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  • Das Plapperküken

    Kennt ihr das? Es redet und redet und redet... "Es" ist hier meistens ein Kind oder gleich alle drei. Im Bilderbuch "Das Plapperküken" von Janie Bynum ist es, wie der Titel verrät, ein kleines Küken, das ununterbrochen plappert. Habt ihr schon ein Geschenk fürs Osterkörbchen eurer Kinder? Vielleicht wäre ja "Das Plapperküken" etwas. Es ist kein Osterbuch, aber mit dem Küken in der Hauptrolle, passt es wunderbar zu diesem Anlass und lässt sich trotzdem auch bestens in anderen Jahreszeiten vorlesen. Bei dir piepst's wohl! Bei uns durfte es vor einer guten Woche einziehen und ist seither der grosse Vorlesehit, v.a. bei der Mittleren. Aber kommen wir zum Inhalt, damit ihr die Plapperküken-Liebe nachvollziehen könnt: Piep, piep, piep, piep, piep. So geht das den lieben langen Tag. Das Plapperküken ist ein nicht versiegen wollender Quell an Geplapper. Nicht mal eine Schale voll bester Würmer bringt das Plapperküken zum Schweigen. Die grosse Schwester ist schon ganz verzweifelt. Es hat aber auch niemand Zeit, dem Plapperküken ordentlich zuzuhören. Mama Huhn sammelt Käfer, Papa Hahn muss krähen und die Schwester widmet sich lieber ihren Büchern als dem Gequassel des Kükens. Erwachsene werden ihre Freude an den Buchtiteln wie "Ein Stall für sich allein" haben. Wie das Plapperküken nun so vor sich hin piepst und mit seiner Schaufel ein Loch in die Erde gräbt, stösst es plötzlich auf ein grosses, rundes Ei. Im Gegensatz zum Küken macht das Ei keinen Pieps. Das Küken nimmt sich dem Ei sofort an, hegt und pflegt es, wärmt es und... Ihr ahnt es: Plappert fröhlich auf es ein. Was aus dem grossen, runden Ei schlüpft, müsst ihr selber herausfinden. Eins sei aber verraten: Es ist ziemlich ruhig. Und das ist gut so! Einfach, aber liebevoll illustriert Janie Bynum verwendet für ihre Illustrationen eine Mischtechnik aus Wasserfarben und digitaler Bearbeitung. Die Illustrationen sind relativ einfach gehalten. Die Illustrationen sind mal einseitig, mal doppelseitig, mal nur Szenen auf weissem Grund, mal ganz bunt mit grünen Wiesen und Lavendelfeldern im Hintergrund. Eine wichtige Rolle spielt die Schrift, indem das "Piep" mal kleiner, mal grösser daherkommt und so Lautstärke und Gemütslage des Geplappers transportiert. Ein besonderer Clou findet sich auch im Vorsatzpapier, das vorne und hinten unterschiedlich aussieht. Mehr verrate ich hier nicht, um nicht zu spoilern. Fazit Meine vierjährige Tochter fasst "Das Plapperküken" von Janie Bynum so zusammen: "Das Küken schwafelt den ganzen Tag. Piep, piep, piep, piep. Es spricht sogar mit sich selber! Und es ist mega lustig." Und dass sie nach jedem Vorlesen gleich nochmal von vorne anfangen will, spricht Bände - um mal bei der Metapher zu bleiben! Ein witziges Bilderbuch für Gross und Klein, das in jedem Osternest für Freude sorgen wird! Die Fakten Das Plapperküken Janie Bynum (Text + Illustration) Elisa Martins (Übersetzung aus dem Englischen) NordSüd Verlag 40 Seiten Erschienen am 26.02.2021 Hardcover ISBN: 978-3-314-10513-5 Ab 4 Jahren Website von Janie Bynum Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an den NordSüd Verlag für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen witzigen Bilderbuchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin auf Pinterest abspeicherst und so die Inspiration teilst! * Links mit * sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Die zitternde Welt

    Tanja Paar lässt in ihrem Roman "Die zitternde Welt" ein Familienschicksal auf die Weltgeschichte prallen. Im Fokus steht eine mutige, freiheitsliebende Frau. Diese Frau ist Maria. Sie reist hochschwanger ihrem Freund Wilhelm nach Anatolien hinterher. Wilhelm ist Ingenieur und hilft Ende des 19. Jahrhunderts im Osmanischen Reich beim Bau der Eisenbahn von Konstantinopel (heute Istanbul) nach Kayseri, später beim Bau der Bagdadbahn. Ein selbstbestimmtes, freies Leben Einige Jahre leben Maria und Wilhelm mit den Söhnen Hans und Erich im rauen, wilden Hinterland von Anatolien, fernab der Zivilisation. Aber als gutbegüterte Familie mit Bediensteten lässt es sich in Bünyan, unweit von Kayseri, ganz gut leben. Und so erfüllt sich auch Marias Kindheitstraum: "Niemals kochen und nähen zu müssen, das war der Traum ihrer Kindheit. Ein sehr vager Traum. Sie hatte keine exakte Vorstellung von einem besseren Leben, sie kannte nichts anderes als den Alltag ihrer Handwerkerfamilie in bescheidenen Verhältnissen." (S. 34) In Bünyan hat sie eine Amme, eine Köchin und einen Schneider. In ihrer Freizeit reitet sie aus - in legerer Kleidung. Sie unternimmt Spaziergänge mit ihrem Hund Cäsar. Die Familie ist gut ins örtliche Leben eingegliedert, hat viel Kontakt zu den Einheimischen. Die beiden Söhne sprechen fliessend Türkisch. Verhängnisvolle Affäre Damit Hans und Erich Französisch lernen, hat Wilhelm Frederic Bertrand engagiert. Maria darf auch von seinem Unterricht profitieren und schwärmt für den Franzosen. Wilhelm scheint dies nur recht zu sein. So ist seine Frau beschäftigt und zufrieden. Er fürchtet nämlich nichts mehr, als dass sich Maria langweilt und samt der Kinder verschwindet. Schnell beginnen Maria und Frederic eine heimliche Liaison. In der Folge wird Maria nochmals schwanger und bringt Tochter Irmgard zur Welt. Für die Leser*innen ist ziemlich klar, dass Irmgard die Tochter von Frederic sein muss. Zwischen Maria und Wilhelm scheint das aber kein Thema zu sein. Vielmehr ist das dritte Kind Anlass genug, um nach Jahren doch noch den Bund der Ehe zu schliessen. Der Erste Weltkrieg als Zäsur Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ändert sich für die österreichische Familie im fernen Belemedik, wo sie inzwischen leben, alles. Denn die gewalttätigen Konflikte machen keinen Halt vor dem Osmanischen Reich, wo sowohl die Franzosen als auch die Deutschen ihre Interessen haben. Wilhelm selbst erhält zwar keinen Marschbefehl, aber die beiden Söhne im wehrpflichtigen Alter sind in Gefahr. Und so ist die Familie gezwungen, weitreichende Entscheidungen mit ungewissem Ausgang zu treffen. Tanja Paar erzählt durchgehend in der 3. Person. Während im ersten Teil des Buches Maria, ihr Handeln und Fühlen am stärksten im Fokus stehen, wechselt der Blickwinkel im zweiten Teil. Erst begleiten wir Hans in die Kriegswirren rund um Triest, dann treffen wir Erich wieder und erleben mit, wie es ihm nach dem Krieg ergeht. Für mich war dieser zweite Teil zwar dadurch interessant, dass Tanja Paar sich damit auseinandersetzt, wie der Krieg eine Familie und ihr Gefüge treffen kann, wie unterschiedlich die einzelnen Familien vom Krieg betroffen sein können und wie die Weltgeschichte quasi das ganze Leben durchwirkt. Wie die eigene Herkunft, die in diesem Fall nicht mit der gefühlsmässigen Heimat übereinstimmt, die Möglichkeiten des Lebens bestimmt. Erzählerisch fand ich aber den ersten Teil aus weiblicher Perspektive spannender und hätte mir im zweiten Teil eine Ergänzung oder Fortführung zur Perspektive von Irmgard gewünscht. Sie fristet aber im Roman nur ein Schattendasein. Insgesamt entwickelt die Autorin einen guten Sog - vor allem im ersten Teil - und zeigt sehr gut, wie eng Weltgeschichte und persönliches Schicksal oft verbunden sind. Wie schwierig es ist, seine Herkunft hinter sich zu lassen und gesellschaftliche Konventionen zu sprengen. An einigen stellen war mir der Roman etwas zu konstruiert, gewisse Twists zu künstlich (und doch erwartbar). Aber insgesamt kann ich die Lektüre durchaus empfehlen. Fazit "Die zitternde Welt" von Tanja Paar ist das Portrait einer mutigen Frau und ihrer Familie, die um 1900 fernab der österreichischen Heimat ihr Glück sucht. Doch das Weltgeschehen, genauer: der Erste Weltkrieg, macht vor Landesgrenzen nicht Halt und holt die Familie ein. Ein Leseerlebnis mit viel Sog, einer starken, unabhängigen Frauenfigur und Einzelschicksalen, die exemplarisch für eine ganze Generation stehen können. Die Fakten Die zitternde Welt Tanja Paar Haymon Verlag 300 Seiten Erschienen am 03.09.2020 Hardcover mit Lesebändchen ISBN 978-3-7099-8112-2 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Haymon Verlag für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. * Bei Links mit * handelt es sich um Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Seesucht - Ein Bilderbuch über die Sehnsucht

