Erziehung zuhause an! Nicht besser sieht es auf dem Wohnungsmarkt aus, wo die Wohnungsnot in Kombination mit Rassismus die soziale Segregation noch befeuert. Betiel Berhe kritisiert auch überzeugend globale und nationale "Hilfsprojekte" von weissen Menschen, die europäische Asyl- und Migrationspolitik oder das Racial Profiling der Polizei. Sie thematisiert die Problematik unbezahlter (und nicht wertgeschätzter) Carearbeit sowie das Diversity Washing von möchte-gern-fortschrittlichen Unternehmen, die denken, bei einem Trend mitmachen zu müssen: "Aber wir sind kein Trend, und wir werden auch nicht wieder verschwinden. Im Gegenteil: Wir werden immer mehr." (S. 78) Als weisse Frau mit Hochschulabschluss, Mitglied der Grünen und Elektrofahrrad mit Kinderanhänger fühle ich mich am einen oder anderen Ort ertappt, aber im besten Sinne. Denn die Analysen von Betiel Berhe sind genauso treffsicher wie entlarvend, zeigen sie doch auf, wo die Privilegien sich verstecken und wo wir (unbewusst) einen Distinktionsgewinn daraus ziehen und somit tradierte Mechanismen der Abwertung und Ausgrenzung aufrechterhalten. Und das selbst, wenn wir uns für offene, rassismuskritische Menschen halten, die sich eine inklusive und nachhaltige Gesellschaft wünschen. Die Lösung der aufgezeigten Problematiken, gerade an der Schnittstelle von Rassismus und Klassismus, wird nicht einfach sein und so ist klar, dass die Autorin keine pfannenfertige Lösung präsentieren kann. Aber sie lädt dazu ein und empowert (insbesondere marginalisierte) Personen, in den Diskurs zu treten: "Wenn man so will, müssen wir also Demokratie neu denken lernen. Es darf keinen Platz mehr geben für Konzepte wie Integration oder Leitkultur, denn sie lassen keinen Raum für real existierende Differenzen und Unterschiedlichkeiten. Sie greifen nicht, weil sie nicht dafür gedacht sind, Komplexität und Pluralität anzuerkennen." (S. 121) Von Macht und Wut zur Revolution Die migrantische Arbeiter*innen- und Mittelschicht und ihre Allies (sogenannte "Süsskartoffeln") können glücklicherweise auf das jahrelange Sammeln, Aufbereiten und Verbreiten von rassismuskritischem Wissen durch die BIPoC-Community bauen. Ein wichtiges Ausrufezeichen und ein Katalysator für weiteres Engagement in diese Richtung ist natürlich die Black Lives Matter-Bewegung. Ansätze wie Social Justice und Radical Diversity müssen handlungsleitend sein. Diesbezüglich verweist Betiel Berhe unter anderem auf die Arbeiten von Leah Czollek und Gudrun Perko, die ich mir unbedingt als nächstes vornehmen muss. "Echte Solidarität würde also bedeuten, dass wir für alle Menschen - uns selbst eingeschlossen - ausnahmslos eine andere Gesellschaft einfordern." (S. 125) Klar ist auf jeden Fall, dass wir den Weg aus einem Kapitalismus finden müssen, der sich Rassismus, Klassismus und Sexismus (und weitere Diskriminierungsformen) zunutze macht, um tradierte, sehr ungleiche Machtstrukturen und damit Privilegien zu erhalten. Fazit Ich kann hier all die Gedankengänge, konkreten Beispiele und Gedankengänge von Betiel Berhe nicht im Ansatz wiedergeben, aber das muss ich auch nicht, denn ihr sollt "Nie mehr leise" ja selber lesen. Ob nun BIPoC oder Süsskartoffel, die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall, gibt wichtige Einsichten, rüttelt auf und macht auch Mut, dass eine neue Gesellschaft möglich ist! Die Fakten Nie mehr leise Die neue migrantische Mittelschicht Betiel Berhe Aufbau Verlag 204 Seiten Erschienen am 14.03.2023 Hardcover ISBN: 978-3-351-04203-5 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Betiel Berhe auf Instagram PS: Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar (als E-Book). PPS: Seitenzahlen beziehen sich auf die E-Book-Version. Weitere rassismus- und klassismuskritische Buchtipps auf mint & malve (für Erwachsene) Sachbücher, Berichte und Essays Exit racism - Tupoka Ogette (Unrast Verlag 2020) Und jetzt du. Rassismuskritisch leben - Tupoka Ogette (Piper 2022) Harriet Tubman - Fluchthelferin bei der Underground Railroad. Aus der Sklaverei in die Freiheit - Ann Petry (Nagel & Kimche 2022) Der Sommer, in dem ich Schwarz wurde - Angélique Beldner, Martin R. Dean (Atlantis 2021) Wut und Böse - Ciani-Sophia Hoeder (hanserblau 2021) Nach der Flut das Feuer - James Baldwin (dtv 2019, Neuauflage) Romane Second-Class Citizen - Buchi Emecheta (Blumenbar 2023) Morgen, morgen und wieder morgen - Gabrielle Zevin (Eichborn 2023) Zusammenkunft - Natasha Brown (Suhrkamp 2022) Schlesenburg - Paul Bokowski (btb 2022) Der Mann im Untergrund - Richard Wright (Kein & Aber 2022) Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier (Kampa 2022) In der Heimat meines Vaters riecht die Erde wie der Himmel - Samira El-Maawi (Zytglogge 2021) Ein anderes Brooklyn - Jacqueline Woodson (Piper 2019) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Second-Class Citizen - ein Klassiker der Schwarzen feministischen Literatur
Buchi Emechetas zweiter Roman "Second-Class Citizen" liegt endlich auf Deutsch vor. Die Nigerianerin, die bis zu ihrem Tod 2017 in London lebte, erzählt damit fiktionalisiert ihre eigene Lebensgeschichte - ein feministischer, antirassistischer Weckruf, der auch heute noch gehört und gelesen werden sollte! Auf Englisch erschien "Second Class Citizen" erstmals im Jahr 1974. Dank dem Blumenbar Verlag und Übersetzerin Marion Kraft können wir dieses feministische Werk nun auch auf Deutsch lesen, es lohnt sich! Adah, Buchi Emechetas Alter Ego, wird in Nigeria im Stamm der Igbo geboren. Die Geschichte setzt ein, als das Mädchen gerade 8 Jahre alt ist und um eine gute Schulbildung kämpft, die in der Regel Jungen vorbehalten ist. Wann Adah genau geboren wurde, ist unklar... "... denn sie kam als Mädchen auf die Welt, obwohl alle einen Jungen erwartet und vorhergesagt hatten. Folglich war sie eine grosse Enttäuschung für ihre Eltern, ihre engere Familie und für ihre ganze Sippe..." (S. 9) Schon mit diesem Einstieg in "Second-Class Citizen" wird klar, dass Adah als Mädchen und Frau ein Mensch zweiter Klasse ist. Doch allen Hindernissen und dem frühen Tod ihrer Eltern zum Trotz, schafft sie es, einen guten Abschluss zu machen und eine Anstellung in der Bibliothek des amerikanischen Konsulats in Lagos zu finden. Flucht nach vorne Bald heiratet sie Francis Obi und bekommt mit ihm ein Kind. Ihr gemeinsamer Traum ist es, nach London zu gehen. Das gelingt ihnen auch. Francis darf als Mann (natürlich) vorausgehen, um in London zu studieren. Adah folgt ihm aber, gerade schwanger mit dem zweiten Kind, bald nach. Doch das Leben in London ist nicht der erhoffte Befreiungsschlag für Adah, bringt ihr nicht die gewünschte Emanzipation. Obwohl sie es ist, die in London - wie früher schon in Nigeria - das Geld heimbringt, ist sie hier der Willkür ihres Mannes komplett unterworfen. Jetzt ist sie in zweifacher Hinsicht eine Bürgerin zweiter Klasse: als Frau und als Schwarze Ausländerin. Und das geben ihr nicht nur Engländer*innen zu spüren, sondern auch andere Nigerianer*innen, die sie nicht in ihre Community aufnehmen, weil sie nach mehr