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- Eine Heimat, drei Lebenswege
Nava Ebrahimi erzählt in "Das Paradies meines Nachbarn" die Geschichte dreier Männer. Was sie verbindet? Der Bezug zum Iran, aber nicht nur das! Ein Leben auf der Schattenseite Wir lernen zuerst Ali-Reza kennen, der im Iran lebt. Seit seiner Rückkehr aus dem Krieg sitzt er im Rollstuhl. Und er hat gerade erfahren, dass seine Mutter gestorben ist. Da er vor Jahrzehnten, noch als Jugendlicher, von zuhause abgehauen ist, trifft ihn die Nachricht weniger, als wir erwarten würden. "Ihre Hand war schon sehr lange nicht mehr die gewesen, die seine Wange kurz vor dem Einschlafen gestreichelt hatte. Und seine Wange war schon sehr lange nicht mehr die gewesen, die die Zärtlichkeit empfangen hatte." (S. 10) Weshalb er seiner Mutter gegenüber so kalt ist und sie als Monster bezeichnet, bleibt vorerst im Dunkeln. Die Handlung springt nach Deutschland zu Sina, einem mittelmässig talentierten Industriedesigner, und seinem neuen Chef Ali Najjar, ebenfalls Designer, aber von der talentierten Sorte. Davon sind zumindest die Medien und die ganze Branche überzeugt. Er selbst macht sich über seine Arbeit lustig, findet alles mehr oder weniger sinnlos, möchte aber seine Mutter Maryam beeindrucken. "Die paar Striche haben gereicht, und ihre leeren Bäuche und Herzen füllten sich. Wahrheit und Mut und, das ist ihr Lieblingswort, Kompromisslosigkeit sahen sie. Ein paar Striche auf dem Papier, ein paar Skizzen einer Biografie. Ich musste ihnen nicht viel liefern. Den Rest malten sie sich selbst aus." (S. 55) Völlig unterschiedlich und doch verbunden Nach und nach erfahren wir aus den wechselnden Perspektiven der drei Männer mehr über sie, ihre Lebensgeschichte und ihre Verbindung zum Iran. Ali-Reza ist im Iran geboren und lebt weiterhin dort. Ali Najjar ist ebenfalls im Iran geboren, kam aber irgendwie - wir erfahren später wie - nach Deutschland und hat sich hier ein neues Leben aufgebaut. Wir spüren allerdings schnell - und er gibt es auch selbst zu -, dass einiges mehr Schein als Sein ist. Und schliesslich ist da Sina, der Angepasste, gutes Mittelmass, der ebenfalls iranische Wurzeln hat, aber bei seiner alleinerziehenden Mutter in Deutschland aufgewachsen ist. Sein Vater hat sich in die Vereinigten Staaten abgesetzt und scheint dort ziemlich gut zu leben. Kontakt zu seinem Sohn hält er aber kaum. Wie entscheidend ist unsere Herkunft? Nava Ebrahimi gelingt es in "Das Paradies meines Nachbarn" sehr gut, uns in unterschiedliche Milieus mitzunehmen. Geschickt behandelt sie beiläufig tiefgründige Fragen nach der Bedeutung der Herkunft und dem Umgang damit. Wie stark können wir unser Schicksal beeinflussen und uns gegen alle Widrigkeiten ein erfolgreiches Leben (vielleicht in einem anderen Land) aufbauen und welchen Preis zahlen wir dafür? Die iranisch-österreichische Autorin gibt exemplarische Einblicke in das Leben von Menschen aus einem kriegsversehrten Land sowie in den Märtyrerkult, der im Iran zelebriert wurde/wird. Der erfolgreiche Migrant in Deutschland (Ali Najjar) und der vereinsamende, verarmende Kriegsveteran im Iran (Ali-Reza) bilden starke Gegenpole. Entlang der drei Perspektiven, mit wenigen Ausnahmen in der dritten Person erzählt, gelingt es Ebrahimi, den Spannungsbogen aufzubauen und uns immer etwas mehr über die Verstrickungen der drei Schicksale zu verraten. Sprachlich ist der Roman ebenfalls ein Genuss und jeder der drei Männer hat seinen eigenen Sound. Unnahbare Figuren Einiges an diesem Buch hat mir gefallen, aber ich habe auch einiges zu bemängeln. Das grösste Problem ist, dass die drei Hauptprotagonisten unsympathisch sind. Ihr Handeln und Denken ist für mich nicht nachvollziehbar. Vielleicht liegt das an der Herausforderung, drei ganz unterschiedlichen Charakteren gerecht werden zu müssen und das noch dazu fast ohne Ich-Erzählungen. So bleibt Ebrahimi für mich zu sehr an der Oberfläche. Wirklich spannend hätte ich die Mutter-Sohn-Geschichte zwischen Ali Najjar und seiner Mutter Maryam gefunden, die im Iran zurückblieb. Hinzu kommen ein paar Plattitüden. Muss ein Bräutigam beim Polterabend echt in den Schirmständer kotzen? Tut mir leid, aber das habe ich in zu vielen billigen Filmen schon gesehen. Fazit Wer sich für die Themen Migration, Überwindung von Kriegstraumata, Herkunft und Heimat interessiert und wie darin persönlicher Erfolg oder zumindest innere Zufriedenheit möglich sind, der findet in Nava Ebrahimis Roman "Das Paradies meines Nachbarn" zu all dem und noch ein paar weiteren Themen spannende Denkanstösse. Er oder sie liest ausserdem ein geschickt aufgebautes und sprachlich überzeugendes Buch. Vielleicht wachsen dem einen oder der anderen ja auch die Protagonisten stärker ans Herz, dann passt alles! Die Fakten Das Paradies meines Nachbarn Nava Ebrahimi btb Verlag 224 Seiten Erschienen am 24.02.2020 Hardcover ISBN: 978-3-442-75869-2 PS: Herzlichen Dank an btb (Verlagsgruppe Randomhouse) für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freut es mich, wenn du ihn dir auf Pinterest merkst!
- Lieblingsplatz am Meer
Wo ist euer Lieblingsplatz? Ich könnte mich ja nicht für einen entscheiden, aber das kleine Mädchen im Bilderbuch "Wo ihr mich findet" von Taltal Levi weiss genau, wo es am liebsten ist. Vom Ausbrechen und Heimfinden Und wenn es sich zuhause nicht gesehen fühlt, weil die Eltern vielleicht arbeiten oder in eine Diskussion unter Erwachsenen vertieft sind, macht es sich auf zu seinem Lieblingsplatz. Schon auf dem Weg bessert sich seine Stimmung, denn diesen Weg kennt das Mädchen bis ins letzte Detail. In der Natur fühlt sie sich wieder leicht und frei. Heute hat das Mädchen sogar beschlossen, unterwegs zu übernachten, mit dem Schlafsack unter freiem Himmel. Schon etwas unheimlich, so alleine draussen in der dunklen Nacht, aber das Mädchen schläft bald ein und beginnt zu träumen. Zwei Überraschungen Am nächsten Morgen erlebt das Mädchen eine Überraschung. Und als es dann an seinem Lieblingsort am Meer ankommt, wartet da direkt noch eine herzerwärmende Überraschung. Was es ist, kann ich leider nicht verraten! Satte Farben und viel Struktur Die Illustrationen von Taltal Levi haben mir schon bei ihrem Kinderbuchdebüt "Ein Fingerhut voll Mut" gefallen. Aber in "Wo ihr mich findet" begeistern sie mich nochmals mehr. Taltal Levi arbeitet mit grossflächigen Bildern, die jeweils auf einer Seite fast wie ein Foto einen Ausschnitt aus dem Weg des Mädchens zeigen. Die Wasserfarben sind satt und gleichzeitig warm. Und besonders schön ist, dass sie durch das verwendete Papier eine besondere Struktur erhalten. Taltal Levi, die aus Israel stammt und in Basel lebt, hat die handgemalten Bilder dann am Computer noch etwas nachbearbeitet. Am allerbesten gefällt mir das sattgrüne Gras. Man meint, man sehe wie es sich mit dem Wind hin- und herwiegt. Kein Wunder, steht Taltal Levi mit diesem Bilderbuchkunstwerk auf der Shortlist der World Illustration Awards 2020. Fazit Mit "Wo ihr mich findet" präsentiert Taltal Levi ein ruhiges Bilderbuch über ein Mädchen, das zu sich und der Natur findet und damit auch wieder zurück zu seinen liebsten Menschen. Besonders für Fans wunderschöner Illustrationen ist dieser Bilderbuchausflug durch den Wald und an die Küste ein Highlight! Die Fakten Wo ihr mich findet Taltal Levi (Text + Illustration) Elisa Martins (Übersetzung aus dem Englischen) NordSüd Verlag 32 Seiten Erschienen am 21.08.2020 Hardcover ISBN: 978-3-314-10531-9 Ab 4 Jahren Website von Taltal Levi Website World Illustration Awards PS: Herzlichen Dank an den NordSüd Verlag für das Rezensionsexemplar. Das könnte dir auch noch gefallen Ein Fingerhut voll Mut - Taltal Levi (NordSüd Verlag 2019) Bis zum Horizont - Carolina Celas (Kleine Gestalten 2020) Am Fluss - Marc Martin (Prestel junior 2018) Albert will lesen - Isabelle Arsenault (NordSüd Verlag 2020) Ein eiskalter Fisch - Frauke Angel und Elisabeth Kihssl (Tyrolia Verlag 2019) Like it? Pin it! Wenn dir dieser Buchtipp gefällt, freue ich mich sehr, wenn du meinen Blogbeitrag in den Social Media teilst oder dir den Pin dazu auf Pinterest merkst. #TaltalLevi #Bilderbuch #ab4 #NordSüdVerlag #Kinderbuch #Natur #Poetisches #Klischeefrei #Mut #Lieblingsort
- Wie die Spielküche ins Bilderbuch kam - Interview mit Anne-Kathrin Behl