    (Werbung, Verlosung) Marlies van der Wel hat ein wunderschönes Bilderbuch über die "Seesucht" geschrieben und illustriert. Ein Buch über Sehnsucht und das konsequente Verfolgen seiner Träume. Ihr habt die Gelegenheit, ein Exemplar zu gewinnen. Katja vom Familienblog Küstenkidsunterwegs hat zur Blogparade zum Kinderbuch "Seesucht" von Marlies van der Wel aufgerufen. Neben der Buchvorstellung soll es um die Frage gehen "Was ist meine Seesucht - Was ist meine Sehnsucht?". Dazu später mehr, zuerst soll das Buch im Fokus stehen. Vom Animationsfilm zum Bilderbuch Oder der Film? Denn für einmal war vor dem Bilderbuch ein Film: Die Geschichte von Jonas und seiner Seesucht hat Marlies van der Wel, Trickfilmregisseurin aus Amsterdam, zuerst im Kurzfilm "Jonas and the Sea" erzählt. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und ist eindeutig einen Blick wert. Aufgrund einer bestimmten Szene empfehle ich ihn aber erst ab dem Jugendalter. Der Film und das Bilderbuch sind dramaturgisch etwas unterschiedlich aufgebaut. Der Kern der Geschichte ist aber derselbe. Und während der Film ganz ohne Worte auskommt, hat Marlies van der Wel das Bilderbuch um Text ergänzt. Sehr reduziert und poetisch. So ist ihr der Schritt vom bewegten Bild zum Buch sehr gut gelungen und macht die Geschichte auch jüngeren Kindern zugänglich. Jonas und sein Traum vom Leben im Meer Aber kommen wir zur Geschichte: Jonas kommt mit 2 Jahren zum ersten Mal ans Meer. Sofort ist es um ihn geschehen. Das Wasser und die Unterwasserwelt ziehen ihn magisch an. Er stürzt sich ins kühle Nass und ist sofort in seinem Element. Am liebsten würde er für immer im Wasser bleiben und mit den Fischen seine Runden drehen. So schön ist dieser Schwebezustand. Aber natürlich kann Jonas nicht atmen. Zum Glück fischen ihn seine Eltern wieder heraus. Doch Jonas' Sehnsucht nach dem Meer oder eben die "Seesucht" bleibt. Von jetzt an sammelt er liegengebliebenes Strandgut und konstruiert daraus immer ausgeklügeltere Hilfsmittel, um unter Wasser verweilen zu können. Doch immer stösst er wieder an die Grenzen der Technik, kriegt es mit der Gewalt der Natur oder Fischern zu tun, deren Boote immer grösser werden. Die Jahre vergehen, Jonas wird immer älter. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Ob es Jonas noch schafft, seinen Traum wahr zu machen und ein Leben im Meer - Seite an Seite mit seinen Bewohnern - zu führen? Das herauszufinden, überlasse ich euch! Eine gestalterische Perle Wie im Film leben auch die Bilder im Buch vom Collagenstil von Marlies van der Wel. Dieser verleiht den wunderschönen, ruhigen Bildern Plastizität und lässt die Tiefe der 1001 Blauschattierungen erst richtig zur Geltung kommen. Viele der Bilder sind doppelseitig, einige auch kleiner oder nur einzelne Figuren auf weissem Grund. Die Illustrationen sind wirklich ein Genuss und das auf 78 starken Seiten! Auch das relativ breite Format, das matte Papier und der stabile, griffige Umschlag machen das Buch sehr hochwertig. Fazit Das Bilderbuch "Seesucht" von Marlies van der Wel ist nicht nur etwas für kleine und grosse Leser*innen mit Seesucht, sondern für alle, die irgendeine Sehnsucht, ein Traum begleitet. Denn Jonas und sein konsequentes Verfolgen seiner Sehnsucht laden ein, seine eigenen Träume anzupacken und mit kreativen Mitteln zu verfolgen. Ich empfehle das Bilderbuch ab etwa 4 Jahren. Die Fakten Seesucht Marlies van der Wel (Text + Illustration) Birgit Erdmann (Übersetzung aus dem Niederländischen) Mixtvision 78 Seiten Erschienen am 10.02.2021 Hardcover ISBN: 978-3-95854-164-1 Ab 4 Jahren Website von Marlies van der Wel mit weiteren Animationsfilmen Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Was ist meine Seesucht - Was ist meine Sehnsucht? Ich könnte mich ja kaum zwischen Meer und Bergen entscheiden. Ich finde beides toll und bleibe wohl deshalb im Flachland mit seinen Flüssen verwurzelt. Eine ausgeprägte Seesucht ergreift mich v.a. zu Ferienzeiten und die Bergsucht macht sich immer dann bemerkbar, wenn wir hier unten wieder mal unter einer dicken Nebeldecke verharren. Auch das Leben in einem abgeschiedenen schwedischen Nadelwald mit Seeanschluss stelle ich mir wunderbar vor - mindestens bis zum ersten Wintereinbruch und den immer kürzer werdenden Tagen. Immer im Wasser oder in der Luft zu leben, wäre nicht mein Fall. Zu nass das eine, zu windig das andere - auch wenn der Schwebezustand in beiden Elementen viel Spass macht und ich auch gerne die jeweiligen Perspektiven geniesse. Meine Sehnsüchte sind eher gesellschaftspolitischer Art: Eine tolerante, offene, diskriminierungsfreie Gesellschaft, ein Bildungssystem, das Bildung umfassend (über die formale Bildung hinaus und ab Geburt) versteht und allen Kindern in ihrer Individualität gerecht wird, ein Wirtschaftssystem, das nicht nach immer mehr und mehr Konsum und Profit strebt und so die Ressourcen unserer Erde weit, weit über das erträgliche Mass ausreizt. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Für einiges engagiere ich mich beruflich und politisch. Zur Verbreitung von vielfältigen, klischeefreien Kinderbüchern und Büchern für mehr Weltoffenheit hoffe ich, mit diesem Blog einen Beitrag leisten zu können. VERLOSUNG: Gewinne 1 Mal "Seesucht" von Marlies van der Wel Im Rahmen von Katjas Blogparade darf ich mit Unterstützung vom Verlag Mixtvision 1 Exemplar von "Seesucht" an euch verlosen. Teilnehmen könnt ihr mit einem Kommentar hier auf dem Blog, auf Facebook oder Instagram. Jeder der 3 Kommentare ist eine Gewinnchance. Verratet mir im Kommentar, was eure grösste Sehnsucht ist! Teilnahmebedingungen: Du bist mindestens 18 Jahre alt und hast eine Postadresse in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz. Die Verlosung startet mit Freischaltung der Beiträge und endet am Montag, 8. März 2021, 23:59 Uhr. Das Los entscheidet. Barauszahlung und Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Versand erfolgt durch Mixtvision. Dafür gebe ich die Gewinner*innen-Adresse an den Verlag weiter. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp (und Kurzfilmtipp)? Dann freue ich mich sehr, wenn du den Pin zum Beitrag auf Pinterest abspeicherst. * Bei Links mit * handelt es sich um Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Blitzeinschlag im TerriTorium