strebt als nach dem vermeintlich vorbestimmten Job als Fabrikarbeiterin und sogar noch eine gleichberechtigte Beziehung leben will! In Buchi Emechetas "Second-Class Citizen" erleben wir Adahs neuen Alltag in Grossbritannien und ihren täglichen Kampf gegen das System und gegen ihren Mann hautnah mit. Die Autorin schreibt in einfacher Sprache, da sie ihre Bücher direkt auf Englisch und nicht in ihrer Muttersprache verfasste. Sie erzählt zwar in der dritten Person, aber trotzdem aus der Perspektive von Adah. Direkt und schonungslos schildert uns Emecheta autofiktional vom Leben einer Schwarzen Frau (im Verlauf des Romans mit 4 Kindern) im London der 1960er-Jahre. Adah erleidet nicht nur die rassistische Diskriminierung im weiss dominierten England, das bis vor Kurzem noch die Kolonialmacht über Nigeria hatte. Sie kämpft auch mit ihrer Unterdrückung als Frau - sei es was die Bildung, ihren Beruf, ihre weibliche Selbstbestimmung (zum Beispiel über eine Abtreibung, Verhütung oder Sex in der Ehe) oder ihre Rolle als Mutter angeht. "Allmählich lernte sie, dass sie sich für ihre Hautfarbe schämen musste. Zu Hause wäre ihr das nicht in den Sinn gekommen, selbst nicht mitten unter Weissen." (S. 84) Es ist äusserst eindrücklich, wie die Protagonistin ihren Traum, Schriftstellerin zu werden und ein selbstbestimmtes Leben mit ihren Kindern zu führen, unbeirrt verfolgt. Neben der rassistischen Diskriminierung, die Adah erleidet, muss an dieser Stelle auch die sexualisierte und häusliche Gewalt erwähnt werden, die ihr angetan wird. Deshalb spreche ich hiermit eine Triggerwarnung aus. "Meine Söhne werden lernen, ihre Frauen wie Menschen zu behandeln, wie Individuen, nicht wie Ziegen, denen man das Sprechen beigebracht hat. Für meine Töchter, Gott helfe mir, wird niemand einen Blutpreis bezahlen." (S. 143) Fazit Buchi Emecheta hat mit "Second-Class Citizen" ein eindrückliches, fiktionalisiertes Zeugnis ihrer eigenen Geschichte geschrieben. Ein Roman an der Schnittstelle von rassistischer und sexistischer Diskriminierung, der mit der starken Person von Adah - dem Alter Ego der Autorin - zu einer feministischen, antirassistischen Kampfansage im besten Sinne wird. Ein äusserst schonungsloses, aber leider auch traurig aktuelles Buch einer Schwarzen Autorin, von der wir hoffentlich noch viel mehr auf Deutsch lesen dürfen! Die Fakten Second-Class Citizen Buchi Emecheta Marion Kraft (Übersetzung aus dem Englischen) Blumenbar (Aufbau Verlage) 285 Seiten Erschienen am 14.02.2023 Hardcover ISBN: 978-3-351-05114-3 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an Blumenbar für das digitale Rezensionsexemplar. Die Seitenzahlen beziehen sich auf die E-Book-Variante und stimmen wohl nicht mit der längeren Printversion überein. Weitere Bücher von BIPoC bei mint & malve Sachbücher, Ratgeber, Berichte und Essays Nie mehr leise - Betiel Berhe (Aufbau Verlag 2023) Frau auf blossen Füssen - Scholastique Mukasonga (Peter Hammer Verlag 2022) Exit racism - Tupoka Ogette (Unrast Verlag 2020) Und jetzt du. Rassismuskritisch leben - Tupoka Ogette (Piper 2022) Harriet Tubman - Fluchthelferin bei der Underground Railroad. Aus der Sklaverei in die Freiheit - Ann Petry (Nagel & Kimche 2022) Der Sommer, in dem ich Schwarz wurde - Angélique Beldner, Martin R. Dean (Atlantis 2021) Wut und Böse - Ciani-Sophia Hoeder (hanserblau 2021) Nach der Flut das Feuer - James Baldwin (dtv 2019, Neuauflage) Lyrik, Kurzgeschichten und Romane Meine Haut packt aus - Brigitte Lunguieki Malungo (Story.one publishing 2023) Zusammenkunft - Natasha Brown (Suhrkamp 2022) Der Mann im Untergrund - Richard Wright (Kein & Aber 2022) Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier (Kampa 2022) In der Heimat meines Vaters riecht die Erde wie der Himmel - Samira El-Maawi (Zytglogge 2021) Das grüne Auge - Nathacha Appanah (Lenos Basel 2021) The Hill We Climb - Den Hügel hinauf (zweisprachige Ausgabe) - Amanda Gorman (Hoffmann & Campe 2021) Das Meer der Libellen - Yvonne Adhiambo Owuor (Dumont 2020) Ein anderes Brooklyn - Jacqueline Woodson (Piper 2019) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Meine Haut packt aus
Zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus möchte ich euch mit "Meine Haut packt aus" von Brigitte Lunguieki Malungo ein Buch vorstellen, das Alltagsrassismus thematisiert und damit zum Kampf gegen Rassismus aufruft. In den Wochen vom 20. März bis 2. April 2023 begehen wir die Internationalen Wochen gegen Rassismus und am 21. März 2023 ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Natürlich sollten wir nicht nur an diesen Tagen gegen Rassismus ankämpfen und laut werden, aber sie bieten doch auch erhöhte Aufmerksamkeit, die wir nutzen können. In der Hoffnung, dass einige Leute mehr mit auf den Weg hin zu einer Welt frei von Diskriminierungen kommen. Brigitte Lunguieki Malungo erzählt in "Meine Haut packt aus" 13 Kurzgeschichten von rassistischer Diskriminierung im Alltag. Damit möchte sie auf Mikroaggressionen aufmerksam machen, denen BIPoC täglich ausgesetzt sind. Eine Triggerwarnung vorab: Das Buch enthält krasse Gewaltdarstellungen. Personen, die davon getriggert oder retraumatisiert werden könnten, sollten das Buch nur in guter Verfassung und idealerweise in Anwesenheit einer Vertrauensperson lesen. Wie tausend Nadelstiche, aber schlimmer Mikroaggressionen ist eigentlich stark untertrieben, wenn man sich vor Augen führt, was da alles passiert: rassistische Gewalt bis hin zur Ermordung, böse Blicke, rassistische Ansprachen auf Datingplattformen, rassistische Beleidigung durch Verweigerung einer Interaktion mit einer Schwarzen Person, Mobbing in der Schule, internalisierter Rassismus und Colorism (z.B. indem Afrohaare als unordentlich angesehen werden oder helle Hauttöne als schön), das Eindringen in die physische oder psychische Intimsphäre der diskriminierten Personen. Gerade in der ersten Kurzgeschichte, man könnte auch von Kürzestgeschichten oder Miniaturen sprechen, wird einem beim Lesen richtig schlecht und diese körperliche Reaktion ist eigentlich noch zu wenig, ob der grauenhaften Ermordung eines 20-jährigen Schwarzen durch Rechtsradikale (ihrer Kleidung nach zu urteilen). Ein Glück, gibt es wenigstens die eine oder den anderen Ally oder "Süsskartoffel" in diesen Geschichten. Trotzdem muss die Kraft der Betroffenen, mit den bewussten und/oder unbewussten rassistischen Angriffen tagtäglich umzugehen, Mut und Hoffnung nicht zu verlieren, unermesslich gross sein. Wenn die Haut sprichwörtlich immer dünner wird Wie sehr Rassismus an den Nerven und am Selbstbewusstsein zerrt, wird besonders deutlich in den Abschnitten, in denen uns Brigitte Lunguieki Malungo ihr Ringen um den Erhalt ihres Selbstwertgefühls, ihrer Würde offenbart und in denen sie ihre Schwarzen Mitmenschen direkt anspricht. Umso bewundernswerter, wie sie trotz der über die Jahre dünner gewordene Haut, beschlossen hat nie mehr leise zu sein, sich gegen Rassismus wehrt und die Kraft aufbringt, mit diesem Buch alle daran teilhaben zu lassen. "Meine dunkle, weiche Haut ist dünner