Im Bilderbuch "Roberts weltbester Kuchen" von Anne-Kathrin Behl spielen eine Spielküche, der Hund Mopsi und die Farbe Rose eine besondere Rolle. Weshalb, verrät uns die Autorin im Interview. Ausserdem gewährt sie uns einen Blick hinter die Kulissen und hat für euch eine Malvorlage mit Robert und Mopsi entworfen! Das Kinderbuch "Roberts weltbester Kuchen" von Autorin und Illustratorin Anne-Kathrin Behl habe ich euch ja bereits im Auftaktbeitrag zur Blogparade vorgestellt. Heute verrät uns Anne etwas mehr über die Entstehung des Buches und am Ende findet ihr noch eine tolle Malvorlage mit Robert, Mopsi und dem Kuchen. Einfach ausdrucken und losdekorieren! Sechs Fragen an Kinderbuchautorin Anne-Kathrin Behl MINT & MALVE: Liebe Anne, danke, dass du mir ein paar Fragen zu «Roberts weltbester Kuchen» und deiner Arbeit im Allgemeinen beantwortest! Du bist selbst Mama, läuft bei euch die Salzteigproduktion auch so auf Hochtouren wie bei Robert? Anne: Jetzt im Sommer ist die Produktion heruntergefahren, aber während des Corona-Lockdowns gab es auf jeden Fall die ein oder andere Salzteigparty. Jetzt gibt es eher wild dekorierten Sandkuchen frisch aus dem Sandkasten. Kreative Kuchen sind hier also definitiv ein Thema – egal, ob essbar oder eher nicht ;-). MINT & MALVE: Diese Frage muss einfach sein: Wie bist du auf die Idee für «Roberts weltbester Kuchen» gekommen? Ausschlaggebend war eine Artikelreihe der Süddeutschen Zeitung. Sie unterstrich nochmal, was mir selber als Mama immer wieder auffiel: Es gibt zum Glück immer mehr Bücher, in denen Mädchen nicht nur Prinzessinnen sind oder Alltag erleben, sondern wilde Abenteuer jenseits von Stereotypen. Aber wo sind die Jungs, die sich an den kleinen Alltagsdingen erfreuen können? Meine Jungs spielen liebend gerne mit der Spielküche und ich wollte unbedingt ein Buch für meine Kinder, das ihnen zeigt, wie normal es ist, dass sich Jungs sowohl für Spielküchen und rosa begeistern, wie auch für Fußball und Fahrzeuge. Kinderbücher, die den Haushalt oder normale Alltagsdinge thematisieren, haben immer noch fast ausschließlich Mädchen als Hauptfiguren. Da sind Stereotype im Kinderbuchbereich so gut wie gar nicht aufgebrochen. Und wenn Väter im Kinderbuch eine größere Rolle spielen, sind sie meistens Impulsgeber für Action, Abenteuer und andere vermeintlich männliche Themen. Als ich mich laut über diese Umstände gewundert habe, war es mein Mann, der dann sagte: „Na, dann mach du doch ein Buch darüber!“. Ab dem Moment haben sich die Ideen überschlagen. Meine zwei Jungs leben mir ja auch bestens vor, wie spannend und fantasievoll Alltag sein kann. Kreatives Spiel und Zweckentfremdung ist hier ein großes Thema. Letztendlich beruht die Geschichte auf der Frage: „Was könnte in einer Spielküche Interessantes passieren?“ "Ich merke ja selber, wie oft ich auch heute noch auf die Farbe Rosa in meinen Illustrationen verzichten muss, weil es dem Verlag sonst zu mädchenhaft ist." ~ Anne-Kathrin Behl Man merkt deinem Buch an, wie wichtig dir die Vielfalt im Bilderbuch ist. Da gibt es nicht nur Gäste mit unterschiedlichen Hautfarben, Frisuren, Berufen und Kleidungsvorlieben, sondern auch Puppen of Color und vermeintliches Mädchenspielzeug im Kinderzimmer oder ein rosa T-Shirt und pinke Pantoffeln für den coolen Papa. Denkst du, da sollte in der Branche noch viel in Richtung mehr Diversität gehen oder ist sie auf gutem Wege? Die Branche registriert durchaus, dass Diversität im Bilderbuch immer wichtiger wird. Die Schritte gehen in die richtige Richtung, auch wenn sie bei manchen Verlagen noch ganz langsam und zaghaft sind. Ich merke ja selber, wie oft ich auch heute noch auf die Farbe Rosa in meinen Illustrationen verzichten muss, weil es dem Verlag sonst zu mädchenhaft ist. Bei Robert habe ich umso mehr auf Rosa bestanden. Ich sehe einen Wandel in der Branche, aber da muss noch ganz viel passieren. Für mehr Authentizität wäre es schön, wenn auf dem deutschen Buchmarkt mehr People of Color mitwirken würden. Worauf legst du sonst noch besonders Wert bei deinen Büchern? Meine Bücher unterliegen immer auch dem momentanen Zeitgeist. Bücher, die ich vor 10 Jahren geschrieben oder illustriert habe, würde ich heute vielleicht ganz anders gestalten. Diversität ist ein immer größeres Thema geworden, wobei mir mittlerweile ganz wichtig ist, Diversität nicht als etwas Besonderes, sondern als etwas ganz Natürliches darzustellen. Ich möchte, dass sich verschiedene Kinder in meinen Büchern wiederfinden können und sich gesehen fühlen, ohne dabei die Rolle des Besonderen zu spielen. Normalität hat ein breites Spektrum. Ganz wichtig ist mir auch Humor. Dabei sollten Kinder und Erwachsene gleichermaßen Spaß am Buch haben. Die Bücher, die ich illustriere oder auch schreibe, sind ja oftmals Bücher, die nicht ohne Vorleser auskommen. Daher möchte ich, dass die Vorlesezeit für alle eine schöne Erfahrung ist – auch, damit das Buch möglichst oft in die Hand genommen wird ;). Kannst du uns eine Skizze von Robert, Mopsi oder Papa aus dem Anfangsstadium zeigen? Hattest du sie sofort so vor Augen, wie wir sie nun im Buch sehen oder war das eine längere Entwicklung? Die Entwicklung der Geschichte und der Figuren musste relativ schnell gehen, da mir die Idee kurz vor der Kinderbuchmesse in Bologna 2019 kam und ich das Projekt dort unbedingt einem Verlag vorstellen wollte. Ich hatte aber auch sehr schnell ein klares Bild davon, wie Robert und sein Papa aussehen sollen. Wenn man eine Geschichte schreibt, reifen gleichzeitig auch die optischen Vorstellungen von den Protagonisten. Das geht zumindest mir so. Parallel zum Buchprojekt habe ich eine neue Visitenkarte gestaltet, bei der nach ein paar Spielereien Mopsi entstand. Mopsi gefiel mir so gut, dass er unbedingt mit ins Buch musste. Verrätst du uns zum Abschluss, ob du schon am nächsten Kinderbuch ganz aus deiner Feder arbeitest? Hach... in meinem Kopf schon. ;-) Es gibt auch schon einen interessierten Verlag, aber leider fehlt die Zeit zum Ausarbeiten. Gerade ist mein Terminplan voll mit anderen tollen Buchprojekten. Da steht mein ganz persönliches Projekt erst mal hinten an. Aber die Idee ist da und soviel sei schon verraten: es wird weihnachtlich :-). Dann freue ich mich, 2021 mit deinem Buch unter dem Tannenbaum zu sitzen! ;-) Ganz lieben Dank für deine spannenden Antworten und dass wir zusammen die Blogparade zu «Roberts weltbester Kuchen» machen können! Malvorlage mit Kuchen, Robert und Mopsi Anne hat für euch eine passende Malvorlage zum Buch gestaltet. Ich wünsche euren Kindern viel Spass beim Dekorieren! Zeigt uns eure Bilder doch auf Instagram mit dem Hashtag #robertsweltbesterkuchen und markiert @mintundmalve und @anne.behl.illustration. Wir teilen eure Werke gerne in unseren Stories! Da das Bild von meinem Blog geschützt wird, ladet euch einfach das PDF herunter: Viel Spass beim Malen! Eure Eliane Diese Artikel könnten dich auch interessieren Vorlesen? Ja, bitte! Aber klischeefrei! Vater-Tochter-Sommer-Abenteuer Kalle und Elsa erobern das Weltall Akissi - Krass und lustig und lecker! Geteilte Freude ist doppelte Freude! Magst du das Interview mit Anne? Dann freue ich mich, wenn du den Pin dazu auf Pinterest teilst. Wenn dir die Malvorlage gefällt, merke sie dir doch auch als Pin! #Malvorlage #Torte #Kinderbuch #Backen #Alltagsgeschichte #Diversität #Vielfalt #AnneKathrinBehl #NordSüdVerlag #Klischeefrei
- Für schräge Vögel und Künstlerinnen