    Blitze schlagen ganz unerwartet ein, besonders Liebesblitze. Das erlebt die 13-jährige Terri in "Blitzeinschlag im TerriTorium" gerade hautnah. Wen der Blitz im Jugendroman von Christine Werner trifft, verrate ich euch hier. Terri heisst eigentlich Theresa Emmanuelle Rosa Rohrbach-Ibrahim. Total easy der Name, da kommt mir doch gleich Rubinia Rosalinde Black aus "Unheimlich peinlich" in den Sinn, könnten Freundinnen sein! Aber zurück zu Terri: Ihren Namen hat sie ihren beiden Grossmüttern (Emmanuelle und Rosa), ihrem Vater (Herr Rohrbach) und ihrem Grossvater mütterlicherseits (geboren in Algerien) zu verdanken. Da kein Mensch die Geduld hat, einen so langen Namen auszusprechen, nennen sie einfach alle Terri. Und das "TerriTorium" ist entsprechend Terris Zimmer. Sie hat eins bei ihrer Mama Paulette und eins bei ihrem Papa und seiner neuen Frau Sema. Sie verbringt jeweils abwechselnd eine Woche bei ihrer Mutter bzw. bei ihrem Vater. Immer dabei ist ihre Fahne mit der Krone drauf. So ein TerriTorium will ja ordentlich abgesteckt sein. Ein Blitz kommt selten allein Aber ihr wolltet ja mehr über die Blitze erfahren: Der erste hat bei Terris bester Freundin Nina eingeschlagen. Sie ist total verliebt in Berki, einen süssen Jungen aus der Parallelklasse, den sie eigentlich gar nicht kennt. Aber süss ist er halt. Und Nina leider überhaupt nicht mehr zurechnungsfähig. Sie hat nur noch Berki, Hollywood, Pferde und Glitzernagellack im Kopf. Nagellack ist überhaupt das Stichwort. Denn auch Terris Mutter legt plötzlich Wert auf schöne Nägel, kauft andauernd neuen Nagellack. Sehr merkwürdig. Terri recherchiert über Blitze, insbesondere Liebesblitze, befragt ihren Vater, der als Chemiker eine Ahnung von Wissenschaft hat und kommt dank ihrer ausführlichen Datensammlung zum Schluss: Ihre Mama Paulette ist auch verliebt. Sie zeigt praktisch dieselben Symptome wie Nina. Neben lackierten Nägeln sind das Vergesslichkeit, Schusseligkeit und sogar Fröhlichkeit bei schlechtem Wetter! Wo die Liebe hinfällt Stellt sich also nur noch die Frage, in wen sich Paulette verliebt hat. Ob er nett ist? Ob er ein Kind hat? Was macht er wohl beruflich? Da findet Terri ein Geschenk, beschriftet mit "Für Micha". Aha, Micha von Michael. Vielleicht Michael Brinkmann, Terris Mathelehrer?! Nein, es ist alles ganz anders: Eines Tages beobachtet Terri, wie ihre Mutter auf der Strasse eine Frau küsst. Micha ist eine Michaela! Auch wenn Terri gar kein Problem hat mit Homosexualität, kommt das doch sehr überraschend. Das Gefühlschaos ist perfekt. Wie Michaela so ist? Was Terris Papa dazu sagt und weshalb Paulette ihrer Tochter so lange nichts verraten hat? Das erfahrt ihr alles in Christine Werners Jugendroman voller Blitzeinschläge, Gewitter und Regenbogen. Early-Teens-Roman mit Humor "Blitzeinschlag im TerriTorium" ist ein packender, gefühl- und humorvoller Roman für junge Teenager*innen. Terri ist eine sehr coole Erzählerin mit viel Witz, Forscherdrang und Empathie. Ich bin kein grosser Fan der klischeemässigen Effekte, den die Liebesblitze auf Nina und Paulette haben (Nagellack, Aussehen, Hollywood-Träumereien), aber Terri, die herrlich "normal" ist und wenig Wert auf klischierte Rollenmodelle legt, macht dieses Manko wieder wett. Christine Werner versteht es ganz toll, die jungen Leser*innen anzusprechen und bietet ihnen mit Terri grosses Identifikationspotenzial. Jedes Kapitel leitet sie mit einem Abschnitt ein, in dem sich Terri Gedanken übers Leben, über Familien und über die Liebe macht. Dabei spricht Ich-Erzählerin Terri ihr Publikum direkt an. So leitet die Autorin perfekt in die kommende Handlung ein und schlägt gleichzeitig einen grösseren Bogen über das gesamte Buch hinweg. Christine Werner schreibt jung und frisch, ohne sich zu stark der Jugendsprache zu bedienen, was auch schnell anbiedernd wirken könnte. Ich finde, sie trifft den Ton perfekt und gibt einen einfühlsamen Einblick in die Gefühlswelt von Early Teens an der Schwelle vom Kindsein zum Teenageralter. Dass es in dem Buch ein lesbisches Paar gibt, ist ein weiteres Plus. Und Terris offener Umgang damit kann bei Jugendlichen für Toleranz gegenüber homosexuellen Beziehungen sorgen. Denn eins wird im Roman klar: Hauptsache Liebe! Ein lesbisches Paar ist mir sonst erst im Jugendbuch "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" von Dita Zipfel und Rán Flygenring begegnet. Wobei da die Beziehung zur Zeit der Handlung schon Geschichte ist. Eine kleine Kritik habe ich an der Geschichte: Terri möchte ja das Rätsel um die Liebesblitze erforschen. Dafür recherchiert sie ganz viel rund um "echte" Blitze. Die Parallelen zwischen Gewitter- und Liebesblitzen sind auch erstaunlich und eine wunderbare Metapher für ganz viele Geschehnisse im Buch. Allerdings halte ich es nicht für realistisch, dass eine 13-Jährige diese Vergleiche zieht. Einerseits weiss eine Jugendliche in dem Alter schon zu viel über die Liebe und Naturphänomene, um sie so naiv gleichzusetzen, wie Terri im Buch das tut. Andererseits ist sie wohl noch zu jung, um das Ganze auf der metaphorischen Ebene zu betrachten. Und das tut Terri auch nicht, sondern sie forscht ganz ernsthaft nach Antworten auf ihre Fragen. Das Gute an meiner Kritik ist, dass sich jugendliche Leser*innen wohl gar nicht daran stören werden. Fazit "Blitzeinschlag im TerriTorium" ist ein witziger Jugendroman für Leser*innen ab 11 Jahren. Die 13-jährige Terri ist eine grosse Sympathieträgerin und so fühlt man beim Lesen mit ihr, wenn sie sich durch so manches Gewitter kämpft, um am Ende den Regenbogen zu sehen! Das Buch ist ein tolles Plädoyer für Regenbogenfamilien und das Annehmen der Liebe, egal, wen der Liebesblitz trifft. Die Fakten Blitzeinschlag im TerriTorium Christine Werner Mixtvision 223 Seiten Erschienen am 10.02.2021 Hardcover ISBN: 978-3-95854-150-4 Ab 11 Jahren Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an Mixtvision für das Rezensionsexmplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp für Teenager? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. * Bei Links mit * handelt es sich um Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Hinter dem Rauschen der Welt