geworden, empfindlicher. Sie brennt nun fast täglich, unter ihren hasserfüllten Blicken. Hält sie nicht mehr so gut aus, wie früher. Meine dunkle, weiche Haut hat keinen Schutzmantel mehr." Die Geschichten mit Titeln wie "Morgens früh um acht wird Kaffee gemacht", "Auf Wohnungssuche" oder "Woher kommst du wirklich?" sind sehr zugänglich und eindringlich geschrieben. Man sieht die Szenen sofort vor sich und kann die Gefühle der Schwarzen Autorin sehr gut nachvollziehen, ja nachfühlen. Entsprechend lösen die Geschichten sehr viel in den Lesenden aus. Weisse Menschen werden sich hoffentlich des Ausmasses bewusst, das rassistische Diskriminierungen in unserer Gesellschaft annehmen. Schwarze Menschen werden in ihrem Widerstand empowert - sie sind nicht allein! Brigitte Lunguieki Malungo musste mit drei Jahren mit ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg in Angola fliehen. Sie wuchs in Deutschland auf und lebt nun in Madrid. Fazit Zum Internationalen Tag gegen Rassismus (und natürlich auch sonst) kann ich nur allen, v.a. weissen Personen, die Lektüre dieses kleinen, aber sehr dichten Büchleins empfehlen. "Meine Haut packt aus" von Brigitte Lunguieki Malungo rüttelt auf und mahnt uns, beharrlich gegen Rassismus anzukämpfen. Wo wir diesbezüglich bei uns selbst und auf struktureller Ebene ansetzen müssen, erfahrt ihr in verschiedenen meiner Buchtipps. Ich verlinke sie euch unten nochmals. Zum Thema Alltagsrassismus und Polizeigewalt kann ich euch zudem den SRF Dok "Schwarzsein in der Schweiz - Rassismus im Alltag" empfehlen, der am 16. März 2023 ausgestrahlt wurde. Auch hierfür möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen. Die Fakten Meine Haut packt aus Brigitte Lunguieki Malungo Story.one publishing 68 Seiten Erschienen am 17.01.2023 Hardcover ISBN: 978-3-7108-2180-6 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Brigitte Lunguieki Malungo auf Instagram PS: Herzlichen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar in elektronischer Form. Weitere rassismuskritische Buchtipps auf mint & malve (für Erwachsene) Sachbücher, Berichte und Essays Nie mehr leise - Die neue migrantische Mittelschicht - Betiel Berhe (Aufbau Verlag 2023) Exit racism - Tupoka Ogette (Unrast Verlag 2020) Und jetzt du. Rassismuskritisch leben - Tupoka Ogette (Piper 2022) Harriet Tubman - Fluchthelferin bei der Underground Railroad. Aus der Sklaverei in die Freiheit - Ann Petry (Nagel & Kimche 2022) Der Sommer, in dem ich Schwarz wurde - Angélique Beldner, Martin R. Dean (Atlantis 2021) Wut und Böse - Ciani-Sophia Hoeder (hanserblau 2021) Nach der Flut das Feuer - James Baldwin (dtv 2019, Neuauflage) Romane Second-Class Citizen - Buchi Emecheta (Blumenbar 2023) Morgen, morgen und wieder morgen - Gabrielle Zevin (Eichborn 2023) Zusammenkunft - Natasha Brown (Suhrkamp 2022) Schlesenburg - Paul Bokowski (btb 2022) Der Mann im Untergrund - Richard Wright (Kein & Aber 2022) Pizza Girl - Jean Kyoung Frazier (Kampa 2022) In der Heimat meines Vaters riecht die Erde wie der Himmel - Samira El-Maawi (Zytglogge 2021) Ein anderes Brooklyn - Jacqueline Woodson (Piper 2019) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Kindergeschichten über Toleranz, Diversität und Integration
Kriska Assenmacher berührt mit ihren "Kindergeschichten über Toleranz, Diversität und Integration" und holt Kinder spielend ab. "Kindergeschichten über Toleranz, Diversität und Integration" ist das zweite Buch, das im kleinen Verlag Libro Prints erschienen ist. Kriska Assenmacher hat den Verlag mit ihrem Mann gegründet, um ihre Geschichten selbst zu veröffentlichen. Nachvollziehbare Geschichten, die ans Herz gehen Die Geschichten für Kinder ab ca. 6 Jahren sprechen in alltagsnahen Geschichten Themen wie Freundschaft, Fremdsein/Anderssein, Diskriminierung, Streit, Vielfalt oder Herausforderungen wie Stottern und Legasthenie an. Kriska Assenmacher erzählt die Geschichten in der dritten Person, aber immer aus der Perspektive eines anderen Kindes. Manchmal treffen wir ein Kind aus der einen, in der nächsten Geschichte wieder und vor allem spielt der Baumpalast eine grosse Rolle. Der Baumpalast ist eine Ansammlung von Baumhäusern in einem Park, wo die Kinder spielen, werken, basteln oder einfach beisammen sein können. Es sind immer Betreuungspersonen vor Ort, wie bei einem Treffpunkt der offenen Jugendarbeit. Dieser Wohlfühlort der Vielfalt und der Toleranz wird zum Fixpunkt in den Kindergeschichten. In der ersten Geschichte geht es um Streit zwischen den Eltern. Weil das Thema Streiten wohl alle Kinder kennen - ob nun von ihren Eltern oder von sich selber - passt diese Geschichte perfekt für den Einstieg. Meine Grosse (9 Jahre alt) hat sehr aufmerksam zugehört und hat sich auch die anschliessenden Fragen auf der "Nachdenkseite" durch den Kopf gehen lassen. Die nachfolgenden Geschichten wollte sie auch direkt alle hören. Man hat richtig gemerkt, wie gut sie nachvollziehen und mit ihren eigenen Erfahrungen in Verbindung bringen kann, was da zwischen den Kindern passiert. Sie ist völlig in den Geschichten versunken. "Der einzige Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein." ~ Ralph Waldo Emerson (S. 23) Neben Paul, der über einen Streit seiner Eltern erschrickt, lernen wir Amélie kennen, die sich über eine neue Klassenkameradin aus Bremen freut. Ebendiese Maya steht im Mittelpunkt der dritten Geschichte, in der es um rassistische Diskriminierung und Mobbing geht. In der vierten Geschichte erleben wir die verbindende Kraft von Musik über alle Sprachbarrieren hinweg. Und in der fünften und sechsten Geschichte kämpfen David und Mia mit ihrem Stottern bzw. ihrer Legasthenie. Doch mit der Hilfe der einfühlsamen Betreuer*innen vom Baumpalast, die sich immer auf Augenhöhe mit den Kindern begeben, überwinden sie ihre damit verbundene Schüchternheit und Zurückhaltung. Die Geschichten können mit den jeweiligen Nachdenkseiten sowohl für Gespräche in der Familie als auch in der Schule oder einer schulergänzenden Einrichtung gut genutzt werden. Die eingebundenen Zitate von Winnie Puh und Pippi Langstrumpf bis zu Frank Harris sind ebenfalls schöne Denkanstösse. Die Illustrationen sind relativ einfach, aber warm und sympathisch gehalten. Ich verlinke im Normalfall nicht zum grossen A, weil ich den Konzern nicht unterstützen möchte, aber für dieses Buch, das im Eigenverlag erscheint, mache ich eine Ausnahme. Fazit Wenn ihr auf der Suche nach einem Buch mit alltagsnahen Kindergeschichten seid, mit denen sich Kinder sehr gut identifizieren können, liegt ihr mit "Kindergeschichten über Toleranz, Diversität und Integration" von Kriska Assenmacher richtig. Sie regen zum Nachdenken an und stärken die Selbstreflexion und das Einfühlungsvermögen von Kindern. Die Fakten Kindergeschichten über Toleranz, Diversität und Integration Kriska Assenmacher Libro Prints 74 Seiten Erschienen am 09.02.2023 Taschenbuch ISBN: 979-8-3762-9363-8 Ab 6 Jahren, ab ca. 8 Jahren auch zum Selberlesen Das Buch erhaltet ihr über den obigen Link oder direkt bei Kriska Assenmacher, z.B. via Instagram oder per Mail.
