Wie ein Wassertropfen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Habt ihr euch schon einmal philosophisch mit dem Thema Wasser auseinandergesetzt? Nein? Dann bietet "Wie ein Wassertropfen" von Inês Castel-Branco eine gute Gelegenheit dazu, erst recht am heutigen Weltwassertag.

Der Weltwassertag wurde von der UNESCO 1993 ins Leben gerufen und wird seither immer am 22. März gefeiert. Er soll die Bedeutung von Frischwasser und den nachhaltigen Umgang damit ins Bewusstsein rufen. 2026 ist er dem Thema "Wasser und Gleichberechtigung" gewidmet, was ich ein sehr wichtiges Thema finde. In den weiterführenden Buchtipps am Ende des Artikels findet ihr auch Bücher, die dieses Thema ansprechen.
Inês Castel-Branco, eine portugiesisch-spanische Kinderbuchautorin, Illustratorin und Verlegerin, geht das Thema Wasser philosophischer an und verknüpft es mit dem Thema Tod. Ihr Bilderbuch "Wie ein Wassertropfen" greift ein Bild des Philosophen, Priesters und spirituellen Denkers Raimon Panikkar auf.
"Wasser ist Leben. Anders als Pflanzen, Tiere oder Menschen stirbt das Wasser niemals."
Inês Castel-Branco geht zuerst auf die elementare Bedeutung von Wasser für unser Leben ein. Nur dank dem Wasser konnten sich überhaupt Lebensformen - und so auch wir Menschen - auf der Erde entwickeln. Kein Wunder hat Wasser für viele Völker auch eine spirituelle Bedeutung - denken wir etwa an heilige Flüsse, Wasserbestattungen oder ans Weihwasser im Christentum.
Panikkar (1918-2010) stellte sich die Frage, ob wir Menschen wie ein Wassertropfen sind oder wie das Wasser im Tropfen. In Anlehnung an die Vorstellung ganz unterschiedlicher Kulturen - festgehalten etwa in hinuistischen Schriften, der Literatur Persiens oder Texten der Bibel - erklärt er die Metapher des Wassers im Tropfen folgendermassen:
"Doch betrachten wir einmal das Wasser im Tropfen: Nichts kann ihm geschehen - sein Leben geht weiter, auch wenn es seine Form aufgibt und sich mit dem Wasser ringsumher vereinigt."
Analog würde der Tod nicht das Ende des Menschseins bedeuten, sondern nur die Änderung der Form. Genauso wie sich das Wasser in einem grossen Kreislauf mal als Regen oder Schnee, dann im Fluss, Bach oder Meer und wieder als Wasserdampf manifestieren kann.
"Vieles verändert sich oder verschwindet ganz. Aber das Wasser bleibt Wasser. Für immer."
Inês Castel-Branco nutzt für ihre Illustrationen Aquarell, Farb- und Bleistifte sowie Collage-Elemente wie Fotos, Karten- oder Zeitungsausschnitte. Letztere sind teils auch auf Deutsch, was natürlich besonders zum genauen Hinschauen einlädt. Es dominieren zwar Abbildungen von weissen Menschen, aber indem das Buch Kulturen und Lebensweisen der ganzen Welt widerspiegelt, gibt es doch auch eine gewisse Diversität in den abgebildeten Personen. Besonders schön ist auch das Vorsatzpapier, das das Motiv des Covers aufgreift und so den Übergang in den Innenteil des Buches wortwörtlich fliessend gestaltet.
Am Ende des Buches wird die Metapher des Wassers als Tropfen und im Tropfen nochmals ausgeführt und mit den unterschiedlichen Vorstellungen vom Tod in westlichen und östlichen Kulturen verbunden. Inês Castel-Branco bietet auch noch einige Ideen für praktische Ideen rund um diese philosophischen Gedankengänge.
Fazit
"Wie ein Wassertropfen" von Inês Castel-Branco lädt Klein und Gross ein, sich dem Wasser philosophisch anzunähern und es mit den Kreisläufen von Leben und Tod sowie den Vorstellungen vom Leben (oder Nicht-Leben) nach dem Tod auseinanderzusetzen.
Die Fakten
Inês Castel-Branco (Text + Illustration)
Swantje Kammerecker (Übersetzung aus dem Katalanischen)
Baeschlin Verlag
40 Seiten
Erschienen am 26.11.2021
Hardcover
ISBN: 978-3-03893-043-3
Ab 6 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Baeschlin Verlag für das Rezensionsexemplar.
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