    Julie Weissbach nimmt uns in "Hinter dem Rauschen der Welt klopft das Herz" mit auf eine Reise durch ihre Gedanken, illustriert mit ihren eigenen Bildern. Und so nennt sie das kleine Bändchen mit dem langen Titel "Gedankenbilderbuch". Von der Idee her erinnert es mich etwas an "Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd" von Charlie Mackesy. Im verlinkten Artikel könnt ihr nachlesen, wie begeistert ich davon bin. Beste Voraussetzungen also für das Buch von Julie Weissbach. Auf Gedankenreise Die Autorin, Illustratorin und Musikerin nimmt uns mit auf eine Gedankenreise. Und oft ist Julie Weissbach in ihren Texten selbst unterwegs. Sei es auf einer längeren Reise, im Zug, auf dem Fahrrad oder auf Schatzsuche in einer fremden Stadt. "Wer bin ich also, wenn ich reise? Eine leichtere Version meiner selbst?" (S. 29) Oft geht es um Zeit, um den Moment, um Beziehungen. Es geht um Eile, Geduld, Selbstoptimierung und das Gegenteil davon. Es geht um das Bild, das wir von uns selber und von anderen haben. Um Vorurteile, um Schicksale, um die Verbindungen zwischen Menschen über Raum und Zeit hinweg. Mal geht es eher um Zwischenmenschliches, dann wieder um die grossen Zusammenhänge. Mal kommen die Gedanken locker daher, mal schwer ob ihrer Tragweite und doch poetisch leicht formuliert. Einige Texte haben vielleicht den Hang zum Pathetischen oder zum Kitsch. Ich finde aber, die Autorin hat die Kurve immer gekriegt. "Wieviel Leben muss man geben Für ein Leben so wie meins? Wieviel Hoffnung muss man weben Da draussen, auf dünnem Eis?" (S. 56) Einfach mal Pause machen und die Gedanken schweifen lassen Einige der Gedanken hatte ich so oder ähnlich auch schon und habe mich deshalb oft wiedergefunden in ihren Texten. Die Miniaturen laden ein, im Alltag eine kurze Pause einzulegen und Texte und Bilder häppchenweise zu geniessen. Selten bleibt es bei der Lektüre, denn angeregt von den Texten, dreht sich sogleich das eigene Gedankenkarussell. Die Gedichte oder Prosatexte sind meist nur eine Seite lang, begleitet von einer Illustration. "Schatzsuche" ist die einzige längere Geschichte. Die Bilder sind sehr fein gezeichnet, manchmal ganz realistisch, dann wieder surrealistisch. Einige sind schwarzweiss, andere knallbunt coloriert. Zu sehen kriegen wir viel Natur, Blumen, Wald und Wiesen, Nachthimmel, aber auch Szenen aus der Stadt, im Zug und viele Menschen. Fazit Julie Weissbachs Gedankenbilderbuch "Hinter dem Rauschen der Welt klopft das Herz" schenkt uns eine kleine Auszeit. Sei es nun von der Enge des Lockdown-Alltags oder von der Hektik im trubeligen Normalzustand. Mit den vielen Illustrationen eignet es sich auch wunderbar als Geschenk - für sich selbst oder liebe Freunde, die man vielleicht schon länger nicht mehr gesehen hat. Die Fakten Hinter dem Rauschen der Welt klopft das Herz Gedankenbilderbuch Julie Weissbach (Text + Illustration) Verlag Altepost 72 Seiten Erschienen am 01.12.2020 Hardcover ISBN: 978-3-9822428-0-4 Buch bestellen bei Orell Füssli (CH)* Buch bestellen bei Buchhaus (CH)* Buch bestellen bei genialokal (DE)* Buch bestellen bei Thalia (DE)* Buch bestellen bei Thalia (AT)* Schaut euch auch mal auf Ihrem Instagram-Account oder Youtube-Kanal um. Sie macht tolle Videos zu ihren Songs und ihr könnt Online-Konzerte von ihr geniessen. Einige der Illustrationen aus dem Buch gibt es in ihrem Web-Shop auch als Postkarten oder direkt in einem Kulturpaket mit Buch, CD und Postkarten. PS: Herzlichen Dank an Julie Weissbach für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buch- und Geschenktipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest abspeicherst! * Bei Links mit * handelt es sich um Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Das Zebra unterm Bett

    Huch, wer hat denn da gehustet? Es ist "Das Zebra unterm Bett"! Glaubt ihr nicht? Dann lernt das witzige Erstlesebuch von Markus Orths und Kerstin Meyer kennen. Das diverse Kinderbuch hat das Zeug zum Klassiker. Heute stelle ich euch wieder einmal einen Backlisttitel vor und zwar "Das Zebra unterm Bett" von Markus Orths und Kerstin Meyer. Erstmals ist es im Sommer 2015 beim Moritz Verlag erschienen. Wir nennen eine Ausgabe von 2019 unser eigen. Kinderbuch mit Zebra und zwei Papas Die Geschichte beginnt wie gesagt mit einem Husten. Dem Husten eines Zebras. Echt. Das Zebra liegt eines Morgens einfach unter Hannas Bett. Und damit nicht genug, das Zebra kann auch noch sprechen, klettern, schreiben... Und es heisst Bräuninger! Bräuninger hat sich wohl etwas erkältet und fragt Hanna, ob sie immer bei offenem Fenster schlafe. "Meine Papas sagen, nur bei frischer Luft kann man gut schlafen." "Deine Papas?" "Ich hab zwei davon." "Was für'n Glück!" "Ja. Find ich auch." (S. 13) Und mit diesem Zitat kommen wir auch schon zu Hannas Familiensituation: Sie wird nicht ganz selbstverständlich nur über die Illustrationen transportiert, sondern kommt explizit zur Sprache zwischen Hanna und dem Zebra. Aber das ist in diesem Fall berechtigt, denn Hanna ist erst vor kurzem hergezogen. Und von den Kindern in ihrer neuen Klasse finden es wohl einige etwas merkwürdig, dass sie zwei Papas hat. Hanna meint dazu: "Das heisst homosensationell. Also, wenn zwei Männer sich lieben. Oder zwei Frauen." (S. 16) Ihre Papas Paul und Konrad lieben sich und sie lieben Hanna und das ist ja wohl das Wichtigste. Das findet Bräuninger auch und bestärkt damit seine neue Freundin. Ein Zebra in der Schule? Die Geschichte mit dem fantastischen Start geht ebenso fantastisch weiter: Bräuninger begleitet Hanna zur Schule. Zum ersten Mal legt sie den Weg ganz mutig alleine - naja, mit Zebra - zurück. Und der Schulweg mit Bräuninger macht erst noch riesig Spass. In der Schule löst das Zebra dann aber doch einige Irritationen aus. Ein Zebra hat schliesslich nichts im Unterricht verloren, oder doch? Wie der turbulente Schulbesuch von Bräuninger endet und ob Hanna in ihrer Klasse noch Anschluss findet, müsst ihr selber herausfinden. Uns hat das Erstlesebuch "Das Zebra unterm Bett" aus vielerlei Gründen gut gefallen: Es ist herrlich witzig, es ist vielfältig (v.a. durch die zwei Papas und ein bisschen auch durch Hannas Klasse), es bringt die Gefühle und Gedanken von Primar- oder Grundschüler*innen perfekt auf den Punkt und die lustigen Illustrationen von Kerstin Meyer lockern den Text auf und machen den Lesespass perfekt. Fazit "Das Zebra unterm Bett" von Markus Orths mit Illustrationen von Kerstin Meyer ist nicht nur ein humorvolles Erstlesebuch. Es ist gleichzeitig ein Plädoyer für einen entspannten Umgang mit dem Anderssein und die Akzeptanz der Vielfalt von Familienformen. Vorlesen kann man das Buch gut ab 5 Jahren, geübte Erstleser*innen können es auch selber lesen. Die Fakten Das Zebra unterm Bett Markus Orths (Text) Kerstin Meyer (Illustration) Moritz Verlag 72 Seiten Erschienen am 01.07.2015 Hardcover ISBN: 978-3-89565-310-0 Ab 6 Jahren Kaufen bei genialokal (DE)* Kaufen bei Thalia (DE)* Kaufen bei Buchhaus (CH)* Kaufen bei Orell Füssli (CH)* Kaufen bei Thalia (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Moritz Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr von Kerstin Meyer In einem Gastbeitrag auf buuu.ch habe ich das ebenfalls von Kerstin Meyer illustrierte Bilderbuch "Käpten Knitterbart und seine Bande" aus der Feder von Cornelia Funke vorgestellt. Noch mehr Bücher mit 2 Papas Zwei Papas für Tango - Edith Schreiber-Wicke, Carola Holland (Thienemann-Esslinger, 2017) Max findet einen Freund - Anna Lisicki-Hehn (Eigenverlag 2020) Like it? Pin it! Magst du diesen diversen Kinderbuchtipp für Erstleser*innen? Dann freue ich mich sehr, wenn du die Inspiration auf Pinterest oder in den Social Media teilst. * Bei Links mit * handelt es sich um Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Unsichtbar in der grossen Stadt