- Ava und die Rückkehr der Farben
Mit "Ava und die Rückkehr der Farben" präsentieren uns Annika Klee und Stella Eich den fünften Band der "Wunderbare Wesen"-Reihe und rücken das Thema Flucht und Migration in den Fokus. Aus der "Wunderbare Wesen"-Reihe von Autorin Annika Klee und Illustratorin Stella Eich habe ich euch auf dem Blog bereits "Ellas Elfentanz" vorgestellt. Wie in den Vorgängerbänden steht auch in "Ava und die Rückkehr der Farben" ein Kind aus einer Schulklasse im Fokus, die wir so nach und nach kennenlernen. Ava liebt es zu malen und zwar in den wunderbarsten, sattesten Farben auf strahlend weissem Papier. Sie lässt ihrer Kreativität freien Lauf und drückt so ihre Stimmung aus. Überhaupt verbindet sie Farben stark mit Gefühlen. Am Tag, an dem sie von einem Baum fiel und 13 Mal im Bohnenspiel verlor, war alles grau. Als Avas Mama ihr über den Rücken strich, wurde alles wieder wohlig warm und gelb. Wenn die Welt grau und matt wird Doch eines Tages wird Avas Welt komplett grau. Sie und ihre Mama müssen in ein anderes Land ziehen. Wir erfahren im Buch nicht direkt, was der Grund für den Umzug ist. Für Erwachsene liegt die Vermutung nahe, dass es mit einem Krieg oder sonst einem gewaltsamem Konflikt zu tun haben könnte. Kinder werden wohl nur eine diffuse Bedrohung spüren. Zum Glück findet Ava in der neuen Klasse neue Freund*innen, besonders Jule wird zu ihrer besten Freundin. Doch die Farben sind einfach nicht mehr dieselben. Sie leuchten nicht mehr, sind nicht mehr satt, sondern matt und fahl. Ava merkt, dass es am grauen Hintergrund liegen muss. Es liegt gar nicht an den Farben selbst, sondern am fehlenden weissen Hintergrund. Ava schafft es, sich ihren Klassenkamerad*innen zu öffnen und die setzen alles daran, Ava ihre leuchtenden Farben zurückzugeben. Wie sie das genau anstellen, erfahrt ihr in "Ava und die Rückkehr der Farben". Ein kunterbuntes Leben in Sicherheit und Frieden Annika Klees Geschichte arbeitet stark metaphorisch. Die mehr oder weniger bunten Farben und der weisse bzw. graue Hintergrund sind nicht nur mit bestimmten Gefühlen verknüpft, sondern auch mit einem mehr oder weniger sicheren und geborgenen Umfeld. So stehen weiss und bunt für ein Leben in Sicherheit und voller Lebensfreude. Das Grau und die gedeckten Farben verbildlichen Avas Sorgen und die Unsicherheit auf der Flucht und in einem neuen Umfeld. Indem sie in der neuen Klasse Freund*innen findet, sich ihnen öffnen kann und die Freund*innen ihr Sicherheit und Frieden vermitteln können, überwindet sie das Trauma der Flucht und findet neue Lebensfreude und damit auch ihre Lebensfarben wieder. War ich in "Ellas Elfentanz" mit einigen Reimen nicht ganz glücklich, finde ich sie hier viel besser gelungen. "Ava und die Rückkehr der Farben" bietet deshalb viel Freude beim Vorlesen (ab ca. 3 Jahren) oder zum Selberlesen (ab ca. 6 Jahren). Gestalterisch überzeugen die Illustrationen von Stella Eich einmal mehr mit ihrem zarten, detailreichen Stil und der abgebildeten Vielfalt in Sachen Hauttöne, Haarfarben und körperliche Behinderungen. Wie immer ist die Produktion des Buches rundum nachhaltig und mit dem Kauf unterstützt man eine soziale Institution, dieses Mal den Kinderschutzbund, der sich für die Kinderrechte in Deutschland einsetzt. Fazit Mit "Ava und die Rückkehr der Farben" nähern sich Annika Klee und Stella Eich wunderbar feinfühlig dem Thema Flucht und Migration. Durch die Metapher der Farben, werden Avas Gefühle schon für kleine Kinder nachvollziehbar und bieten auch für grössere Kinder einen guten Gesprächsanlass. Die Fakten Ava und die Rückkehr der Farben Annika Klee (Text) Stella Eich (Ilustration) Jupitermond Verlag 32 Seiten Erschienen am 30.03.2023 Hardcover ISBN: 978-3-949239-20-5 Ab 3 Jahren zum Vorlesen, ab 6 Jahren zum Selberlesen Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Annika Klee bei Instagram Stella Eich bei Instagram Jupitermond Verlag bei Instagram PS: Herzlichen Dank an den Jupitermond Verlag für das digitale Rezensionsexemplar und die zur Verfügung gestellten Bilder. Weitere Kinderbücher rund um die Themen Flucht, Migration und Krieg auf mint & malve Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder - Alea Horst, Mehrdad Zaeri (Klett Kinderbuch 2022) Zwei von jedem - Rose Lagercrantz, Rebecka Lagercrantz (Moritz Verlag 2021) Von weit her - Robert Munsch, Saoussan Askar, Rebecca Green (Orlanda 2022) Wieke und Ken - Karin Koch (Peter Hammer Verlag 2021) Hannah Arendt. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara, Sophie Martineck (Insel Verlag 2020) Flucht - Issa Watanabe (Hanser Verlag 2020) Ich und meine Angst - Francesca Sanna (NordSüd 2019) Anne Frank. Kleine Bibliothek grosser Persönlichkeiten - Isabel Thomas, Paola Escobar (Laurence King 2019) Anne Frank. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara, Sveta Dorosheva (Insel Verlag 2019) Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin - Pei-Yu Chang (NordSüd 2017) - und weitere Buchtipps für mehr Weltoffenheit Die Flucht - Francesca Sanna (NordSüd 2016) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Mama, ich will Brokkoli! Gesunde Familienküche leicht gemacht
Wollt ihr schon lange gesünder kochen, euch fehlen aber Tipps, wie ihr das angehen könnt und die richtigen Rezeptideen? Dann hilft euch "Mama, ich will Brokkoli!" von Foodbloggerin und Ernährungscoach Moana Werschler alias Miss Broccoli weiter. Moana Werschlers Buch "Mama, ich will Brokkoli!" führt euch in drei Teilen zu einer gesünderen Familienküche. Im ersten Teil geht es darum, was gesunde Kinderernährung überhaupt ist. Welche Nährstoffe brauchen Kinder? Auf welche Nährstoffe gilt es besonders zu achten und in welchen Lebensmitteln finden sie sich? Und wie kommt man eigentlich von dem vielen Zucker los, der sich überall versteckt und den die Kinder so lieben? Essen soll Spass machen! Im zweiten Teil wird es dann noch konkreter, indem Moana Werschler ihre Tipps verrät, um Mahlzeiten stressfreier zu gestalten, Teller mit einer bunten Palette an Nährstoffen zu kreieren, mit Menüplan und Meal Prepping Zeit und Nerven zu sparen oder wie man nachhaltig und ökologisch kocht. Dabei geht sie natürlich auch Herausforderungen wie "Picky Eater" oder Streit am Esstisch an. Diese beiden Ratgeber-Teile kann man als Fundus an Tipps und Fakten über gesunde Ernährung betrachten, wo man auch immer wieder gezielt nachlesen kann, wenn man unsicher ist oder den nächsten Punkt auf der Checkliste hin zu einer gesunden Familienküche angehen möchte. Oft wird auch auf die unterschiedlichen Herausforderungen zwischen der veganen und der vegetarischen Ernährung eingegangen. Besonders wertvoll