The Bitter Side of Sweet
- vor 3 Tagen
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(Werbung) Heute empfehle ich euch mit "The Bitter Side of Sweet" von Tara Sullivan ein Jugendbuch, das nicht nur ultra spannend ist, sondern auch eine Geschichte über Widerstand und Freundschaft erzählt und einen wichtigen Missstand hinter unserem Schokoladenkonsum thematisiert. Ein Buch, das alle Aufmerksamkeit verdient hat!

"The Bitter Side of Sweet" von Tara Sullivan hat mir Moritz Klein, Verleger des Peter Hammer Verlags, mit den Worten empfohlen: "Dieses Buch hat viel mehr Aufmerksamkeit verdient!". Und was soll ich sagen? So ist es! Und deshalb hoffe ich, die beiden Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2026 (Kategorien "Jugendbuch" und "Preis der Jugendjury") tragen ganz viel dazu bei. Und vielleicht ja auch ein ganz klein wenig diese Besprechung.
Kindersklaverei auf der Kakaoplantage
Macht ihr euch Gedanken darüber, woher der Kakao für eure Schokolade kommt? Und wer dafür gearbeitet hat, dass ihr das Luxusprodukt Schokolade geniessen könnt? Leider ist es eine Tatsache, dass der Anbau und die Ernte von Kakao oft nicht nur unter umweltschädigenden (siehe Informationen der Konzernverantwortungsinitiative), sondern auch unter unfairen Bedingungen erfolgt. Tara Sullivan erzählt in ihrem Jugendbuch "The Bitter Side of Sweet" genau von diesen dunklen Seiten des Kakaoanbaus. Ja, sogar von der allerdunkelsten: von moderner Kindersklaverei.
Amadou (15) und sein kleiner Bruder Seydou (8) haben ihr Heimatland Mali vor zwei Jahren in Richtung Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) verlassen. In der Hoffnung, hier dringend benötigtes Geld zu verdienen und so nicht nur der Hungersnot im eigenen Land zu entkommen, sondern auch ihren Grosseltern zu helfen, haben sie sich aufgemacht, in ein fremdes Land.
Doch Geld haben sie bis heute trotz härtester Arbeit, gesundheitlichen Gefahren - wie das Ausbringen von giftigen Pestiziden - und alltäglicher Misshandlung durch ihre Bosse keines gesehen. Und sie haben keine Ahnung, wie sie der Plantage und der Sklavenarbeit entkommen sollen. Doch dann taucht Khadija im Lager auf. Ein Mädchen haben sie hier noch nie gesehen und sie wirkt auch nicht wie eine typisches "Plantagenkind". Sie macht gar keine Anstalten, den Bossen zu gehorchen. Und sie scheint aus ganz anderen Verhältnissen zu stammen als die übrigen Kinder. Sie ist gebildet, besuchte die Schule, lebte in der Stadt, führte wohl so was wie ein Luxusleben.
Zuerst bringt Khadija die beiden Brüder in riesige Schwierigkeiten, doch langsam fasst Amadou vertrauen zu dem widerständigen Mädchen und erkennt, dass Widerstand nötig ist, um seinen und Bruder und sich zu retten.
"Erstens ist mir endlich klar geworden, dass ich nichts zu verlieren habe. (...) Zweitens weiss ich mittlerweile mehr über die Abläufe auf der Plantage als am Anfang. Und ausserdem habe ich ja jetzt dich." / S. 126f.
Ich möchte nicht zu viel spoilern, aber die drei versuchen tatsächlich, gemeinsam von der Plantage zu fliehen. Ob das bei der ständigen Überwachung und so ganz ohne Ausrüstung gelingen kann? Hinzu kommt, dass Seydou vor dem Fluchtversuch auch noch eine lebensgefährliche Verletzung erleidet.
Tara Sullivan schildert sehr, sehr eindringlich, wie das Leben von Kindern in Zwangsarbeit auf solchen Plantagen aussieht. Wie wir dem Nachwort der Autorin entnehmen können, ist Amadous und Seydous Situation auch bei weitem keine traurige Ausnahme: Allein in Côte d'Ivoire und Ghana schätzt man die Anzahl der Kindersklav:innen auf über 1,5 Millionen! Besonders nah kommen wir Ich-Erzähler Amadou, ein unglaublich starker Junge, der sich für seinen jüngeren Bruder einsetzt, wo er nur kann. Wie er die Vaterrolle übernehmen muss, während er ums eigene Überleben kämpft, ist wirklich herzzerreissend (das ist eigentlich noch stark untertrieben). In Khadija findet er eine mutige weibliche Mitstreiterin und wie sich zeigen wird, eine verlässliche Freundin.
Tara Sullivan gelingt es, einen sofort abzuholen und nicht mehr loszulassen. Besonders gut gefällt mir, dass sie auch Wörter und ganze Sätze in Bambara (Dialekt des Manding, der in Mali gesprochen wird) sowie auf der Plantage gebräuchliche französische Begriffe einfliessen lässt. Ein spannender Einblick in eine Kultur und ein Business, das den meisten von uns wohl ziemlich fremd ist. An der einen oder anderen Stelle trägt die Autorin in der actiongeladenen Geschichte vielleicht etwas dick auf und lässt etwas viele (glückliche) Zufälle einfliessen. Aber das verzeihe ich ihr angesichts des Zielpublikums und der Tatsache, dass uns Leser:innen so die Hoffnung nie verlässt, dass es für die Protagonist:innen ein gutes Ende nehmen wird.
Die Schilderungen sind teilweise recht brutal und sehr eindringlich vermittelt. Deshalb finde ich die Altersempfehlung ab 14 Jahren passend. Auch für ältere Jugendliche und Erwachsene ist der Jugendroman gut lesbar und nimmt richtig mit. Dieses Buch hallt definitiv nach. Denn es lässt einen über die Folgen des eigenen Konsums und die Profitgier der Kakaoindustrie als Teil der Ausbeutung des Globalen Südens nachdenken. Auch die Bedeutung und das Privileg des universellen Zugangs zu Bildung ist ein zentrales Thema.
Die Übersetzung aus dem Englischen haben wir Jessika Komina und Sandra Knuffinke zu verdanken. Ein Lob an dieser Stelle an den Verlag, dass die beiden ihren verdienten Platz auf dem Cover einnehmen. Die Übersetzung hat mich rundum überzeugt. Ich bin an keiner Stelle über englisch klingende Wendungen gestolpert und ich denke, sie haben auch den jugendlichen Ton der Protagonist*innen sehr gut ins Deutsche übertragen.
Lasst euch von der Leseprobe überzeugen!
Würdet ihr jetzt am liebsten direkt loslesen? Dann schaut euch die Leseprobe von Book 2 Look* an. Ich bin sicher, euch packt Tara Sullivan mit ihrer spannenden und bewegenden Geschichte ebenfalls im Handumdrehen!
Die Fakten
Tara Sullivan
Jessika Komina, Sandra Knuffinke (Übersetzung aus dem Englischen)
Peter Hammer Verlag
320 Seiten
Erschienen am 18.08.2025
Taschenbuch mit Klappen
ISBN: 978-3-7795-0787-1
Ab 14 Jahren
PS: Herzlichen Dank an den Peter Hammer Verlag für das Rezensionsexemplar.
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