    Sydney Smith legt mit "Unsichtbar in der grossen Stadt" ein neues Bilderbuch vor. Eine berührende Reise durch den Grossstadtdschungel. Mit welchem Ziel? Lest selbst! Ihr kennt bestimmt Grossstadtromane, wo ein einsamer Protagonist (es sind meist Männer) durch die laute, abgasgeschwängerte, hektische Stadt zieht. Mir kommt da zum Beispiel Paul Austers New-York-Trilogie* in den Sinn. Sydney Smith überträgt das besondere Grossstadtfeeling mit "Unsichtbar in der grossen Stadt" meisterhaft ins Bilderbuch. Alleine durch die grosse Stadt Der kanadische Illustrator Sydney Smith steigt mit sieben völlig unkommentierten Bildern - es könnten Film Stills sein - in seine Geschichte ein. Zu sehen ist ein Kind, das mit der Strassenbahn durch die Stadt fährt. Ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, bleibt offen. Erst nachdem das Kind ausgestiegen ist, setzt der knappe Text ein. "Ich weiss, wie es ist, klein zu sein in der grossen Stadt." Mit kleinen, szenischen Bildern entdecken wir zusammen mit dem Kind die winterliche Stadt. Sehen Hochhäuser aus Kinderperspektive, Ampeln, gelbe Taxis, Menschenansammlungen, hören Sirenen, Fahrradklingeln, hupende Autos und Baustellenlärm. Klein, aber nicht verloren An wen sich das Kind in Gedanken richtet, finden wir erst nach und nach heraus. Immer dichter wird das Schneegestöber, immer weisser die Umgebung. Aber das Kind kennt sich zum Glück aus und kann gute Tipps geben. Es weiss genau, wo es die besten Verstecke gibt, wo eine warme Ecke und wo etwas zu Essen. Das Kind fühlt sich zwar klein in der grossen Stadt, aber niemals verloren. Man spürt immer ein Grundvertrauen und das Wissen um ein warmes Zuhause. Und so endet die Wintergeschichte auch mit einer liebevollen Umarmung. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, sonst ist der Spannungsbogen futsch. Kinderperspektive perfekt in Szene gesetzt Neben der berührenden Geschichte begeistern mich auch Sydney Smith' Illustrationen. Durch die kleinen Szenen haben wir das Gefühl, einen Film zu schauen. Die markante Strichführung erinnert an architektonische Skizzen. Die gewählten Bildausschnitte sind eine gute Annäherung an den kindlichen Blickwinkel: mal ein Blick von unten nach oben, mal ein Ausschnitt von lauter Beinen, mal ein verzerrtes Bild im Spiegel, mal ein kleines Detail nah herangezoomt. Die grünrote Mütze ein Fixpunkt im städtischen Gewusel in gedeckten Farben. Fazit Sydney Smith erzählt in "Unsichtbar in der grossen Stadt" eine berührende Geschichte mit grandiosen Illustrationen. Ein Kind begibt sich auf eine Suche durch die winterliche Stadt. Diese mag dabei noch so gross, laut und kalt sein, das Kind kennt sich aus, bewegt sich zielstrebig durchs Schneegestöber, vermittelt Vertrauen. Ein fast filmisches Lesevergnügen für kleine Zuhörer*innen ab 4 Jahren. Die Fakten Unsichtbar in der grossen Stadt Sydney Smith (Text + Illustration) Bernadette Ott (Übersetzung aus dem Englischen) Aladin Verlag (Thienemann-Esslinger) 48 Seiten Erschienen am 15.10.2020 Hardcover ISBN: 978-3-8489-0176-0 Ab 4 Jahren Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann freue ich mich, wenn du dir den Pin zum Bilderbuch auf Pinterest merkst. * Bei Links mit * handelt es sich um Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Vielen Dank!