finde ich in diesen beiden ersten Teilen, dass die Autorin versucht, den Stress rauszunehmen. Man muss nicht von Null auf Hundert alles umstellen, sondern sich einfach mal ein, zwei Punkte vornehmen. Die Ernährung muss auch nicht bei jedem einzelnen Essen perfekt ausbalanciert sein, sondern zum Beispiel über eine Woche hinweg möglichst vielfältig. Loskochen mit kinderleichten Rezepten! Im dritten Teil gilt es dann, die Schürze umzubinden, zu schnetzeln und brutzeln. Moana Werschler versammelt in ihrem Buch eine breite Palette an Rezepten, die Kinder mögen und von denen ihr vielleicht manche schon von ihrem Blog Miss Broccoli oder ihrem Instagram-Account kennt: Da gibt es Grundrezepte wie Pizzateig, Frühstücksideen für Klein und Gross, gesunde Hauptmahlzeiten mit ganz viel Gemüse vom obligatorischen Brokkoli, über Hülsenfrüchte, Karotten und Kürbis bis zu Süsskartoffeln und Zucchini. Und zum Abschluss finden sich auch noch gesunde Snacks und Süssigkeiten zum Selbermachen. Wir haben als erstes die Pakora mit Süsskartoffeln ausprobiert, weil letztere in den USA sehr oft gegessen werden. Sie waren richtig lecker, fast etwas zu süss. Nächstes Mal darf also vielleicht sogar noch mehr Gemüse rein. Als nächstes möchten wir Erdbeeren-Fruchtriegel selber machen, aber es ist eine echte Herausforderung, alle Zutaten zusammenzukriegen. Immerhin fehlen mir jetzt nur noch die Oblaten, dann kann es losgehen! Fazit Moana Werschler präsentiert mit ihrem Buch "Mama, ich will Brokkoli!" eine Mischung aus Ratgeber und Rezeptbuch mit schnellen, gesunden Familienrezepten. Damit bietet sie ganz viel Grundlagenwissen über eine gesunde, vegetarische oder vegane Familienküche und ganz viele Tipps und Inspiration zur stressfreien Umsetzung. Ein Buch, das ich allen Familien mit kleinen, aber auch mit schon grösseren Kindern empfehlen kann! Die Fakten Mama, ich will Brokkoli! Die leckersten Rezepte von Miss Broccoli. Mehr Gemüse und Spaß. Gesunde Familienküche leicht gemacht Moana Werschler Humboldt Verlag 232 Seiten Erschienen am 23.02.2023 Hardcover ISBN: 978-3-8426-1705-6 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Humboldt Verlag für das Rezensionsexemplar. Weitere Kochbücher und Backbücher für Gross und Klein bei mint & malve Heute pflanz ich, morgen koch ich. Tipps zum Gärtnern, Ernten und Rezepte für Kinder - Felicita Sala (Prestel junior 2022) Mit Alma und Nasian in 8 Tagen um die Welt - Andrea Steidl, Emanuela Sarac, Katja Seifert (mvg verlag 2022) Kuchen zum Frühstück - Leckere Backrezepte für Kinder - Cynthia Cliff (Prestel junior 2021) Grüner Reis und Blaubeerbrot. Lieblingsrezepte für Kinder aus aller Welt - Felicita Sala (Prestel junior 2019) Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten - James Rich (AT Verlag 2019) LouMalou Entspannt kochen - Nadja Zimmermann (AT Verlag 2019) Apfelduft & Heidelbeerblau. Backen mit Früchten, Beeren und Blüten - My Feldt, Linda Lomelino (AT Verlag 2019) Foutah Djallon - Eine kulinarische Rundreise durch Westafrika -Mamadou Oury Balde, Carla Behringer, Eva Behringer (Books on Demand 2019) Ferrante, Frisch & Fenchelkraut - Nicole Giger (AT Verlag 2019) Helvetia Vegetaria - Carlo Bernasconi (AT Verlag 2017) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Mach dir die Welt - 30 Frauen erzählen: Ein Buch zum Mitmachen
(Werbung/Verlosung) Sucht ihr ein schönes Kinderbuch, das sich perfekt als Geschenk eignet, mit Geschichten aussergewöhnlicher Frauen inspiriert und auch noch zum Mitmachen einlädt? Dann liegt ihr mit "Mach dir die Welt" von Raffaela Schöbitz goldrichtig! Mit etwas Glück könnt ihr das Buch anlässlich des Internationalen Kinderbuchtags und der Blogger*innen-Aktion #HeuteeinBuch bei mir gewinnen! "Ich mach mir die Welt - widde widde wie sie mir gefällt...", sang schon Pippi Langstrumpf. Raffaela Schöbitz ruft Kinder von heute mit ihrem Buch "Mach dir die Welt" genau dazu auf und liefert mit den 30 Frauenporträts ganz viel Inspiration und Mitmachideen dazu. Und das Ganze ist auch noch von ihr selber wundervoll illustriert! "Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit." ~ Astrid Lindgren (S. 23) 30 Frauen erzählen Die Porträts von 30 Frauen auf jeweils drei oder vier Seiten erinnern natürlich an andere Bücher mit Kurzbiografien inspirierender Frauen. Ich denke da an die verschiedenen Bände von "Good Night Stories for Rebel Girls" von Elena Favilli und Francesca Cavallo oder die "Unerschrocken"-Bände von Pénélope Bagieu im Comic-Stil. Raffaela Schöbitz tritt da durchaus in deren Fussstapfen, geht aber auch neue Wege: Sie erzählt die Geschichten der inspirierenden Frauen aus der Ich-Perspektive. So ist es, als würden Astrid Lindgren - um ans obige Zitat anzuknüpfen - Malala Yousafzai, MC Mary Kom oder Zheng Yisao direkt zu uns sprechen. Ausserdem ergänzt sie die Porträts von Frauen aus aller Welt und allen Epochen um vier Gastbeiträge von Emilia Roig, Andrea Grill, Katharina Kösl und Mithu Sanyal und verleiht so auch inspirierenden Frauen der Gegenwart eine Stimme. "Unsere stärkste Waffe ist unsere Stimme." ~ Sonita Alizadeh, afghanische Rapperin (S. 71) Zudem speziell ist, dass auf jedes Porträt mit spannenden Fakten und Anekdoten aus dem Leben der Frauen eine Mitmachseite folgt. Hier werden die Leser*innen direkt angesprochen und aufgefordert, selbst etwas Neues auszuprobieren, sich herauszufordern, in neue Gebiete vorzuwagen. Wie wäre es mal mit Schachspielen? Oder du könntest dir selbst eine Nachricht in die Zukunft. An welche Düfte knüpfst du besondere Erinnerungen? Und was ist deine Definition von Freiheit? Raffaela Schöbitz' Mitmach-Seiten knüpfen an die gelesenen Biografien an und führen sie mit den Leser*innen und ihrem Leben und Sein zusammen. Die Auswahl der Porträtierten Frauen ist recht vielfältig. Natürlich stammen viele aus einer Zeit, aus der auch überhaupt Details zu ihren Biografien überliefert sind, also so ab 1800. Es gibt aber auch Frauen aus früheren Epochen wie Kleopatra (69-30 v. Chr.) oder die Schwestern Trung Trac und Trung Nhi (1. Jh. n. Chr.). Die Frauen leben und lebten auch in ganz unterschiedlichen Weltregionen: USA, Europa, Naher Osten, Asien und Nordafrika sind vertreten. Was fehlt, ist leider jemand aus Afrika südlich der Sahara sowie Australien/Neuseeland. Bekannte Frauen wie Marie Curie, Frida Kahlo, Jeanne d'Arc, Rosa Luxemburg, Ada Lovelace, Mutter Teresa oder Greta Thunberg ergänzen sich mit zumindest mir nicht geläufigen Namen wie MC Mary Kom, Judit Polgár, Valentina Tereschkova, Gitanjali Rao, Alicia Garza oder Ute Bock. Unter den Proträtierten sind ebenso weisse Frauen wie BIPoC, es gibt hetero, cis und queere Frauen, unterschiedliche