Oma Kuckuck hat einen Vogel und das nicht nur im wörtlichen Sinne, denn sie leidet an Demenz. Frauke Angel und Stephanie Brittnacher gehen das schwere Thema im Bilderbuch "Oma Kuckuck" feinfühlig und aus kindlicher Perspektive an. Von solchen und solchen Vögeln Die Ich-Erzählerin, ein junges Mädchen, verbringt gerne Zeit mit ihrer Oma. Sie nennt sie "Oma Kuckuck", weil die Oma einen Kuckuck hat, der stündlich aus der Kuckucksuhr kommt. Dass der Einstiegssatz, nicht nur auf den Vogel in der Schwarzwälder Uhr zu beziehen ist, wird nach und nach klar. "Seit ich denken kann, hat meine Oma einen Vogel." Die Sonntage mit Oma bringen viel Spass, weil die beiden immer neue Vanillesuppenrezepte kreieren, Muckefuck nach Geheimrezept schlürfen und langweilige Memory-Spiele in fantastische Erzählstunden verwandeln. Hauptsache, keine Regeln, Hauptsache, nicht langweilig! Wenn die Geschichten ausgehen Doch heute wollen der Oma keine Geschichten einfallen und dann schlägt die Kuckucksuhr auch schon 5 Uhr und die Mama kommt. Die Oma erkennt aber die Mama nicht und wird richtig böse. Beim Versuch, den Kuckuck zu befreien, gerät die Oma dann total ausser sich, weil dieser nicht fliegen möchte, sondern sich nur auf den Boden legt. Und gleichzeitig kocht auch noch die Vanillesuppe auf dem Herd über. Da wird der Mutter klar, dass die Oma nicht mehr alleine zuhause leben kann. Oma Kuckuck muss in ein Heim. Und das, obwohl ihr die Mama versprochen hatte, dass sie sie nie ins Heim bringen würde. Zum Glück hat die Enkelin eine geniale Idee, wie sie der Oma den Umzug erleichtern kann. Wie sie das hinkriegt müsst ihr selber in "Oma Kuckuck" nachlesen! Feinfühlig und wertfrei Frauke Angel präsentiert mit "Oma Kuckuck" einmal mehr ein schwieriges Thema mit bewundernswerter Leichtigkeit. Ja, sogar mit tröstendem Witz. Die Enkelin nimmt die Krankheit der Oma aus Kindersicht, ganz ohne zu werten an. Das Regellose gefällt ihr ja sogar. Das ist mal was anderes als zuhause: lustig, fantasievoll und auch mal etwas abgedreht. Während die Erwachsenen stark mit dem notwendigen Schritt ins Altersheim hadern, sieht die Enkelin das Positive und holt die Oma da ab, wo sie in ihrer ganz eigenen Welt gerade ist. Collagenartige Bilder, die Emotionen transportieren Ich muss sagen, Stephanie Brittnachers Illustrationen gefallen mir auf den ersten Blick nicht besonders. Was mir aber gefällt, sind die collagenartigen Elemente. Auch ihr Umgang mit "Licht" ist eindrücklich, das schafft Atmosphäre und sie schafft es, die Emotionen der Familienmitglieder zu transportieren. Schaut euch mal die Augen ganz genau an. Ich finde, sie strahlen eine ganz besondere Wärme aus. Fazit Mit dem Bilderbuch "Oma Kuckuck" geht Frauke Angel das Thema Demenz ganz behutsam an und ohne es direkt anzusprechen. Nicht alle Kinder ab 5 Jahren, werden verstehen, was hier vor sich geht, weshalb die Oma nun ins Heim muss. Aber wenn der Bezug durch einen Fall in der eigenen Familie schon da ist, kann "Oma Kuckuck" Trost spenden und im Idealfall zu einem gelasseneren Umgang mit der Situation führen. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die mit Demenz in Berührung kommen, auch für uns Erwachsene! Die Fakten Oma Kuckuck Frauke Angel (Text) Stephanie Brittnacher (Illustration) Edition Pastorplatz 34 Seiten Erschienen im August 2020 Hardcover ISBN: 978-3-943833-39-3 PS: Herzlichen Dank an Edition Pastorplatz für das Rezensionsexemplar. Mehr von Frauke Angel bei MINT & MALVE Disco - Frauke Angel und Julia Dürr (Jungbrunnen 2019) Ein eiskalter Fisch - Frauke Angel und Elisabeth Kihßl (Tyrolia-Verlag 2020) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp rund ums Thema Demenz? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. Und auch sonst freue ich mich über jede Weiterempfehlung! Danke! #FraukeAngel #StephanieBrittnacher #EditionPastorplatz #Demenz #Alter #Kinderbuch #Bilderbuch #Familie
- Die Essenz des Menschseins
"Dankbarkeiten" von Delphine de Vigan ist einmal mehr ein kurzer, aber bewegender Roman. Die französische Autorin schreibt diesmal übers Alter und was uns am Ende bleibt. Warf Delphine de Vigan im sehr empfehlenswerten und ebenfalls hier besprochenen Roman "Loyalitäten" den Blick auf die Jugend, wendet sie sich im Nachfolger "Dankbarkeiten" dem Alter zu. Wenn die Selbständigkeit verloren geht Im Zentrum der Geschichte steht Michka (eigentlich Michèle) Seld, eine ältere Dame, die vor kurzem verstorben ist. Das ist kein Spoiler, denn damit beginnt die Ich-Erzählerin Marie das Buch. Marie ist eine junge Frau, die im selben Haus wohnte wie Michka und ihr viel zu verdanken hat. Was genau, erfahren wir erst im Verlauf der Geschichte. Auf jeden Fall hat sich Michka früher oft um Marie gekümmert. Marie ist es deshalb ein Bedürfnis, ihre Dankbarkeit auszudrücken, indem sie Michka zuhause und später im Altersheim umsorgt, so gut es geht. Marie blickt im Buch zurück auf die letzte Zeit mit Michka. Wie klar wird, dass die alte Frau nicht mehr alleine zuhause leben kann. Wie sie mehr und mehr die Wörter verliert, Ängste entwickelt, nicht mehr aufstehen kann. Kurz: ihre Selbständigkeit verliert. "Ich versuche, mich an den Tag zu erinnern, als mir klar wurde, dass etwas gekippt war, dass unsere Zeit von nun an bemessen sein würde." (S. 12) Dass Michka immer mehr die Wörter fehlen, um sich klar auszudrücken bzw. so auszudrücken, wie sie es eigentlich möchte, ist besonders dramatisch, weil die kinderlose Frau einst Fotoreporterin und dann Korrektorin bei einer Zeitung war. Sie verdiente also ihren Lebensunterhalt mit Sprache, beherrschte sie bravourös, spielte mit ihr, liebt es, sich auszudrücken. Und nun ist das alles nicht mehr so möglich und das ist Michka durchaus bewusst. Sie realisiert, wie ihr die Sprache entgleitet, die Wörter sich immer mehr zurückziehen. Von Jérôme, Michkas Logopäden im Heim und dem zweiten Ich-Erzähler, erfahren wir, dass es sich bei diesem Phänomen um Aphasie handelt. Das heisst, sie hat Schwierigkeiten beim Sprechen, ihr fallen die richtigen Wörter nicht mehr ein. Entweder lässt sie die Wörter einfach weg oder ersetzt sie durch andere, oft ähnlich klingende Wörter. Dankbarkeit ausdrücken Was Michka gegen Ende ihres Lebens am meisten beschäftigt, ist, dass sie zwei ganz besonderen Menschen - Nicole und Henri - ihre Dankbarkeit aussprechen möchte. Denn die beiden hatten sie für ein paar Jahre aufgenommen. Weshalb, erfahren die Leser*innen im Verlauf des Buches. Michka kann sich aber nur noch an die Vornamen erinnern und an das Dorf, in dem sie lebten. Marie möchte Michka diesen letzten Wunsch unbedingt erfüllen und unternimmt einen letzten Versuch, die beiden ausfindig zu machen. Delphine de Vigan erzählt wie gewohnt in einfacher, reduzierter, aber gefühlvoller Sprache. Durch die Innenperspektiven und die vielen Dialoge, lässt sie uns ganz nah an ihre Protagonist*innen heran. Als Leser*innen beginnen wir, uns genau dieselben Fragen zu stellen, wie Marie und Jérôme im Buch. Wie wäre es für uns, alt zu sein und zu merken, dass uns langsam alles entgleitet. Was würden wir noch unbedingt tun wollen, wem danken, wen umarmen? Was hinter der Geschichte mit Henri und Nicole steckt, darf ich hier natürlich nicht verraten, aber ich finde, das ist auch recht schnell durchschaubar. Entscheidend für die Güte des Romans ist viel weniger die Lüftung dieses Geheimnisses als vielmehr, wie Delphine de Vigan auf nicht mal 200 Seiten Charaktere zeichnet, die einem derart ans Herz wachsen und dabei en passant die grundlegendsten Fragen der Menschheit anspricht. Fazit Delphine de Vigan schält in ihrem Roman "Dankbarkeiten" heraus, was am Ende des Lebens zählt: Ich würde es als Menschlichkeit im weitesten Sinne bezeichnen. Sich als Teil der Gesellschaft zu fühlen, sich verstanden und aufgehoben zu wissen und denen gedankt zu haben, die in entscheidenden Momenten für einen da waren. Ein Buch, das trotz seiner Kürze lange nachhallt! Die Fakten Dankbarkeiten Delphine de Vigan Doris Heinemann (Übersetzung aus dem Französischen) Dumont 176 Seiten Erschienen am 10.03.2020 Hardcover ISBN: 978-3-8321-8112-3 Mehr von Delphine de Vigan Loyalitäten - Delphine de Vigan (Dumont 2018) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. Du hilfst meinem Blog auch sehr, wenn du mit Freund*innen darüber sprichst, ihn in den Social Media teilst oder einfach mal einen Buchtipp per Mail oder Whatsapp weiterleitest. Ganz nach dem Motto "Geteilte Freude ist doppelte Freude!". #Buchtipp #Roman #DelphinedeVigan #Dumont #Dankbarkeit #Alter #Autorin #GegendasVergessen
- Säen, ernten, essen