  • Das Haus in der Mango Street

    Man könnte meinen, "Das Haus in der Mango Street" von Sandra Cisneros sei total veraltet. Stammt es doch im amerikanischen Original von 1984. Die Neuübersetzung bei Kampa zeigt aber, dass der Debütroman der mexikanisch-amerikanischen Schriftstellerin völlig zeitlos ist. Sandra Cisneros wurde 1954 in Chicago geboren. Aufgewachsen ist die Tochter eines mexikanischen Vaters und einer mexikanisch-amerikanischen Mutter im Latinoviertel, in den "barrios". Und genau hier spielt auch ihr Debütroman "Das haus in der Mango Street". Miniaturen zeichnen das Bild vom grossen Ganzen Aus der Sicht von Esperanza, einem Mädchen auf dem Weg zur Frau, erfahren wir mehr über die titelgebende Mango Street. Denn hierher ist Esperanza vor kurzem mit ihrer Familie gezogen und wünscht sich eigentlich direkt wieder weg. Sehnt sich nach sozialem Aufstieg und Akzeptanz in der amerikanischen Gesellschaft. Wie die Autorin selbst ist Esperanza eine Latina. Sie und ihre Familie, das ganze Viertel muss sich mit Diskriminierungen und Alltagsrassismen auseinandersetzen. Sie leben quasi in einem Paralleluniversum, weit weg vom amerikanischen Traum. Dieser ist im Buch in Form des so herbeigesehnten Lottogewinns präsent - also für Esperanza und ihr Umfeld rein durch Glück, nicht durch Leistung zu erreichen. "Esperanza. Ich habe ihren Namen geerbt, aber ich habe keine Lust, ihren Platz am Fenster zu erben." (S. 42) In kurzen, präzisen und doch atmosphärischen Episoden blickt Esperanza auf die Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Nachbarschaft. Da ist die böse Vermieterin Edna von nebenan. Da ist die traurige Mamacita von gegenüber, die nie raus geht und immer spanisches Radio hört. Da ist die alleinerziehende Teeniemutter Minerva. Da ist die frühreife Sally und da sind Tito und seine Freunde, die auf ihre Küsse aus sind. Mal humorvoll, mal melancholisch, mal kämpferisch, mal fatalistisch erzählt Cisneros von Einzelschicksalen und spricht damit grosse Themen an: Gewalt, Armut, die Rolle von Mädchen und Frauen, Sexismus, Migration und Heimat, Kindheit, Aufwachsen und Erwachsenwerden, Familie und mehr. "Aber ich und Nenny, wir sind uns ähnlicher, als du denkst. Unser Lachen zum Beispiel. Nicht so ein schüchternes Eiskarrenklingelgekichere, sondern urplötzlich und überraschend wie ein Berg Geschirr, der runterknallt." (S. 49) Bildungsroman und mehr Durch den Blick der Ich-Erzählerin auf Nachbar*innen, Eltern und Geschwister erfahren wir mehr über Esperanza selbst. So möchte sie zum Beispiel sonntags nicht mehr mit den Eltern mit, wenn diese durch die Quartiere der Reichen fahren, um die Vorgärten anzuschauen, die der Vater für sie pflegt. Sie möchte aus dem heruntergekommenen, beengten, lauten Latinoviertel Chicagos ausbrechen und gleichzeitig schwingt in ihrer Stimme deutlich die Sozialkritik mit: "Menschen, die auf Hügeln wohnen, schlafen so dicht bei den Sternen, dass sie all jene vergessen, die zu nah am Erdboden leben." (S. 128) Esperanza möchte ein selbstbestimmtes Leben führen, sich nicht nur von den Männern im Umfeld, sondern auch von ihrer Familie und der schlechten finanziellen Lage emanzipieren. Die patriarchalen und diskriminierenden Strukturen, die ihr im Wege stehen, lassen sich in dem kurzen Roman nur erahnen. Ein sprachliches Highlight Neben den spannenden Einsichten in den Alltag einer jungen Frau und ihrer Nachbarschaft in den "barrios" von Chicago, hat mich an diesem Roman vor allem die Sprache fasziniert. Cisneros hat einen ganz eigenen Stil mit eindrücklichen Metaphern, mit Wortkreationen, die sofort Assoziationen auslösen und nicht gewollt oder künstlich wirken, mit zwar opulenten Bildern, aber doch präziser, einfacher Sprache. Und in allem schwingt viel Witz und Scharfsinn mit. Dem Roman vorangestellt ist ein ausführliches Vorwort von Sandra Cisneros selbst. Darin gibt sie einen Einblick in ihr Leben und v.a. ihr Schreiben. Nimmt zum Beispiel Bezug auf Virginia Woolfs "Ein Zimmer für sich allein" (ebenfalls 2020 bei Kampa als cooles Pocket erschienen) und erklärt ihre Schreibsituation. Sie erklärt auch einige Sätze oder Episoden, die dann im Roman wieder auftauchen. So auch eins meiner liebsten Zitate: "Man kann nie zu viel Himmel haben." (S. 64) Was es damit auf sich hat, müsst ihr selber herausfinden! Fazit Sandra Cisneros und ihr Roman "Das Haus in der Mango Street" sind für mich eine echte Neuentdeckung. Der Roman ist wie erwähnt nicht neu, sondern stammt von 1984. Aber er ist sowohl, was die Geschichte betrifft, als auch sprachlich zeitlos. Ich hoffe, wir können bei Kampa bald noch mehr von dieser starken weiblichen, amerikanischen Stimme mit lateinamerikanischem Background lesen. Von mir gibt's eine unbedingte Leseempfehlung! Die Fakten Das Haus in der Mango Street Sandra Cisneros Gerd Burger (Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch) Kampa Verlag 160 Seiten Erschienen am 22.10.2020 (englische Erstausgabe: 1984) Leinen ISBN: 978-3-311-24004-4 Buch über genialokal.de kaufen (DE)* Buch über Thalia kaufen (DE)* Buch über Orell Füssli kaufen (CH)* Buch über Buchhaus kaufen (CH)* Buch über Thalia Kaufen (AT)* PS: Herzlichen Dank an den Kampa Verlag für das Rezensionsexemplar. Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann hilfst du mir sehr, wenn du dir den dazugehörigen Pin auf Pinterest abspeicherst. * Dies sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. 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  • Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

    In 12 humorvollen Geschichten rund um wütende Klippschliefer, Elefanten, Erdferkel und Kröten versöhnt uns Toon Tellegen mit dem Gefühl der Wut. Wunderschön illustriert hat "Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen" der französische Illustrator Marc Boutavant. Habt ihr auch schon mal eure Wut unter einem Felsbrocken begraben? Das empfiehlt die Ameise der Kröte in meiner Lieblingsgeschichte aus dem Vorlesebuch "Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen". "Einen Felsbrocken?", fragte die Kröte. "Wo soll ich denn einen Felsbrocken herbekommen? Und ausserdem: Sachen hochheben ist nicht gerade meine Stärke." "Ein kleiner Felsbrocken würde reichen", sagte die Ameise. "Er müsste dann schon sehr, sehr klein sein", murmelte die Kröte. (S. 65) Die Ameise empfiehlt der Kröte noch viele weitere Methoden, um ihre Wut loszuwerden. Wegpusten, aufessen, einfach vergessen, runterschlucken, wrrrk! Die Kröte entscheidet sich am Ende fürs Wegwerfen. Und dann essen Kröte und Ameise süsse Taubnesseln und sind einfach nur zufrieden. Herrlich! Ich mag den unaufgeregten, irgendwie bei aller Wut freundlichen Ton von Toon Tellegen und vor allem seinen feinen Humor. Wut in allen Farben und Schattierungen Toon Tellegen versteht es fantastisch, in kleinen Szenen die verschiedensten Formen von Wut aufleben zu lassen. Ob nun der Klippschliefer wütend auf die untergehende Sonne ist, der nicht sehr klettertüchtige Elefant auf sich selbst oder Nilpferd und Nashorn aufeinander, weil keins von beiden den Weg freimachen will. Beim Krebs, dem Wutverkäufer, wird die Wut richtig plastisch: dünn und hellrot, eine hübsche Wut, die sich schnell wieder verzieht, oder runzlig grauer Ärger, wie wenn man etwas vergessen hat. Die Geschichten sind poetisch, aber witzig geschrieben. Den Hintersinn werden nicht alle 6-Jährigen schon verstehen, der ist dann manchmal mehr zur Freude der Erwachsenen. Aber eins wird allen Zuhörer*innen klar: Das Gefühl der Wut gehört dazu und ohne Wut wäre es doch auch recht seltsam. Illustrationen mit Charakter Die Illustrationen von Marc Boutavant ergänzen die Vorlesegeschichten perfekt. Mal sind sie seitenfüllend, mal eine halbe Seite gross, mal kleine Miniaturen. Was sie eint, sind die feinen Details: die Schwanzhaare des Eichhörnchens, die filigranen Gräser und Blumen am Teich, die Blätter der Trauerweide. Mit übergrossen Augen, starker Mimik und Körpersprache verleiht der Illustrator den Tieren aus Wald, Steppe oder Wüste ganz viel Charakter. Kleine und grosse Betrachter*innen können sich so sofort in die tierischen Protagonist*innen hineinfühlen. Fazit "Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen" von Toon Tellegen und Marc Boutavant trägt zum selbstverständlichen Umgang mit der Wut bei. Die zwölf feinsinnigen Geschichten mit starken Tiercharakteren vom Klippschliefer übers Eichhörnchen und den Elefant bis zur Spitzmaus vermitteln, dass die Wut zum Leben gehört und wir sie auch zulassen dürfen. Ein humorvoll erzähltes und wunderschön illustriertes Vorlesebuch über den entspannten Umgang mit einem spannenden Gefühl! Die Fakten Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen Toon Tellegen (Text) Marc Boutavant (Illustration) Mirjam Pressler (Übersetzung aus dem Niederländischen) Hanser Verlag 80 Seiten Erschienen am 02.02.2015 Hardcover ISBN: 978-3-446-24677-5 Ab 6 Jahren Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (AT)* Like it? Pin it! Magst du diesen gefühlvollen Buchtipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin auf Pinterest merkst. * Dies sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Herzlichen Dank!