Religionen und sozioökonomische Hintergründe sowie Behinderungen. Auch thematisch deckt Raffaela Schöbitz eine breite Palette ab: Naturwissenschaften, Politik, Luftfahrt, Mode, Kunst, Sport und Aktivismus - es ist von allem etwas dabei. So kommen auch Themen wie Klassismus, Bildung für Mädchen und Frauen, Zwangsehen, Kolonialismus und mehr zur Sprache. Ein paar Kritikpunkte habe ich, die ich beim gemeinsamen Lesen mit Kindern ansprechen würde und hoffe, dass sie für eine zweite Auflage verbessert werden: Erstens kommt das "I-Wort" vor. Zweitens ist die Information, dass Kleopatra Suizid mit einer Kobra begangen habe, nach heutigem Wissensstand unwahrscheinlich und sollte folglich nicht als Fakt präsentiert werden (mehr zur Faktenlage erfahrt ihr hier). Ein No-Go ist für mich die unkritische Darstellung von Coco Chanel. Wenn sie schon in diesen Reigen inspirierender Frauen aufgenommen wird, dann bräuchte es meiner Meinung nach unbedingt einen Hinweis auf ihre Nazi-Verbindungen (nachzulesen z.B. hier). Bei anderen Frauen, die nicht durchwegs "gut" waren, gibt es im Buch zum Glück auch (selbst)-kritische Hinweise auf diese Schattenseiten. Inspirierende Frauen wunderschön auf Papier gebannt Jede Kurzbiografie ziert eine wunderschönes Porträt von Raffaela Schöbitz, ergänzt und aufgelockert wird der Text durch kleine, illustrierte Vignetten und prägnante Zitate in Sprechblasen. Auch der Umschlag mit seiner groben Struktur überzeugt optisch und haptisch. So dass das Buch ein wunderbares Geschenk für Kinder und Jugendliche darstellt. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 8 Jahren. Ich würde die Altersempfehlung etwas nach oben schrauben auf mindestens 10 Jahre, weil in den Texten zahlreiche komplexe Konzepte und Fremdwörter auftauchen. Zudem ist ein gewisses historisches Hintergrundwissen zur Einordnung und kritischen Betrachtung des Gelesenen hilfreich. Bei 8-jährigen Kindern würde ich also unbedingt empfehlen, die Porträts gemeinsam zu lesen und sie zu diskutieren, vielleicht auch gemeinsam weiterzuforschen. Fazit Mit "Mach dir die Welt" von Raffaela Schöbitz holt ihr euch ein wunderschönes, inspirierendes Buch ins Haus, das erst noch motiviert, über Dinge neu nachzudenken, Neues auszuprobieren und sich selbst herauszufordern. Ein mutmachendes Buch über Frauen, die ihren Weg trotz vieler Widerstände gegangen sind bzw. immer noch gehen und damit einen Platz in der Geschichte und in unseren Bücherregalen verdient haben. Die Fakten Mach dir die Welt 30 Frauen erzählen: Ein Buch zum Mitmachen Raffaela Schöbitz (Text und Illustration) Mithu Sanyal, Andrea Grill, Emilia Roig, Katharina Kösl (Gastbeiträge) Leykam 200 Seiten Erschienen am 16.08.2022 Hardcover ISBN: 978-3-7011-8238-1 Ab 10 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Raffaela Schöbitz bei Instagram Leykam Verlag bei Instagram PS: Herzlichen Dank an den Leykam Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar. Weitere Biografien für Kinder und Jugendliche bei mint & malve Aretha Franklin, Kamala Harris, Amanda Gorman. Little People, Big Dreams - María Isabel Sánchez Vegara (Insel Verlag 2022) Marie Curie, Ein Licht im Dunkeln, Frances Andreasen Osterfelt, Anja C. Andersen, Anna Blaszczyk (Knesebeck 2020) Anne Frank. Kleine Bibliothek grosser Persönlichkeiten, Isabel Thomas, Paola Escobar (Laurence King 2019) "Hannah Arendt, Little People, Big Dreams" und "Die drei Leben der Hannah Arendt" "Unerschrocken 1" und "Unerschrocken 2" (es gibt neu auch einen Sammelband) - Pénélope Bagieu (Reprodukt 2017/2018) Good Night Stories for Rebel Girls 1 - Francesca Cavallo, Elena Favilli (Hanser 2017) Good Night Stories for Rebel Girls 2 - Francesca Cavallo, Elena Favilli (Hanser 2018) Anne Frank, Frida Kahlo und Marie Curie. Little People, Big Dreams, María Isabel Sánchez Vegara (Insel Verlag 2019) VERLOSUNG ZU #HEUTEEINBUCH: Gewinnt 1 Exemplar von "Mach dir die Welt"! Im Rahmen der Blogger*innen-Aktion "Heute ein Buch! - Aus Liebe zum Lesen" darf ich zum Internationalen Kinderbuchtag mit Unterstützung des Leykam Verlags ein Exemplar von "Mach dir die Welt" an euch verlosen! So geht's: Verrate mir in den Kommentaren, wessen Lebensgeschichte dich inspiriert. Weitere Lose gibt's hier: Instagram Facebook Die Verlosung startet mit Freischaltung der Posts und endet am Samstag, 8. April 2023, 23:59 Uhr. Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Das Los entscheidet über die Gewinner*innen. Im Falle des Gewinns wirst du hier bzw. auf Facebook oder Instagram benachrichtigt. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch den Leykam Verlag. Zu diesem Zweck gebe ich deine Adresse an den Verlag weiter. Die Verlosung hat nichts mit Instagram oder Facebook zu tun. Viel Glück! Noch mehr Kinderbücher zum Vorlesetag! Bei untenstehenden Blogs könnt ihr heute ebenfalls euer Glück versuchen und ein tolles Buch zum Vorlesen gewinnen. Schaut vorbei! Alu – https://www.grossekoepfe.de/ Anne – https://www.xmalanderssein.de/ Brigitte – https://www.wallinger.at/ Eliane – https://www.mintundmalve.ch/ Henrike – https://www.instagram.com/frau_buecherfee Janet – https://www.kinderbuchlesen.de/ Jenny – https://www.kinderchaos-familienblog.de/ Julia - https://juliliest.net/ Katja – https://kuestenkidsunterwegs.blogspot.com/ Lukas – https://www.instagram.com/buecherwuermchen_universum/ Miri – https://geschichtenwolke.de/ Sari – https://www.heldenhaushalt.de/sari02/ Steffi – https://www.biber-butzemann.de/blog Susanne – https://familienbuecherei.blogspot.com/ * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- "Change" und "The Hill We Climb" - zwei Bücher von Amanda Gorman
Amanda Gorman ist eine wichtige, ermutigende, Schwarze Stimme aus Amerika. Das beweist sie im Bilderbuch "Change" genauso wie in ihrem Gedicht "The Hill We Climb - Den Hügel hinauf" zu US-Präsident Joe Bidens Amtsantritt. Es ist wieder einmal Zeit für ein Buchtandem - also je ein Buch für Kinder und eins für Erwachsene, die sich gut ergänzen. Die beiden Bücher von Amanda Gorman sind schon kurz nach Erscheinen bei uns eingezogen. Jetzt, wo wir für eine Weile in den USA leben und ein gewisser Ex-Präsident sich anschickt, wieder ins höchste Amt der USA zurückzukehren und das Land noch mehr zu spalten als in seiner ersten Amtszeit, ist es höchste Zeit, die beiden Werke der jungen Lyrikerin vorzustellen. Beide Bücher eint eines: Die Hoffnung auf Veränderung, Veränderung zum Guten, mehr Zusammenleben, mehr Akzeptanz, mehr Inklusion, mehr Überwindung von Ängsten und Heilen von Wunden. Change. Eine Hymne für alle Kinder Kommen wir zuerst zum Bilderbuch "Change", zu dem die Dichterin Amanda Gorman (geboren 