Ihr kennt bestimmt die Geschichten von Kindern, die meinen, die Milch komme aus dem Tetrapack. Julia Dürr sorgt mit dem Sachbilderbuch "Wo kommt unser Essen her?" dafür, dass diese Wissenslücke ganz schnell gestopft wird! Ob die Tetrapack-Geschichten immer stimmen, sei dahingestellt. Aber wo unser Essen herkommt, sollten unsere Kinder auf jeden Fall wissen. Denn mit dem Wissen über die Herkunft der Nahrungsmittel und der vielen Arbeit - und manchmal auch Leben -, die drin steckt, steigt sicherlich auch die Wertschätzung. Dann wird zum Beispiel klar, dass wir die Milch im Müesli indirekt den Kälbern zu verdanken haben, die die Milchkühe praktisch im Akkord zur Welt bringen. Milch, Brot, Fisch und mehr Mit der Milch steigt denn Autorin und Illustratorin Julia Dürr auch in ihr Kinderbuch ein. Wir erfahren auf zwei Doppelseiten, wie es auf einem Bauernhof aussieht und wie es in einem grossen Milchbetrieb zu- und hergeht. Mein Grossvater und mein Onkel waren zwar Bauern, aber von einer Zweinutzungskuh habe ich trotzdem zum ersten Mal in diesem Buch gehört. Die weiteren Kapitel über Brot, Fisch, Fleisch, Äpfel, Eier und Tomaten sind analog aufgebaut. Auf der ersten Doppelseite kriegen wir je einen Einblick in einen Klein- und einen Grossbetrieb bzw. beim Fisch werden Wildfang und Zucht auf der Fischfarm gegenübergesetzt. Auf der zweiten Doppelseite lernen wir dann den ganzen Produktionsablauf kennen vom Getreidesamen bis zum Brötchen oder von der Bestäubung des Apfelbaums bis zur Auslieferung an den Supermarkt. "Wo kommt unser Essen her?" ist prall gefüllt mit spannenden Informationen. Sie werden wahrheitsgetreu und sachlich präsentiert und Julia Dürr lässt auch Themen wie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Wanderbienen oder die Tötung von Schweinen nicht aussen vor. Sie nimmt aber keine Bewertung vor, sondern informiert neutral. Der einfache Hühnerstall auf dem Bauernhof steht dem Legehennenbetrieb mit Futterautomat und Kotband gegenüber. Am Ende erhalten die jungen Leser*innen oder Zuhörer*innen Hinweise, wie sie über die Verpackung, das Etikett, einen QR-Code oder den Eierstempel mehr über ihr Essen erfahren. Noch besser weiss man natürlich Bescheid, was man isst, wenn man die Nahrungsmittel selber anpflanzt. Und schmecken tun sie dann auch mindestens doppelt so gut! Julia Dürrs Illustrationen sind wie immer ein Fest - schaut euch auch "DISCO!" von ihr und Frauke Angel nochmals an! Feine schwarze Konturen kombiniert sie mit gedeckten Farben, oft in Erdtönen, aber auch mal Blau, Rot oder Orange. Die abgebildeten Menschen sind zwar mehrheitlich weiss, aber es gibt auch immer wieder People of Color. Fazit "Wo kommt unser Essen her?" von Julia Dürr beantwortet ganz viele Kinderfragen rund um Nahrungsmittel vom Brot bis zur Tomate. Und sowohl Kinder ab 6 Jahren als auch Erwachsene erfahren im grossformatigen Bilderbuch noch ganz viel Neues über den Weg vom Anbau bzw. von der Aufzucht bis zu den Lebensmitteln auf unseren Tellern. So fördert das Sachbilderbuch ohne erhobenen Zeigefinger die Wertschätzung für unser Essen und all die Tiere, Menschen und Pflanzen, die dahinterstecken. Die Fakten Wo kommt unser Essen her? Julia Dürr (Text + Illustration) Beltz & Gelberg 40 Seiten Erschienen am 22.07.2020 Hardcover ISBN: 978-3-407-75816-3 Ab 6 Jahren PS: Herzlichen Dank an Beltz & Gelberg für das Rezensionsexemplar. Das könnte dich auch interessieren DISCO! - Frauke Angel und Julia Dürr (Jungbrunnen, 2019) Grüner Reis und Blaubeerbrot - Felicita Sala (Prestel, 2019) KinderGarten - Gesa Sander und Julia Hoersch (AT Verlag, 2019) Die Geiss, die alles weiss - Mira Gysi (NordSüd Verlag, 2018) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin dieses Sachbilderbuchs merkst! #JuliaDürr #BeltzGelberg #Essen #Nahrungsmittel #Lebensmittel #Essen #Bauernhof #Ernährung #Nachhaltigkeit #Natur #Sachbilderbuch #Kinderbuch #Sachbuch #Wissen
- Die eigene Stimme finden
Wie wachsen Mädchen heute auf? Was lesen sie und wie finden sie ihre eigene Stimme? Wie finden sie zu eigenen Entscheidungen? Diese Fragen spiegeln sich sowohl im Bilderbuch "Simone de Beauvoir" als auch im neuen KOSMOS-Magazin für Mädchen (und den Rest der Welt). Wurde man bzw. frau anfangs des 20. Jahrhunderts geboren - wie Simone de Beauvoir - war die Rolle als gute Ehefrau und Mutter praktisch vorbestimmt. Simone hatte aber Glück und ihr Vater förderte sie in ihrem Wissensdrang, auch wenn er dazu bemerkte, "... sie sei so klug wie ein Junge". María Isabel Sánchez Vegara beschreibt Simones Reaktion in ihrem Bilderbuch aus der "Little People, Big Dreams"-Reihe vom Insel Verlag so: "Wo ist da der Unterschied, dachte sie, ob das Gehirn einem Jungen oder einem Mädchen gehört?" Diese Frage stellte sich die junge Simone wieder und wieder. Zum Beispiel, als ihre Mutter den gesamten Haushalt schmiss, während ihr Vater nur daneben sass. Um gründlich über alles nachzudenken, entschied sie sich nach der Schule für ein Studium der Philosophie. Hier traf sie auf den später ebenfalls berühmten Studenten Jean-Paul (Sartre). Die beiden wurden ein Paar. Allerdings ein besonderes, mit getrennten Wohnungen. So richtig berühmt wurde Simone mit ihrem Werk über Frauen: "Das andere Geschlecht". Darin erklärte sie, dass Frausein nicht angeboren sei, sondern zum grössten Teil erlernt. Eine Analyse, die heute noch nachwirkt. Ausführlich könnt ihr das in "Oh, Simone!" von Julia Korbik nachlesen. Dieses und viele weitere Werke - darunter auch Romane und Theaterstücke - machten Simone de Beauvoir zur feministischen Ikone. Die Autorin zieht folgendes Fazit: "Die kleine Simone hat uns beigegracht, dass, ob wir Mann oder Frau sind, keinen Unterschied macht. Weil das eigentlich Bedeutende im Leben ist, welche Entscheidungen ein Mensch für sein Menschsein trifft." Die Kinderbiografie illustriert hat dieses Mal die französische Illustratorin Christine Roussey. Meinen Geschmack hat sie mit ihren humorvollen Bildern voll getroffen. Optisch gehört es für mich zu den Highlights der "Little People, Big Dreams"-Reihe. Jean-Pauls umherirrendes Auge ist nicht gerade schmeichelhaft, aber es hat ihn nun mal ausgezeichnet und es ist meinen Töchtern beim Betrachten des Bilderbuchs sofort aufgefallen. Fazit María Isabel Sánchez Vegara erzählt gewohnt einfach und mit einem Schuss Humor aus dem Leben von Simone de Beauvoir. Ein Bilderbuch, das Mädchen (und Jungs) ab ca. 6 Jahren Lust darauf macht, mal so richtig schön nachzudenken - zum Beispiel über angebliche Mädchen- und Jungssachen. Auf dass die Mädchen von heute, leichter ihre Stimme finden als ihre Vorkämpfer*innen aus dem letzten Jahrhundert! Die Fakten Simone de Beauvoir - Little People, Big Dreams María Isabel Sánchez Vegara (Text) Christine Roussey (Illustration) Svenja Becker (Übersetzung aus dem Spanischen) Insel Verlag 32 Seiten Erschienen am 14.09.2020 Halbleinen ISBN: 978-3-458-17887-3 Website von María Isabel Sánchez Vegara Website von Christine Roussey PS: Herzlichen Dank an den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar. KOSMOS - Ein Magazin für Mädchen und den Rest der Welt Darum, seine eigene Stimme zu finden - wie fast hundert Jahre zuvor Simone de Beaouvoir -, geht es auch in der ersten Ausgabe von KOSMOS. Das ist ein neues klischeefreies Magazin für Mädchen zwischen 8 und 13 Jahren. Den Initiantinnen Marta, Laura, Martina und Cyrielle wollen den Mädchen in der Schweiz mehr bieten als Zeitschriften über Pferde, Schminken und Jungs. Mit dem 72 Seiten starken Heft, wollen sie die Vielfalt von Mädchen und ihren Rollen stärken. Sie sagen es so: "KOSMOS will Mädchen darin bestärken, aktiv durchs Leben zu gehen, Dinge auszuprobieren, ihre Bedürfnisse selbstbewusst auszudrücken und ihr Wissen und ihre Neugier zu entwickeln. Es ist frei von Genderklischees und Rollenerwartungen – damit Mädchen gross werden, ohne kleingehalten zu werden." Und so: Ich durfte die erste Ausgabe "Meine Stimme" testlesen und bin begeistert! Es ist wirklich für alle etwas dabei: Wissenswertes über Mensch, Natur und Technik, Unglaubliches aus der Geschichte - Frauen durften früher keine Hosen tragen?! -, Lustiges und Spannendes aus aller Welt. Meine grosse Tochter (mit fast 7 noch etwas zu jung), wurden gut unterhalten und sind jetzt topmotiviert, uns ein Rentier anzuschaffen! ;-) Besonders toll finde ich auch, dass das Magazin in der Schweiz gedruckt wird und das nach nachhaltigsten Standards! Crowdfunding mit Goodie von MINT & MALVE Das neue Mädchenmagazin soll sechsmal im Jahr erscheinen - auf Deutsch und auf Französisch. Damit das auch klappt, muss aber das Crowdfunding bei wemakeit erfolgreich sein. Um KOSMOS zum Fliegen zu bringen, brauchen die Initiantinnen 45'000 Franken Starthilfe. Das entspricht etwa 400 Abonnent*innen. Beim Crowdfunding könnt ihr unter verschiedenen Belohnungen auswählen. Eine davon ist eine sehr coole, klischeefreie - das sage ich ganz unbescheiden - Bücherliste von mir! Ihr kriegt sie zusammen mit einem KOSMOS-Jahresabo. Schaut vorbei, sichert euch ein Goodie und gebt Mädchen in der Schweiz eine Stimme! Das Crowdfunding läuft bis zum 8. November 2020. Like it? Pin it! Mögt ihr meinen Bilderbuchtipp? Dann freue ich mich, wenn ihr den Pin dazu auf Pinterest teilt. #Bilderbuch #SimonedeBeauvoir #LittlePeopleBigDreams #InselVerlag #Kinderbuch #Mädchenzeitschrift #Magazin #Feminismus #Klischeefrei #Vielfalt #Philosophie #Frauenrechte #Crowdfunding