  • Von Freundschaft, Liebe und leckerem Kuchen

    In diesen Zeiten kommt "Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd" von Charlie Mackesy genau richtig. Warum auch ihr dieses Buch jetzt lesen und verschenken solltet, verrate ich euch in diesem Beitrag. Ein Buch voller Weisheit und Güte Der Titel des Buches sagt eigentlich schon, womit wir es hier zu tun haben. Ein Junge trifft auf einen Maulwurf. Die beiden retten einen Fuchs aus der Falle und irgendwann stösst auch noch ein grosses Ding namens Pferd dazu. Der Junge stellt viele Fragen, der Maulwurf isst gerne Kuchen - oder auch mal zwei, der Fuchs ist ein schweigsamer Geselle und das Pferd ist nicht nur gross, sondern auch sanft. Die vier erleben ihre Abenteuer im Frühling... "...wenn es gerade noch schneit und plötzlich die Sonne scheint, was auch ein bisschen wie das Leben ist - es kann sich von einem Augenblick auf den anderen völlig verändern." Wann hätte dieser Satz jemals mehr zugetroffen als jetzt? Und auch sonst legt Charlie Mackesy dem Jungen und den drei Tieren so viele schlaue Sätze in den Mund, dass ich gar nicht weiss, welche ich hier zitieren soll. Sie hätten es alle verdient! Besonders berührt und zum Nachdenken gebracht haben mich folgende: "Was ist für dich die grösste Zeitverschwendung?" "Mich mit anderen vergleichen", sagte der Maulwurf. "Wir warten oft auf Freundlichkeit... Aber wir können sofort anfangen, freundlich zu uns selbst zu sein", sagte der Maulwurf. "Was ist das Tapferste, das du je gesagt hast?", fragte der Junge. "Hilfe", sagte das Pferd. Mit solchen Gesprächen zwischen dem Jungen und seinen drei tierischen Freunden spricht Mackesy ganz viele Themen an: Angst, Freundschaft, Zuhause, Erfolg, Depressionen und Traurigkeit, Selbstwertgefühl - und Kuchen. Mit Witz gegen Kitsch Vielleicht klingen die Zitate oben so losgelöst vom Rest etwas pathetisch, aber das Buch hat auch viel Witz. Und ich finde, dadurch ist es dem Autor und Illustrator gelungen, sein Werk nicht in Kitsch abdriften zu lassen. Gegen Kitsch bin ich ziemlich allergisch, ihr könnt euch also auf mein Urteil verlassen! "Hast du ein Lieblingssprichwort?", fragte der Junge. "Ja", sagte der Maulwurf. "Welches?" "Hast du anfangs keinen Erfolg, iss Kuchen." "Verstehe. Funktioniert es?" "Immer." Charlie Mackesy haut aber nicht nur wunderbar wahre, nachdenklich machende, tröstende, wärmende Gedanken raus, sondern hat sie auch noch wunderschön mit Tusche, mal schwarzweiss, mal mit Wasserfarben in gedeckten Tönen illustriert. Meine Vorliebe für wilde, schwungvolle Tuschezeichnungen sollte euch spätestens seit "Pitschi" bekannt sein. Fazit Wenn ihr in nächster Zeit traurig seid, Freundlichkeit vermisst oder euch nicht genug fühlt, nehmt diese Symbiose aus "Winnie-the-Pooh" und "Der kleine Prinz" zur Hand oder verschenkt sie an eine liebe Person. Ein Geschenkbuch so gut wie ein Stück Kuchen, eine feste Umarmung und ein wärmendes Kaminfeuer zusammen - mit dem verlockenden Duft von Abenteuer in der Luft! Die Fakten Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd Charlie Mackesy (Text + Illustration) Susanne Goga-Klinkenberg (Übersetzung aus dem Englischen) List Hardcover 128 Seiten Erschienen am 28.02.2020 ISBN: 978-3-471360-217 Website von Charlie Mackesy Buch kaufen bei genialokal (DE)* Buch kaufen bei Thalia (DE)* Buch kaufen bei Orell Füssli (CH)* Buch kaufen bei Buchhaus (CH)* Buch kaufen bei Thalia (A)* PS: Herzlichen Dank für die (unaufgeforderte) Zusendung dieses Buches, liebe Ullstein Buchverlage! Es hat mich genau zur richtigen Zeit erreicht! Like it? Pin it! Magst du diesen Buch- bzw. Geschenktipp? Dann freue ich mich sehr, wenn du dir den Pin dazu merkst. * Dies sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Herzlichen Dank! #List #Ullstein #CharlieMackesy #Geschenkbuch #Liebe #Freundschaft #Freundlichkeit #Angst #Depression

  • Lieber Besucher aus dem All

    Was, wenn tatsächlich mal ein Wesen aus dem All zu uns zu Besuch käme? Sophie Blackall erzählt in ihrem Bilderbuch "Lieber Besucher aus dem All", worauf es sich gefasst machen muss, wenn es uns auf der Erde besuchen möchte. Dieses Bilderbuch stelle ich euch wegen meiner 4-Jährigen Tochter vor, die dazu meinte: "Gell, das ist mega schön und lustig?". Mich hat das Buch nämlich gar nicht so angesprochen. Erstens aufgrund der Illustrationen und zweitens, weil wir schon ein im Ansatz ähnliches Buch von Oliver Jeffers haben. Mehr dazu in meiner Besprechung von "Hier sind wir". Gut, dass meine Tochter "Lieber Besucher aus dem All" aus der Bibliothek mitgenommen hat. So kam ich und kommt jetzt ihr doch noch in den Genuss dieses Buches. Was macht die Erde aus? Im Gegensatz zu Jeffers richtet Blackall ihre "Gebrauchsanweisung" für die Erde nicht an ein Kind, sondern an ein ausserirdisches Wesen. Und Absender der Erklärungen ist nicht ein Elternteil, sondern ein kleiner Junge mit roter Mütze namens Quinn. Eigentlich ist also hier ziemlich alles umgekehrt. Klar, das erste, das man sieht, wenn man sich der Erde nähert, sind die blauen und grünen Flächen - Land und Wasser. Zoomt man rein, stösst man auf Dörfer, kleinere und grössere Städte und in den Städten und Dörfern hat es ganz viele Zuhauses, aber leider auch einige Menschen ohne Zuhause. So wie an dieser Stelle spricht Sophie Blackall auch Probleme an, die es auf der Erde gibt: Krieg, Hunger, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und mehr. Die Welt und die Menschen sind vielfältig Die Autorin und Illustratorin macht in ganz vielen Bereichen auf die Vielfalt unserer Welt aufmerksam und wie wertvoll diese ist: So sind Familien ganz unterschiedlich, Körper, Gefühle und unsere Kleidung. Diese Vielfalt widerspiegelt sich im gesamten Buch auch in der Diversität der abgebildeten Personen - sei es in Bezug auf Hautfarbe, Alter, Geschlecht, Handicaps, Kleidungsstil, Frisur oder ethnische Herkunft. Ein Bilderbuch mit vielen Anspielungen und Querverweisen Was ich an Bilderbüchern ja besonders mag ist, wenn sie kleine Details enthalten, die man vielleicht erst nach und nach oder bei ganz genauem Betrachten entdeckt. Etwas, das auf jeder Seite zu entdecken ist, kleine Scherze oder Verweise auf andere Geschichten oder reale Persönlichkeiten. In "Lieber Besucher aus dem All" kann man zum Beispiel Peter aus Ezra Keats' "Ein Tag im Schnee" (hier geht's zur Besprechung) entdecken oder die leider kürzlich verstorbene Ruth Bader Ginsburg. Auch das eine schöne Hommage an Vielfalt, Toleranz und Gerechtigkeit. Und: Sogar das Cover von "Hier sind wir" ist im Buch abgebildet. Meine Assoziation kommt also nicht ganz von ungefähr! "Es gibt vieles, was wir nicht wissen. Zum Beispiel wo wir waren, bevor wir auf die Welt gekommen sind. Oder wohin wir gehen, wenn wir sterben." Plädoyer für Zusammenhalt Über das ganze Buch hinweg spricht Sophie Blackall ganz viele Lebensbereiche von Mensch und Tier an. Indem sie Probleme nicht ausklammert und den Wert von Vielfalt sowie den Erhalt der Umwelt betont, wird das Bilderbuch auch zu einem Plädoyer. Ein Aufruf dazu, der Welt Sorge zu tragen und gut zu ihren Mitbewohner*innen zu schauen, zu Mensch und Tier, zu Gross und Klein. Auch wenn sie mit ihrem Illustrationsstil nicht auf Anhieb meinen Geschmack trifft, muss ich sagen, dass die Bilder sehr fein, sehr detailverliebt und äusserst vielseitig sind. Und manchmal (z.B. beim Wasser) auch einfach nur schön. Und ja, das Buch ist auch lustig. Es ist kein Buch zum laut Lachen, aber Sophie Blackall hat doch immer wieder witzige Passagen eingebaut, v.a. indem sie konsequent aus Kinderperspektive erzählt. Fazit "Lieber Besucher aus dem All" von Sophie Blackall fasst auf 80 Seiten schön zusammen, was unsere Erde ausmacht. So ist das Bilderbuch nicht nur Anleitung für Ausserirdische zum Entdecken der Erde, sondern auch wir Erdlinge entdecken nochmals die Schönheit und Vielfalt unseres Daheims. Wenn ihr oder eure Zuhörer*innen ab 5 Jahren nun noch wissen wollen, was es mit dem Geruch von Frangipani und spuckenden Plumploris auf sich hat, kann ich euch dieses diverse Kinderbuch nur empfehlen! Die Fakten Lieber Besucher aus dem All Sophie Blackall Anna Schaub (Übersetzung aus dem Englischen) NordSüd Verlag 80 Seiten Erschienen am 12.09.2020 Hardcover ISBN: 978-3-314-10541-8 Ab 5 Jahren Buch bei genialokal.de kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Buch bei Buchhaus kaufen (CH)* Buch bei Thalia kaufen (A)* Like it? Pin it! Magst du diesen ausserirdisch guten Buchtipp? Dann freue ich mich riesig, wenn du den Pin auf Pinterest teilst! * Dies sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, bekomme ich vom jeweiligen Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog ein kleines Bisschen zu refinanzieren. Herzlichen Dank!