1998 in Los Angeles, Kalifornien) den Text beigetragen hat und Loren Long, ein preisgekrönter amerikanischer Illustrator, die Bilder. Amanda Gorman erzählt in Versen von einem Mädchen, das mit seiner Gitarre durch die Nachbarschaft geht und kleinere und grössere gute Taten vollbringt. So hilft sie einem (scheinbar jüdischen) Jungen beim Aufheben von Müll, bringt einer gebrechlichen, alten Frau Lebensmittel, baut eine Rampe für ein Mädchen im Rollstuhl usw. Auf ihrem Weg gibt sie jedem Kind, das sich ihr anschliesst, ein anderes Instrument, so dass die Band wächst und wächst. Gemeinsam tragen sie die Botschaft der Veränderung hinaus in die Welt. Mit dem Lied verbreitet das Mädchen bzw. später alle Kinder die Überzeugung, dass jede*r etwas Gutes tun kann, für sich selbst, für seine*ihre Mitmenschen und die Gemeinschaft. Und dass wir trotz all unserer Unterschiede gleich sind. Am Ende steht die Hoffnung, dass diese Kinder eine bessere Zukunft formen. "Ich summe mit Hunderten Herzen, und jeder von uns reicht seine Hand. Ich nutze meinen Verstand, meine Stärken, beuge ein Knie für den Widerstand." Joy Denalane und Daniela Seel haben diese Hymne, wie sie im Untertitel genannt wird, wunderbar ins Deutsche übertragen, so dass die Verse flüssig zu lesen sind und weiterhin wohlklingend daherkommen. Was bei Übersetzungen aus dem amerikanischen Englisch eine besondere Herausforderung ist, da die deutsche Sprache doch einiges sperriger ist und härter klingt. Loren Long hat das Bilderbuch in intensiven Farben illustriert und liefert damit nicht nur die Hymne ergänzende Informationen, die helfen, die Botschaft zu verstehen. Er deckt damit auch so manche Vielfaltsdimension ab: Da gibt es junge und alte Menschen, einen Jungen mit Kippa, eine Mutter und ihr Sohn, die scheinbar arm sind, ein Mädchen (vielleicht Native American, vielleicht auch mit asiatischen Wurzeln) im Rollstuhl und Schwarze Kinder wie das singende Mädchen selbst. In Nebenrollen sind auch Personen zu sehen, die muslimisch sein könnten etc. Auch Martin Luther King ist, in Anlehnung an die real existierenden Mauerbilder von ihm, prominent in Szene gesetzt, so dass das Erbe des Afroamerikanischen Widerstands und die Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegung mitschwingen. Zuerst habe ich mich gewundert, dass ein weisser Mann das Buch von Amanda Gorman illustriert hat. Irgendwie wäre es doch schön gewesen, eine junge BIPoC hätte es bebildern können. Was ich aber wiederum ganz schön und irgendwie passend finde, ist, dass Loren Long farbenblind ist und bei der Erstellung seiner Bilder grosse Hindernisse überwinden muss. Das passt wiederum sehr gut zur Botschaft des Buches und zu Amanda Gorman selbst, die wiederum grosse sprachliche Schwierigkeiten hatte in ihrer Kindheit. Und die Illustrationen sind ja auch von sehr hoher Qualität. Mein Hinweis soll also in keiner Weise eine Kritik an den Bildern darstellen. Vielleicht hatte die Wahl des Illustrators auch damit zu tun, dass er bereits Barack Obamas Kinderbuch bzw. seinen Brief an seine Töchter "Of Thee I Sing" illustriert hat? Das ist wäre auch eine wunderbare Verbindung. Die Fakten Change. Eine Hymne für alle Kinder Amanda Gorman (Text) Loren Long (Illustration) Joy Denalane, Daniela Seel (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) Hoffmann und Campe 48 Seiten Erschienen am 22.09.2021 Hardcover ISBN: 978-3-455-01266-8 Ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* (derzeit nur auf Englisch verfügbar) Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Website von Amanda Gorman Website von Loren Long The Hill We Climb - Den Hügel hinauf Mit 22 Jahren hielt Amanda Gorman das Gedicht "The Hill We Climb - Den Hügel hinauf" bei der Amtseinführung des 46. amerikanischen Präsidenten Joe Biden. Damit ist sie die jüngste Dichterin, die je bei einer Vereidigung ein Gedicht vortrug. Wie es der Titel schon anklingen lässt, handelt auch dieses Gedicht von der Hoffnung und wird vom Optimismus getragen, dass eine bessere, friedlichere, solidarischere Zukunft möglich ist. Amanda Gorman macht darin aber auch vor den dunklen Kapiteln amerikanischer Geschichte nicht Halt - spricht die Sklaverei an und die vorangegangene, verheerende Amtszeit von Donald Trump mit dem traurigen und beängstigenden Nachspiel des Sturms auf das Kapitol. Dieser Bedrohung der Demokratie stellt sie die Hoffnung gegenüber, die nicht zuletzt mit dem neu antretenden Präsidenten und seiner Vizepräsidentin Kamala Harris (siehe Buchtipp dazu) verbunden war und noch ist. "Wir streben vielmehr nach Verbundenheit, gemeinsamen Perspektiven und Zielen. Ein Land für Menschen aller Art, jeder Kultur und Lage, jeden Schlags. Und so lenken wir den Blick nicht auf das, was zwischen uns steht, sondern auf das, was vor uns liegt." (S. 21/23) Es handelt sich um eine zweisprachige Ausgabe. Das englische Original steht also der Übersetzung von Uda Strätling, Hadija Haruna-Oelker und Kübra Gümüsay (ihr kennt sie bestimmt von ihrem Sachbuch "Sprache und Sein") direkt gegenüber. Das ist sehr spannend und weist auch auf einige Differenzen hin, die der besseren Lesbarkeit, dem Klang und der Metrik geschuldet sind. In diesem Zusammenhang sind auch die Erläuterungen des Übersetzerinnen-Teams im Anhang sehr interessant und lesenswert. Gerade in obigem Zitat, geht der Begriff "colors" verloren, der natürlich auf Schwarze Menschen, Rassismus gegen Schwarze und Colorism anspielt. Das Gedicht ist durchaus auch pathetisch und appelliert an den amerikanischen Nationalstolz, der zumindest mir als Schweizerin eher suspekt ist. Aber das soll für eine Inauguration eines amerikanischen Präsidenten und einen so geschichtsträchtigen Auftritt ja auch erlaubt sein. Das Buch, das wie das Bilderbuch bei Hoffmann und Campe erschienen ist, hat keine Altersempfehlung. Ich würde es durchaus schon für Jugendliche empfehlen. Gerade die zweisprachige Ausgabe lässt sich perfekt für den Englisch-Unterricht nutzen. Natürlich gibt es auch für Geschichte, Politik oder ähnliche Fächer viel her. Wie Amanda Gorman ihr Gedicht vorgetragen hat, könnt ihr natürlich auch nachschauen, so eindrücklich! Ich hoffe, die Amerikaner*innen besinnen sich vor den nächsten Wahlen 2024 darauf! Die Fakten The Hill We Climb - Den Hügel hinauf (zweisprachige Ausgabe) Amanda Gorman (Text) Uda Strätling, Hadija Haruna-Oelker, Kübra Gümüsay (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) Hoffmann und Campe 64 Seiten Erschienen am 30.03.2021 Hardcover ISBN: 978-3-455-01178-4 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für die Rezensionsexemplare. * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!