- Hannah Arendt für Klein und Gross
Die grosse Denkerin Hannah Arendt ist wohl vielen zumindest vom Namen her ein Begriff. Wer zusammen mit seinen Kindern tiefer in ihr Leben und Werk eintauchen möchte, kann das mit dem Buchtandem "Hannah Arendt" aus der Reihe "Little People, Big Dreams" und der Graphic Novel "Die drei Leben der Hannah Arendt" tun. Viel mehr als dass Hannah Arendt eine jüdische Philosophin war (wobei sie die Bezeichnung ablehnte) und zur Nazizeit aus Deutschland flüchten musste, wusste ich ehrlich gesagt nicht. Obwohl sie ihre Werke zur "politischen Theorie" zählte, war sie in meinem Studium der Politikwissenschaften kein Thema. Hannahs Leben im Bilderbuch Aber beginnen wir vorne: "Hannah Arendt - Little People, Big Dreams" macht die aussergewöhnliche Denkerin schon für die Kleinen ab etwa 6 Jahren greifbar. In ihrem einfachen, aber empathischen Stil erzählt Autorin María Isabel Sánchez Vegara, wie Hannah Arendt in Königsberg aufwuchs, wie sie schon als Kind als Jüdin beschimpfen lassen musste, aber sich nicht einschüchtern liess. Wir erfahren auch, dass sie sich früh ins Werk von Immanuel Kant stürzte und verstehen wollte, was die Menschen, das menschliche Sein ausmachte. Ihr Wissenstrieb führte sie nach dem frühzeitigen Abitur an die Universitäten von Marburg und Heidelberg zum Studium der Philosophie. Mit der Machtergreifung durch die Nazis gerieten sie und ihre Mutter Martha in Gefahr und flohen über Tschechien, Italien und die Schweiz nach Paris. Als auch da die Nazis einmarschierten, waren sie erneut zur Flucht gezwungen. Diese gelang ihnen auch und sie liessen sich in den USA nieder. Dort war Hannah Arendt als Journalistin und Dozentin tätig: "In Büchern und Artikeln schrieb sie darüber, wie gefährlich es ist, wenn jemand in einem Land zu viel Macht besitzt und das Böse regiert." ~ María Isabel Sánchez Vegara Ihr Leben lang machte sie sich Gedanken über Menschen, Macht und Gewalt. Illustriert hat das Bilderbuch die deutsche Illustratorin Sophia Martineck. Sie lässt Hannah durchgehend im roten Kleid erscheinen und - im Gegensatz zum wahren Leben - ohne Zigarette. Allzu menschlich Dass Hannah Arendt nicht nur beeindruckte mit ihren politischen Überlegungen, sondern auch immer wieder aneckte - sowohl bei Freunden als auch bei Feinden -, ist im Bilderbuch verständlicherweise weniger Thema. Dafür umso mehr in der Graphic Novel "Die drei Leben der Hannah Arendt" des amerikanischen Karikaturisten Ken Krimstein. Diese Ambivalenz, die Stürme, die Hannah Arendt in all ihren Lebensphasen auszuhalten hatte und scheinbar stoisch - mit Zigarette in der Hand - überdauerte, schält Ken Krimstein in seiner fiktionalen Biografie fantastisch heraus. Schon einleitend schreibt er: "Zu früh. Zu wütend. Zu klug. Zu dumm. Zu ehrlich. Zu versnobbt. Zu jüdisch. Zu wenig jüdisch. Zu liebend, zu hassend, zu männlich, nicht männlich genug." (S. 7) ~ Ken Krimstein Ihre Sturheit, die Vehemenz, mit der sie ihre Positionen vertrat, machen uns Hannah Arendt nicht gerade sympathisch und doch löst sie eine gewisse Bewunderung aus. Ken Krimstein zeichnet die verschiedenen Stationen von Hannah Arendts Leben sehr ausführlich nach. Er wartet mit viel prominentem Personal von Martin Heidegger, über Walter Benjamin, bis zu Albert Einstein auf. Historisch verbürgte Begegnungen und Ereignisse verflechtet er mit Hannah Arendts politischen Theorien und giesst sie in Dialoge, die gut so oder so ähnlich stattgefunden haben könnten. Seine Comics sind hauptsächlich schwarzweiss, nur Hannahs Kleid ist dieses Mal durchgehend grün. Die meisten Panels sind gezeichnet, zwischendurch nutzt er aber auch das ein oder andere Foto. Sehr gut gefällt mir an der Graphic Novel der Humor, den Ken Krimstein in die Dialoge und in Hannahs Gedanken und gewissermassen Kommentare aus dem Off legt. Etwas Mühe hatte ich mit der Sprunghaftigkeit, dem häufigen Wechsel der teils schwer wiedererkennbaren Protagonist*innen und teils kaum eingebetteten Zitate aus den Werken Arendts. So habe ich sicher nicht jede Anspielung verstanden. Aber den grossen Linien ihres Lebens konnte ich dennoch gut folgen. Im Gegensatz zum Bilderbuch sind zur Lektüre der Graphic Novel gewisse Vorkenntnisse über Hannah Arendts Werk und andere wichtige Persönlichkeiten in ihrem Umfeld hilfreich und solche über das Weltgeschehen ab ca. 1930 unabdingbar. Letzteres sollte mit normaler Schulbildung der Fall sein, für Ersteres schadet es sicher nicht, wenn man sich vorher schon mal mit ihr, Walter Benjamin und anderen Philosoph*innen der Zeit befasst hat. Wie umgehen mit Kritik an Vorbildern? In beiden Büchern kein Thema ist der (belegbare) Vorwurf, dass Hannah Arendt sich selbst rassistisch geäussert hat (siehe z.B. Artikel von Patrick Spät). Dem Kinderbuch muss man das vielleicht nicht anlasten, der fiktionalen Biografie aber durchaus. Falls es keine Zeitgenossen gab, die ihr das vor Augen hielten, so hätte sich wenigstens der Autor im Nachwort distanzieren können. Ob nun diese Entgleisungen ausreichen, um das gesamte Werk Hannah Arendts zu diskreditieren und sie als Vorbild vom Sockel zu holen, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber ein Hinweis, dass auch herausragende Denker*innen - selbst solche, die sich über weite Strecken für Menschlichkeit, Pluralismus und Gleichstellung einsetzen - nicht vor Fehlern gefeit sind und kritisch betrachtet werden sollten, wäre zumindest angebracht. Fazit Das Buchtandem aus "Hannah Arendt - Little People, Big Dreams" und "Die drei Leben der Hannah Arendt" bringt uns eine eigenwillige Persönlichkeit näher, deren Fluchten vor dem Nationalsozialismus und die lebenslange Auseinandersetzung mit dieser und anderen Formen der totalitären Macht ebenso beeindrucken wie ihr aussergewöhnlicher Weg als Frau in der Wissenschaft. Das Bilderbuch ermöglicht eine erste Annäherung an die berühmte Denkerin, die Graphic Novel eine vertiefte Auseinandersetzung. Beides macht Lust auf mehr. Die Fakten Hannah Arendt Little People, Big Dreams María Isabel Sánchez Vegara (Text) Sophia Martineck (Illustration) Svenja Becker (Übersetzung aus dem Spanischen) Insel Verlag 32 Seiten Erschienen am 09.03.2020 Hardcover mit Leinenrücken ISBN: 978-3-458-17831-6 Website von Sophia Martineck Instagram-Account von María Isabel Sánchez Vegara Herzlichen Dank an den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar. Die drei Leben der Hannah Arendt Ken Krimstein (Text + Illustration) Hanns Zischler (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) dtv 244 Seiten Erschienen am 15.11.2019 Kartonierter Einband ISBN: 978-3-423-28208-6 Buchtandem auf Instagram Auf Instagram haben Brigitte von @brigittes_kinderbuchblog und ich (@mintundmalve) die Aktion #buchtandem gestartet. Dort suchen wir je ein Kinder-/Jugendbuch, das sich gut mit einem Erwachsenenbuch kombinieren lässt. So dass Eltern (oder andere Bezugspersonen) und ihre Kinder in ähnliche Welten eintauchen und während oder nach der Lektüre darüber sprechen können. Schaut mal auf Instagram unter dem Hashtag oder in unseren Highlights vorbei, da ist schon ganz viel gemeinsamer Lesestoff zu finden! Mehr von Little People, Big Dreams Aus der Reihe "Little People, Big Dreams" vom Insel Verlag habe ich schon sechs weitere Bände vorgestellt. Ihr findet sie in diesen beiden Artikeln: Vorlesen? Ja, bitte! Aber klischeefrei! (30.03.2020) Aus der Reihe getanzt (01.05.2019) Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin zum Buchtandem auf Pinterest merkst. #Bilderbuch #GraphicNovel #HannahArendt #MariaIsabelSanchezVegara #KenKrimstein #InselVerlag #DTVVerlag #Kinderbuch #Philosophie #GegendasVergessen #Flucht #starkeFrauen #starkeMädchen
- Warum sind wir nicht alle Feminist*innen?