  • Haltung bewahren!

    Tim Krohn entführt uns in seinem neuen Roman "Die heilige Henni der Hinterhöfe" ins Berlin der 1920er-Jahre. Geschickt verknüpft er das Leben der jungen Henni Binneweis mit dem turbulenten Weltgeschehen jenes Jahrzehnts. Wenn ein neues Buch von Tim Krohn erscheint, ist die Vorfreude gross. Hier besprochen habe ich seine Kurzgeschichten aus Vals und seine Alpensage "Der See der Seelen". Mit dem Roman "Die heilige Henni der Hinterhöfe" geht es nun in ganz andere Gefilde, auf nach Berlin! Zu Höherem berufen Die Geschichte rund um Henni Binneweis, Tochter des Postbeamten Arthur Binneweis und der duldsamen Hausfrau Ruth Binneweis setzt mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein. Henni wächst in bescheidenen Verhältnissen in Prenzlauer Berg auf. Ihr Vater sähe sie gerne als Stenotypistin oder Fräulein vom Amt. Ihre Mutter möchte sie für den Haushalt und alles Drumherum begeistern. Doch Henni fühlt sich zu Höherem berufen. Dass mit dem Ersten Weltkrieg die alte Ordnung in sich zusammenbricht, kommt ihr da gerade recht. "Dabei schien es tüchtig aufwärtszugehen. Denn die halbe Welt strömte jetzt nach Berlin." (S 46) Gutgläubig, ja teils naiv versucht sie ihr Glück in Varietés, bedient in dubiosen Tanzlokalen und versucht, sich als Vorführdame und Sängerin zu etablieren. Im Berlin der 20er-Jahre scheint vieles möglich, Beziehungen und Sexualität werden offen ausgelebt - bis zu einem gewissen Grad auch homosexuelle. Und wer sich wie Henni einen netten Onkel - mit den nötigen finanziellen Mitteln - anlacht, kommt sogar in den Genuss einer eigenen Bude. Die Welt lässt sich nicht aussperren Was sich gleichzeitig politisch in Deutschland und weltweit zusammenbraut, interessiert Henni wenig. Als halbe Jüdin mit einem Bruder, der dem Kommunismus anhängt, kann sie sich den Realitäten jenseits der Showbühnen aber nicht dauerhaft entziehen. Die wachsende Bedrohung durch den Nationalsozialismus schwingt - von Henni lange scheinbar unbemerkt - von Beginn an mit und wird im Verlauf des Buches immer konkreter. Tim Krohn versteht es meisterhaft, die Geschichte Hennis humorvoll zu erzählen, während wir Leser*innen wissen, dass das Weltgeschehen früher oder später über Hennis kleine, in weiten Stücken fröhliche, offene Prenzlauer Welt und damit auch über sie und ihre Familie hereinbrechen wird. Und so kommt es denn auch. Nicht nur ihr politisch aktiver Bruder Kurt gerät in Gefahr, auch die Familie droht aufgrund der zusehends nationalsozialistischeren Einstellung von Vater Arthur zu zerbrechen. Das dicke Ende kommt dann nach meinem Geschmack etwas zu abrupt und zu explosiv, aber lest selbst! Der Roman liest sich dank dem humorvollen Grundton, den kurzen Kapiteln, der sympathischen Heldin und dem Berliner Jargon äusserst süffig. Gleichzeitig ist er aufgrund der historischen Dimension keinesfalls seicht. Krohn vereint in seinem Buch eine Art Coming-of-Age-Geschichte mit Zeitgeschichtlichem. In der Figur Hennis überschneiden sich zahlreiche Spannungsfelder: die Rolle der Frauen, die politischen Tumulte, die sexuelle Revolution, das Erwachsenwerden, eine Patchworkfamilie und die Auswirkungen des Nationalsozialismus. Was ich etwas bedaure ist, dass die Nebendarsteller*innen wie Vater, Mutter und Bruder Kurt, aber auch verschiedene Arbeitgeber*innen, Freund*innen und Liebschaften von Henni eher flach bleiben. Und daher kommt wohl auch der Eindruck, dass es einige lose Enden gibt, die eine etwas intensivere Auseinandersetzung verdient hätten. Aber klar, auf 250 Seiten kann nicht alles auserzählt werden. Fazit Tim Krohn lässt "Die heilige Henni der Hinterhöfe" beschwingt durchs Berlin der 1920er-Jahre tanzen. Sein salopper Ton macht aber nur einen Teil der Melodie aus. Denn das Weltgeschehen sorgt für die dunklen Noten, die im Leben der jungen, lebensfrohen, leicht naiven Henni mehr und mehr den Ton angeben. Ein leicht zu lesender, unterhaltsamer Roman mit Tumulten auf individueller und gesellschaftlicher Ebene und dramatischem Ende. Die Fakten Die heilige Henni der Hinterhöfe Tim Krohn Kampa Verlag 256 Seiten Erschienen am 27.08.2020 Hardcover ISBN: 978-3-311-10026-3 Buch bei genialokal kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (DE)* Buch bei Thalia kaufen (AT)* Buch bei Orell Füssli kaufen (CH)* Like it? Pin it! Magst du diesen Buchtipp? Dann merke dir den Pin auf Pinterest und verbreite die Buchinspiration! * Dies sind Affiliate-Links / Werbelinks. Wenn du das Buch über diesen Link einkaufst, bekomme ich vom jeweiligen Online-Shop eine kleine Provision. Am Buchpreis ändert sich für dich nichts. Du hilfst mir aber so, den Blog zu finanzieren. Herzlichen Dank!

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