- Wilde Radtour mit Velociraptorin
Fahrt ihr gerne Velo? Wir sind grosse Fahrradliebhaber*innen in unserer Familie und die Mittlere erst noch leidenschaftlicher Dino-Fan. Wir bilden uns also gerne ein, Nils Mohl und Halina Kirschner hätten "Wilde Radtour mit Velociraptorin" nur für uns geschrieben. Natürlich geben wir euch gerne eine Scheibe davon ab. ;-) Autor und Fahrrad-Freak Nils Mohl nimmt uns in seinem neuen Kinderbuch "Wilde Radtour mit Velociraptorin" mit auf eine Reise durch das ABC des Fahrradfahrens. Er tut das zwar ganz geordnet von A bis Z, aber gar nicht langweilig, sondern ganz unterhaltsam entlang einer witzigen Geschichte. Das Velofahren ist des Autors Lust Besonders sympathisch finde ich als Schweizerin ja, dass Nils Mohl direkt mit einer kleinen Abhandlung über den Begriff "Vélo" startet, als wichtige Präambel quasi, bevor es mit A wie "Anfang und Abenteuerlust" so richtig beginnt. Im Zentrum der Geschichte steht das Alter-Ego des Autors, der Ich-Erzähler und Schriftsteller, der gerne Fahrrad fährt und mal eine Pause vom Schreiben braucht, weil ihm partout keine Geschichte in den Sinn kommt. Was würde da näher liegen, als eine Runde auf dem Rad zu drehen, um den Kopf durchzulüften? Eben! Das tut er und zack kommt auch schon die Velociraptorin (wörtlich etwa: Schnelle Räuberin) um die Ecke. Sein erster Reflex? Flucht. Doch die Velociraptorin hat die Schnelligkeit nicht umsonst im Namen, denn sie kann bis zu 40 km/h schnell werden. Glücklicherweise stellt sich heraus, dass dieses Urzeittier ganz friedlich unterwegs ist und einfach gerne eine Fahrradtour mit dem Schriftsteller machen würde. Da sie nicht Fahrradfahren kann, nimmt sie erstmal im Anhänger Platz. Turbulente Tour mit Dino im Schlepptau Die gemeinsame Tour wird allerdings ganz schön turbulent und die Wege der beiden trennen sich auch nochmals. Doch am Ende bringt der Schriftsteller der Dinosaurierin das Velofahren bei und rüstet sie mit viel Wissenswertem rund ums Fahrradfahren aus: Es geht um die Acht im Rad, Carbon, die Felge, die Gangschaltung, das Mountainbike, die Nabenschaltung, das Peloton, das Ventil, den Wiegetritt oder die Zangenbremse. Dabei kommen so erstaunliche Fakten ans Tageslicht, wie dass es Fahrradhelme erst seit 1975 in Geschäften zu kaufen gibt. Oder wusstet ihr, dass auf dem längsten Tandem 35 Fahrer*innen Platz fanden? Für besonders Interessierte werden all diese und viele weitere Begriffe in der Seitenspalte nochmals erklärt. Der Hamburger Schriftsteller Nils Mohl hat neben der amüsanten Geschichte auch sprachlich sehr viel zu bieten. So tritt der Buchstabe des jeweiligen Abschnitts nicht nur in den erklärten Begriffen auf, sondern kommt auch sonst gehäuft im Text als Anfangsbuchstabe vor. Mit Schüler*innen könnte man also wunderbar auf Wörtersuche gehen. Für private Leser*innen machen die vielen Alliterationen einfach Spass. Der eine oder andere Begriff (wie z. B. "episch") ist für 4-jährige Zuhörer*innen wohl erklärungsbedürftig, aber neue Wörter kann man ja immer entdecken. Halina Kirschner, Illustratorin aus Leipzig, hat das Kinderbuch in drei kräftigen Sonderfarben schön wild illustriert. Das passt wunderbar zum rasanten Inhalt und bringt eine frühlingshafte Brise direkt ins Wohnzimmer. Die Illustrationen reichen von illustriertem Text, über kleine Vignetten, bis zu ganzen Doppelseiten. Ein bisschen geflucht wird beim F auch noch, aber keine Angst, nicht mit dem Wort, an das ihr jetzt denkt! ;-) Die Velociraptorin ist da viel einfallsreicher! Einige Male habe ich das Gendern vermisst, wenn etwa nur von "Fahrer" oder "Mechaniker" die Rede ist. Und dass es kein Wort mit X gibt, finde ich etwas schade. Das X ist nur der Buchstabe, der auf der Karte den Ankunftsort markiert. Mir würde beispielsweise die XTR-Schaltung einfallen, aber vielleicht sollte ja auf Schleichwerbung verzichtet werden, was auch völlig okay ist. Dafür hat Nils Mohl für andere knifflige Buchstaben wie das Q oder das Y Begriffe aus dem Fahrraduniversum gefunden. Helm ab! Fazit Nils Mohl und Halina Kirschner machen mit "Wilde Radtour mit Velociraptorin" richtig Lust, sich auf den Sattel zu schwingen, ordentlich in die Pedale zu treten und den nächsten Hügel hinunterzusausen. Natürlich erst, wenn wir das Kinderbuch von A bis Z vorgelesen haben und damit nicht nur eine rasante Geschichte mit schnellem Urzeittier genossen, sondern auch noch unser Fachwissen rund ums Fahrrad- oder eben Velofahren aufpoliert haben! Die Fakten Wilde Radtour mit Velociraptorin Nils Mohl (Text) Halina Kirschner (Illustration) Mairisch Verlag 56 Seiten Erschienen am 25.03.2023 Hardcover ISBN: 978-3-948722-27-2 Ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Nils Mohl auf Instagram Website von Nils Mohl Website von Halina Kirschner PS: Herzlichen Dank an den Mairisch Verlag und Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar in elektronischer Form sowie die Bilder. Weitere Bücher von A bis Z bei mint & malve Im Buchstabenfieber – ABC-Bücher für Kinder - 6 Buchtipps AnyBody - Dick & dünn & Haut & Haar: das grosse Abc von unserem Körper-Zuhause - Katharina von der Gathen, Anke Kuhl (Klett Kinderbuch 2021) Der Fuchs hat seine lieben Nöte beim Halleluja auf der Flöte - Cornelia Boese, Elsa Klever (Thienemann-Esslinger 2018) * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. 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- Ellas Elfentanz
Das Schultheater steht bevor. Ella möchte unbedingt die Rolle der Elfe spielen. Ob das gelingt? Ihr erfahrt es in "Ellas Elfentanz" von Annika Klee und Stella Eich. Der Jupitermond Verlag nimmt sich in seinen Büchern besonderen Themen an und lässt Diversität im Bilderbuch hochleben. Das gilt auch für die "Wunderbare-Wesen"-Reihe von Annika Klee und Stella Eich, zu der das Bilderbuch "Ellas Elfentanz" gehört. Das Duo aus Autorin und Illustratorin spricht mit "Ellas Elfentanz" das Thema Behinderung an. Das Besondere? Ellas Rollstuhl spielt nur auf der Bildebene eine Rolle. Für die Handlung ist ihre Behinderung völlig irrelevant. Entsprechend sehen wir hier ein Mädchen im Rollstuhl in der Hauptrolle, ohne dass dieser Charakter auf die Behinderung reduziert wird oder besondere Hindernisse überwinden muss. Im Gegenteil: Ella ist ein Kind wie die anderen auch und sie möchte unbedingt die Rolle der Elfe im Schultheater spielen. Dazu gehört viel Text und erst noch ein ein Tanz. Zu so einer Rolle gehört ganz schön viel Mut! Soll sie sich wirklich trauen? Am Tag der Rollenverteilung ist Ella wahnsinnig aufgeregt, kann sich kaum auf den Schulstoff konzentrieren. Das merkt die Lehrerin und fragt deshalb, wer sich für die Rolle der Elfe interessiere. Und tatsächlich, Ella überwindet ihre Scheu und spricht und tanzt für die Rolle vor. Und das gelingt ganz wunderbar. "Die Arme sich im Tanze biegen. Wie sie schwirren, gleiten, fliegen! Es ist, als hüpfe Elfenlicht im leichten Tanz als Elfenkranz um Ellas schimmerndes Gesicht." Sie bekommt die Rolle! Und die Aufführung? Sie wird magisch, das sei an dieser Stelle verraten! Stella Eich hat den Text von Annika Klee passend zur Geschichte elfengleich illustriert. Es dominieren zarte Pastelltöne und überall scheint Elfenglanz in den Bäumen und in der Luft zu schweben. Die Grösse der Bilder reicht von kleinen Szenen bis zu doppelseitigen Bildern. Die Kinder sind vielfältig dargestellt, was zum Beispiel Haarfarben, Hauttöne oder Brillen angeht. Ein Mädchen kann asiatisch gelesen werden. Der Text von Annika Klee ist in Reimform gehalten. Das führt beim Vorlesen zu einer schönen Rhythmisierung. Allerdings sind die Verse nicht immer ganz flüssig, die Reime überzeugen nicht durchgehend. Ich denke, die Geschichte hätte auch ohne Reime gut funktioniert. Da ich beim Vorlesen auf Schweizerdeutsch übersetze und es da sowieso schwierig ist, alle Reime zu erhalten, stören mich die kleinen Mängel aber nicht. Wie immer beim Jupitermond Verlag ist auch dieses Kinderbuch klimaneutral in einer deutschen Druckerei hergestellt worden. Ich mag die Haptik des strukturierten Umschlags und der matten Seiten sehr. Besonders schön ist, dass man mit dem Kauf des Buches auch noch den Verein "Sozialheld*innen" unterstützt, der sich dafür einsetzt, dass Menschen mit Behinderungen bei Produkten und Dienstleistungen mitgedacht werden und so weniger Barrieren begegnen. Fazit "Ellas Elfentanz" von Annika Klee und Stella Eich rückt ein Mädchen im Rollstuhl in den Fokus. Die Geschichte kommt aber ganz ohne die direkte Thematisierung ihrer Behinderung aus und trägt dadurch zur Normalisierung bei. Eine wunderbar beflügelnde Geschichte über ein mutiges Mädchen! Die Fakten Ellas Elfentanz Annika Klee (Text) Stella Eich (Illustration) Jupitermond Verlag 28 Seiten Erschienen am 21.09.2022 Hardcover ISBN: 978-3-949239-18-2 Ab 4 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Annika Klee bei Instagram Stella Eich bei Instagram Jupitermond Verlag bei Instagram PS: Herzlichen Dank an den Jupitermond Verlag für das Rezensionsexemplar. * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!