(Werbung/Verlosung) Diese Frage habe ich mir beim Lesen von Julia Korbiks "Stand up. Feminismus für alle" tatsächlich mehrmals gestellt. Denn es gäbe gute Gründe dafür! Ich stelle euch das Buch vor, habe ein paar Podcast-Empfehlungen für euch und verlose erst noch ein Exemplar von "Stand up"! "Stand up. Feminismus für alle" ist eine komplett überarbeitete Neuauflage. Die Erstausgabe erschien 2014. Seither ist aber viel geschehen in Sachen Feminismus. Nicht, dass in der Zwischenzeit die totale Gleichstellung zwischen Mann und Frau eingetreten wäre, bei weitem nicht! Aber es gab #metoo, Feminismus ist mit Beyoncé und anderen Stars mit feministischem Selbstverständnis salonfähig, ja, vielleicht sogar sexy, geworden. Gleichzeitig ist aber auch eine Art Backlash zu beobachten: Ein beachtlicher Teil der jungen (und älteren) Frauen fasst das Wort "Feminismus" nicht mal mit der Kneifzange an (ein Fehler!) und Rechte propagieren vehement veraltete Rollenmodelle. Journalistin, Autorin, Speakerin Julia Korbik (ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag, in dem ich "Oh, Simone!" kurz vorgestellt habe) gibt in "Stand up" einen umfassenden Überblick über den Feminismus bzw. Feminismen. Denn auch das lernen wir: DEN Feminismus schlechthin gibt es nicht. Steter Tropfen höhlt den Stein Auch wenn unsere Vorkämpferinnen einiges erreicht haben, wie die Möglichkeit, Hosen zu tragen, selber einen Arbeits- oder Wohnungsvertrag zu unterschreiben, das Frauenstimm- und -wahlrecht, das Verbot der Vergewaltigung in der Ehe (Ja, das gibt es noch gar nicht so lange!!!!), es bleibt noch viel zu tun bis die Gleichstellung der Geschlechter nicht nur auf dem Papier, sondern in der Realität erreicht ist. Julia Korbik drückt die Notwendigkeit für feministisches Engagement und damit ihr Buch so aus: "Denn Gleichberechtigung ist nichts, was uns gegeben wird wie eine Gratisprobe im Supermarkt. Sie muss erobert werden. Immer noch, immer wieder." (S. 12) Mit dem Buch möchte sie nicht nur zeigen, was Feminismus ist, sondern jungen Leser*innen ab 13 Jahren Mut machen, zu ihren Überzeugungen zu stehen - und das gilt unabhängig vom Geschlecht! In acht Kapiteln zur Feministin / zum Feministen In acht Kapiteln beleuchtet sie das Thema Feminismus aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Zuerst geht es um die Grundlagen, was heisst "Feminismus"? Welche Strömungen gab und gibt es? Ist Feminismus eine politische Haltung oder vielleicht doch ein nettes Accessoire? Dann geht's ans Eingemachte: Was bedeuten "Geschlecht" und "Gender" und welche Unterschiede zwischen Mann und Frau sind biologisch begründet, welche ein soziales Konstrukt? Und wie steht es um die Gleichberechtigung in der Politik, in der Wirtschaft, im Pop-Business? Zum Schluss gibt sie den Leser*innen Tipps mit auf den Weg, wie das lesend angeeignete Wissen in feministische Alltagspower umzuwandeln ist. Julia Korbik schreibt in lockerem, kolumnenartigem Stil. Sie liefert Argumente, Erklärungen, Fachwissen, Konzepte, Beispiele. Und immer wieder eingestreut sind Zitate von und Interviews mit Feminist*innen, Definitionen von Begriffen wie "Mansplaining" oder "Intersektionalität" sowie spannende Infografiken zur statistischen Untermauerung. "Feminist*in zu sein bedeutet nicht, dass du dich ändern musst. Im Gegenteil: Es erlaubt dir du selbst zu sein!" (S. 92) Dabei lässt Julia Korbik kein Thema aus: Vom Genderwahnsinn im Kinderzimmer, über Schönheitsoperationen, Pornos, sexualisierte Gewalt, bis zu Frauen in der Politik, Geschlechterverhältnissen und Frauenbildern in der Literatur, beim Film, in Games etc. Zu Wort kommen Kübra Gümüsay (siehe mein Beitrag zu "Sprache und Sein"), Teresa Bücker, Sophie Passmann, natürlich auch Simone de Beauvoir, Emma Watson, aber auch Männer wie Kurt Cobain oder Linus Giese (bekannt als Blogger Buzzaldrins Bücher). "Letztendlich ist es so: Nicht Frauen müssen sich ändern, sondern unsere Kultur, in der sexualisierte Gewalt, Belästigung und Machtmissbrauch immer noch als normal gelten." (S. 288) Fazit "Stand up. Feminismus für alle" ist ein Sachbuch. Aber Julia Korbik sorgt in ihrer direkten, pointierten Art dafür, dass es alles andere als trocken daherkommt. So ist das Buch mit dem coolen Farbschnitt ein toller Wegweiser durch den Feminismusdschungel. Wer sich nach der Lektüre nicht als Feminist*in bezeichnet, dem*der ist leider auch nicht zu helfen. Und das Buch macht definitiv Lust auf mehr! Wie wär's mit feministischen Podcasts? "Stand up" beinhaltet selbst ganz viele Verweise und Quellenangaben zu weiterführenden Informationen rund um den Feminismus. So zum Beispiel auch ein Interview mit einer der Macherinnen des Lila Podcast. Diesen und vier weitere möchte ich euch an dieser Stelle empfehlen. Der Lila Podcast - Feminismus für alle Feminismus mit Vorsatz Die Buch. Der feministische Buchpodcast Feuer & Brot. Podcast von Maxi & Alice. Monatliches Freundinnengespräch zwischen Politik & Popkultur WIENERIN Podcast. Feminismus zum Mithören Habt ihr weitere Tipps? Dann freue ich mich sehr, wenn ihr mir einen Kommentar da lasst! Die Fakten Stand up. Feminismus für alle. Julia Korbik Kein & Aber Verlag 432 Seiten Erschienen am 13.08.2019 Broschiert ISBN: 978-3-0369-5815-6 Ab 13 Jahren Website von Julia Korbik Julia Korbik auf Instagram PS: Herzlichen Dank an Kein & Aber für das Rezensionsexemplar. Mehr Feminismus auf MINT & MALVE Sie hat Bock - Katja Lewina (Dumont, 2020) Sprache und Sein - Kübra Gümüsay (Hanser Berlin, 2020) Selbst ist die Frau - 15 Buchtipps über starke Mädchen und Frauen (22.04.2019) Unerschrocken 1 und 2 - Pénélope Bagieu (Reprodukt Verlag 2017 bzw. 2018) VERLOSUNG AUF INSTAGRAM UND FACEBOOK Habt ihr Lust, euch auch näher mit Feminismus auseinanderzusetzen? Dann nehmt am Gewinnspiel für 1 Exemplar von "Stand up. Feminismus für alle" von Julia Korbik auf Instagram und Facebook teil. Das Buch wird zur Verfügung gestellt vom Kein & Aber Verlag. Instagram Facebook Das Gewinnspiel startet mit Freischaltung der Posts auf Instagram und Facebook. Hat mit den beiden aber nichts zu tun. Es endet am Dienstag, 13.10.2020, um 23:59 Uhr. Teilnehmen könnt ihr mit Postadresse in der Schweiz, Deutschland oder Österreich. Die*der Gewinner*in wird per Los ermittelt und auf Instagram bzw. Facebook benachrichtigt. erfolgt innert 3 Tagen keine Reaktion, lose ich neu aus. Barauszahlung und Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch mich, ich gebe die Adresse also nicht weiter. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du ihn dir als Pin auf Pinterest merkst und anderen davon erzählst! #Sachbuch #JuliaKorbik #KeinundAber #Feminismus #FrauenSchreiben #FeministischeBücher #Gleichstellung #Frauen #Politisches #Klischeefrei #StarkeFrauen #StarkeMädchen #Jugendbuch
- Matti und Max und ein Stück deutsche Geschichte
Am kommenden 3. Oktober jährt sich der Tag der Deutschen Einheit zum 30. Mal. Aus diesem Anlass stelle ich euch ein Kinderbuch vor, das in Berlin spielt und in dem die Ost-West-Thematik eine grosse Rolle spielt: "Matti und Max - Abenteuer in Berlin". Die Autorin Sandra Lehmann ist mir zudem im Interview Rede und Antwort gestanden. Diese Buchbesprechung, das Interview und die Verlosung mache ich nicht aus heiterem Himmel, sondern weil Steffi Biber, die Verlegerin der "Matti und Max"-Reihe zur Blogtour "30 Jahre Deutsche Einheit" aufgerufen hat. Damit feiern Kinderbuch- und Familienblogger*innen vom 24. September bis 3. Oktober 2020 dieses ganz besondere Jubiläum - für Berlin, für Deutschland, aber auch für Europa und die ganze Welt. Morgen geht es übrigens bei Alu von www.grossekoepfe.de weiter mit der Blogtour - mit einem Buch, das ich unbedingt auch noch lesen möchte! Spannende Hintergründe zu 30 Jahren Deutscher Einheit findet ihr auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung. Wind of Change 1989/1990 - als in Berlin die Mauer fiel und Deutschland sich wiedervereinigte - war ich 6 bzw. 7 Jahre alt. Ich bekam also nicht bewusst mit, was sich in unserem nördlichen Nachbarland abspielte. Was mir aber deutlich in Erinnerung geblieben ist, ist, wie mein Cousin, meine Cousine und ich im Auto meines Onkels sassen, auf dem Weg in die Ferien, und zu "Wind of Change" lauthals mitgesungen haben. Auf nach Berlin! Mit einer Autofahrt in die Ferien startet auch "Matti und Max - Abenteuer in Berlin" von Sandra Lehmann, mit Illustrationen von Manja Adamson. Matti ist mit seiner Mutter Anna auf dem Weg zu seinem Freund Max, der in Berlin lebt. Mit ihm hat er schon spannende Abenteuer auf Kreta und in New York erlebt. Die Ferien in Berlin dürften also nicht weniger spannend werden, zumal auch Max' Freundin Vicky mit von der Partie ist - dieses mal live und in Farbe. Und tatsächlich, die Anreise beginnt schon recht abenteuerlich mit einem platten Reifen, so dass Anna und Matti erst einmal an der Raststätte Dreilinden stranden. Und hier kommt im Buch auch bereits das erste Mal das Gespräch auf Ost- und West-Berlin, denn Dreilinden war früher ein Grenzübergang zwischen Ost und West. Ein Schatz aus früheren Zeiten Die beiden Freunde Matti und Max gehen den Urlaub erstmal gemütlich an und fahren zum Strandbad Wannsee. Als sie zurückkehren und zu Vicky in den Garten kommen, herrscht da dicke Luft, weil Vickys Mama mit dem neugeborenen Oskar über eine Steinplatte gestolpert ist. Vickys Vater ärgert sich schon lange über die Stolperfallen und entscheidet kurzerhand, die Platten zu entfernen. Klar, dass Vicky und die Jungs da helfen. Und beim Buddeln geschieht es, die Kinder finden im Rosenbeet eine alte Schatulle voller Schmuck. Wer den hier wohl vergraben hat? Und wem er wohl gehört? Dem fiesen Nachbarn Herr Papke bestimmt nicht, auch wenn der Anspruch darauf erhebt und hinter den Kindern und dem Schmuck her ist. Die Kinder machen sich mit viel Spürsinn und mit Hilfe von Max' Oma Leni auf die Suche nach den wahren Erben des Schmucks. Zu viel kann ich nicht verraten, aber die Geschichte der Schatulle ist eng verwoben mit der Trennung Deutschlands und v.a. Berlins in Ost und West. Und so kommen Matti, Max und Vicky bei ihren rasanten Ermittlungen quer durch Berlin auch an vielen historischen Plätzen vorbei - vom Mauerpark, über den Checkpoint Charlie bis zur Bernauer Strasse, die fast 30 Jahre die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin bildete. Krimi, Reiselektüre und Geschichtslektion in einem Sandra Lehmanns Geschichte ist richtig spannend, die Freunde haben so einige Hindernisse zu überwinden, können aber auch auf die Hilfe lieber Menschen zählen. Nur der fiese Herr Papke versucht ständig, ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der Fall an und für sich ist nicht besonders komplex und den dreien spielen einige glückliche Zufälle in die Hände, dafür ist das Tempo der Geschichte umso rasanter. Wie im Vorbeigehen erfahren wir zudem ganz viel darüber, wie das damals war bei der Trennung Berlins und Deutschlands, wie in einer geteilten Stadt und wie beim Mauerfall. Über die älteren Figuren im Buch, die aus eigener Erfahrung berichten, trägt Sandra Lehmann die Deutsche Geschichte ganz nah an uns heran. Und mit den drei Freunden und den Illustrationen von Manja Adamson entdecken wir so einige interessante Ecken Berlins, die wir am liebsten gleich live besuchen würden. Besonders gefällt mir schliesslich, dass die drei Hauptprotagonist*innen so gut "gezeichnet" sind und dass die Autorin (und auch die Illustratorin) Geschlechterklischees aufbricht, indem alle drei richtig cool, schlau und stark sind. Mit Vicky, Matti und Max wäre ich als Kind auch gerne befreundet gewesen! Fazit Sandra Lehmann verwebt in ihrem Kinderkrimi "Matti und Max - Abenteuer in Berlin" gekonnt eine spannende Geschichte mit sympathischen Protagonist*innen, eine Reise durch Berlin und geschichtliche Informationen von Rosinenbombern, über den Mauerfall, bis zur Wiedervereinigung. Jungen Leser*innen ab 8 Jahren kann ich das spannend und witzig erzählte Buch mit den schönen Illustrationen von Manja Adamson nur empfehlen. Wenn die Kinder Interesse an Geschichte haben oder eine Berlinreise ansteht, umso mehr! Die Fakten Matti und Max - Abenteuer in Berlin Sandra Lehmann (Text) Manja Adamson (Illustration) Biber & Butzemann Verlag 128 Seiten Erschienen am 09.03.2020 Hardcover ISBN: 978-3-95916-055-1 Ab 8 Jahren Website von Biber & Butzemann mit allen Bänden von "Matti und Max" Website von Matti und Max PS: Herzlichen Dank an Biber & Butzemann für das Rezensionsexemplar. Kinderbuchautorin Sandra Lehmann im Interview MINT & MALVE: "Matti und Max in Berlin" ist nach Kreta und New York schon der dritte Band der erfolgreichen Reihe. Weshalb diesmal im eigenen Land? Und war das irgendwie anders für dich zum Schreiben? Sandra Lehmann: Am liebsten schreibe ich über Orte, die mich begeistern und mir am Herzen liegen, unabhängig davon, wo sie sich auf der Welt befinden. Berlin steht dabei ganz oben auf meiner Liste. Die Stadt begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit, denn meine Familie kommt ursprünglich aus Berlin-Zehlendorf. In den Ferien habe ich dort meine Großeltern besucht. Beim Schreiben bin ich in der Zeit zurück gereist und habe in meinen Erinnerungen gestöbert: Dampferfahrten auf der Havel, Pfaueninsel, Zoo... - und natürlich Busfahren mit dem Doppeldecker. Die waren damals allerdings noch nicht gelb, sondern beige - so lange ist das schon her. Was ist dein liebstes Berliner Wort? Flitzpiepe. Ach, Mumpitz! (Die Frage bringt mich echt in die Bredullje.) Du lebst heute in Darmstadt, hast aber auch längere Zeit in Berlin gelebt. Hast du dein Wissen von damals oder bist du extra fürs Buch wieder nach Berlin gereist? Ich reise unheimlich gern nach Berlin. Ein Stück weit ist es einfach ein Zuhause geblieben und ich freue mich immer, alte Freunde und Lieblingsplätze zu besuchen. Die Jahre, die ich nach dem Studium in der Hauptstadt gelebt habe, waren wahnsinnig schön und intensiv und haben mir viel Stoff für ein Abenteuer gegeben. Die Geschichte stand bei meinem letzten Berlin-Besuch schon fest, aber es war mir wichtig, die Wege von Matti, Max und Vicky zu prüfen, und so bin ich quer durch die Bezirke unterwegs gewesen. Spannend war das und ich habe viele Fotos geschossen. Manche hat Manja für ihre originalgetreuen Illustrationen genutzt. Einige verwende ich zurzeit auch für den Reiseblog passend zum Buch. Diesen veröffentlichen wir auf unserer Homepage und auf Social Media (Facebook, Instagram). So können unsere jungen Leser sehen, wie die Welt von Matti und Max in Wirklichkeit aussieht. Wie müssen wir uns deine Recherche und Arbeit an der Geschichte vorstellen? Wie gehst du vor? Ich schreibe nur über Orte, die ich bereits besucht habe. Ein gewisses Grundwissen über den Schauplatz des Abenteuers habe ich also. Als nächstes überlege ich mir das grobe Gerüst der Geschichte mit allen wichtigen Figuren und dem Spannungsbogen. Daran orientiere ich mich und fange an zu schreiben. Das Abenteuer steht dabei im Vordergrund, ich schreibe keine Reiseführer. Für die Hintergrund-Recherche unterbreche ich das Tippen manchmal mitten im Text. Dabei suche ich in Büchern, Bildern, im Internet und stoße regelmäßig auf neue interessante Fakten, die ich gerne einbaue. Übrigens kommen mir die besten Ideen, während ich draußen an der frischen Luft bin. Ich hoffe dann immer, dass ich nichts vergesse, bis ich vom Spazieren zurück bin. Ein Riesenglück ist es natürlich auch, dass Manja in meiner direkten Nachbarschaft wohnt. Da laufe ich dann auch mal spontan mit einem Einfall die Straße runter und höre mir ihre Meinung dazu an. Die Ost-West-Thematik und die Deutsche Einheit spielen eine grosse Rolle im Buch. War dir dieser Fokus wichtig oder kommt man da beim Handlungsort Berlin gar nicht drum herum? Berlin ist auf so vielen Ebenen eine Geschichte wert. Wenn man aber als Kind die Stadt geteilt erlebt hat, später mit Freunden als Mauerspecht geklopft hat und dann in einer Zeit in die Hauptstadt zog, in der am Potsdamer Platz noch die rote Infobox stand, dann ist das Thema fast vorherbestimmt. Ich freue mich, wenn ich Kindern so ein prägendes Stück Geschichte vermitteln darf, ohne sie dabei zu belehren - einfach in ein Abenteuer eingebettet und mit den wunderbaren Illustrationen von Manja veranschaulicht. Was hast du am 9. November 1989 gemacht? Weisst du das noch? Und wie hast du die Grenzöffnung erlebt? Meine Familie hat damals von der Pfalz aus zutiefst bewegt auf dem Bildschirm den jubelnden Menschen an den Grenzübergängen zugeschaut. Zwischendrin klingelte immer wieder das Telefon und meine Großeltern meldeten sich aus Berlin. Obwohl mit den Geschehnissen in der Prager Botschaft etwas in der Luft lag, konnten wir es kaum glauben. Am nächsten Tag in der Schule gab es eine andere Form von Unterricht: „Geschichte live" mit einer Übertragung von der Grenze. Wohin reisen Matti und Max als nächstes? Im nächsten Band erleben die Jungs in Paris ein duftes Abenteuer, im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz lieben Dank für den spannenden Einblick, liebe Sandra! Und auf das nächste Abenteuer freue ich mich als Paris-Liebhaberin ganz besonders! Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp oder das Interview? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Beitrag als Pin bei Pinterest merkst. #BiberundButzemann #SandraLehmann #ManjaAdamson #Kinderkrimi #Kinderbuch #Reiseführer #Wissen #Abenteuer #Deutschland #OstWest
- Berufswunsch? Grünanlagen-Pflegerin!
Beliebte Antworten auf die Frage nach dem Berufswunsch sind bei Kindern sicher Ärztin, Lehrer, Polizistin, Feuerwehrmann und ähnliches. Mit "199 Berufe - mehr als Ärztin, Lehrer, Polizist" wird die Palette der anzustrebenden Berufe ganz schön erweitert und das erst noch mit Rücksicht auf Diversität. Berufswunsch meiner Grossen (7) ist seit längerem Kinderbuchillustratorin. Damit fällt sie jedenfalls schon mal ziemlich aus dem Rahmen, was übliche Berufswünsche angeht. Mal sehen, wie lange das noch anhält. Die Mittlere (4) hat noch keine konkreten Vorstellungen, findet aber die Feuerwehr sehr spannend. Berufswünsche jenseits von Bäcker, Polizistin und Friseur "199 Berufe" von Sean Longcroft und Hannah Watson (Redaktion auf Deutsch: Sybille Siegmund) liefert 197 weitere Ideen. Da sind durchaus auch alte Bekannte dabei wie der Polizist und die Feuerwehrfrau, die Bäckerin und der Friseur. Es gibt aber in unterschiedlichen Themenfeldern auch ganz viele Berufsbilder, die den Kindern weniger geläufig sind. Die Themen umfassen jeweils ein bis zwei Seiten und heissen "Retter und Beschützer", "Beim Einkaufen", "Auf der Baustelle", "In der Schule", "Ärzte und ihre Helfer", "Berufe in der Natur", "In der Stadt", "Wissenschaftler", "Film und Fernsehen", "Menschen, die uns helfen", "Museen und Galerien". Vielfältige Berufe vielfältig präsentiert Da gibt es dann Berufe wie die Polizeihubschrauberpilotin, den Vermessungstechniker, die Kunstlehrerin, den Logopäden, den Entbindungspfleger, die Krankenhausmanagerin, die Wildhüterin, den Zeitschriftenverkäufer, den Astrophysiker, die Drehbuchautorin, den Tagesvater oder die Kuratorin. Besonders positiv fällt auf, dass die Berufe im Buch nicht stereotyp weiblich oder männlich besetzt sind, sondern munter abgewechselt wird. Auch die Diversität in Sachen Hautfarbe, kultureller Hintergrund und Handicaps ist gross: So gibt es den Meteorologen mit Dastar (dem Kleidungsstück der Sikhs), die Jugendbetreuerin mit Kopftuch und den Schulsozialarbeiter im Rollstuhl. Auch das Alter der Berufsleute weist eine grosse Spannbreite auf. Nicht ganz durchgezogen ist das Aufbrechen von Geschlechterstereotypen in den Kapitelüberschriften (zumindest auf Deutsch), denn hier steht im Zweifel nur das generische Maskulinum (wie bei "Retter und Beschützer"). Schade! Das wäre leicht klischeefrei umsetzbar gewesen. Nicht alle Berufe gibt es wirklich als eigenständiges Berufsbild und nicht alle Berufe sind auch in der Schweiz üblich, einige heissen auch einfach anders. Z.B. ist mir in meiner Schulkarriere nie eine Schulkrankenschwester begegnet und der Friseur heisst hier Coiffeur. Aber beim Vorlesen ist sowas schnell in unseren Sprachgebrauch übertragen. Einige Berufe fehlen mir im Buch auch, so gibt es relativ wenige Berufe, die am Schreibtisch ausgeübt werden. Wäre wohl auch langweilig, weil sowohl bei der Autorin als auch beim Projektleiter, bei der PR-Fachfrau, bei der Elektroingenieurin und beim Controller ein Mensch vor einem Computer sitzt. Es gibt also noch Potenzial für 199 weiter Berufe! Der Verlag empfiehlt das Bilderbuch ab 3 Jahren und dazu passen auch die starken Pappseiten. Ich finde es inhaltlich aber eher früh. Meine Grosse findet das Buch mit fast 7 Jahren noch spannend. Natürlich will sie dann zu den einzelnen Berufen ganz viel mehr wissen. Fazit Hannah Watson und Sean Longcroft machen kleinen Kindern mit "199 Berufe - mehr als Ärztin, Lehrer, Polizist" deutlich, wie vielfältig die Berufswelt ist. Durch die abgebildete Diversität wird auch klar, dass jedes Kind werden kann, was es möchte - egal ob Mann oder Frau, ob helle oder dunkle Haut, ob mit Pferdeschwanz oder Kopftuch auf dem Kopf. Ein ganz schön vielfältiges Bilderbuch! PS: Es gibt übrigens eine ganze Reihe mit 199: "199 Dinge im Garten", "199 Dinosaurier und Urzeittiere", "199 Fahrzeuge" usw. Die Fakten 199 Berufe mehr als Ärztin, Lehrer, Polizist Hannah Watson (Autorin) Sean Longcroft (Illustration) Sybille Siegmund (Redaktion) Usborne Verlag 16 Seiten Erschienen am 27.08.2019 ISBN: 978-1-78941-130-0 Like it? Pin it! Magst du diesen vielfältigen Buchtipp für die Kleinen? Dann merk dir doch den Pin auf Pinterest! #Bilderbuch #HannahWatson #SeanLongcroft #UsborneVerlag #Kinderbuch #Berufe #Berufswunsch #Vielfalt #Diversität #Klischeefrei #FeministischeKinderbücher
- Alte Sorten - der perfekte Herbstroman
Meine Erwartungen waren hoch. Vielleicht zu hoch? Über den Roman "Alte Sorten" von Ewald Arenz habe ich im Vorfeld viel gelesen. Ob der Hype um das Buch berechtigt ist? Meine Meinung erfahrt ihr hier. "Alte Sorten" von Ewald Arenz ist mir auf Instagram letztes Jahr sehr oft begegnet und vom tollen Cover her hat es mich sofort neugierig gemacht. Dann wurde es auch noch ins Finale vom Lieblingsbuch der Unabhängigen 2019 gewählt und ist in der Taschenbuchausgabe gerade auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich lasse solche Hypes ja gerne etwas an mir vorbeigehen, um das Buch dann wie die alte Fasnacht unbefangen lesen zu können. Als es nun in Marias Lesekreis auf Instagram auserkoren wurde, wollte ich aber unbedingt mitlesen. When Harry..., äh, Liss met Sally Worum geht es in "Alte Sorten"? Sally ist fast 18 und gerade aus der Klinik abgehauen. Weshalb sie genau in der Klinik war, erfahren wir nicht, aber ihr Aufenthalt scheint im Zusammenhang mit einer Essstörung zu stehen. Sally hat keinen Bock auf gar nichts: Schule ist doof, Eltern sind doof, Essen ist doof und die Leute in der Klinik sowieso. Alle meinen zu wissen, was gut für sie ist und wie sie sich zu verhalten habe. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Liss, eine Frau in den mittleren Jahren, die gerade mit ihrem Anhänger im Graben stecken geblieben ist. Wie selbstverständlich bittet Liss Sally um Hilfe. Liss ist sofort klar, woher Sally kommt und lädt sie ein, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Sally nimmt an und ohne weiter darüber zu sprechen, bleibt sie Nacht um Nacht, Tag um Tag auf dem Hof, ist viel für sich, aber beginnt auch nach und nach, sich mit Liss zu unterhalten, hilft ihr immer wieder auf dem Hof. Sie ernten Kartoffeln, versorgen die Bienen, pflücken Birnen und Trauben. Sally merkt, dass Liss wie sie eine Einzelgängerin ist. Die Leute im Dorf meiden sie oder begegnen ihr sogar abweisend. Nach und nach findet Sally und so auch die*der Leser*in heraus, welche Geschichte hinter diesem Verhalten steckt. Was nicht passt, wird passend gemacht Die gemächliche Erzählweise, die ländliche Idylle und die Zeit der Ernte machen den Roman von Ewald Arenz zum perfekten Herbstbuch. Für mich als Landkind war das teilweise schon etwas zu romantisiert, gerade aufgrund der ausufernden Sprachbilder. "Und sie meinte, das Rot süsser zu schmecken und im Weiss eine winzige Spur Bitterkeit, und zusammen war es ein Geschmack, der ... vielleicht würde Sonnenlicht so schmecken, wenn es einem nach einem langen Sommer durch das weite Blau des Himmels und dann durch das alte Grün hoher Bäume direkt auf die Zunge fiele." (S. 114) Da war es gut, dass das urig-heimelige Ambiente in starkem Kontrast zu den seelischen Abgründen der beiden Frauen stand. Denn das ist das Eindrückliche am Buch: dieser Einblick und das langsame Herausschälen der alten Verletzungen, des Aufbäumens gegen familiäre Zwänge und ein gesellschaftliches Korsett, in das diese beiden Persönlichkeiten einfach nicht passen. "Sie wusste, es war alles nur auf Zeit. Auch das Lachen war eigentlich nur geliehen, dieser Augenblick der Befreiung nur auf Kredit, weil sie hier ja nicht immer würde bleiben können." (S. 159f.) Ich habe das Buch aufgrund von Cover und Klappentext etwas falsch eingeschätzt, zum Glück! Denn als herbstliches Wohlfühlbuch wäre es mir zu pathetisch gewesen. Aber das Suchen der beiden Frauen nach eigenen Wegen, nach der eigenen Persönlichkeit, dem für sie passenden Leben gegen alle Widerstände war spannend. "Und so fühlte sie sich jetzt innen an. Als ob alles aus ihr geflossen wäre und in ihr eine Wüste aus Schlamm wäre. Aus der all das hässlich und schroff und überwachsen herausragte, was sonst unter der glitzernden Oberfläche des Wassers verborgen lag. (...) Alles war aus ihr herausgeflossen, und sie war leer bis auf den stinkenden Bodensatz." (S. 191f.) Gut Ding will Weile haben Zugegeben, ich kam in dem Buch etwas schleppend voran, weil ich nicht so viel Lesezeit hatte. Und in der Mitte hatte ich einen echten Hänger, da dreht sich die Handlung für meinen Geschmack etwas zu sehr im Kreis. Aber bei diesem Buch lohnt es sich wirklich, dran zu bleiben. Die letzten 100 Seiten haben es nochmals so richtig in sich. Denn die traute Zweisamkeit von Liss und Sally wird jäh durchbrochen, als die Polizei auf dem Hof auftaucht und Liss verhaftet. Weshalb, müsst ihr selber herausfinden. Ewald Arenz erzählt in der dritten Person, betrachtet die beiden Frauen aber nicht von aussen, sondern nimmt immer abwechselnd ihre Perspektiven ein. In die in der Gegenwart fortschreitende Handlung sind immer wieder Rückblenden eingeflochten, die uns v.a. Einblick in Liss' Leben geben. Ganz toll wechselt Arenz auch die Tonalität: Sally drückt sich jugendsprachlich, frech, rotzig aus. Die ältere Liss ist da schon zurückhaltender. Fazit "Alte Sorten" ist für mich nicht das vielbesungene Meisterwerk, aber durchaus ein Roman, den ich gerne gelesen habe. Ein Buch, das sich zweier verlorener Seelen gekonnt nähert und immer wieder sprachliche Perlen ans Tageslicht befördert. Auch wenn der Autor manchmal etwas übers Ziel hinausschiesst. Ein Lesetipp für alle, die sich nach einem Herbstroman sehnen, der alles andere als seicht ist! Die Fakten Alte Sorten Ewald Arenz Dumont 256 Seiten Erschienen am 18.03.2019 (Hardcover) Taschenbuch (21.07.2020) ISBN: 978-3-8321-6530-7 Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Website von Ewald Arenz Ewald Arenz im Interview des BBC World Book Club Der BBC World Book Club trifft sich regelmässig mit Autor:innen weltweit zum Gespräch über ihre Erfolgsromane. Ewald Arenz spricht über seinen Bestseller "Alte Sorten" bzw. "Tasting Sunlight" und ich durfte zwei Fragen beisteuern (ca. bis September 2025 online). Jetzt reinhören! Like it? Pin it! Magst du diesen herbstlichen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin dazu auf Pinterest merkst oder den Link zum Artikel in den Sozialen Medien teilst! * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch oder Hörbuch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. 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